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Altkatholische Kirche der Niederlande

Die Altkatholische Kirche der Niederlande hat unter den Altkatholischen Kirchen als Sitz des Erzbischofs und erste Alt-Katholische Kirche eine besondere Bedeutung. Etwa 10'000 Niederländer bekennen sich als altkatholisch.

Geschichte

Das Bistum Utrecht war gegen Ende des 7. Jahrhunderts durch den Heiligen Willibrord begründet worden und gehörte im Mittelalter zur Kölner Kirchenprovinz. Im Jahre 1145 bestätigte Papst Eugen III. dem Kathedralkapitel von Utrecht das Recht, Bischöfe zu wählen, nachdem dies von König Konrad III. und von Bischof Heribert von Utrecht verlangt worden war. Das Vierte Laterankonzil bestätigte dieses Recht im Jahre 1215. Die Kirchenprovinz Utrecht brachte im Jahre 1552 mit Hadrian VI. sogar einen Papst hervor.

Im Jahre 1559 erhob Papst Paul IV. Utrecht zum Erzbistum und errichtete fünf neue Bistümer in diesem Bereich, darunter auch Haarlem und Deventer. Bald darauf setzte die niederländische Reformation dem neugeschaffenen Erzbistum ein Ende. Nachdem zwei vom spanischen König nominierte Kandidaten nicht die Bestätigung des Papstes gefunden hatten und im Exil verblieben, wurden die niederländischen Katholiken ab 1602 von einem Titularerzbischof "in partibus" (Missionsgebiet) und Apostolischen Vikar mit Sitz in Utrecht versorgt. Dabei kam es bald zu Konflikten zwischen den Jesuiten und Teilen des örtlichen Klerus und Laien.

Zum offenen Bruch kam es, als dem Titularerzbischof Petrus Codde Nähe zum verurteilen Jansenismus vorgeworfen wurde und er sich weigerte das "Formular" Alexanders VII. zu unterzeichnen. Codde wurde 1702 suspendiert und 1704 abgesetzt und exkommuniziert, weigerte sich jedoch sein Amt zu räumen und wirkte in Parallelität zu seinem ernannten Nachfolger als Apostolischer Vikar. Als er im Jahre 1723 starb, beanspruchte das Utrechter Domkapitel seine alten Rechte auf Bischofswahl und wählte Cornelius Steenoven zum Erzbischof von Utrecht. Daraufhin exkommunizierte der Papst den Neugewählten und seine Anhänger. Von der niederländischen Regierung unterstützt formierten sich diese zur "Römisch-katholischen Kirche der alt-bischöflichen Klerisei zu Utrecht" und organisierte sich im Erzbistum Utrecht und den Suffraganbistümern Haarlem und Deventer. Die von der Kurie ernannten Apostolischen Vikare wichen nach Brüssel aus.

Da der erste alt-katholische Erzbischof von Utrecht seine Weihe zwar ohne römische Erlaubnis, aber nach dem römischen Weiheritus gültig von dem französischen Missionsbischof Dominique Varlet erhalten hat, gelten ungeachtet der inhaltlichen Differenzen die Weihen der alt-katholischen Bischöfe (und Priester) bis heute aus Sicht des Heiligen Stuhls und der orthodoxen Kirchen als gültig und in der Apostolischen Sukzession stehend.

Die Utrechter Kirche hat zwischen 1723 und 1889 immer wieder versucht, eine Verständigung mit Rom zu erzielen. Dass man sich nicht völlig von Rom trennen wollte, kam auch im offiziellen Namen der Kirche zum Ausdruck, in dem explizit betont wurde, dass man sich als Teil der westlichen, lateinischen Kirche sah: "Römisch-katholische Kirche der alt-bischöflichen Klerisei zu Utrecht". Des weiteren wurde als Zeichen guten Willens jede Weihe eines neuen Bischofs (Deventer und Haarlem) bzw. Erzbischofs (Utrecht) Rom mitgeteilt und eine Bestätigung erbeten (die aus Rom jedoch jedesmal verweigert wurde). Nach dem Zusammenschluss mit den anderen alt-katholischen Kirchen gab man dies auf. Erst seit dem Zweiten Vaticanum werden im Zeichen der Ökumene Wahl und Weihe wieder nach Rom gemeldet, was vom Vatikan nun immer mit einem Glückwunschschreiben beantwortet wird.

Die Altkatholische Kirche der Niederlande war von 1889 bis heute auch maßgeblich an der Gründung und Weiterentwicklung der Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen beteiligt. Diese Verbindung mit den anderen alt-katholischen Kirchen hat auch in der niederländischen Kirche, welche zuerst dem Vorgehen der 'radikaleren' Alt-Katholiken im deutschsprachigen Raum skeptisch gegenüber stand, zu weitgehenden Reformen geführt: Aufhebung des Pflicht-Zölibats für Priester, durchgehender Gebrauch der Volkssprache im Gottesdienst, Annäherung an das synodale Prinzip, Anerkennung der anglikanischen Weihen, Frauenordination.

Bistümer der Altkatholischen Kirche der Niederlande

Das Altkatholische Erzbistum Utrecht ist das älteste alt-katholische Bistum; der Erzbischof von Utrecht ist kraft Amtes Präsident der Internationalen Bischofskonferenz der Altkatholischen Kirchen. Ihm kommt dabei jedoch nur der Ehrenvorsitz zu, er hat nicht das Recht, jurisdiktionell in die Bistümer der anderen Länder einzugreifen.

De Oud-katholieke Kerk van Nederland