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Laryngaltheorie

Die Laryngaltheorie der Indogermanistik besagt, dass bestimmte Unregelmäßigkeiten in Lautverschiebungen und Ablautreihen der indogermanischen Einzelsprachen durch die Wirkung einer Gruppe voreinzelsprachlicher Kehlkopflaute, sog. Laryngale, zu erklären seien.

Aufgestellt hat sie in abstrakter Form Ferdinand de Saussure 1879. Saussure ging davon aus, dass die langen Vokale der Ablautreihe ā-ō-a aus der Verbindung von /e/ mit einem Laut entstanden sind, der in den überlieferten Sprachen keine Spuren hinterlassen hat. Verschwand dieser Vokal, dann wurde dieser Laut im Altindischen /a/ oder /i/ reflektiert.

Die Laryngaltheorie ist nach früherem Streit inzwischen weitgehend anerkannt. Manche Indogermanisten gehen davon aus, dass sich die komplizierten Ablautsysteme (z. B. e-i-a: gehe, ging, gegangen) der belegten und der noch lebenden Sprachen aus wenigen, vielleicht sogar nur aus einem einzigen, Vokal herleiten lassen.

Im Einzelnen werden meist drei Laryngale postuliert, die als h₁, h₂, h₃ oder ə₁, ə₂, ə₃ notiert werden. Ist nicht bekannt, welcher der drei im Rekonstrukt angesetzt werden muss, wird der Laryngal heutzutage durch H symbolisiert. Vor und in der ersten Zeit nach der Entdeckung wurde in vielen Fällen das Schwa indogermanicum ə geschrieben. Über die genaue Aussprache der Laryngale sind sich die Linguisten nicht einig. (Zu einigen Ansätzen für die Lautwerte der Laryngale siehe die Beiträge zur "Round Table Discussion 'On the phonetics of the Indo-European Laryngeals'" in 'in Honorem Holger Pedersen - Kolloquium der Indogermanischen Gesellschaft vom 26.-28. März 1993 in Kopenhagen, Dr.Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 1994')

Die Bezeichnung "Laryngale" ist nach heutigen Kenntnisstand nicht korrekt, da als Lautwerte auch Pharyngale und Uvulare angenommen werden. Der Begriff wird allerdings in der Indogermanistik weiterhin als Sammelbegriff benutzt, um Missverständnissen aufgrund neuer Begrifflichkeiten zu vermeiden.

Zum Schicksal der Laryngale in den Einzelsprachen:

Literatur