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Sieve

Dieser Artikel behandelt die Programmiersprache Sieve. Für den gleichnamigen Fluss in Italien siehe Sieve (Fluss)

Sieve ist eine Programmiersprache, die speziell für das Filtern von E-Mails auf IMAP-Servern konzipiert wurde. Die genaue Spezifikation kann im RFC 5228 nachgelesen werden. Sieve ist spezifiziert worden, um Nutzern die Möglichkeit zu geben, serverseitig auf simple Art eigene Regeln zur Filterung von E-Mails zu definieren. Dabei ist es jedoch nicht möglich, komplexere Programmstrukturen, die beispielsweise mit Schleifen oder Variablen arbeiten, zu benutzen oder externe Programme zu starten.

Das Hauptaugenmerk von Sieve liegt auf Erweiterbarkeit, Einfachheit und Unabhängigkeit von der verwendeten Zugriffsart und Architektur und dem verwendeten Betriebssystem.

Sieve-Scripts werden bereits während der Zustellung der E-Mail am Posteingangsserver ausgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Syntax

Anweisungen werden mit dem Semikolon abgeschlossen.

Kommentare

Kommentare werden eingeleitet durch das Zeichen "#". Diese Kommentare gelten immer bis zum Zeilenende. Mehrzeilige Kommentare werden wie in C mit dem String "/*" eingeleitet und mit dem String "*/" abgeschlossen.

Zahlen

Nur positive Ganzzahlen sind erlaubt. Optional gibt es die Möglichkeit, die Größe über Angaben wie "K" (Kibi, 2^10), "M" (Mebi, 2^20) und "G" (Gibi, 2^30) anzugeben. Beispiel: 100K steht für eine Größe von 100 Kibibytes.

Strings

Strings (Zeichenketten) werden durch das Anführungszeichen " eingeleitet. Ein Backslash ("\") wird verwendet, um weitere Anführungszeichen oder Backslashes zu kennzeichnen, die noch zur aktuellen Zeichenkette gehören (sogenanntes "Escapen"). String-Listen werden mit "[" eingeleitet und mit "]" abgeschlossen.

Kontrollstrukturen

Die wichtigste Anwendung beim Filtern von E-Mail besteht im Testen auf bestimmte Eigenschaften. Dazu gibt es auch in Sieve die allseits beliebten WENN-DANN-Möglichkeiten:

Ein if leitet eine bedingte Anweisung ein. Nur wenn die zu testende Bedingung zutrifft, wird der nachfolgende Codeblock ausgeführt. Wenn nicht, dann können weitere Bedingungen mittels elsif abgefragt werden. Falls keine der Bedingungen aus den "if"- und "elsif"-Blöcken zutrifft, werden die Anweisungen des "else"-Blocks abgearbeitet, sofern er vorhanden ist.

Vergleiche von Zeichenketten

Es bestehen mehrere Möglichkeiten, einen String zu testen. Als Vergleichsoperatoren kommen hierbei zum Einsatz:

Adressen-Matching

E-Mail-Adressen prüft man mit dem Keyword address. Natürlich ist es möglich, die Absender- oder die Empfängeradresse zu prüfen. Dabei wird generell nur auf die eigentliche Adresse verglichen, also alles was zwischen den spitzen Klammern geschrieben steht. Um den kompletten String zu vergleichen, sollte man auf Name "<" Adresse ">" prüfen. Die Anführungszeichen kennzeichnen hierbei Strings. Um Adressen auf den Teil vor dem @ oder nach dem @ zu prüfen, können die optionalen Argumente :localpart bzw. :domain genutzt werden. Standardmäßig wird die komplette Adresse geprüft (entspricht :all).

Größenvergleiche

Die Größe einer Mail prüft man mit dem Keyword size. Vergleiche mit Zahlen kann man mit den Operatoren :over bzw. :under durchführen.

Header-Felder

Header können mit dem Keyword header geprüft werden. Header-Felder können ganz normal mit den oben beschriebenen Zeichenketten-Vergleichen durchsucht werden. Es ist darauf zu achten, dass der Doppelpunkt nicht verwendet wird.

Blöcke

Blockanweisungen werden durch { eingeleitet und mit } beendet. Blöcke werden genutzt, um nach einem Test mehrere Anweisungen durchzuführen.

Anweisungen

Die folgenden Anweisungen sind laut dem RFC spezifiziert:

stop Beendet die Ausführung. Falls keine Regel zugetroffen hat, wird die Nachricht in der INBOX belassen (Impliziertes keep)

keep Speichert die Nachricht in der INBOX

redirect Weiterleiten einer Nachricht. Als Argument wird eine E-Mail-Adresse angegeben.

discard Löscht die Nachricht. Der Absender erhält davon keine Nachricht.

reject Diese Anweisung sorgt dafür, dass die Nachricht abgelehnt wird. Optional kann man einen Grund für die Ablehnung angeben. Es wird eine sogenannte "Message Delivery Notification" erstellt. Falls man "reject" nutzen will, muss man dies über den "require reject" am Anfang des Scriptes anfordern.

fileinto Die Nachricht kann in einen bestimmten Ordner verschoben werden. Dazu muss als Argument der Folder in der für den Server spezifischen Form angegeben werden. Will man "fileinto" nutzen, muss man es als erstes über den "require" anfordern.

Erweiterungen

Sieve gestattet auch zusätzliche Erweiterungen, die am Anfang des Skriptes mit dem Schlüsselwort require deklariert werden müssen.

Beispiel

Das folgende Beispiel nutzt einige der oben beschriebenen Beispiele und definiert ein Beispielskript:

# Beispiel Skript
# de.wikipedia.org
#
require ["fileinto", "reject"];

# Nachrichten größer 100K werden abgewiesen mit einer Fehlermeldung
#

if size :over 100K {
   reject "Bitte senden Sie mir das nächste Mal eine kleinere Mail. Bei großen 
Anhängen, laden Sie bitte die Dateien auf einen Server und schicken Sie mir eine URL.
Danke.";
}

# Eine Mailing Liste soll in einen Ordner "mailinglist" verschoben werden
#

elsif address :is ["From", "To"] "mailinglist@blafasel.invalid" {
   fileinto "INBOX.mailinglist";
}

# Spam Regel: Nachricht enthält meine Adresse nicht im To, CC oder Bcc
# header, oder Subject ist irgendwas mit "money" bzw. "Viagra".
#

elsif anyof (not address :all :contains ["To", "Cc", "Bcc"] "me@blafasel.invalid", 
header :matches "Subject" ["*money*","*Viagra*"])
      fileinto "INBOX.spam";


# Alle anderen Mails behalten wir. 
# Diese Regel wäre nicht nötig, da durch das "implicit keep" 
# bereits abgedeckt.

else {
     keep;
}