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Rheinisch-Bergischer Kreis

Der Rheinisch-Bergische Kreis ist ein Kreis im Süden von Nordrhein-Westfalen. Er grenzt im Westen an die kreisfreien Städte Köln und Leverkusen, im Norden an die kreisfreien Städte Solingen und Remscheid, im Osten an den Oberbergischen Kreis und im Süden an den Rhein-Sieg-Kreis.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Der Rheinisch-Bergische Kreis liegt, wie sein Name schon erkennen lässt, an der Nahtstelle zwischen dem Rheinland und dem Bergischen Land.

Das Kreisgebiet gehört zum Rheinischen Schiefergebirge. Von der Kölner Bucht steigt das Land nach Osten hin an. Die höchsten Punkte sind der Kleine Heckberg bei Federath, Stadt Overath mit 348 m und der Rattenberg bei Buchholzen, Stadt Wermelskirchen mit 345 m. Der niedrigste Punkt mit 51 m über NN befindet sich im Tal der Wupper in Leichlingen.

Der Kreis hat bei einer Fläche von 438 km² eine Nord-Süd-Ausdehnung von ca. 33 km und eine Ost-West-Ausdehnung von ca. 26 km.

Die äußersten Grenzpunkte sind im Norden bei der Ortschaft Preyersmühle, im Osten auf Overather Gebiet nahe dem Kleinen Heckberg, im Süden in der Wahner Heide und im Westen die Stadtgrenze von Leichlingen zu Langenfeld entlang der A3.

Das Gebiet ist relativ regenreich durch die Wolken, die der Wind aus dem Westen über die rheinische Tiefebene heranbringt. Die Entwässerung erfolgt zum Rhein hin durch die Wupper, die Dhünn mit ihrem Zufluss Eifgenbach, die Strunde, die Sülz und die Agger.

Städte und Gemeinden

Name Art Fläche km² Einwohner
Bergisch Gladbach Große kreisangehörige Stadt 83,12 105.840
Burscheid Mittlere kreisangehörige Stadt 27,38 18.871
Kürten Gemeinde 67,50 19.963
Leichlingen Mittlere kreisangehörige Stadt 37,33 27.480
Odenthal Gemeinde 39,97 15.736
Overath Mittlere kreisangehörige Stadt 68,80 27.081
Rösrath Mittlere kreisangehörige Stadt 38,81 27.130
Wermelskirchen Mittlere kreisangehörige Stadt 74,66 36.244
Kreis Summen 437,57 278.345

Amtliche Bevölkerungszahlen gemäß Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW. Stand: 31. Dezember 2007 [1]

Die beiden Diagramme zeigen die Flächenanteile und die Bevölkerungsanteile der einzelnen Kommunen.

Politik

Wahlergebnisse und Kreistag

Wahlergebnisse im Rheinisch Bergischen Kreis (Prozent)
Partei BT 2005 LT 2005 Kom. 2004 EU 2004
CDU 37,0 47,1 40,4 45,7
SPD 33,6 31,9 27,8 21,4
B90/Grüne 8,8 7,1 12,1 14,4
FDP 14,1 9,6 10,0 10,4
Die Linke 4,1 0,8 - 1,6
UWG Rhein-Berg - - 6,2 -
FUWG - - 1,7 -
Bürgerforum - - 1,8 -
Sonstige/Ungültig 2,4 3,5 - 6,5

Der Kreistag hat gegenwärtig 62 Sitze, die sich auf die einzelnen Parteien wie folgt verteilen: [2] [3]

Landrat

Der hauptamtliche Landrat wird in Nordrhein-Westfalen alle fünf Jahre direkt gewählt. Er ist nicht Mitglied des gleichzeitig gewählten Kreistages, leitet jedoch die Sitzungen des Kreistages und des Kreisausschusses. Er repräsentiert den Kreis nach außen. In diesen Funktionen vertreten ihn bei Bedarf die ehrenamtlichen Landräte aus den Reihen der Kreistagsmitglieder.

Gleichzeitig ist er Leiter der Kreisverwaltung und führt die Beschlüsse des Kreistages aus.

Im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen führt er im Rahmen der Organleihe auch Aufgaben als untere staatliche Verwaltungsbehörde aus. Er ist damit Leiter der Kreispolizeibehörde und des Schulamtes.

Kreisdirektor und damit allgemeiner Vertreter des Landrates ab 1. Juni 2008: Dr. Erik Werdel.

Die Verwaltung hat rund 700 Mitarbeiter.

Parlamentarische Vertretung

Der Rheinisch-Bergische Kreis wird im Landtag von Nordrhein-Westfalen durch zwei direkt gewählte Abgeordnete vertreten. Der Wahlkreis I umfasst Bergisch Gladbach und Rösrath; Abgeordneter ist Holger Müller, CDU. Der Wahlkreis II umfasst Burscheid, Kürten, Leichlingen, Odenthal, Overath und Wermelskirchen; Abgeordneter ist Rainer Deppe, CDU. Weitere Landtagsabgeordnete betreuen den gesamten Kreis für ihre Parteien:

Der gesamte Rheinisch-Bergische Kreis bildet für den Deutschen Bundestag den Wahlkreis 101. Direkt gewählter Abgeordneter ist Wolfgang Bosbach, CDU.

Im Europaparlament wird der Kreis durch Herbert Reul, CDU vertreten.

Bindungen und Beteiligungen

Der Rheinisch-Bergische Kreis

Kreispartnerschaften

Der Kreis hat 1970 eine Partnerschaft mit der Grafschaft Cumbria in England abgeschlossen. Eine offizielle Zusammenarbeit oder ein Austausch erfolgt seit Mitte der 1990er Jahre nicht mehr. [5]

Wirtschaft

Die Wirtschaft des Kreises ist geprägt durch Klein- und Mittelbetriebe. Die zuständige Industrie- und Handelskammer Köln verzeichnet ca. 16.600 Mitgliedsunternehmen im Kreisgebiet. [6] Etwa 63.000 Menschen sind im Kreis sozialversicherungspflichtig beschäftigt, davon zwei Drittel im Dienstleistungssektor. Rund 28.000 Berufspendler kommen zur Arbeit in den Kreis, während mit 53.000 fast die doppelte Zahl Berufsauspendler eine Arbeitsstelle in den umliegenden Großstädten und Industriegebieten hat. [7] Die Wirtschaftsstruktur hat sich in der Vergangenheit als günstig erwiesen: die Arbeitslosenquote lag im Rheinisch-Bergischen Kreis regelmäßig unter den Durchschnittszahlen für Nordrhein-Westfalen. [8] [9]

Die großen privaten Arbeitgeber konzentrieren sich in drei Städten. Darunter befinden sich der Papierhersteller Zanders, der Lebensmittelhersteller Krüger, die Verlagsgruppe Lübbe, die Beteiligungsgesellschaft Indus Holding und das Biotechnologieunternehmen Miltenyi Biotec in Bergisch Gladbach. In Wermelskirchen hat die Baumarktkette Obi ihren Sitz und neben anderen auch der Rollenhersteller Tente seinen Produktionsstandort. Größere Firmen in Burscheid sind Federal-Mogul und Johnson Controls. Eine Vielzahl kleiner und mittlerer Firmen hat sich im Technologiezentrum und Technologiepark Bergisch Gladbach-Moitzfeld und im Unternehmenspark an der A1 in Wermelskirchen angesiedelt.

Die Kreissparkasse Köln, an der der Rheinisch-Bergische Kreis beteiligt ist, unterhält zahlreiche Geschäftsstellen in sieben Kommunen. [10] Die Stadt Wermelskirchen besitzt eine eigene Sparkasse mit sieben Geschäftsstellen. [11] Die Zahl der Genossenschaftsbanken ist durch Fusionen auf drei geschrumpft. Es bestehen noch die VR-Bank Bergisch Gladbach-Overath-Rösrath, die Bensberger Bank und die Raiffeisenbank Kürten-Odenthal. Drei weitere Genossenschaftsbanken aus dem Umland haben Zweigstellen im nördlichen Kreisgebiet. In Rösrath-Forsbach unterhält der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband eine Akademie für die überbetriebliche Aus- und Fortbildung von Bankkaufleuten. [12] Die deutschen Großbanken unterhalten einzelne Filialen in den Städten.

Die Landwirtschaft nutzt etwa 38% der Fläche im Kreis. Dabei schwankt der Anteil zwischen 23% in Bergisch Gladbach und etwa 48% in Burscheid und Kürten. [13] Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen registrierte für 2003 noch 596 landwirtschaftliche Betriebe mit insgesamt 13.086 Hektar. Die Zahl der Betriebe ist innerhalb von zehn Jahren um 9,7% gesunken. [14]

Der Wald hat einen Anteil von 36% am Kreisgebiet. Dabei ist der Anteil in Odenthal mit 44% und in Rösrath mit 47% am höchsten. [15] Das größte zusammenhängende Waldgebiet ist der Königsforst. Insgesamt 354,5 km² des Kreises gehören zum Naturpark Bergisches Land. Mehr als 60% sind Landschaftsschutzgebiet, insbesondere der Bereich um die Große Dhünntalsperre.

Verkehr

Den Verkehrsmitteln und den Verkehrsmöglichkeiten kommt eine große Bedeutung zu, da im Kreis sehr viele Berufspendler wohnen, die täglich in die angrenzenden Großstädte zur Arbeit fahren. Die teilweise ländliche Struktur fordert auch für die Freizeitgestaltung ausreichende öffentliche Verkehrsmittel.

Straßen

Im Norden führt die A1 durch den Kreis mit Anschlussstellen in Burscheid und Wermelskirchen. Von Leichlingen aus ist auch die A3 schnell zu erreichen.

Die A4 durchquert den Kreis in Ost-West-Richtung mit Anschlussstellen in Bergisch Gladbach und Overath.

In Rösrath befindet sich eine Halbanschlussstelle mit einer Auffahrt zur A3 Richtung Köln und einer Abfahrt aus Köln. Die Auf- und Abfahrt Richtung Frankfurt am Main befindet sich wenige Kilometer weiter auf dem Gebiet der Stadt Lohmar.

Eisenbahnen

Der Kreis wird von drei Bahnstrecken erschlossen, auf denen nachfolgende Bahnlinien verkehren:

Wermelskirchen, Burscheid, Odenthal und Kürten verfügen nicht über einen Bahnanschluss.

Busverbindungen

Die Busverbindungen sind seit den 1980er Jahren kontinuierlich verbessert worden. Die Großstadt Bergisch Gladbach bildet dabei eine Art Drehkreuz zwischen den Buslinien im Südkreis und im Nordkreis. Für „Nachtschwärmer“ wurden teilweise Anrufsammeltaxis eingerichtet.

Straßenbahn

Die Linie 1 der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) fährt von Köln nach Refrath und Bensberg. Die Linie 9 der KVB endet zwar noch auf Kölner Stadtgebiet, der Anschluss nach Rösrath durch Busse ist aber zumindest tagsüber gegeben.

Verkehrsverbund

Alle öffentlichen Verkehrsmittel sind zu einheitlichen Preisen des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg zu benutzen, wobei die Hauptversorger im ÖPNV des Kreises die Kraftverkehr Wupper-Sieg AG und die Regionalverkehr Köln GmbH sind. Der Verkehrsverbund geht weit über die Kreisgrenzen hinaus.

Flughäfen

Die Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf sind selbst von den am weitesten entfernten Orten des Kreises mit dem Auto in weniger als einer Stunde zu erreichen. Von Rösrath ist der Flughafen Köln/Bonn nur eine Viertelstunde entfernt. Die Einflugschneise führt teilweise über das Rösrather Stadtgebiet. Besonders die Nachtfluggenehmigung wird immer wieder kontrovers diskutiert.

Schulen und andere Bildungseinrichtungen

In den acht Kommunen des Kreises gibt es 55 Grundschulen, acht Hauptschulen, zehn Realschulen, zehn Gymnasien, ein Wirtschaftsgymnasium, zwei Gesamtschulen und zehn Förderschulen.

Grundschulen, Hauptschulen und Realschulen befinden sich in jeder Gemeinde, Gesamtschulen in Bergisch Gladbach-Paffrath und Kürten. Gymnasien gibt es in acht Kommunen außer Burscheid und Kürten, wobei in Kürten die Gesamtschule bis zum Abitur führt. Zu den Schulen zählen das Albertus-Magnus-Gymnasium Bensberg und das Nicolaus-Cusanus-Gymnasium Bergisch Gladbach.

Die Förderschulen, einige davon Einrichtungen des Landschaftsverbandes Rheinland, verteilen sich auf Bergisch Gladbach, Kürten, Leichlingen, Rösrath und Wermelskirchen.

Berufskollegs gibt es zentral in Bergisch Gladbach und Wermelskirchen. Seit 2007 wird in Bergisch Gladbach zusätzlich ein Wirtschaftsgymnasium aufgebaut.

Die drei Volkshochschulen werden jeweils von zwei oder drei Kommunen gemeinsam unterhalten,

Eigene Musikschulen existieren in Bergisch Gladbach, Rösrath/Overath, Wermelskirchen und natürlich in der Musikstadt Burscheid.

In Bergisch Gladbach gibt es das private Bildungszentrum für informationsverarbeitende Berufe mit einem speziellen Ausbildungs- und Studienangebot sowie die damit verbundene Fachhochschule der Wirtschaft.

Im Bergisch Gladbacher Stadtteil Refrath besteht eine freie Waldorfschule mit der Möglichkeit, das Abitur zu machen.

Im Bergisch Gladbacher Stadion an der Paffrather Straße unterhält der Rheinische Turnerbund seine Landesturnschule.

Zahlreiche private Träger bieten kurzzeitige Bildungsmaßnahmen auf lokaler oder regionaler Ebene für die berufliche Weiterbildung an.

Sport

Im Kreis werden zahlreiche Sportarten ausgeübt, sei es drinnen oder draußen. Im Kreissportbund sind die acht Stadt- und Gemeindesportverbände zusammengeschlossen. Die Verbände vertreten etwa 260 Vereine mit rund 72.000 Mitgliedern. Der Schwerpunkt der Vereinsarbeit liegt beim Breitensport. [16]

Der Kreissportbund ist Mitglied im Landessportbund Nordrhein-Westfalen (LSB NRW) und dieser dann im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

In einzelnen Sportarten gibt es Spitzensport. Der Turnverein Bensberg 1901 fördert das Rhönradturnen. Die Weltmeisterin Annette Pusch und die Deutsche Meisterin Nina Nickel gehören zu seinen Mitgliedern. [17] [18]

Sportliche Aktivitäten finden auch außerhalb der Vereine statt wie Joggen oder Nordic Walking. Zum Wandern, Reiten oder Golf spielen kommen zahlreiche Menschen aus den benachbarten Großstädten.

In Bergisch Gladbach-Bensberg lebt Walter Schneeloch, Präsident des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen und Mitglied im Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). [19]

Prominente aktive oder ehemalige Sportler mit einer persönlichen Bindung an den Rheinisch-Bergischen Kreis sind in den einzelnen Stadt- und Gemeindeartikeln aufgeführt und in der Kategorie:Person (Rheinisch-Bergischer Kreis).

Justiz

Im Kreis sind zwei Gerichte der Ordentlichen Gerichtsbarkeit ansässig [20]

Burscheid und Leichlingen gehören zum Bezirk des Amtsgerichtes Leverkusen.[23]

Den Amtsgerichten übergeordnet sind das Landgericht Köln und das Oberlandesgericht Köln.

Für besondere Gerichtsverfahren zuständig sind das Verwaltungsgericht Köln, das Finanzgericht Köln und das Sozialgericht Köln.

Bei Streitigkeiten aus Arbeitsverhältnissen ist das Arbeitsgericht Köln zuständig für Bergisch Gladbach, Kürten, Odenthal, Overath und Rösrath, das Arbeitsgericht Solingen für Burscheid, Leichlingen und Wermelskirchen.

Ermittlungs- und Anklagebehörde für den gesamten Kreis ist die Staatsanwaltschaft Köln.

Im Kreisgebiet befindet sich keine Justizvollzugsanstalt und keine Jugendarrestanstalt.

Geschichte

Kreishaus in Bergisch Gladbach

Vor der Gründung des Rheinisch-Bergischen Kreises

Die Besiedlung einer Region durch den Menschen ist eng an geografische Gegebenheiten, Witterung und Klima gebunden, auch wenn dies dem modernen Menschen vielfach nicht mehr bewusst ist. In vorgeschichtlicher und frühgeschichtlicher Zeit war das heutige Kreisgebiet ein Bergland mit stark bewaldeten Höhen und sumpfigen Tälern. Spuren einer Besiedlung in der Steinzeit und der Bronzezeit sind sehr spärlich. Erst seit dem 9. Jahrhundert vor Christus mehren sich die Spuren, vor allem Gräberfunde im westlichen Teil am Rand des Rheintales. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts nach Christus setzte wohl eine Besiedlung des Berglandes durch fränkische Bevölkerungsgruppen von Westen nach Osten ein. Die älteste schriftliche Quelle ist das Prümer Urbar von 893, ein Verzeichnis der Weiler und Bauernhöfe, die dem Kloster in Prüm gehörten. Darunter befindet sich mit vogelberhc eine Siedlung im heutigen Rösrath. [24]

Ende des 11. Jahrhunderts entstand dann die Grafschaft Berg, die 1380 zum Herzogtum Berg erhoben wurde. Das Herzogtum bestand bis 1806, war aber schon drei Jahre zuvor von französischen Truppen erobert worden. Bis 1813 bestand das Großherzogtum Berg unter Napoléon. In dieser Zeit wurden zahlreiche Neuerungen in Verwaltung und Rechtswesen eingeführt.

Nach zweijähriger Militärverwaltung durch Preußen kam Berg durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses 1815 zum Königreich Preußen. Das Kreisgebiet wurde Teil der Rheinprovinz. Auch in der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus blieb die Rheinprovinz Teil des Landes Preußen und wurde von Berlin aus regiert.

1932 bis 1974

Der erste oder alte Rheinisch-Bergische Kreis umfasste bei seiner Gründung am 1. Oktober 1932

Die Ost-West-Ausdehnung entsprach also im Wesentlichen den natürlichen Gegebenheiten. Die Orte und Verkehrswege befinden sich vielfach in den Tälern der Flüsse und Bäche, die von den bergischen Höhen im Osten dem Rheintal im Westen zustreben.

Die preußische Regierung setzte 1932 einen Landrat ein, der jedoch bereits 1933 durch einen Funktionär der NSDAP abgelöst wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Kreis Teil der britischen Besatzungszone und seit 1946 Teil des neuen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.

Nach britischem Vorbild wurden die Zuständigkeiten des Landrats aufgeteilt. Der Landrat wurde als politischer Repräsentant vom Kreistag aus seinen Reihen gewählt und war als Kommunalpolitiker ehrenamtlich tätig. Leiter der Verwaltung war der Oberkreisdirektor, der auf Vorschlag des Kreistages von der Bezirksregierung ernannt wurde. Er musste die laufbahnrechtlichen Voraussetzungen erfüllen.

Die Bevölkerung stieg im und nach dem 2. Weltkrieg stark an. Flüchtlinge aus den ausgebombten Städten und Heimatvertriebene aus dem Osten fanden im Kreis eine neue Heimat.

Jahr Einwohner[25]
1933 102.816
1939 111.369
1946 148.031
1950 159.506
1961 207.604
1970 268.901
1972 288.000

Seit 1975

Nachdem bereits andere Regionen Nordrhein-Westfalens neu geordnet worden sind, kommt es zum 1. Januar 1975 zu einer kommunalen Neugliederung im Raum Köln durch das Köln-Gesetz.

Der nördlich des alten Rheinisch-Bergischen Kreises gelegene Rhein-Wupper-Kreis wird aufgelöst und sein Gebiet auf insgesamt sieben Städte und Kreise verteilt. Die Gemeinde Witzhelden schließt sich mit Leichlingen zusammen, Dabringhausen und Dhünn mit Wermelskirchen. Die Städte Burscheid, Leichlingen und Wermelskirchen werden Teil des Rheinisch-Bergischen Kreises. Im Volksmund werden sie als Nordkreis bezeichnet.[26] [27]

Der Rheinisch-Bergische Kreis verliert die Gemeinden Wipperfeld, Klüppelberg und Lindlar, das Amt Engelskirchen und die Stadt Wipperfürth an den Oberbergischen Kreis.

Die am Rhein gelegene Stadt Porz mit etwa 90.000 Einwohnern wird ein Stadtteil von Köln.

Auch unter den im neuen Kreis verbleibenden Kommunen kommt es zu Änderungen. Die Stadt Bensberg wird aufgelöst und in wesentlichen Teilen Bergisch Gladbach zugeschlagen. Das Sülztal mit Immekeppel und Untereschbach kommt von Bensberg an Overath, der Raum Dürscheid zu Kürten. Schildgen wechselt von Odenthal zu Bergisch Gladbach. Aus dem Amt Kürten wird die Gemeinde Kürten, jedoch ohne Wipperfeld.[28]

Durch die Neugliederung schrumpft die Fläche des Kreises von ca. 620 km² auf 438 km². Die Einwohnerzahl sinkt von 290.000 auf 243.000. Der Kreis hat seine größte Ausdehnung nicht mehr in Ost-West-Richtung, sondern in Nord-Süd-Richtung. Bergisch Gladbach, Kürten, Odenthal, Overath und Rösrath gelten als Südkreis.

Für die Verwaltung und die Bevölkerung der drei Städte im Nordkreis ändert sich noch mehr. Sie gehören nicht mehr zum Regierungsbezirk Düsseldorf, sondern zum Regierungsbezirk Köln. Die Infrastruktur, bisher nach Düsseldorf, Solingen und Remscheid ausgerichtet, muss teilweise umgestellt werden. Wichtige Behörden sitzen jetzt in Bergisch Gladbach und Köln. Die Umstellung bei den Behörden erfolgt buchstäblich von einem Tag auf den anderen. Umstellungen in anderen Bereichen wie dem öffentlichen Personennahverkehr dauern Jahre. Dazu kommen kulturelle und religiöse Unterschiede, die sich noch jahrzehntelang bemerkbar machen. Die Menschen im Nordkreis sind bei der Neugliederung zum überwiegenden Teil evangelisch, im Südkreis katholisch.

Aufgrund der Neuordnung werden im Mai 1975 Neuwahlen zum Kreistag, zum Landtag und zu den Stadt-/Gemeinderäten durchgeführt. Im neuen Kreistag ergibt sich folgende Sitzverteilung:[29]

Die CDU stellt seit 1975 ununterbrochen die stärkste Fraktion im Kreistag.

Ehrenamtliche Landräte

Oberkreisdirektoren

Hauptamtliche Landräte

Bevölkerungsentwicklung seit 1975

Jahr Einwohner [30]
1975 243.578
1980 247.927
1985 248.103
1990 260.695
1995 269.541
2000 275.474
2005 279.092

Wappen

Das Wappen wurde bereits in den 1930er Jahren von Wolfgang Pagenstecher entworfen. Der Doppelzinnenbalken, hier zweimal enthalten, war das Zeichen der Grafen von Berg, die das Bergische Land vom 11. bis 13. Jahrhundert beherrschten. Der Bergische Löwe erinnert an die Zeit vom 13. Jahrhundert bis 1806 im Herzogtum Berg. Das obere Feld verweist auf die preußische Rheinprovinz, zu der der Kreis bei der Gründung 1932 gehörte.

Auch nach der kommunalen Neugliederung von 1975 führt der Kreis das Wappen unverändert weiter.

Strategieprozess RBK 2020

Im Jahr 2007 haben der Kreis und die acht Kommunen den Strategieprozess RBK 2020 gestartet. Ziel des Prozesses ist es, den Kreis und seine Kommunen fit zu machen für die Zukunft.

Als Grundvoraussetzungen wurden genannt: eine nachhaltige Finanzpolitik, ein rücksichtsvoller Umgang mit der Natur und eine vertrauensvolle interkommunale und öffentlich-private Zusammenarbeit.

Im Strategieprozess sollen

Literatur

Einzelnachweise

  1. Amtliche Bevölkerungszahlen auf der Webseite des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen
  2. Endgültige Wahlergebnisse der Kreistagswahl 2004
  3. Sitzverteilung nach Angaben auf der Webseite des Kreises
  4. Endgültiges Wahlergebnis der Landratswahl 2004
  5. Notiz auf der Website des Cumbria County Council vom 18. Oktober 2004 (PDF-Datei in Englisch)
  6. IHK Köln: Gemeinedeprofil des Rheinisch-Bergischen Kreises
  7. Strukturdaten der Arbeitsagentur Bergisch Gladbach
  8. Monatliche Arbeitsmarktberichte der Arbeitsagentur Bergisch Gladbach
  9. Rheinisch-Bergischer Kreis: Zahlen, Daten, Fakten: Arbeitsmarktentwicklung
  10. Kreissparkasse Köln: Geschäftsstellen
  11. Sparkasse Wermelskirchen
  12. Genossenschaftsakademie
  13. Rheinisch-Bergischer Kreis: Zahlen, Daten, Fakten: Flächennutzung
  14. Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
  15. Rheinisch-Bergischer Kreis: Zahlen, Daten, Fakten: Flächennutzung
  16. Kreissportbund Zugriff 18. April 2008
  17. Bericht des Rhönradturnverbandes über die Weltmeisterschaft 2007 in Salzburg Zugriff 18. April 2008
  18. Bergisches Sonntagsblatt Nr. 12 vom 22. März 2008 Zugriff 18. April 2008
  19. Das Präsidium des DOSB Zugriff 18. April 2008
  20. Adressen der Justizeinrichtungen
  21. Amtsgericht Bergisch Gladbach
  22. Angaben zum Amtsgericht Wermelskirchen
  23. Amtsgericht Leverkusen
  24. Georg Geist: Ein Jubiläumsjahr für Rösrath. In: Rheinisch-Bergischer Kalender 1993, Joh. Heider Verlag, Bergisch Gladbach ISBN 3-87314-272-4
  25. Karl Hermes, Heinrich Müller-Miny: Der Rheinisch-Bergische Kreis. In: Zentralausschuß für deutsche Landeskunde (Hrsg.): Die deutschen Landkreise. 8, Wilhelm Stollfuss, Bonn 1974, S. 107.
  26. Erich Weihrauch: "Aus" für den Rhein-Wupper-Kreis.In: Rheinisch-Bergischer Kalender 1976, S. 8–10
  27. Erich Weihrauch: Das nördliche Kreisgebiet und seine Vorläufer In: Rheinisch-Bergischer Kalender 1982, S. 58–62
  28. Horst Schmitz: Das südliche Kreisgebiet und seine Vorläufer. In: Rheinisch-Bergischer Kalender 1982, S. 62–65
  29. Politik für einen neuen Kreis.In: Rheinisch-Bergischer Kalender 1976, S. 6–7
  30. Landesdatenbank NRW, Statistik 12411-10ir
  31. Rheinisch-Bergischer Kreis: Strategieprozess RBK 2020 Zugriff 7. Juni 2008
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