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Facel

Facel (sprich: Fassäl) war ein französisches Metallverarbeitungsunternehmen und ein Kleinserienautomobilhersteller. Die Firma wurde 1939 von Jean C. Daninos gegründet und brachte zwischen 1954 und 1964 mit großem Erfolg luxuriöse Sportwagen mit zugekauften US-amerikanischen V8-Motoren unter dem Namen Facel Vega auf den Markt. Firmensitz der Facel S.A. war 19, Avenue George V, Paris. Der Versuch, mit der Facellia ab 1959 ein preiswerteres Modell auf den Markt zu bringen, ruinierte das Unternehmen, da die enormen Qualitätsmängel am selbst konstruierten Vierzylindermotor nicht beseitigt werden konnten.

Inhaltsverzeichnis

Unternehmensgeschichte

Facel (Forges et Ateliers de Construction d´Eure et Loir) produzierte ursprünglich etwas außerhalb von Paris Stanzteile aus Metall und fertigte daraus Küchenmöbel und andere Gegenstände des Alltags. Nach dem Zweiten Weltkrieg bot sich die Möglichkeit, für bekannte französische Automobilhersteller Karosserien zuzuliefern, da deren Produktionsstätten teilweise zerstört waren und die Kapazitäten für kleinere Serien noch nicht ausreichten. Ford (France) und Simca ließen sich einige Coupé-Karosserien liefern. Später folgten Spezialkarosserien für Panhard und Delahaye.

Jean Daninos hatte vor dem Krieg schon als Konstrukteur bei Citroën gearbeitet und stellte 1951 auf dem Chassis eines Bentley ein eigenes, elegant gezeichnetes Auto auf die Räder, das er privat nutzte. Als Geburtsstunde des Automobilbaus bei Facel gilt jedoch der 25. Juni 1953, als man die Konstruktion eines Rahmens für einen eigenen Sportwagen mit aufgeschraubter Karosserie begann. Nachdem Facel schon den Ford Comète karossiert hatte, schlug Daninos Bruder, der Schriftsteller Pierre Daninos, vor, abermals „nach den Sternen zu greifen“ und fand für das neue Modell den Namen Vega. 1954 kam der Facel Vega mit einem Chrysler-De-Soto-V8-Motor auf den Markt.

Die in Handarbeit gefertigten Coupés und Cabriolets verkauften sich vor allem wegen ihrer für die damalige Zeit sehr modernen, eleganten, an US-amerikanische Straßenkreuzer angelehnten Form sehr gut. Die Instrumente erinnerten mehr an ein Flugzeugcockpit als an ein Automobil; die fast schon übergroßen Trommelbremsen verliehen eine Aura der Sicherheit, die zu jener Zeit nicht selbstverständlich war. Ab 1960 kamen auch Scheibenbremsen von Dunlop zum Einsatz. Die britische Automobilpresse bezeichnete bald den Facel Vega als „the second best car in the world“ - nach Rolls Royce versteht sich. Gekrönte Häupter, Schauspieler, Politiker und wohlhabende Geschäftsleute bestellten sich in der 19, Avenue Georges V in Paris einen neuen Wagen, manche im Lauf der Jahre sogar mehrere Modelle. Mit der Zeit zählten der Schah von Persien, der marokkanische König Hassan II., Ava Gardner, Stirling Moss und Ringo Starr zu den Kunden von Facel. Die Firma Auto Becker in Düsseldorf entwickelte sich zum Hauptimporteur und verkaufte ab 1958 insgesamt 67 Modelle in Deutschland. Facel schien zum etablierten Edelautomobilhersteller zu avancieren.

Die Geschäfte liefen sehr gut und Jean Daninos plante daher, die Modellpalette nach unten mit einem preiswerteren Einsteigermodell abzurunden. 1959 wurde der Facel Vega Facellia vorgestellt. Er wurde von einem selbst konstruierten 4-Zylinder-Reihenmotor angetrieben, der jedoch nicht ausgereift war. Hohe Kosten für Garantieleistungen und ein ruinierter Ruf waren die Folge, denn die Probleme wurden nicht gelöst. Auch der ab 1963 gebaute Facel Vega III mit zuverlässigem Volvo-Motor konnte die Katastrophe nicht mehr abwenden. Nach 1.174 V8-Zylinder-Fahrzeugen, davon 11 Cabriolets, 1.258 Facellia-Vierzylinderfahrzeugen sowie insgesamt 432 Modellen Facel III und Facel 6 musste Ende 1964 die Produktion eingestellt werden.

Die Modellreihen

Facel Vega (1954 bis 1958)

Der Ur-Facel kam 1954 mit einem V8-Motor (250 SAE-PS bei 4.660 U/min) als Coupé auf den Markt. Für europäische Verhältnisse war der Hubraum mit 5,4 Litern gewaltig, und auch die angegebenen Fahrleistungen waren für die Zeit untypisch: Die Endgeschwindigkeit wurde mit 190 bis 205 km/h angegeben, der Benzinverbrauch lag zwischen 16 und 19 l/100 km, was in Verbindung mit dem 100-Liter-Benzintank eine für ein Auto der Oberklasse zeitgemäße Reichweite gewährleistete. Das 4.570 mm lange und 1.760 mm breite Coupé war als Zweisitzer mit zwei Notsitzen ausgelegt. Optional stand ein vollsynchronisiertes 4-Ganggetriebe von Pont à Mousson oder ein PowerFlite-Automatikgetriebe zur Auswahl. Die im Haus Facel gestaltete Karosserie war auf den ebenfalls selbst konstruierten Rohrrahmen aufgeschraubt. Mit diesem Modell begründete Facel seinen Ruf als Edelsportwagenhersteller.

Facel Vega HK 500 (1958 bis 1961)

Der HK 500 gilt heute vielen Enthusiasten als der Facel schlechthin. Mit 489 produzierten Einheiten stellte er auch das erfolgreichste V8-Modell dar. Äußerlich stark an den Vorgänger angelehnt und technisch nicht wesentlich verändert, erhielt er zunächst einen V8-Motor mit 5,9 Liter Hubraum (was ihm zu 335 bis 360 PS verhalf) und ab Frühjahr 1959 einen Chrysler-Motor Typ 383 (cubic inch) mit 6,3 Litern Hubraum. In den technischen Unterlagen wie auch den Fahrzeugbriefen wird der Motor meist durchgängig mit 5,9 Liter Hubraum angegeben, was wohl mit der französischen Hubraumsteuer jener Zeit zu tun hatte. Die Höchstgeschwindigkeit wurde mit ca. 210 bis 230 km/h angegeben. Auch dieses Modell war ein Coupé mit wahlweise 4-Gang-Schaltgetriebe oder 3-Gang-Chrysler-Automatik. Facel erlangte zusätzlich traurige Berühmtheit, nachdem am 4. Januar 1960 der französische Philosoph und Schriftsteller Albert Camus in dem Facel Vega seines Verlegers Michel Gallimard (kein HK 500, sondern das ähnliche Vorgängermodell FV 3B) tödlich verunglückt war.

Facel Vega Excellence (1958 bis 1961)

Parallel zum HK 500 stieß ab 1958 der Excellence in die automobile Spitzenklasse vor. Die 5.230 mm lange Karosserie hatte einen Radstand von stattlichen 3.170 mm (HK 500: 2.660 mm) und war als viersitziges Coupé ausgelegt. Trotz der gewaltigen Länge besaß der luxuriös ausgestattete Wagen keine B-Säule. Die hinteren Einstiege waren relativ kurz und als so genannte Selbstmördertüren ausgelegt, die Schließmechanismen waren in den Türunterseiten und in den Schwellern untergebracht. Die frühen Modelle besaßen den V8-Motor mit 5,9 Litern und 335 PS, die späteren boten 6,3 Liter Hubraum mit 355 PS, die Endgeschwindigkeit lag bei 200 bzw. 210 km/h. Der Luxus hatte seinen Preis, und so war dieses Modell knapp unter vergleichbaren Rolls Royce angesiedelt, ohne jedoch deren Qualität zu erreichen. Nach 152 Einheiten wurde der Excellence 1961 eingestellt.

Facellia (1959 bis 1963)

Die Facellia erreichte die höchsten Stückzahlen (1.258 Exemplare), gilt jedoch gemeinhin als der „Totengräber“ der Marke. Jean Daninos wollte die Abrundung der Modellpalette mit einem preiswerten Einsteigermodell und höheren Stückzahlen erreichen. Sein Plan war, einen rein französischen Sportwagen zu bauen, weil er glaubte, damit höheren Käuferzuspruch zu erlangen. So wurde in Kooperation mit Pont à Mousson ein Vierzylinder-Reihenmotor mit 1.647 ccm Hubraum und mit nach „europäischem Layout“ oben liegender Nockenwelle entwickelt und dort auch produziert. Obwohl sich die Form der Facellia an die „großen“ Modelle anlehnte und der Absatz anfänglich gut aussah, zeigten sich bald gehäuft auftretende Motorschäden durch zu hohen Ölverbrauch und durchgebrannte Kolben. Die Garantieleistungen überstiegen bald die personellen und finanziellen Möglichkeiten des kleinen Herstellers. Die Facellia kam zunächst als Cabriolet, ab 1960 als 2 + 2-Sitzer und im Frühjahr 1961 als 2-sitziges Coupé mit Notsitzen auf den Markt. Die beiden letzteren Modelle trugen das Kürzel F-2 und leisteten 115 PS mit ca. 180 km/h Endgeschwindigkeit. Ab 1962 kennzeichnete das technisch etwas verbesserte Modell F-2 S mit 126 PS und 195 km/h Höchstgeschwindigkeit den Endpunkt dieser Modellreihe.

Facel II (1961 bis 1964)

Der im Herbst 1961 lancierte Facel II war das V8-Nachfolgemodell des HK 500. Die Form wurde deutlich modernisiert und dem vorherrschenden Zeitgeschmack angepasst. Die um 160 mm auf 4.750 mm gewachsene Karosserie wurde von 6,3 Litern Hubraum mit 355 PS bei Automatikgetriebeausstattung auf rund 225 km/h beschleunigt. Der Facel II mit Schaltgetriebe und 2 x QUAD-Vergaser erreichte mit 390 PS eine Spitzengeschwindigkeit von 247 km/h in einem Test mit Paul Frère. Erstmals legte man im Hause Facel Wert auf eine ergonomische Armaturengestaltung, Klimaanlage war optional für Export, Servolenkung (in Verbindung mit automatischem Getriebe) und elektrische Fensterheber waren jetzt serienmäßig enthalten. Doch bei diesem Modell waren alle Mühen vergeblich: Die Facellia hatte den Ruf der Marke ruiniert. Gleichzeitig traten Ferrari 250 GT, Iso Rivolta, Jensen CV 8, Aston Martin DB 4, Maserati und einige andere Hersteller mit vergleichbaren Fahrzeugkonzepten auf den Plan. Auch eine Hubraumerweiterung auf 6,7 Liter mit bis zu 400 PS verhalf dem Modell nicht mehr zum Erfolg. Insgesamt entstanden vom Type Facel II 182 Fahrzeuge, die als die schnellsten 4-sitzigen Coupés der Welt galten. Neben diesem Modell wurde gleichzeitig eine geringe Anzahl von viertürigen Limousinen unter der Bezeichnung Excellence 2 ausschließlich mit dem 6,7-Liter-Motor gebaut.

Facel III (1963 bis 1964)

Der Facel III sollte als Nachfolger das angeschlagene Image wieder aufpolieren, das die Facellia verursacht hatte. Konsequenterweise kam bei diesem Modell ein zuverlässiger 1,8-Liter-Reihenmotor zur Verwendung. Der robuste B 18-Motor von Volvo mit 108 PS war gut für 180 km/h. Das leicht modernisierte Design des Facel II sollte als Coupé und Cabriolet die preisbewussteren Käufer zusätzlich anlocken. Doch der Absatz lief schleppend, große Konkurrenz und der schlechte Ruf lockten nur noch 400 Käufer an.

Facel 6 (1964)

In der Hoffnung, mit einem Modell zwischen dem leistungsstarken Facel II und dem „kleinen“ Facel III eine rettende Marktlücke zu finden, kam im letzten Moment, im Frühjahr 1964, der Facel 6 in den Verkauf. Die Karosserie wurde gegenüber dem Facel III um 50 mm verlängert, bei gleichem Radstand, und für den Antrieb sorgte der etwas verkleinerte 3-Liter-Motor von Austin-Healey mit 150 PS und knapp 200 km/h Spitzengeschwindigkeit. Doch nach wenigen Monaten und nur 32 Modellen musste die Produktion endgültig eingestellt werden.

Facel Vega heute

Die wenigen überlebenden Modelle der Sportwagen aus dem Haus Facel befinden sich überwiegend in festen Sammlerhänden. Einen Markt gibt es dafür kaum. Viele Sammler besitzen mehrere Modelle und pflegen in der Regel engen Kontakt untereinander, allein schon, um die Fahrzeuge fahrbereit halten zu können. Am besten erhältlich sind heute das „Massenmodell“ Facellia und seltener der HK 500, deren Kaufpreise jedoch im Bereich eines Oberklasseneuwagens liegen, teilweise deutlich darüber. Die Unterhaltskosten sind sehr hoch.