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Militärinternierter

Italienischer Militärinternierter (IMI) war die deutsche Bezeichnung für diejenigen italienischen Soldaten, die von September bis November 1943 nach Abschluss des Waffenstillstandes zwischen Italien und den Alliierten von deutschen Truppen festgenommen und entwaffnet wurden. Allerdings galten nur diejenigen als Militärinternierte, die sich weigerten, auf der Seite von Hitler und Mussolini den Krieg fortzusetzen. Es handelte sich um etwa 600.000 Mann. Zwar hatte die Wehrmacht ursprünglich geplant, diese Soldaten als Kriegsgefangene zu behandeln, aber auf Befehl Hitlers vom 20. September 1943 wurde der neue Status des Militärinternierten geschaffen. Dieser Status diente dazu, den ehemals verbündeten Soldaten den Status von Kriegsgefangenen zu verweigern, der sie unter den Schutz des III. Genfer Abkommens von 1929 über die Behandlung der Kriegsgefangenen gestellt hätte. Zu diesem Zeitpunkt waren Italien und Deutschland auch nicht im Kriegszustand. Erst am 13. Oktober 1943 erklärte das amtliche Italien Deutschland den Krieg.

Mit diesem neu geprägten Begriff war die Wehrmachtsführung in der Behandlung der Gefangenen völlig frei. Die Betreuung durch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz war wirkungsvoll verhindert, weil jene offiziell keine Kriegsgefangenen darstellten. Die Militärinternierten wurden in der deutschen Kriegswirtschaft als Zwangsarbeiter eingesetzt, zunächst nur Mannschaften und Unteroffiziere, seit dem zweiten Halbjahr 1944 auch die Offiziere. Sie verrichteten Zwangsarbeit im Reich und im besetzten Gebiet im Osten, innerhalb der Wehrmacht und in Betrieben aller Art. Auch in Internierungslagern und Straflagern lebten italienische Militärinternierte, Ende 1944 waren das 15.000. Die italienischen Militärinternierten wurden durch eine erbarmungslose Ausbeutung ihrer Arbeitskraft, Nahrungsmittelentzug und fehlende medizinische Betreuung teilweise sogar schlechter behandelt als die sowjetischen Gefangenen. Ungefähr 180.000 Mann der Militärinternierten wechselten unter diesem Druck die Seiten und traten als Kampf-, Hilfs-, oder Arbeitswillige in deutsche Dienste oder wurden Soldaten für Mussolinis Republik von Salò.

Mussolini unternahm mehrere Versuche, sich für die Militärinternierten einzusetzen. Dass 600.000 Italiener in deutschen Lagern unter erbärmlichsten Bedingungen Zwangsarbeit leisteten, machte seine Republik von Salò unglaubwürdig, die offiziell noch die deutsch-italienische Allianz aufrechterhielt. Deutschland behandelte die Militärinternierten nicht als Angehörige einer verbündeten Nation, sondern als Kriegsbeute. Hitler stimmte schließlich bei einem Treffen der beiden Diktatoren am 20. Juli 1944 einem Statuswechsel zu; die Internierten wurden in zivile Arbeitsverhältnisse übernommen, durften aber weiterhin Deutschland nicht verlassen und unterlagen weiter der Kontrolle der Reichsbehörden.

Unternehmen und Betriebe, in denen die italienischen Gefangenen arbeiten mussten, begrüßten die Überführung in den Zivilstatus. Sie konnten nun den Lohn an die Arbeitsleistung koppeln und hatten dadurch größeren Einfluss auf die Leistung der Zwangsarbeiter als vorher. Vor allem aber konnten sie nun mit der Einweisung in ein Arbeitserziehungslager drohen. Für die Internierten war der Zivilstatus mit der Möglichkeit zum Ausgang verbunden, der für das Organisieren von Lebensmitteln wichtig war[1].

Nach deutschen Informationen der damaligen Zeit sind etwa 45.000 Militärinternierte umgekommen, etwa 20.000 in den Lagern, rund 5.400 im östlichen Operationsgebiet des Heeres, ca. 13.300, die beim Untergang von Gefangenentransportern ums Leben kamen, 6.300 wurden ermordet. Das sind etwa 7,5 Prozent der Gesamtzahl, die tatsächliche Zahl kann zwar nicht mehr festgestellt werden, liegt aber wahrscheinlich höher. Eine im Einzelnen unbekannte Zahl von Militärinternierten starb bei Massakern, die fanatisierte Anhänger des Deutschen Reiches in dessen Endphase inszenierten: in Pothoff, Unterlüß, Liebenau, Hildesheim, Kassel und Treuenbrietzen.

Juristische Auseinandersetzungen

Nach dem Krieg erhielten Militärinternierte keine Wiedergutmachung, weder in Deutschland noch in Italien. Nach dem Krieg wurden sie nun wie Kriegsgefangene behandelt, für die – mit Ausnahme der Offiziere – nach Art. 27 Abs. 1 des Genfer Abkommens von 1929 eine allgemeine Arbeitspflicht im Dienst und nach Anweisung der Gewahrsamsmacht bestand, und denen keine Entschädigung für die geleistete Arbeit zustand.

Das oberste italienische Zivilgericht, der römische Kassationsgerichtshof, bestätigte 2008 mehrere Entscheidungen untergeordneter Instanzen, wonach den ehemaligen italienischen Soldaten Entschädigungszahlungen des deutschen Staates zustehen. Ihre Verschleppung zur Zwangsarbeit sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewesen. Die deutsche Bundesregierung hingegen beruft sich auf den völkerrechtlichen Grundsatz der Staatenimmunität, wonach Staaten und ihre Amtsträger vor der Gerichtsbarkeit anderer Staaten geschützt seien, und verweist auf einen Betrag von vierzig Millionen DM, der vor über vierzig Jahren von Deutschland an Italien gezahlt worden sei. [2]

Einzelnachweise

  1. Mark Spoerer: Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz. Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart München 2001, ISBN 3-421-05464-9, S. 84, S. 106.
  2. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Juni 2008, S.5

Literatur