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Hortfund von Havor

Der Hortfund von Havor besteht aus einer ungebrauchten Situla, römischen Gebrauchsgegenständen, ein Paar Bronzeglocken und einem goldenen keltischen Torque (Halsring). Der Fund von Havor nimmt unter den nordischen einen vorrangigen Platz ein.

Seine Niederlegung sollte um 100 n. Chr. stattgefunden haben. Der Ausgräber E. Nylen hat den Hort als verborgenen Tempelschatz gedeutet. Er fand ihn 1961 bei der Untersuchung der Burg von Havor (einem Ortsteil von Hablingbo) auf Gotland in Schweden. In einer Vertiefung am Burgwall stand, von einem Stein bedeckt, die mit den Utensilien des Fundes gefüllte Situla (ein Eimer) aus der frühen römischen Kaiserzeit.

Das vermutlich von capuanischen Bronzegießern geschaffene und gut erhaltene Gefäß ist 33 cm hoch. Der ausgestülpte Kragenrand des eingezogenen Mundbereichs ist mit einer stilisierten Ranke verziert. Der dünne aufgebogene Henkel hat Enden in Form von Tierköpfen. Er ist an gegossenen Attaschen befestigt, die als Jünglingsgesichter über einer kragenförmigen Palmette geformt sind.

Primär der Esskultur zuzuordnen sind eine Weinkelle mit Sieb und schmalen langen Griffen. Der Siebgriff ist mit dem Herstellernamen CANNIMASVIT gestempelt. Drei auf der Innenseite verzinnte Bronzekellen mit gerundeten, durchlochten Endplatten, von denen eine den Stempel CIPIVS POLYBIVS trägt, sowie zwei Bronzeglocken mit Bügeln und Klöppeln.

Der bemerkenswerteste Gegenstand ist ein goldener Torque von 24 cm Durchmesser. Der aus gedrehten Golddrähten gebildete Bügel hat an jedem Ende hohle, glatte Goldkugeln von etwa 5 cm Durchmesser. Die kegelförmige Tülle zwischen den Kugeln und dem Ring ist mit Tierdarstellungen verziert. Auf jedem der Kegel sind drei Stierköpfe mit großen bogenförmigen Hörnern dargestellt. Die Ringgröße passt allerdings eher zu einer Götterstatue als zu einem menschlichen Hals. Nebulös ist die Frage nach seinem Herstellungsort und seiner Datierung.

Die Endkugeln zeigen Ähnlichkeit mit Torques, die auf dem Kessel von Gundestrup von den Gottheiten getragen werden, doch weichen Form und Verzierung von diesen ab. Der Ausgräber erkennt vielmehr Analogien zu drei Halsringen aus der Ukraine, von denen zwei in der Gegend von Kiew und einer im von den Griechen an der Schwarzmeerküste gegründeten Olbia gefunden wurden. Das ist jener Bereich, der als Anregungsgebiet für das nordische Goldschmiedehandwerk der frühen römischen Kaiserzeit gilt. Die ukrainischen Stücke sind mit dem Ring von Havor zwar nicht identisch, jedoch entsprechen sie ihm sowohl in Form als auch Verzierung. Erkennbar sind die Schmuckstücke nahe verwandt.

Literatur