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Schlacht von Aljubarrota

Die Schlacht von Aljubarrota war eine entscheidende Schlacht, die am 14. August 1385 zwischen der Armee König Johann I. von Kastilien und Johann von Avis, des späteren Johann I. von Portugal, stattfand und die Unabhängigkeit Portugals sicherte. Sie ist nach der damals zur Abtei von Alcobaça gehörenden Stadt Aljubarrota benannt, in deren Nähe sie stattfand.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Die Wiedereroberung der nördlichen Landesteile Portugals von den Mauren (Reconquista) wird zuerst von dem auf heute spanischem Boden gelegenen Königreich Asturien-León durchgeführt. Die so eroberten Gebiete auf heute portugiesischem Gebiet, werden von König Alfons VI. von Asturien-León als Grafschaft Portucale zusammengefasst. 1095 erhält Heinrich von Burgund, ein jüngerer Abkömmling der kapetingischen Herzöge von Burgund und Schwiegersohn des Königs von Asturien-León, von diesem die Grafschaft Portucale als erbliches Lehen. Es begann ein Prozess, in dem sich Portugal langsam aus der Lehnsabhängigkeit von Asturien-León, beziehungsweise später von Kastilien, dem Nachfolgestaat von Asturien-León, löste und so seine Unabhängigkeit erlangte. Dieser Prozess war erst mit dem Vertrag von Zamora 1143 beendet, der es dem letzten Grafen von Portugal, Alfons Henriques, erlaubte, den Königstitel anzunehmen. Heinrich von Burgund und sein Sohn Alfons Henriques gründeten auch das erste portugiesische Königshaus, das Haus der portugiesischen Burgunderkönige, das das Land bis 1383 beherrschen sollte. Das benachbarte Kastilien hörte allerdings nicht auf, Portugal mit begehrlichen Blicken anzusehen und auf eine Gelegenheit zu warten, die portugiesische Unabhängigkeit zu zerstören und das Land wieder seiner Lehnshoheit zu unterstellen.

1367 besteigt Ferdinand I., der Schöne, als letzter König aus dem Hause Burgund den portugiesischen Thron. Der König hatte keine legitimen männlichen Nachkommen, mit seinem Tode starb also das Haus Burgund in Portugal aus. Dies war die Gelegenheit, auf die Kastilien gewartet hatte. Ferdinand I. versuchte zwar verzweifelt, Kastilien und England gegeneinander auszuspielen, um so die portugiesische Unabhängigkeit auch über seinen Tod hinaus zu erhalten. Nachdem sich die englische Karte als enttäuschend herausgestellt hatte, blieb ihm jedoch nichts anderes übrig, als seine Erbtochter, Beatrix, mit dem kastilischen König Johann I. zu vermählen. Schon vor dieser Hochzeit waren die familiären Bande zwischen dem kastilischen und dem portugiesischen Königshaus ausgesprochen eng geknüpft. Der Vater König Johanns I. von Kastilien und die Großmutter König Ferdinands von Portugal waren Geschwister, auch die Mutter König Ferdinands war eine kastilische Prinzessin. Mit der Heirat von Beatrix mit dem kastilischen König waren die kastilischen Erbansprüche auf den portugiesischen Thron zementiert. Zwar erreichte Ferdinand I. die Zusage, dass Portugal nach seinem Tode zunächst von einer Regentschaft regiert werden sollte bis ein zukünftiger Sohn der Beatrix alt genug sein würde, um den Thron zu übernehmen. Sollte Beatrix keine Kinder haben, so sollte Portugal zwar an Kastilien fallen, aber dauerhafte Autonomie genießen. Ob es jedoch wirklich so gekommen wäre, ist zweifelhaft. Die Wahrscheinlichkeit, dass die kastilische Besitznahme das dauerhafte Ende der portugiesischen Unabhängigkeit bedeutet hätte, ist dagegen nicht von der Hand zu weisen. Portugal wäre damit letztendlich zu einer spanischen Provinz geworden, vielleicht mit einer gewissen kulturellen Eigenständigkeit, vergleichbar etwa dem heutigen Galicien.

1383 verstirbt dann Ferdinand I. Die gerade etwas mehr als zweihundert Jahre andauernde Unabhängigkeit des Landes von dem großen kastilischen Nachbarn ist damit auf das Äußerste gefährdet. Die Regentschaft wird zunächst von seiner Witwe und deren Liebhaber, einem pro-kastilischen galicischen Landedelmann geführt. Nach nur sechs Wochen kommt es zum Aufstand, der so genannten Revolution von 1383. Die Witwe Ferdinands wird aus Lissabon verjagt, ihr Liebhaber getötet. Johann von Avis, Meister des Ritterordens von Avis und Halbbruder des verstorbenen Ferdinands, übernimmt die Führung des Aufstandes. Johann von Avis war zwar über seinen Vater, König Peter I., ebenfalls Abkömmling der Burgunderkönige, konnte jedoch eigentlich keine Erbansprüche auf den Thron erheben, da er nichtehelich geboren war.

Kastilien sah den Sturz der Witwe Ferdinands richtigerweise als unmittelbare Bedrohung ihrer Machtansprüche. Der kastilische König Johann I. marschierte daraufhin mit einem großen Heer in Portugal ein. Johann von Avis wurde vom portugiesischen Adelsparlament, den Cortes, in Coimbra zum Verteidiger und König des Vaterlandes erklärt.

Die Schlacht

Die Schlacht von Aljubarrota am 14. August 1385 fiel in eine entscheidende Phase der kastilisch-portugiesischen Auseinandersetzung. Nachdem er die Belagerung Lissabons aufgeben musste, zog König Johann I. von Kastilien erneut seine Truppen zusammen, um nochmals zu versuchen, Portugal zu erobern und seine Ansprüche auf den portugiesischen Thron durchzusetzen. Am Abend des 13. August 1385 kamen die kastilischen Truppen in Leiria an. Die Schlacht sollte am folgenden Tag stattfinden. Kastilien war den Portugiesen zahlenmäßig überlegen, zudem war die kastilische Armee besser ausgerüstet. Trotzdem gelang es den Portugiesen, Kastilien zu schlagen, was besonders dem militärisch-taktischen Genie des Nuno Álvares Pereira zu verdanken war.

Bedeutung

Mit dem portugiesischen Sieg war die Unabhängigkeit Portugals dauerhaft gesichert, die kastilischen Ansprüche abgewehrt. Für Johann von Avis machte sie den Weg frei, sich als Johann I. zum König krönen zu lassen, er begründete so die Herrschaft des Hauses Avis, das Portugal bis 1580 regieren sollte. Zum Andenken an die Schlacht wurde von Johann nahe dem Schlachtfeld das Kloster Batalha gegründet, das von der UNESCO auf die Liste des Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Siehe auch: Geschichte Portugals, Zeittafel Portugal, Portugal unter dem Hause Avis.


Quellen