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Baar-Ebenhausen

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 48° 40′ N, 11° 26′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Pfaffenhofen an der Ilm
Höhe: 374 m ü. NN
Fläche: 14,80 km²
Einwohner: 4810 (31. Dez. 2006)
Bevölkerungsdichte: 325 Einwohner je km²
Postleitzahl: 85107
Vorwahl: 08453
Kfz-Kennzeichen: PAF
Gemeindeschlüssel: 09 1 86 113
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Gemeindeverwaltung: Münchener Straße 55
85107 Baar-Ebenhausen
Webpräsenz:
www.baar-ebenhausen.de
Bürgermeister: Michael Kolisnek (CSU)
Lage der Gemeinde Baar-Ebenhausen im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm

Baar-Ebenhausen ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, etwa 12 km südlich von Ingolstadt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Etwa 12 km südlich von Ingolstadt liegt inmitten der Donauebene zwischen der Bahnlinie München–Ingolstadt und der Autobahn A 9 (MünchenNürnberg) der Ort Baar-Ebenhausen. Er wurde im Jahre 1984 aus den ehemals selbständigen Gemeinden Baar und Ebenhausen gebildet. Die heutige Einheitsgemeinde besteht aus den drei Ortsteilen Baar, Ebenhausen und Ebenhausen-Werk. Vorher, zwischen 1978 und 1984, bildeten die beiden Gemeinden Baar und Ebenhausen eine Verwaltungsgemeinschaft, blieben aber dennoch bis 1984 zwei rechtlich selbstständige Gemeinden. Seit 1984 befindet sich nun der Sitz des Rathauses der politischen Gemeinde im Ortsteil Ebenhausen. Die Gesamtgemeinde Baar-Ebenhausen umfasst eine Fläche von 1.477 ha, wobei auf den Ortsteil Baar 630 ha und den Ortsteilen Ebenhausen und Ebenhausen-Werk 847 ha entfallen.

Gemeinde Ebenhausen

Die Gemeinde Ebenhausen entstand vermutlich im 8. oder 9. Jahrhundert, ihr Name lässt sich herleiten von dem Begriff von „zu den Häusern des Ebo oder Eberhardt“, wobei dieser Ebo oder Eberhardt wahrscheinlich der Locator war, der die Gründung des Dorfes leitete. Er stand vermutlich in fränkischen Diensten; die Struktur Ebenhausens als Strassendorf und das Martins-Patrozinium der Kirche deuten darauf hin; die Gründung Ebenhausens stand also im Zusammenhang mit der fränkischen Durchdringung Bayerns nach dem Sturz Tassilos III. im Jahr 788 durch Karl den Großen.

Die Ritter von Ebenhausen, die in mittelalterlichen Urkunden auftauchen, standen bei den Fürsten des Landes in hohen Ehren. In einer Urkunde der Äbtissin Gebirga von Geisenfeld 1037 bis 1061 erscheint 1040 ein „Chuono von Ebenhusen“ als Zeuge. Im Schenkungskodex des Klosters Indersdorf wird 1163 der Ritter „Dilcherius von Ebenhusen“ als Zeuge erwähnt. Außerhalb ihres Sitzes hatten die Ritter von Ebenhausen auch noch Besitz in Mitterwöhr und Wangenbach. Seit 1326 ist auch ein Chunrad von Ebenhausen zu Nörting (Gemeinde Kirchdorf an der Amper) erwähnt. 1420 wird in Ebenhausen noch der Sitz der Ritter von Ebenhausen erwähnt, der in der Mitte des 15. Jahrhunderts allerdings schon im Besitz der Familie Menbegk war.

Die Ritter von Ebenhausen starben im Jahre 1570 aus; sie hatten damals allerdings in Ebenhausen keinen Besitz mehr, nur noch in Lenting bei Ingolstadt. Seit 1570 finden sich von ihnen keine urkundlichen Spuren mehr.

Im zweiten bayerischen Herzogsurbar von 1280 ist Ebenhausen Sitz eines eigenen Amtes, mit allerdings seltsam verstreuten Einnahmenskomplexen. Vermutlich haben die Wittelsbacher alles, was sie zwischen 1240 (als Ebenhausen noch zum Amt Pfaffenhofen gehörte) und 1280 im Raum südlich der Donau und nördlich der Hallertau erwarben, zu einem eigenen Amt zusammengefasst. Im Jahre 1310 wird Ebenhausen als zum Amt Vohburg zugehöriger Markt aufgeführt, das Amt Ebenhausen wurde somit nach kaum 30 Jahren wieder aufgelöst. Das damals vermerkte Marktrecht ging verloren, als der Ort im Jahre 1332 zusammen mit dem Nachbarort Reichertshofen an einen unehelichen Sohn Kaiser Ludwigs IV. verliehen wurde, der danach Ludwig von Reichertshofen genannt wurde. 1505 kam Ebenhausen zusammen mit Baar zum Herzogtum Pfalz-Neuburg.

Am 1. Januar 1880 wurde der Ort Ebenhausen dem Bezirksamt Ingolstadt zugeteilt, dem es bis 1972 angehörte. Seitdem war Ebenhausen Teil des Landkreises Pfaffenhofen. Der Zwiebelturm der St.-Martin–Kirche, vielfach als „in Barock gehalten“ bezeichnet, ist ein besonderes Wahrzeichen des Ortes im Rokoko-Stil. Im Zentrum des Ortes steht eine vor gut 100 Jahren gepflanzte Eiche, die mittlerweile unter Naturschutz steht und als wahre Naturschönheit gelten kann. Im Laufe der Jahre wuchs Ebenhausen durch seine Weiterentwicklung zu einer stattlichen Gemeinde.

Gemeinde Baar

St. Maria Himmelfahrt im Ortsteil Baar

Der Name der Ortschaft Baar ist von ungewisser Herkunft: Wahrscheinlich erhielt sie ihren Namen von dem Fluss Paar, der sich in einer Schleife östlich um den Ort windet, dann den Ort Ebenhausen durchquert und als rechter Nebenfluss in die Donau mündet. Der Flußname leitet sich wohl ab von einem indogermanischen Wort, das so viel wie „aufwallen“ bedeutet.

Möglich sind jedoch auch noch zwei andere Deutungen: In Grimms Wörterbuch ist eine der aufgeführten Bedeutungen von „Baar“ die eines „blossen, kahlen Platzes“ (die Bedeutung hat sich noch in Wörtern wie „barfuß“ erhalten). Der Ortsname wäre also entstanden, weil die Siedlung an einem Platz angelegt wurde oder entstanden ist, der schon ohne Baumbestand gewesen wäre. Ein altes Heiligtum käme hierfür in Frage.

Ebenfalls möglich ist, dass der Name aus der fränkischen Verwaltung stammt: So stammt der Name der schwäbischen Landschaft Baar daher, dass es hier im frühen Mittelalter Gebilde gab, die „Baaren“ hießen und nach der Eingliederung des alemannischen Herzogtums in das Fränkischen Reich als den Grafschaften übergeordnete territoriale Einheiten entstanden waren. Es wäre denkbar, dass auch die verschiedenen anderen Ortschaften mit Namen „Baar“ oder „Paar“, von denen es in Oberbayern und Bayerisch-Schwaben (z.B. Paar bei Aichach und Ober-/Unterbaar bei Rain am Lech) sowie in der Schweiz einige gibt, Verwaltungsmittelpunkte aus dem frühen Mittelalter darstellen. In unserem Fall passt dazu, dass Gerhard Krahn ein Wegenetz aus römischer oder sogar vorrömischer Zeit rekonstruiert hat, das beim Paarübergang von Baar - dem letzten vor der Einmündung der Paar in die Donau - zu einer Kreuzung zusammen läuft.

Ein weiterer Punkt, der eine frühe überregionale Bedeutung Baars unterstreicht, ist die Tatsache, dass die Pfarrei von Reichertshofen, einem benachbarten Markt, der im Mittelalter Zentralort eines Landgerichts wurde, bis ins 17. Jahrhundert nur eine Tochterpfarrei von Baar war: Zwischen 1350 und 1559 bezeichneten sich die Pfarrer von Baar als Pfarrer von Baar und Reichertshofen. Baar war zu dieser Zeit allerdings längst schon zu einem kleinen Bauerndorf abgesunken.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Gemeinde Baar um 1030 in Urkunden des Klosters Münchsmünster. Ob Ortsadel vorhanden war, ist unklar, zumindest werden aber in den Urkunden des Klosters Geisenfeld um 1140 ein Hartwick de Parre und 1211 Perhtold de Parre et fratres als Zeugen genannt. Vorerst nicht erklärbar ist auch die Erwähnung eines Erhard, Richters zu Pair aus dem Jahr 1276. Um 1500 entwickelte sich Baar zu einem landläufig bekannten Wallfahrtsort, nämlich zu Mariä Himmelfahrt in Baar. Bemerkenswert ist, dass die ursprünglich romanische Kirche nicht etwa im Zentrum des Dorfes liegt, sondern ganz am Rand. Eine Erklärung dieses Phänomens fällt schwer: Die ursprünglich romanische Kirche kann nicht im Zuge der Entstehung der Wallfahrt an den Ortsrand verlegt worden sein, etwa um Pilgern auf den Wiesen außerhalb des Dorfs ein Möglichkeit zum Kampieren bereit zu halten. Es bleibt eigentlich nur übrig, dass sich das Dorf an ein älteres, also römisches oder keltisches Heiligtum angelagert hat, das christlich umgewidmet wurde.

Bei Renovierungen im Jahre 1697 entdeckte man die in den Sockel der heute noch vorhandenen gotischen Madonna eingravierte Jahreszahl „1480“. Das „Heilige Grab“, ein seltenes Werk barocker Kunst und Frömmigkeit, wurde im Jahre 1721 erstmals errichtet. Am 1. Mai 1753 erlebte die Gemeinde Baar mit der Überführung und Aufbewahrung der Gebeine des Hl. Fortunatus in die Pfarrkirche ein Fest mit der ganzen Pracht und Begeisterung der Barockzeit. Jedoch blieb die Ortschaft Baar auch von Umweltkatastrophen nicht verschont. Ein Hochwasser der Paar nahm beispielsweise am 28. Februar 1784 derartige Ausmaße an, dass im Dorf kaum ein Haus vom Wasser verschont blieb. 1866 wurde der Ort mit einem Großfeuer, das binnen weniger Stunden 16 Wohnhäuser und 36 Nebengebäude in Schutt und Asche legte und dadurch 16 Familien obdachlos machte, von einem schweren Unglück betroffen. Die Verlegung der Eisenbahnlinie Ingolstadt–München im Jahr 1867 trug dazu bei, dass das Dorf Baar mit seinen 396 Einwohnern im Laufe der Zeit seinen bäuerlichen Charakter verlor. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Gemeinde Baar stetig weiter: Dank einer regen Bautätigkeit wuchs aus dem einst kleinen Dorf eine ansehnliche Gemeinde.

Ebenhausen-Werk

Zu erwähnen ist auch noch der Ortsteil Ebenhausen-Werk: Nachdem zuvor die militärische Pulvermühle zerstört worden war, beschloss man im Jahre 1862 in München, im jetzigen Ortsteil Ebenhausen-Werk nahe der früheren Aidmühle eine neue Pulverfabrik zu errichten. Jedoch blieb auch diese nicht von Unfällen verschont. So explodierten am 9. August 1865 das Walzwerk, die zweite Mühle und kurze Zeit später auch das Stampfwerk. Weitere Explosionen ereigneten sich am 24. September 1866 und am 9. Mai 1867. Von 1914 bis 1918 wurde die Pulverfabrik zu einem großen Betrieb ausgebaut, der zeitweise bis zu 6.000 Arbeiter beschäftigte. Doch mit dem Ende des Ersten Weltkrieges kam auch das Ende der Pulverfabrik. Das Gelände lag mit Ausnahme einiger kleiner Betriebe still bis dort 1938 wieder eine neue Pulverfabrik errichtet wurde. 1942 begann erneut die Fabrikation von Pulver, 1943 waren alle Gebäude und Einrichtungen in Betrieb. Auf dem Gelände des Konzentrationslagers in Dachau befand sich vor dessen Errichtung eine Außenstelle der Pulverfabrik. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden sämtliche Fabrikationsgebäude sowie auch das große Kesselhaus und der neu erbaute Wasserturm durch Sprengungen zerstört. Heute sind in Ebenhausen-Werk mehrere größere, wie die Gesellschaft für Sondermüllbeseitigung in Bayern (GSB), aber auch verschiedenartigste mittelständische und kleinere papier-, kunststoff-, metall- sowie holzverarbeitende Betriebe angesiedelt.

Söhne und Töchter der Gemeinden

Quellen