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Otto von Guericke

Otto von Guericke [ˈɡeːrɪkə] (* 20. Novemberjul./ 30. November 1602greg. in Magdeburg; † 11. Maijul./ 21. Mai 1686greg. in Hamburg war ein deutscher Politiker, Jurist, Naturwissenschaftler, Physiker, Tierarzt und Erfinder.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Otto von Guericke studierte von 1617 bis 1619 an der Universität in Leipzig an der Artistenfakultät, einige Wochen in Helmstedt und im Fachstudium Jura an der Universität Jena von 1621 bis 1623 sowie 1623 bis 1624 in Leiden Jura und Festungsbau.

Es folgte eine Bildungsreise durch England und Frankreich. Im November 1625 war er wieder in Magdeburg. 1626 heiratete er Margaretha Alemann und wurde in den Rat seiner Heimatstadt gewählt. Als Ratsherr nahm er die Funktion eines Bauherren und im Verteidigungsfall 1629 und 1630/31 die eines Schutzherren wahr. Nach der Zerstörung der Stadt 1631 trat er als Festungsbauingenieur in Erfurt und ab 1632 in Magdeburg in schwedische Dienste, ab 1636 bis 1646 ebenfalls in Magdeburg in kursächsische Dienste. 1646 wurde er nach ersten großen wichtigen diplomatischen Erfolgen zu einem der vier Bürgermeister der Alten Stadt Magdeburg gewählt. 1642 bis 1663 war er im Auftrag der Stadt in diplomatischen Missionen unterwegs; darunter fällt auch die Teilnahme an den Verhandlungen, zum Westfälischen Frieden, zum Exekutionstag in Nürnberg 1649/50, zum Reichstag in Regensburg 1653/54 u. a.

Etwa von 1645 an stellte er, angeregt durch die Diskussion zur Astronomie, Untersuchungen zur Pneumatik an, für die er berühmt werden sollte. 1652 (sieben Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau) heiratete er Dorothea Lentke, die Tochter seines Amtskollegen Steffan Lentke. 1663 stellte er das Manuskript der Experimenta nova... fertig, konnte es aber erst 1672 in Amsterdam in Druck bringen. 1666 wurde er geadelt, wobei er seinen Namen Otto von Guericke wählte. 1676 lehnte er aus gesundheitlichen Gründen die turnusmäßige Übernahme des Bürgermeisteramtes ab. 1678 wurde er vom Rat „pro emerito“ erklärt. 1681 siedelte er zu seinem Sohn nach Hamburg über, nachdem ihm die ehrenhalber gewährte Steuerfreiheit in Magdeburg wieder gestrichen worden war[1]. In Hamburg starb Guericke 1686. Nach der Überführung seiner Gebeine nach Magdeburg wurde er am 2. Juli 1686 in der Johanniskirche in die Alemann/Guericke Gruft beigesetzt. In der Napoleonzeit, in der die Kirche Hals über Kopf in ein Lazarett umgewandelt wurde, ist die Gruft beseitigt worden. Die Gebeine wurden vor den Stadttoren in Großgräbern beerdigt[1]. Die Gruft kann trotzdem noch heute besucht werden.

Leistung

Seine wissenschaftliche Hauptleistung ist die Begründung der Vakuumtechnik. Er erfand 1649 die Kolbenvakuumluftpumpe, untersuchte die Eigenschaften des (Teil-)Vakuums in einer Vielzahl von Versuchen und schuf Anwendungen wie den Hebeversuch und die Windbüchse. Dabei konnte er zeigen, dass wohl Licht den luftleeren Raum durchdringt, nicht aber der Schall.

In der Öffentlichkeit demonstrierte er die Kraft des Luftdrucks mit spektakulären Experimenten, besonders 1654 auf dem Reichstag zu Regensburg in Anwesenheit von Kaiser Ferdinand III. Guericke hatte im Sommer 1657 zwei große Halbkugeln (3/4 Magdeburger Elle) aus Kupfer (Magdeburger Halbkugeln) mittels einer Dichtung zusammengelegt und pumpte die Luft aus dem Inneren heraus. Anschließend wurden vor jede Halbkugel nacheinander acht Pferde gespannt, die sie auseinanderreißen sollten, was aber nicht gelang. Als die Kugeln wieder mit Luft gefüllt wurden, fielen sie von allein auseinander. Bei einem anderen Versuch hatte Guericke einen Zylinder mit beweglichem Kolben aufstellen lassen. An dem Kolben wurde ein Seil befestigt, welches über ein Gewinde lief und von 50 Männern festgehalten wurde. Als Guericke die Luft aus dem Zylinder absaugte, konnten die Männer den Kolben nicht am Absinken hindern, da der atmosphärische Luftdruck gegen ein Vakuum stärker war. Das war die folgenreiche Erfindung seiner Hebemaschine.

Mit seinen Versuchen hat Guericke auch die Hypothese des horror vacui, der „Abscheu vor der Leere“, widerlegt, die Jahrhunderte lang Philosophen und Naturforschern ein Problem war. Guericke bewies, dass Stoffe nicht vom Vakuum angesaugt werden, sondern vom Umgebungsdruck in das Vakuum gedrückt werden.

1632 fertigte er einen maßstäblichen Stadtplan seiner Heimatstadt an.

Guericke setzte ein Barometer zur Wettervorhersage ein und war damit Wegbereiter der Meteorologie. Er baute auch ein Barometer am Magdeburger Rathaus. 1660 ist die Vorhersage eines Unwetters bekannt, das dann auch eintraf.

Seine späten Arbeiten beschäftigten sich auch mit statischer Elektrizität, aber von seinen Ergebnissen ist wenig erhalten. Er erfand 1672 die Elektrisiermaschine, mit der er entdeckte, dass zwei gleichnamig elektrisierte Körper sich abstoßen (bis dahin wusste man nur von der Anziehungswirkung der Elektrizität). Neun Jahre später konnte er an der Schwefelkugel, die Bestandteil seiner Maschine war, Elektrolumineszenz beobachten.

Er beschäftigte sich auch mit Astronomie und stellte als erster die Behauptung auf, dass sich der Zeitpunkt der Wiederkehr eines Kometen bestimmen lassen müsse.

Würdigungen

Die Universität von Magdeburg trägt seit 1961 seinen Namen (Otto-von-Guericke-Universität). Seit 1831 beriefen sich die Magdeburger Bürgermeister und die Stadt auf ihren großen Sohn. 1907 erhielt Guericke sein eigenes Denkmal nahe dem Magdeburger Rathause. Seine Büste wurde 1842 in der Regensburger Walhalla aufgestellt, zudem gibt es in Regensburg und in Hannover eine „Guericke-Straße“. Seine Heimatstadt Magdeburg benannte ihm zu Ehren eine zentrale Straße (Otto-von-Guericke-Straße). Auch in Frankfurt Rödelheim, Schwerin, Sankt Augustin und Berlin gibt es eine „Guericke-Straße“. Die Otto-von-Guericke-Gesellschaft und -stiftung pflegen sein Erbe. Im Otto-von-Guericke-Museum in der Lukasklause Magdeburg sind seine Experimente originalgetreu nachvollziehbar. Die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungseinrichungen (AIF) trägt ebenfalls den Namen Otto von Guericke. Letztlich wurde auch ein Mondkrater nach ihm benannt (Guericke).

Literatur

Lebenslauf besonders in Monumenta Guerickiana Heft 9/10 Magdeburg 2002 Seite 5

Quellen

  1. a b Walther Kiaulehn: Die eisernen Engel. Eine Geschichte der Maschinen von der Antike bis zur Goethezeit. Berlin, 1935, Deutscher Verlag, neu aufgelegt 1953 im Rowohlt-Verlag
 Commons: Otto von Guericke – Bilder, Videos und Audiodateien


Personendaten
Guericke, Otto von
deutscher Erfinder und Politiker
20. November 1602
Magdeburg
11. Mai 1686
Hamburg