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Alvar

Als Alvars (tamil: , dt.: In Gott versunken) bezeichnet man eine Gruppe hinduistischer Hymnendichter, die zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert in Tamil Nadu, im Süden von Indien, lebten. Ihre religiösen Gedichte an Vishnu gelten als erstes Zeugnis der hinduistischen Frömmigkeitsbewegungen, Bhakti. Die Zahl der Alvars soll zu jener Zeit unendlich gewesen sein, doch traditionell spricht man von zwölf, darunter eine Frau.

Die Namen lauten:

Die Alvars lebten in einer Zeit religiöser Umbrüche. In der Zeit des klassischen Hinduismus hatte sich der Gedanke herausgebildet, dass das Karma des Menschen nicht von nur von Opfern abhängig war, sondern vielmehr durch meditative Gleichmut und Pflichterfüllung beeinflusst werden konnte. Im Extremfall wurden hierdurch die Götter verdrängt oder bedeutungslos, da sie ja selbst Karma aufwiesen und dem Rad der Wiedergeburt unterlagen.

Die im 8. Jahrhundert neu aufkommenden Vorstellungen hingegen besagten, dass man nicht durch bloße eigene Anstrengung erlöst werden könne, sondern durch die Gnade des Göttlichen in der Form von Vishnu oder Shiva. Gott erreiche man nicht durch Abgeklärtheit, sondern im Gegenteil, durch intensive emotionale Hinwendung. Diese emotionale Hingabe (Bhakti) an Vishnu, einschließlich seiner Avatare, ist Gegenstand der Gedichte der Alvars.

Insgesamt verfassten die Alvars circa 4000 Verse in Tamil zu Ehren Vishnus und verbreiteten sie als fahrende Dichter im Volk. Ihre Gedichte trugen zum Aussterben des Buddhismus in Indien bei und setzten in der Folgezeit im Zusammenhang mit der im Hinduismus üblichen Bilderverehrung dem allmählich eindringenden Islam eine eigene Anschauung entgegen.

Im 9. oder 10. Jahrhundert fasste der Philosoph Nathamuni die Hymnen in der Anthologie "Divya Prabandham" (Göttliche Sammlung) zusammen, vertonte viele und sorgte dafür, dass die Hymnen bei Tempelzeremonien rezitiert wurden.