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Ostdeutschland

Der Begriff Ostdeutschland kann sowohl geographisch als auch politisch verstanden werden, ist aber schwer abgrenzbar. Er wird im politischen Sinn definiert als Synonym für die neuen Bundesländer beziehungsweise früher für die DDR, also durch die ehemalige innerdeutsche Grenze, die Deutschland in einen west- und einen ostdeutschen Staat teilte. Aber geographisch und meteorologisch sind auch andere Räume mit dem Begriff zu bezeichnen. So befindet sich alles etwa östlich der Linie Lübeck–Wolfsburg–Erfurt–Nürnberg–München im geographischen Ostdeutschland.

Inhaltsverzeichnis

Vorkriegszeit

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Begriff „Ostdeutschland“ relativ selten verwendet, Oberbegriffe waren eher in nordsüdlicher Richtung gebräuchlich, insbesondere Norddeutschland und Süddeutschland. In aller Regel wurde darunter die Region östlich der Elbe (gelegentlich auch der Oder) verstanden (Germania Slavica), die im Norden vornehmlich unter Preußens Einfluss stand. Durch den preußischen Landadel war sie protestantisch und konservativ geprägt (Ostelbien), siehe auch Junker. Der Ostteil von Obersachsen zählte aber nicht zu Ostelbien, sondern war und ist im Wesentlichen die Oberlausitz.

Nachkriegszeit

Nach 1945 und speziell nach der Deutschen Teilung 1949 wandelte sich der Sprachgebrauch, und im Alltag wurde das Wort auf die Ostgebiete des Deutschen Reiches, nicht auf das Gebiet der DDR angewendet. Offiziell versuchte man in Westdeutschland den Begriff „Ostdeutschland“ auf die – anfangs noch nicht verloren geglaubten – deutschen Ostgebiete zu beschränken und die Anwendung auf die DDR zu vermeiden, was auch staats- und völkerrechtliche Gründe hatte. Auf bundesdeutscher Seite gab es deswegen die Begriffe Sowjetische Besatzungszone (SBZ) und später auch Mitteldeutschland, häufiger aber Zone, „Drüben“, Sowjetzone, Ostzone, „DDR“ beziehungsweise „sogenannte DDR“. Erst mit der neuen Ostpolitik und den Verträgen mit Polen bezüglich der Oder-Neiße-Grenze wandelte sich auch die Bezeichnung von Ostzone zu DDR und Deutsche Demokratische Republik, in offizieller Verwendung nicht aber zu Ostdeutschland.

Nach der Wiedervereinigung

Seit 1990 und der Deutschen Wiedervereinigung wird das ehemalige Staatsgebiet der DDR als neue Länder, fünf neue Bundesländer oder ehemalige DDR (Ex-DDR) bezeichnet. In den 1990ern wurde amtlich aufgrund des Einigungsvertrages vom Beitrittsgebiet gesprochen, das nicht nur das heutige Gebiet der fünf neuen Länder, sondern auch beispielsweise Ost-Berlin und die heutige Gemeinde (bis September 1993 Amt) Amt Neuhaus beinhaltet. Der Begriff Ostdeutschland für die „Neuen Bundesländer“[1] wird in der Tagesschau und in Statistiken unter anderem der Wirtschaft verwendet, trotz Tendenzen auf Basis der gemeinsamen Geschichte sowie Sprache und Kultur, Mecklenburg als „Nord-“ und Thüringen neben Teilen Sachsen-Anhalts sowie überwiegend auch Sachsen (und/oder Hessen) als „Mitteldeutschland“ davon zu trennen. Diese Tendenzen werden behindert z. B. vom unterschiedlichen Tarifsystem, das durch weniger Lohn in den neuen Ländern einen wirtschaftlichen Standortvorteil bieten will, dabei aber eine wichtige Gemeinsamkeit unter der Bezeichnung „Ostdeutschland“, „Ost“ oder „Neue Bundesländer“ schafft.

Zum unterschiedlichen Sprachgebrauch

Im englischen Sprachraum ist die Bezeichnung „Eastern Germany“ üblich, wohingegen „East Germany“ meist eher die DDR und „former eastern territories of Germany“ oder „the historical Eastern Germany“ die heute zu Polen beziehungsweise zu Russland gehörenden Gebiete (Schlesien, Hinterpommern, Ostbrandenburg, Ostpreußen sowie Posen) bezeichnet.

Insbesondere in Thüringen und Sachsen-Anhalt stößt es zuweilen auf Unverständnis, wenn die Bewohner von den Medien als „Ostdeutsche“ bezeichnet werden – mit dem Verweis auf die geographische Lage in der Mitte Deutschlands. So liegt beispielsweise Erfurt westlicher als Regensburg und München, außerdem auch Eisenach westlich des geographischen Mittelpunkts Deutschlands und rund 220 Kilometer weiter westlich als Passau. Der Sprachgebrauch Ostdeutschland wird von ihnen auch als Zeichen eines natürlichen Prozesses des Zusammenwachsens von ehemals zwei Staaten gesehen. Bewohner der einzelnen Gebiete empfinden sich insofern mehr als Zugehörige zu einer bestimmten, geographisch umrissenen und historisch gewachsenen Region, statt als Angehörige von zwei ehemals durch den Eisernen Vorhang getrennten Teilen Deutschlands. Einen Bewohner der Altmark als „Ostdeutschen“ zu bezeichnen wird bei dieser Sichtweise als falsch empfunden. Geographisch gesehen liegen diese Länder dennoch im Osten der Bundesrepublik Deutschland. Lediglich Thüringen und Sachsen-Anhalt weichen davon ab, gilt aber weiterhin als zu Ostdeutschland gehörig, da es sich um eines der neuen Länder handelt.

Anlehnend an den (inzwischen im RBB aufgegangenen) Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) wird gelegentlich nur das Gebiet der Länder Brandenburg, Berlin (und zum Teil Mecklenburg-Vorpommern und/oder Teile Sachsen-Anhalts) als (Nord-)Ostdeutschland angesehen.

Auch der Begriff Mitteldeutschland ist in Gebrauch. Korrekt erscheint dieser Begriff in der Orientierung erstrangig auf die sprachlichen und mentalen Unterschiede in Nord-Süd-Richtung (zum Beispiel oberdeutscher, mitteldeutscher und niederdeutscher Sprachraum). Der Mitteldeutsche Rundfunk hat sich in diesem Sinne benannt.

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Einzelnachweise

  1. Wirtschaftsförderung Neue Bundesländer