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Hojjatieh

Die 1953 nach dem Staatsstreich im Iran von Scheich Mahmud Halabi gegründete Hojjatieh-Gesellschaft (auch: Hojjatie; zweifelhaft sind die in diversen Medien verwendeten Schreibweisen Hojatieh oder Hojatie) ist eine halbgeheime, vielfach als extremistisch eingestufte schiitische iranische Organisation. Sie richtet sich insbesondere gegen die sunnitische Richtung des Islam, gegen die Bahai und - durch ihren Einfluss auf das iranische Staatsgefüge - neuerdings (Stand: Herbst 2006) auch vehement gegen Sufis. Die Gruppierung erfuhr einen beträchtlichen Aufschwung anlässlich der islamischen "Revolution" von 1979, während der der Schah entmachtet und vertrieben wurde. 1983 allerdings wurde sie aufgrund ihrer extremistischen Ansinnen sogar von Ajatollah Ruhollah Chomeini verboten.

Seit 2002 soll die Organisation wieder zusehends an Einfluss gewinnen.

Zentraler Bestandteil der Ideologie der Hojjatieh ist die Auffassung, dass zunächst Chaos und Wirrnis gestiftet werden müssen, um die Wiederkunft des Mahdi, des Verborgenen Imam, zu beschleunigen. Nur so, argumentieren sie, könne eine genuine Islamische Republik installiert und der Islam zur Rettung der ganzen Welt werden - de facto durch Ausdehnung der Umma auf die gesamte Menschheit.

Der gegenwärtige Präsident des Iran, Mahmud Ahmadinedschad, wird zu den entschiedenen Unterstützern der Hojjatieh gerechnet. Als sein geistiger Mentor gilt nämlich Ajatollah Mesbah Yazdi (deutsche Transskription: Mesbah Jasdi), der als höchstrangiger Vertreter der Gruppe angesehen wird. Yazdi leitet das Imam-Khomeini-Institut, Zentrum für islamische Bildung und wissenschaftliche Studien in Qom (vgl. [1]). Es wird gemeinhin als die wichtigste schiitische Hochschule betrachtet, obgleich Nadschaf im Irak formell der erste Rang zugeschrieben wird. Präsident Ahmadinedschad hat 17 Millionen Dollar für die Ausgestaltung der Jamkaran-Moschee aufgewendet, die als Hochburg der Hojjatieh gilt.

Die Hojjatieh wurde mehrfach auch für systematische Gewalttaten gegen Regimekritiker, friedliche Demonstranten und diverse andere "Abweichler" verantwortlich gemacht.

Die Wiederkehr des Verborgenen Imam erwarten die Anhänger der Hojjatieh für das Jahr 2007 unserer Zeitrechnung.

Zitate

Das Hauptanliegen unserer Revolution ist es, den Weg für die Wiederkunft des Zwölften Imam, des Mahdi, zu bahnen. [...] Deshalb sollte der Iran eine mächtige, entwickelte islamische Modell-Gesellschaft werden. [...] Heute sollten wir unsere wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Strategien basierend auf dem Grundsatz der Wiederkehr des Mahdi definieren. Wir sollten es vermeiden, die Politiken und die Systeme des Westens zu kopieren. (Mahmud Ahmadinedschad in einer Rede vor Freitagnacht-Betenden, zitiert nach [2])
Jene, die die Revolution während der Zeit des Imam Chomeini als Abweichung betrachteten, halten nun die Werkzeuge des Terrors und der Unterdrückung in Händen. [...] Die oberflächlich denkenden Traditionalisten mit ihrer steinzeitlichen Rückständigkeit haben jetzt eine mächtige Organisation hinter sich. (Mohammad Chātamī, Amtsvorgänger von Mahmud Ahmadinedschad, zitiert nach einem Bericht der "Asia Times"; siehe die Weblinks)

Siehe auch

Islamismus, Chiliasmus, Eschatologie, Messianismus, Fanatismus, Umma, Dschihad, Armageddon, Apokalypse, Atomprogramm des Iran, Islamische Revolution, Kampf der Kulturen, Verfolgung der Bahai