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Rüngsdorf

Wappen Karte
Basisdaten
Stadt: Bonn
Stadtbezirk: Bad Godesberg
Geografische Lage: 50° 41' 2" N, 7° 10' 15" O Koordinaten: 50° 41' 2" N, 7° 10' 15" O
Höhe: 63 m ü. NN
Fläche: 1,55 km²
Einwohner: 6.810
(Stand 30. Juni 2007)
Bevölkerungsdichte: 2.282 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 53173, 53179

Rüngsdorf ist ein Ortsteil des Stadtbezirkes Bad Godesberg in Bonn. Rüngsdorf liegt unmittelbar am Rhein im Osten des Stadtkerns von Bad Godesberg.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Brunnenplatz ehemalige Lattstadt

Der Ortsteil Rüngsdorf liegt im Süden des Bonner Stadtgebiet, grenzt im Süden an Mehlem, im Südwesten an Lannesdorf, im Nordwesten an Pennenfeld, Alt-Godesberg und Godesberg-Villenviertel sowie im Norden an Plittersdorf. Es erstreckt sich von der Rheinallee im Norden bis zur Austraße im Süden, von der Linken Rheinstrecke im Westen bis zum Rhein mit dem Von-Sandt- und John-J.-McCloy-Ufer im Osten.

Der Statistische Bezirk Rüngsdorf 263 hat ähnliche Grenzen. Rüngsdorf ist auch Teil des sogenannten Rheinviertels.

Geschichte

Keramikfunde aus der Eisenzeit, Dachziegel aus römischer Zeit und die Überreste eines Holzpfostenhauses weisen auf eine frühe Besiedlung in der Umgebung Rüngsdorfs hin. Entlang der heutigen Ubierstraße und Konstantinstraße verlief in römischer Zeit eine Heerstraße entlang des Rheins. Tatsächlich hieß diese Verbindung bis 1969 ausgehend vom Römerplatz nach Norden Römerstraße und nach Süden Heerstraße. Die Lage am vor Hochwasser geschützten linken Hochufer des Rhein und an der Hauptverkehrsachse der Region begünstigten die Landwirtschaft und den Anbau von Wein und führten zur Ansiedlung Rüngsdorfs.

Der Ort wurde am 7. März 804 erstmals in einer Lehnsurkunde erwähnt. Der ursprüngliche Name lautete damals noch Rinnigiso Villa oder Rynipstrop. Bis zur Eingemeindung in die Stadt Godesberg (später Bad Godesberg) im Jahre 1899 war Rüngsdorf eine selbstständige Gemeinde, die hauptsächlich von der Landwirtschaft, dem Weinbau, der Rheinschifffahrt, der Flößerei und dem Treideln lebte.

Die alte Rüngsdorfer Kirche wurde 1131 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Sie war der Pfarreisitz für die umgebenden Orte Plittersdorf und Godesberg. Im Jahre 1671 besaß Rüngsdorf 80 Einwohner. Durch die durch reiche Bürger geschätzte Rheinlage in der ländlichen Umgebung Kölns, Bonns und Bad Godesbergs, entstanden zahlreiche Landsitze und Villen, die den Ort bis 1895 auf 830 Einwohner anwachsen ließen. Die zentrale Bedeutung Rüngsdorfs in der Umgebung bis ins 18. Jahrhundert zeigt die Tatsache, dass Kinder aus Godesberg bis 1761 und aus Plittersdorf noch bis 1789 die Schule in Rüngsdorf besuchten, die sich in der Rheinstraße befand.

Rüngsdorf wurde eine weitere Bedeutung durch die Endstation der „Tauerei-Schifffahrt“ zuteil. Im 19. Jahrhundert wurde von Mannheim bis Rüngsdorf ein durchgehendes Kettentau im Rhein verlegt, an dem die Schiffe sich stromaufwärts ziehen konnten. Bis 1905 blieb diese Verkehrsmethode in Betrieb und wurde dann schließlich durch die zunehmende Dampfschifffahrt abgelöst.

Durch das im Laufe des 19. Jahrhunderts schnell entstandene Villenviertel wurde Rüngsdorf nach und nach mit den Nachbargemeinden und vor allem mit Godesberg verbunden. 1899 wurden Rüngsdorf und Plittersdorf auf Drängen des Godesberger Bürgermeisters Anton Dengler durch königlichen Erlass nach Godesberg eingemeindet. Die veränderte politische Lage beeinflusste die weitere Entwicklung Rüngsdorfs: Neue Einkommensquellen und der wachsende Zuzug von gehobenen Mittelständlern, Offizieren im Ruhestand und Beamten, veränderten um die Jahrhundertwende die Sozialstruktur der Gemeinde. Zur selben Zeit wurde die Rheinpromenade von Plittersdorf bis zum Rheinhotel Dreesen ausgebaut, nachdem der Lein- und Treidelpfad durch die Dampfschifffahrt an Bedeutung verloren hatte. Durch die 1891 eröffnete „Rhein-Bade- und Schwimmanstalt“, die am Rheinufer auf dem Wasser schwamm und in einem 30 Meter langen Becken das „kultivierte“ Baden im Rhein ermöglichte, stieg der Bekanntheitsgrad Rüngsdorfs als Badeort. Dies wurde durch den Bau des 18.000 m² großen Freibads in den Jahren 1929/30 in der Rüngsdorfer Aue südliche des Rheinhotels Dreesen noch gesteigert.

In Rüngsdorf fanden zwischen dem 22. und 24. September 1938 Verhandlungen zwischen Chamberlain und Hitler statt, die schließlich am 30. September in das Münchner Abkommen mündeten.

Nachdem Bonn 1949 Bundeshauptstadt geworden war, siedelten sich in Rüngsdorf zahlreiche Botschaften bzw. Konsulate an. Der Ort wurde durch Siedlungen erweitert, u. a. für die Bediensteten des Postministeriums. Als im Jahre 1969 Bad Godesberg mit Bonn vereinigt wurde, besaß Rüngsdorf ungefähr 6000 Einwohner.

Auch nach dem Umzug von Parlament und Teilen der Bundesregierung haben einige Staaten diplomatische Vertretungen aus verschiedenen Gründen in Rüngsdorf belassen; die US-Botschaft in der Deichmannsaue wurde beispielsweise zur Außenstelle umgebaut, um den Kontakt mit dem Bundesverteidigungsministerium zu gewährleisten.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerstatistik wird dadurch verfälscht, dass in Rüngsdorf zahlreiche Mitarbeiter der diplomatischen Vertretungen wohnhaft waren, die nicht in der offiziellen Statistik aufgeführt werden. Die tatsächliche Einwohnerzahl von 2005 liegt deshalb z. B. nicht wesentlich höher als die von 1993. Die folgende Tabelle zeigt die Einwohnerentwicklung des Statistischen Bezirks Rüngsdorf nach Altersgruppen: [1]

Jahr Einwohner Alter: 0–5 Alter: 6–17 Alter: 18–29 Alter: 30–64 Alter: ab 65
1993 6.431 374 631 1.013 2.679 1.734
1999 6.044 359 600 751 2.659 1.675
2005 6.775 402 826 845 2.828 1.874

Sehenswürdigkeiten

Rüngsdorfer Kirchturm

Die zentrale Sehenswürdigkeit Rüngsdorfs ist der alte Kirchturm, der isoliert als Überbleibsel der 1903 abgerissenen alten romanischen Kirche im Dorfkern steht. Die Rüngsdorfer Kirche wurde in einem Dokument vom 31. März 1131, in dem Papst Innozenz II. dem er dem Bonner Cassiusstift die Besitzrechte an der ecclesiam Rinnigestorph bestätigt, erstmals erwähnt. Das genaue Baujahr der ersten Rüngsdorfer St. Andreaskirche ist unbekannt. Der heute noch erhaltene Turm datiert ca. aus dem Jahr 1200. Es wird vermutet, dass es sich um eine Wehrkirche gehandelt hat, da sie im Turmzimmer über Schießscharten verfügt. Der Raum über der heute offenen Apsis wurde zur Aufbewahrung der Gemeindeakten und Feuerlöschgeräte genutzt und diente gleichzeitig als Raum für die Ratssitzungen. In den Jahren 1900 bis 1902 wurde die neue Pfarrkirche gebaut. Die alte Kirche sollte vollständig abgerissen werden. Aus Geldmangel konnte jedoch kein neuer Glockenturm gebaut werden. So fiel die Entscheidung den alten Kirchturm zu erhalten, der auch heute noch als Glockenturm dient. Es sind nur noch zwei der alten drei Glocken erhalten. Die erhaltenen älteren Glocken stammen aus den Jahren 1746 und 1786. Die dritte Glocke wurde im Zweiten Weltkrieg konfisziert und eingeschmolzen. Erst 1980 wurde eine neue Glocke gestiftet und so der Glockenstuhl wieder vervollständigt. Der Turm ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Marienkapelle

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die Marienkapelle, die sich in der Mitte der Kreuzung zwischen Rolandstraße und Kapellenweg befindet. Ihre genaue Entstehungszeit ist umstritten. Es gibt Vermutungen, dass die Kapelle am Ende des 18. Jahrhunderts entstanden sein soll.[2] Zu Beginn stand die Kapelle noch im offenen Feld. Die Kapelle wurde 1986/87 renoviert und unter Denkmalschutz gestellt. 1993–1997 wurde der Vorplatz der Kapelle durch eine Initiative des Ortsausschusses ausgebaut, finanziert durch die Stadt, die Kirchengemeinde und Spenden der Bürger.

In der Kapelle befand sich früher die Rüngsdorfer Madonna und zahlreiche Votivtafeln. Die Skulptur ist in zahlreiche reich bestickte Gewänder gehüllt. Man entdeckte 1972 unter den Gewändern eine wertvolle gotische Originalskulptur aus Eichenholz. Nach ihrer Restaurierung durch das Rheinische Amt für Denkmalpflege wurde die Madonna in der Pfarrkirche aufgestellt.

Rheinhotel Dreesen

Hauptartikel: Rheinhotel Dreesen

Das am Rhein liegende Hotel der Rüngsdorfer Gastwirtfamilie Dreesen aus dem Jahr 1893 ist ein renommiertes Hotel mit geschichtlicher Bedeutung. Der imposante Bau mit einer Fassade mit Jugendstilelementen, der vor allem aus dem zweiten Bauabschnitt des Jahres 1900 stammt, liegt unmittelbar am Rhein. Zahlreiche bedeutende Personen aus Politik und Unterhaltung kehrten dort ein. Im September 1938 verlegte Adolf Hitler, der mehrmals Gast des Hotels war, die Verhandlungen zur Klärung der Sudetenfrage mit dem britischen Premierminister Chamberlain ins Hotel Dreesen. 1934 erhielt die Terrasse eine damals weltweit einmalige Glasüberdachung, die bis heute einen schönen und vor dem Wetter geschützten Aussichtspunkt auf den Rhein bietet.

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Hotel von verschiedenen Nationen beschlagnahmt und als Hauptquartier, Bürogebäude oder Repräsentanz genutzt. Seit 1952 wird es von der Familie Dreesen wieder als Hotel genutzt und erfuhr als beliebter Konferenz- und Tagungsort einen neuen Aufschwung.

Schloss Deichmannsaue

Hauptartikel: Schloss Deichmannsaue

In der Deichmanns Aue befindet sich das erstmals 1662 als „Auerhof“ erwähnte Schloss Deichmannsaue. Es befand sich seit 1836 im Besitz der Bankiersfamilie Deichmann. 1910 wurde das Hauptgebäude neugebaut und 1941 an die Wehrmacht verkauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zuerst von den belgischen Truppen genutzt, bevor es 1949 Sitz des amerikanischen Hohen Kommissars und 1955 der US-Botschaft wurde. Nach dem Regierungsumzug wird das Schloss mit seinen Erweiterungsgebäuden hauptsächlich von Bundesbehörden genutzt.

Weitere Sehenswürdigkeiten

In Rüngsdorf befindet sich eines der größten Freibäder von Bonn, direkt am Rhein gelegen mit Blick auf das gegenüber liegende Siebengebirge. Das Bad wurde 1930 erbaut und nach umfangreichen Modernisierungsarbeiten 1993 wiedereröffnet.

Wirtschaft

Rüngsdorf ist mit 410 Euro pro Quadratmeter die teuerste Wohnlage in Bonn.[3]

Verkehr

Die Durchgangslage am Rhein und die Nähe zu Bonn und Bad Godesberg haben zu verschiedenen Verkehrsachsen in Rüngsdorf geführt. Wichtigste Achse ist die Nord-Südverbindung, die durch die Ubierstraße nach Norden und die Konstantinstraße nach Süden gebildet wird. Beide Straßen treffen sich im Norden Rüngsdorfs am Römerplatz, von dem aus die weiteren wichtigen Achsen ausgehen. Die Bedeutung dieser Straße hat durch die Eröffnung des Straßentunnels der B 9 1999 und des Platzes der Vereinten Nationen leicht abgenommen.

Der Ortskern liegt östlich des Römerplatzes und wird durch die Rheinstraße, eine der ältesten Straßen des Ortes, erreicht. Nach Bad Godesberg zweigt die Rüngsdorfer Straße vom Römerplatz ab. Am westlichsten Punkt Rüngsdorfs führt eine Unterführung unter der linksrheinischen Bahnstrecke, die die westliche Grenze des Ortels bildet, nach Bad Godesberg. Die Koblenzer Straße, die parallel auf der gegenüberliegenden Bahnlinienseite verläuft, überquert im Süden Rüngsdorfs die Trasse und führt als Mainzer Straße nach Mehlem.

Autoschnellfähre Bad Godesberg–Niederdollendorf

Anders als Mehlem hat Rüngsdorf keine eigene Bahnhaltestelle an der Linken Rheinstrecke. Der Mehlemer Bahnhof befindet sich jedoch direkt an der Ortsteilgrenze. Der Bad Godesberger Bahnhof und die U-Bahn-Station sind durch das Villenviertel schnell erreichbar. Sie können über die zentral durch Rüngsdorf verlaufenden Buslinien 613 und 619 erreicht werden. Im Süden verlaufen zusätzlich die Buslinien 852 und 857 und verbinden Bad Godesberg und Muffendorf mit Mehlem über die Stationen Deichmanns Aue und Mehlem Bahnhof.

An der nördlichen und südlichen Grenze des Ortsteils befinden sich Autofähren. Die nördliche Fähre an der Bastei setzt nach Niederdollendorf über und ist über die Buslinie 615 erreichbar. Die südliche Fähre wird von der Buslinie 614 angefahren und ist über die Austraße erreichbar. Sie setzt direkt nach Königswinter über.

Öffentliche Einrichtungen

Bundesbehörden

Im Schloss Deichmannsaue und seinen Erweiterungsbauten an der Grenze zu Mehlem hat seit 2000 das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung seinen Sitz, nachdem es seit 1955 Standort des Bundesministeriums für Raumordnung, Bauwesen- und Städtebau war. Auch die US-Botschaft war dort seit 1955 in einem Erweiterungsgebäude ansässig, dieser Teil wird von ihr seit dem Bonn-Berlin-Umzug als Außenstelle genutzt und nach einer Sanierung seit 2005 von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

An der Konstantinstraße im Süden Rüngsdorf befindet sich das Bundesamt für Naturschutz, etwas weiter südlicher eine Außenstelle der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Botschaften

Bis zur Jahrtausendwende war das „Diplomatenviertel“ neben der US-Botschaft unter anderem auch Sitz der französischen Botschaft. Zu den zahlreichen in Rüngsdorf vertretenen Ländern gehörten des Weiteren Burkina Faso, Ghana, Italien, Mali, Nicaragua, Sierra Leone, Tschad, Uganda. Neben der Außenstelle der US-Botschaft gibt es mit der Botschaft der Demokratischen Republik Kongo, dem Konsulat von Katar sowie den Botschafts-Außenstellen von Litauen und Vietnam weiterhin diplomatische Vertretungen in Rüngsdorf. Daneben befanden sich die Residenzen zahlreicher Botschafter in Rüngsdorf.

Bildung

Im Gegensatz zu anderen Ortsteilen ist in Rüngsdorf nur die Andreasschule, eine Gemeinschaftsgrundschule mit ca. 170 Schülern ansässig; unmittelbar nördlich des Ortsteils im Godesberger Villenviertel liegt das Gymnasium Pädagogium Otto-Kühne-Schule (PÄDA). Die Internatshäuser und die Verwaltungsgebäude der Otto-Kühne-Schule liegen auf der gegenüberliegenden Straßenseite in Rüngsdorf. Daneben gibt es noch vier Kindergärten.

Einzelnachweise

  1. Statistikstelle der Bundesstadt Bonn
  2. Herbert Strack: Denkmalpflege in Bad Godesberg. In: GoHbl 24 (1986), S. 167–169.
  3. Artikel im General-Anzeiger vom 31. Mai 2005: In Bonn ist's teuer, im Kreis stört die Entfernung

Literatur

 Commons: Rüngsdorf – Bilder, Videos und Audiodateien