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Frauen im Römischen Reich

Im Vergleich zu Frauen in anderen antiken Gesellschaften hatten Frauen im Römischen Reich (dies bezieht sich nicht auf Sklavinnen) mehr Rechte, da ihr Leben nicht abseits der Öffentlichkeit stattfand wie beispielsweise im Antiken Griechenland. Sie besaßen jedoch keinerlei politische Rechte und konnten oft nicht frei über ihr eigenes Vermögen verfügen. Ihre Stellung in der Gesellschaft war stark abhängig vom sozialen Rang.

Inhaltsverzeichnis

Quellen

Schriftliche Quellen über das Leben römischer Frauen reichen bis ins 3. Jahrhundert v. Chr. zurück. Zu den frühsten Überlieferungen gehören Grabinschriften. Aus der späten Republik und der Kaiserzeit sind Biografien und Briefe erhalten geblieben. Außerdem äußern sich Philosophen, wie Seneca und andere Gelehrte über die Stellung der Frau.

Für die Frühzeit Roms ist man dagegen auf archäologische Funde und Bezugnahmen in späteren Schriften angewiesen. Das gilt auch für die Ehe- und Vormundschaftsgesetze im Zwölftafelgesetz um 450 v. Chr. Auch das Geschichtswerk des Livius überliefert für die frühen Jahrhunderte hauptsächlich Mythen, in denen ein Ideal beschrieben wird, dass kaum existiert hat.

Rechtliche Stellung

Die Ansichten über die Stellung der römischen Frauen haben sich im letzten Jahrhundert stark gewandelt. In älteren Büchern wird die Stellung oft als völlig gleichberechtigt beschrieben, heute verweist man auf die Einschränkungen. Der Grund für diesen Wandel ist einfach. Verglichen nicht nur mit ihren griechischen Zeitgenossinnen, sondern auch mit den Frauen in Mittelalter und Neuzeit bis weit ins 20. Jahrhundert hinein, waren die Frauen der römischen Antike tatsächlich sehr frei und „emanzipiert“. Wirklich gleichberechtigt waren sie aber keineswegs.

Nachdem die Manusehe schon zur Zeit der römischen Republik zur Rarität geworden war, war die Frau niemals von ihrem Ehemann abhängig, wohl aber von ihrem Vater. Darin unterschied sie sich nicht von einem Mann, der unter der Patria Potestas seines Vaters stand, bis dieser starb oder ihn emanzipierte (daher der Ausdruck). Solange sein Vater lebte, galt ein Römer, genau wie eine Römerin, als nicht geschäftsfähig, auch wenn er schon 60 war, eigene Kinder und Enkel hatte und zum dritten Mal zum Konsul gewählt worden war. Der Unterschied zeigte sich erst, wenn der Mann bzw. die Frau aus der väterlichen Gewalt entlassen worden war. Ein Mann von mindestens 14 Jahren war damit völlig frei und konnte selbst wieder Patria Potestas ausüben, eine Frau brauchte mindestens drei Kinder, um ohne Vormund über ihr Vermögen verfügen zu können und sie konnte niemals die Patria Potestas über jemanden haben („mit einer Frau beginnt und endet ihre Familie“), daher auch niemanden adoptieren, und galt rechtlich nicht als verwandt mit ihren eigenen Kindern.

Die wichtigsten Einschränkungen:

Hochzeit und Ehe

Die Verlobung und Eheschließung erfolgte früh, bei manchen Mädchen schon im gesetzlichen Mindestalter von 12 Jahren, da die Verheiratung einer Tochter immer eine politisch-geschäftliche Verbindung mit der Familie des Mannes bedeutete. Der Arzt Soranos von Ephesos vertrat die Ansicht, dass die Hochzeit so bald wie möglich nach der Menarche stattfinden solle. Augustus′ Ehegesetze sahen vor, dass eine Frau mit 20 Jahren Mutter sein sollte.

In der Frühzeit der Republik herrschte die Manusehe vor, bei der die Frau in die Rechtsgewalt des Mannes überging. Sie konnte auf dreierlei Weise zustande kommen: durch einen symbolischen Kaufakt (coemptio), durch das Zusammenleben für ein Jahr, in der die Frau nicht länger als drei Tage und Nächte hintereinander das Haus verließ (usus), oder durch das gemeinsame Opfern und Verzehren eines Opferkuchens in Anwesenheit eines Priesters (confarreatio). Die letzte Form erforderte die Einhaltung vieler Bräuche, so musste die Braut in einem weißen Kleid (tunica) aus Flanell heiraten.

Ab dem 3. vorchristlichen Jahrhundert wurde die Manusehe mehr und mehr von den manus-freien Ehe abgelöst, bei der die Frau nicht mehr von ihrem Mann abhängig wurde, solange sie mindestens drei Tage im Jahr sein Haus verließ. Die Frau blieb dabei Eigentümerin ihrer Mitgift und konnte unabhängig vom Ehemann Besitz erwerben und erben. Sie konnte sich jederzeit scheiden lassen, in dem sie mit ihrem Besitz das Haus verließ. Ebenso leicht konnte sich der Mann scheiden lassen. Da die meisten Ehen arrangiert waren, waren Scheidungen an der Tagesordnung, sei es, weil die beteiligten Familien kein Interesse mehr an der Verbindung hatten, sei es aus persönlichen Gründen. Ab dem 2. vorchristlichen Jahrhundert ging die Initiative dabei zunehmend von Frauen aus.

Die Ehe musste standesgemäß sein, so waren in der Frühzeit Roms Verbindungen zwischen Patriziern und Plebejern nicht erlaubt. Römern war verboten, Nichtrömerinnen zu heiraten (und umgekehrt). Ehen mit Freigelassenen der ersten und zweiten Generation waren in der lex Iulia zumindest den Senatorenfamilien untersagt. Das Konkubinat war daher weit verbreitet.

Namen

In der Republik war es üblich, dass Frauen allein mit dem Namen ihrer Familie (gens) benannt wurden. Bei mehreren Töchtern kamen Zusätze wie maior (= die ältere), minor (= die Jüngere) oder Tertia (= die Dritte) vor. Erst zur Zeit der späten Republik ging man dazu über, auch Mädchen individuelle cognomen zu geben, wobei oft die Namen mütterlicher Vorfahren benutzt wurden. So "erbte" beispielsweise Iunia Lepida den Namen ihrer Mutter, während Claudia Antonia und Claudia Octavia, die Töchter des Kaisers Claudius nach ihrer Großmutter Antonia minor bzw. Urgroßmutter Octavia Minor benannt wurden.

Sklavinnen trugen die Namen, die ihre Herren ihnen gaben. Freigelassene behielten ihren Sklavennamen als cognomen neben dem Familiennamen dessen, der sie freigelassen hatte. Ebenso nahmen Neubürger den Familiennamen dessen, der ihnen das Bürgerrecht zugestand, zusätzlich zu ihrem eigenen Namen an.

Privates Leben

Ehe

Für römische Mädchen bedeutete die Eheschließung eine große Umstellung. Eben noch in der Abgeschlossenheit im elterlichen Haus lebten sie plötzlich ein an Verantwortung reiches und verhältnismäßig freies Leben als matrona mit einem meist viel älteren Ehemann, den sie nur flüchtig kannte.

Die eheliche Treue galt zwar als Ideal, doch hatten - zumindest Schriftstellern wie Sueton zufolge - Frauen der Oberschicht, deren Ehen hauptsächlich aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen geschlossen wurden, oft außereheliche Beziehungen. Einen besonders schlechten Ruf hatte in diesem Zusammenhang Messalina, die dritte Frau des Claudius.

Trotzdem sprechen viele Grabinschriften von Zuneigung. Valerius Maximus berichtet von einer Göttin Viriplacia, an die sich Eheleute wandten, um um Streitschlichtung zu bitten.[2]

Geburtenkontrolle

Obwohl die Geburt und Aufzucht der Kinder als Hauptaufgabe der Frau galten und Kinderlosigkeit ein Scheidungsgrund war, waren nicht nur Prostituierte an Empfängnisverhütung interessiert. Auch Frauen der Oberschicht praktizierten dabei diverse Methoden wie mit Öl oder Honig bestrichene Diaphragmen oder Schwämme. Ihre Geburtenrate war so niedrig, dass nicht erst Augustus sich bemüßigt fühlte, Gesetze zu ihrer Steigerung zu erlassen. Eine Abtreibung war bereits möglich, wobei die Überlebenschance für die Frau bei etwa 50 % lag. Häufig wurden unerwünschte Kinder ausgesetzt.

Kindheit und Ausbildung

In der Kindheit[3] spielten römische Mädchen mit Puppen[4] und anderem Spielzeug, das sie vor ihrer Hochzeit der Venus opferten. Von ihren Müttern lernten sie, den Haushalt zu führen.

Während der Umgang mit Wolle und die Führung des Haushaltes als traditionelle Haupttugenden römischer Frauen galten, erhielten viele römische Mädchen eine weiterreichende Ausbildung. In öffentlichen Schulen wurden auch Mädchen unterrichtet. Viele, auch aus den niedrigeren Rängen, konnten lesen und schreiben. Mädchen aus der Oberschicht beschäftigten sich auch mit Philosophie. Hortensia, die Tochter des berühmten Redners Quintus Hortensius Hortalus besaß vermutlich sogar eine rhetorische Ausbildung. Tullia wurde von ihrem Vater als doctissima - höchstgelehrte Gesprächspartnerin geschätzt.

Neben dem Haushalt arbeiteten viele Frauen in den Handwerksbetrieben ihrer Männer mit, waren als Händlerinnen für Lebensmittel, Kleidung und Kosmetik tätig oder betrieben Garküchen. Auch in der Textilmanufaktur waren viele Frauen tätig.

Während Musikerinnen und Schauspielerinnen schlecht angesehen waren, galt eine künstlerische Ausbildung für Mädchen durchaus als angemessen. Plinius erwähnt in seiner Naturgeschichte mehrere berühmte Malerinnen.[5]

Soziale Stellung

Die Frauen hatten als mater familias eine angesehene Stellung in der römischen Gesellschaft. Zu ihren Aufgaben zählte man die Kindererziehung, Aufsicht über die Haussklaven, Wolle spinnen, das Weben von Stoffen und das Nähen von Kleidung für die Familie. Für Hausarbeiten wie Putzen, Spülen, Lebensmitteleinkaufen, Kochen waren Sklaven und Sklavinnen zuständig; nur in armen Familien musste die Ehefrau diese als sehr niedrig geltenden Arbeiten selbst verrichten.

Die matrona, die Ehefrau des Hausherrn und Mutter seiner Kinder, war eine Autoritätsperson für die Familie, verwaltete Haus und Hof und hatte bezüglich ihrer Tugend ein gesellschaftliches Vorbild zu sein. Zu ihren Pflichten gehörten die Teilnahme an privaten und öffentlichen Kulten. Auch gab es diverse Mysterien wie den der Bona Dea, die allein verheirateten Frauen vorbehalten waren.

Weibliche Tugenden

Von der römischen Matrona wurde verlangt, dass sie möglichst unsichtbar - domiseda = im Haus sitzend - blieb. Sie sollte dem Haushalt ihres Mannes im Einklang mit den traditionellen Tugenden der Bauerngesellschaft der römischen Frühzeit Einfachheit, Sparsamkeit, Ehrlichkeit und Frömmigkeit vorstehen. Dazu kam als spezifisch weibliche Tugend Keuschheit (pudicitia), als deren Symbol die Verarbeitung von Wolle (lanificium) galt. Daher ist auf vielen Grabsteinen von Frauen ein Korb mit Wolle abgebildet. Als besonders keusch galt eine Witwe, die sich nicht wiederverheiratete.[6]

Die Frauen der Oberschicht standen dabei im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Cornelia, die Mutter der Gracchen, Livia, Agrippina die Ältere und Octavia wurden als Vorbilder verehrt. Es gehörte sich aber nicht, dass Frauen in öffentlichen Reden mit Namen genannt wurden.

Plutarch verfasste ein eigenes Werk De Mulierum Virtutibus - Über die Tugenden der Ehefrauen.[7]

Teilnahme am öffentlichen Leben

In Theatern und Amphitheatern durften Frauen nur in den obersten Rängen sitzen. Allein Vestalinnen hatten das Recht auf Plätze in den vorderen Reihen. Erhaltene Spottgedichte lassen darauf schließen, dass römische Frauen und Mädchen einen ähnlichen Starkult um die Gladiatoren und Wagenlenker veranstalteten wie heutige Groupies.

Öffentliche Thermen hatten entweder getrennte Öffnungszeiten oder abgeschiedene Räume für Frauen und Männer.

Im Gegensatz zu den griechischen Sitten traten Frauen auch als Gastgeberinnen bei Festmählern auf. Beim Essen im Triclinium lagen die Frauen ursprünglich nicht auf Liegen, sondern saßen an der freien Tischseite auf Stühlen. Gingen die Männer nach der Mahlzeit zum Trinken über, verabschiedeten sich die anständigen Frauen.

Frauen und Politik

Frauen konnten nur indirekt über männliche Familienmitglieder politischen Einfluss nehmen. So ist bekannt, dass Porcia und Servilia, Frau und Mutter des Caesarmörders Marcus Iunius Brutus, an Beratungen der Verschwörer teilnahmen.[8]

Direkte Teilnahme am politischen Geschehen war ihnen selten möglich. Nur zwei Fälle sind bekannt, in denen reiche Frauen sich zusammenschlossen, um sich gegen eine Sondersteuer zu wehren: Livius berichtet von einer Demonstration der Frauen 195 v. Chr. zur Aufhebung der lex oppia, die 215 v. Chr. das Tragen von Schmuck und teuren Stoffen zugunsten von Finanzierung des Krieges gegen Karthago verbot. Nun herrschte wieder Frieden und Wohlstand und die reichen Frauen wollten sich nicht länger von einem Kriegsgesetz Beschränkungen auferlegen lassen. Der Censor Marcus Porcius Cato der Ältere empörte sich Über diese Einmischung der Frauen in die Politik:

Es trieb mir geradezu die Scham- und Zornesröte ins Gesicht, als ich mich auf dem Weg hierher durch die Menge von Frauen drängen musste – römische Matronen treiben sich auf den Straßen herum, statt zu Hause zu bleiben, und sprechen wildfremde Männer an. ... Wo soll das hinführen? Anstand und Sitte, ja die Ordnung des Staates ist in Gefahr! Und es geht gar nicht nur um dieses eine Gesetz - um es ganz deutlich zu sagen: Die Frauen begehren Freiheit, ja Willkür, völlige Unabhängigkeit in allem; sie wollen euch Männern gleich sein, und dann haben sie alsbald auch die Herrschaft über euch! Und passt nur auf: Wenn ihr den Luxuswünschen eurer Frau nicht nachgebt, dann wird es bald ein anderer tun – sie sind ja nun gewohnt, fremde Männer um etwas zu bitten!

Der Volkstribun Lucius Valerius verteidigte die Frauen:

Öffentliche Auftritte von römischen Frauen gehören zu den Ruhmestaten unserer Geschichte. Haben sich die Frauen nicht tapfer dazwischen geworfen, als Römer und Sabiner sich mitten in Rom eine Schlacht lieferten? Sind sie nicht hinausgezogen vor die Stadt und haben die feindlichen Volsker unter Coriolan zum Abzug bewogen? Und als die Gallier Rom erobert hatten, gaben die Frauen einmütig all ihren Schmuck, um das Lösegeld aufzubringen. Und man braucht doch nicht zu befürchten, dass der römische Staat in Anarchie versinkt, wenn ein Gesetz, das aus der Not geboren war, als Hannibal vor den Toren stand, nun wieder abgeschafft wird. Sollen die Männer Purpurgewänder tragen, sollen fremde Frauen in Rom mit dem Wagen fahren dürfen, und unsere Frauen nicht? Sie wollen ja gar keine Anarchie – ihr sollt durchaus eure Stellung in der Familie behalten, aber ihr solltet auch die Interessen der Frauen vertreten, sie nicht in Abhängigkeit halten und lieber Väter und Ehegatten heißen wollen als Herren. Je stärker ihr seid, desto maßvoller müsst ihr eure Macht ausüben.

Das Gesetz wurde rückgängig gemacht.[9]

Im Jahr 42 v. Chr. wurde Hortensia, die Tochter eines berühmten Redners, von den Frauen ausgewählt, um vor den Triumvirn gegen eine einseitige Besteuerung des Landbesitzes von Frauen zur Finanzierung des Bürgerkrieges zu sprechen. Auch in diesem Fall hatten die Matronen Erfolg.

Daneben gab es einige, wenige Frauen wie Fulvia, die selbst aktiv wurden.

Mode

Kleidung

Im Großen und Ganzen unterlag die Mode über die Jahrhunderte keinen großen Weiterentwicklungen, wobei zwischen den Schnitten der Kleidung für Männer und Frauen sowieso kein großer Unterschied herrschte.

Wo früher noch das ricinium, ein einfacher quadratischer Umhang, über Schultern und Haupt drapiert wurde, schlang Frau sich später die palla, einen sehr breiten rechteckigen Schal, der bis zu den Knien reichte, um Schulter und Kopf. In späterer Zeit wurde dieser Überwurf an der rechten Schulter mit einer verzierten Brosche (fibula) befestigt.

Stola - an diesem Torso aus dem 1. Jh. ist gut zu erkennen, dass die Ärmel nicht genäht waren

Die stola, ursprünglich vestis longa (= langes Kleid) genannt, war eine lose fallende Tunika mit kimonoartigen Ärmeln, welche bis auf den Boden reichte, in der Taille und manchmal auch unter den Brüsten durch einen Gürtel gestrafft wurde und über die die palla als eine Art Frauenmantel getragen wurde. Sie war der matrona, der freigeborenen, mit einem römischen Bürger verheirateten Frau, vorbehalten. Da sie aus zwei weiten, nur durch die Gürtel und Kordeln an den Schultern zusammengehaltenen Stoffbahnen bestand, war sie recht unbequem und erforderte eine würdige Körperhaltung und langsame Bewegungen.[10]

Unter der stola trug die Römerin eine tunica. Freigelassene, Sklavinnen und Mädchen hatten nur dieses Kleidungsstück, was bei Frauen gewöhnlich länger war als bei Männern.

Auf Reisen und bei schlechtem Wetter trugen die Frauen ähnliche Umhänge und Mäntel, teils auch mit Kapuze, wie die Männer.

Die toga, eigentlich ein Kleidungsstück der Männer, wurde zeitweise auch von Frauen getragen, galt jedoch als deklassierendes Merkmal von Dirnen und verurteilten Ehebrecherinnen (toga pulla).

Was man heute als (Unter-)Wäsche bezeichnen würde, war den Römerinnen durchaus kein Fremdwort. So waren das Busenband (fascia oder strophium), ein Band aus weichem Leder ohne Träger, und das intusium, ein hemdartiger ärmelloser Hänger, ein wichtiger Bestandteil der Kleidung. Nach Wohlbefinden trugen einige Frauen zusätzlich noch eine Untertunika. Beim Besuch des Bades trug man eine Art Bikini.

Die Schuhe bestanden aus demselben Material und hatten dieselbe Form wie die der Männer (Calceus), jedoch waren die Farben lebhafter und leuchtender.

Obwohl es einerseits bei den Schnitten kaum zu Veränderungen kam, änderte sich das Material der Kleidung zumindest bei den reicheren Frauen im Laufe der Jahrhunderte wesentlich. Anfangs wurden Wollgewebe und Leinen zur Herstellung von Kleidungsstücken verwandt, was durch den wenig entwickelten Handel bedingt wurde. Mit zunehmenden Möglichkeiten wurden feinere und leichtere Gewebe wie die aus China eingeführte Seide und Baumwolle bevorzugt. Plinius nennt die Seide ein „Mittel, das bekleidete Frauen nackt erscheinen lässt.“[11]

Die beliebtesten Farben, neben schlichtem Weiß, waren alle Töne zwischen rot und blau, wie z.B. violett und purpur. Besonders dunkles Rosa (nigrantis rosae) sowie helles Scharlachrot (nimiae eius nigritiae austeritas illa nitorque) scheinen Favoriten unter den Römerinnen gewesen zu sein. Prinzipiell galt, dass helle Farben bei dunklerer Hautfarbe zu bevorzugen seien und umgekehrt.

Körperpflege und Kosmetik

Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine große Badekultur in Rom. Grundsätzlich waren die Bäder der Frauen weniger prunkvoll als die der Männer, sofern die Bäder räumlich, und nicht wie meist üblich zeitlich nach Geschlechtern getrennt wurden. Ein Bad bestand aus mehreren unterschiedlichen Badegängen. So wurden mehrere Räume mit Heißbädern, Bädern mit lauwarmem Wasser, Heißlufträumen (vergleichbar etwa mit der heutigen Sauna) durchlaufen. Zwischen den Badegängen und nach Abschluss des Badens wurde der Körper mit Ölen gepflegt. Da es nur in den wenigsten Thermen üblich war, nackt zu baden, und dies als etwas unanständig galt, war Badebekleidung bereits üblich: Das Äquivalent zu unserer Bikinihose - subligar - oder dem Badeanzug - balnearis vestis. Nach dem Bad kam der Epilator zum Zuge. Der Römerin wurden von einem Sklaven überflüssige Körperhaare ausgezupft. Da diese Prozedur den Damen damals - im Übrigen im Gegensatz zu den Herren, die sich ebenfalls unerwünschte Körperhaare entfernen ließen - meist zu schmerzhaft war, griffen sie bei der Haarentfernung zu Bimsstein, Harz und Wachs. Bei Prostituierten gehörte auch die Intimrasur zur (teils berufsbedingten) Körperpflege. Im Allgemeinen galt die Körperpflege an sich eher als hygienische Maßnahme denn als ästhetisches Bedürfnis. So wurden Arme und Beine täglich von Schmutz und Schweiß gereinigt, ein Vollbad wurde einmal wöchentlich genommen. Im Gegensatz zum Mittelalter war die römische Frau also wesentlich reinlicher und gepflegter.

Ovid schreibt in seinem für die damalige Zeit bahnbrechenden Werk ars amatoria im Kapitel medicamina faciei femineae (Mittel der weiblichen Gesichtspflege): Cura dabit faciem; frei: „Sorgfalt macht das Gesicht erst schön.“ Dem ist also leicht zu entnehmen, dass das Schminken in allen Schichten auch bei Männern weit verbreitet war. Das altertümliche Make-Up wurde am Vorabend auf das Gesicht aufgetragen und war wegen des unangenehmen Geruchs, bedingt durch das Fett der Schafswolle, aus dem es hergestellt wurde, stark parfümiert. Juvenal überliefert etwas zynisch: „Der Ehemann konnte bereits am Geruch abends im Ehebett erahnen, dass seine Frau ihren Liebhaber am nächsten Tag mit dem Make-Up verführen wollte.“ Zum Schminken waren Spiegel aus poliertem Metall mit aufwendigen Verzierungen auf der Rückseite unabdingbar. Natürlich war nicht nur das Make-Up populär: Lidschatten aus Ruß, Wimperntusche und Lippenstift, dessen Farbe aus Ocker gewonnen wurde, waren genauso beliebt. Kalkweiß oder weißes Blei wurden als Puder verwandt, da braune Haut wie im Mittelalter schwere Landarbeit anzeigen würde und als ordinär galt. Cremes, Salben, Masken aus Eselsmilch, Honig und Mehl erfreuten sich großer Beliebtheit. Des Weiteren galt Hirschmarksalbe als ein durchaus gängiges Mittel zur Zahnpflege. Unabdingbar waren lackierte Finger- und Fußnägel, die die Füße in schicken Schuhen noch anziehender wirken ließen.

Haare, Frisuren und Kopfbedeckung

Die Frisuren der Römerinnen änderten sich im Laufe der Zeit und hingen von Alter und sozialem Status ab.

Traditionsgemäß mussten die Haare der Frau durch Stoff- oder Wollbänder (vittae) gehalten werden und bedeckt sein. Zu diesem Zweck gab es verschiedene Schleier. Sich ohne Kopfbedeckung in der Öffentlichkeit zu zeigen, wurde als Zeichen großer Schamlosigkeit erachtet. Zur Zeit der frühen Republik mussten sich die Frauen so verhüllen, wenn sie das Haus verließen. Sulpicius Gallus ließ sich sogar von seiner Frau scheiden, weil sie ohne Kopfbedeckung in der Öffentlichkeit unterwegs war. Allerdings hielten sich schon in der späten Republik die wenigsten Frauen an diese alten Regeln.

Die römische Frau trug die Haare nie kurz, außerdem wurden die Haare oft kunstvoll hochgesteckt, geglättet, mit einer Art Lockenstab (calamistrum) gelockt, aufwändig mit Nadeln, Haarnetzen und Bändern geschmückt, als Knoten gebunden, mit Haarteilen oder Perücken versehen, als Pferdeschwanz getragen und gefärbt. Nach den Kriegen gegen die Kimbern und Teutonen kamen blonde und rötliche Haare in Mode. Manchmal wurden die Haare in großmaschigen Haarnetzen (reticulum) zusammengebunden und mit Goldeinsätzen verschönert.

Einer nur unvollständig erhaltenen Quelle zufolge[12] trugen Bräute am Hochzeitstag und Vestalinnen eine besondere Frisur mit sechs Zöpfen, die anscheinend im Zusammenhang mit der Jungfräulichkeit steht.

Schmuck

Frauen schmückten sich oft mit Diademen, Ringen, Spangen, geschmückten Bändern, Ohrringen, Armbändern und Ketten. Manche Frauen trugen regelrechte Schätze mit sich herum, besonders betraf dies die Ohren, an denen meistens mehrere Ohrringe gleichzeitig hingen. Oft wurde Bronze und Glas verwendet. Fibeln wurden neben der Zierwirkung vor allem zum Zusammenhalten der Kleider benutzt. Perlen bezeichnet Plinius als Liktoren der Frauen.

„Putzsucht“

Die weibliche „Putzsucht“ wurde immer wieder gerne kritisiert. So kommentiert der Schriftsteller Valerius Maximus den Erfolg der Frauen bei der Aufhebung der lex oppia:

Hätte man damals erkannt, wie weit es die Frauen noch treiben würden mit ihrem Verlangen nach verschwenderischem Prunk und Aufwand, der tagtäglich durch immer kostspieligere Neuheiten gemehrt wird, dann hätten die Väter des Gesetzes der Luxusleidenschaft gleich am Anfang Einhalt geboten. Doch was soll ich noch weiter von den Frauen reden: Sie werden ja dazu getrieben, ihren ganzen Eifer auf die Verschönerung ihres Äußeren zu wenden, einmal durch ihre geistige Schwäche und dann dadurch, dass man sie von jeder ernsthafteren Beschäftigung ausschließt! Freilich sehe ich, dass auch Männer, geistig durchaus hoch stehend, aus berühmter Familie, einen Aufwand treiben, der mit althergebrachter Sitte nichts zu tun hat! [13]

Frauen in besonderen Rollen

Niedriger Rang

Während der späten Kaiserzeit gab es etwa 45 Bordelle in Rom, wobei sie größtenteils an Friseursalons oder Bäder angegliedert waren. Der Großteil der Dirnen waren ausländische Sklavinnen, die auf gesonderten Märkten gehandelt wurden. Alle Prostituierten (lupae, scorta, meretrices) waren polizeilich bei den Aedilen, die die Oberaufsicht über die Bordelle führten, registriert. Übrigens heißt es in der Gründungsgeschichte Roms, dass Romulus und Remus von einer Wölfin aufgezogen wurden. Möglicherweise ein gewagtes Wortspiel, denn die Wölfin hieß genauso wie die Dirne lupa.
Meistens konnte man diese Damen an ihrer grellen Kleidung, der übertrieben aufgetragenen Schminke sowie am nicht gerade sparsam verwandten Parfum schon von weitem erkennen. Das Honorar belief sich pro „Liebhaber“ auf etwa umgerechnet 1,60 € bis 14,40 €. Natürlich gab es auch selbstständige Dirnen, die sich ihre Kunden in zwielichtigen Stadtvierteln suchten.
Dass diese Branche derart strikt durchorganisiert war, macht deutlich, von welcher Wichtigkeit Bordelle im alten Rom waren. So war es ein selbstverständlicher Teil der Erziehung jedes jungen Römers, einmal ein solches Bordell zu besuchen. Hier beschreibt ein Zitat Catos exzellent die allgemeine Haltung zu diesem Thema: „Recht so!“, sagte er einmal zu einem jungen Römer, als er ihn beim Verlassen des Bordells sah. Als er eben diesen öfter aus dem Bordell herausgehen sah, mahnte er „Recht so heißt nicht, dass du es dauernd tun sollst!“ Cato erkannte des Weiteren, dass Sklaven auch nur Menschen sind, und ließ auf seinen Landgütern Bordelle eigens für die Sklaven errichten.
Kurtisanen sind Dirnen für längere Zeit, sie wurde von dem gleichen Mann meist sogar ein halbes Leben ausgehalten. Da sie somit auch die Begleitung ihres „Liebhabers“ bei diversen Veranstaltungen darstellte, musste sie weitere Voraussetzungen erfüllen. So waren Verstand und Geist genauso unabdingbar wie ein gepflegtes, elegantes und reizvolles Äußeres.
Viele Männer, die die finanziellen Möglichkeiten hatten, zahlten ihrer Kurtisane sogar eine eigene Wohnung mit Sklaven, der natürlich neben der Arbeitserleichterung auch zur Überwachung dienen sollte.
Abschließend kann man sagen, dass sich junge Männer häufig nicht wegen einer politischen Karriere, sondern wegen eines Mädchens in Schulden stürzten.

Höherer Rang

Die Vestalinnen waren Priesterinnen des Vesta-Tempels, deren Aufgabe es war, das Feuer im Tempel niemals ausgehen zu lassen. Sie mussten dreißig Jahre lang Jungfrau bleiben. Danach jedoch durften sie sich einen Mann suchen, was jedoch selten geschah. Eine nachweislich unkeusche Vestalin wurde bei lebendigem Leibe begraben, ihr Liebhaber vom Pontifex maximus öffentlich zu Tode gepeitscht.
Gegenüber anderen Frauen genossen die Vestalinnen eine Anzahl von Privilegien. So waren sie die einzigen Frauen, die in der Öffentlichkeit von einem Liktor begleitet wurden und bei Veranstaltungen wie Wagenrennen auf den für die Senatoren reservierten Plätzen in der ersten Reihe sitzen durften. Ansonsten hatten sie auch als unverheiratete Frauen den Status einer matrona oder vidua inne.

Anmerkungen

  1. Das sogenannte "Dreikinderrecht" entstammt den Ehegesetzen des Augustus (Lex Iulia de maritandis ordinibus oder auch Lex Iulia et Papia), der den Bevölkerungsrückgang stoppen wollte und außerdem die alten Tugenden fördern und deshalb das Erbrecht von Unverheirateten und Kinderlosen beschnitt.
  2. Valerius Maximus, Facta Et Dicta Memorabilia 2.1.5.
  3. Aufwachsen im Alten Rom
  4. antike Puppen
  5. Plinius: Naturalis historia 35, 40
  6. Valerius Maximus: Facta Et Dicta Memorabilia 2.1.3.
  7. Plutarch: De Mulierum Virtutibus engl. Übersetzung
  8. Cicero, ad Atticum XV 11,1; vgl. auch Marion Geibel: Frauen in der römischen Antike [1]
  9. Livius, Ab urbe condita 34,1ff
  10. Kleidung im Alten Rom
  11. Plinius: Naturalis Historia 11, 26
  12. Festus p. 454 Lindsay
  13. Valerius Maximus, Facta Et Dicta Memorabilia 9.1.3

Siehe auch

Literatur