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Deutsche Werft

Die Deutsche Werft AG war eine 1918 auf Initiative Albert Ballins gegründet Werft auf Finkenwerder. Gründungsaktionären waren die Gute-Hoffnungs-Hütte (GHH), die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) und die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG). 1968 fusionierte die Deutsche Werft AG mit den Kieler Howaldtswerke zu dem neuen Unternehmen Howaldtswerke-Deutsche Werft.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Die meisten Schiffe der HAPAG gingen im Verlauf des Ersten Weltkrieges durch Beschlagnahme oder Versenkung verloren. Daher war für die HAPAG und besonders für ihren Direktor Albert Ballin deutlich, das es nach Kriegsende zu einer Konjunktur des Schiffbaus kommen musste. Für die erwartete Nachfrage sollte eine moderne Großwerft entstehen, die billigere und rationellere Schiffe - insbesondere die damals neuen Dieselmotorschiffe - bauen konnte. Schon 1917 während des Krieges gründete Ballin zusammen mit Walter Rathenau von der AEG die Hamburger Werft AG, in dieser Kooperation sollte die AEG die Motoren liefern. Dieses Unternehmen scheiterte jedoch an Kapitalknappheit. Die AEG hatte bereits 1916 in Finkenwerder das sogenannte Vorland I vom Hamburger Senat gepachtet. Der von seiner Idee überzeugte Ballin führte weitere Gespräche, vor allem mit Stahlproduzenten, da diese Kapital und Interesse an Stahlabnehmern hatten. Nachdem die Gespräch mit Hugo Stinnes scheiterten, konnte Ballin Paul Reusch von der Gute-Hoffnungs-Hütte überzeugen. Noch während des Krieges konnte die Gründung der Deutschen Werft AG vollzogen werden, mit der Begründung, das sie kriegswichtige U-Boote billiger warten würde.

Gründung

Der Betrieb wurde 1918 auf dem teuer zu erschließenden Vorland I in Finkenwerder begonnen. Dieser Platz wurde gewählt, da das anschließenden Vorland II genügend Raum zum Wachstum bot, der im übrigen Hafen kaum noch vorhanden war. Das Gründungskapital betrug am 6. Juni 1918 10.000.000 Mark, davon entfielen 5.100.000 auf die GHH, 3.900.000 auf die AEG und 1.000.000 auf die HAPAG.

Das Vorland I lag zwischen dem Köhlfleet und dem alten Steendiekkanal. Es wurde schon Mitte der 1920er Jahre wieder aufgegeben. Heute findet sich auf dem Gelände der Gorch-Fock Park und das Schwimmbad Finkenwerder. Nach Kriegsende (Anfang der 20er Jahre) wechselte die Firma auf das Vorland II westlich des Steendiekkanals. Teile des alten Rüschkanals wurden dafür zugeschüttet. Heute heißt das Gelände Rüschpark.

Betrieb

In den zwanziger Jahren war die Deutsche Werft AG Produktionsort für Handelsschiffe und baute Spezialsschiffe für unterschiedliche zivile Zwecke. 1921 hatte sie eine Belegschaft von 6000 Personen. Wegen der schlechten Wirtschaftslage der Zeit hielt die Produktion von Frachtschiffen, Passagierschiffen, Fischdampfer und Baggerschuten die Gesellschaft nur mühsam aufrecht. Jeder Streik wurde zur Bedrohung des Fortbestehen der Werft.

Die wirtschaftliche Lage der Deutschen Werft besserte sich rapide, nachdem die Kriegsmarine den Bau von U-Booten in Auftrag gab: Von Anfang 1941 bis April 1945 wurden 113 Boote zu Wasser gelassen[1]. Von 1941 bis 1944 wurde hierfür der U-Boot-Bunker Fink II am Rüschkanal gebaut. Auch der direkte 'Nachbar' am Neßkanal profitierte von der Aufrüstung: Hier baute Blohm & Voss die Flugzeugwerft ihrer Tochtergesellschaft Hamburger Flugzeugbau GmbH, die maßgeblich an der Erweiterung der Luftwaffe beteiligt war.

Wohnsiedlungen

Die Umwandlung des Dorfes Finkenwerder in einen kriegswichtigen Standort wirkte sich auch auf den Ortskern aus. Nach einer Idee des Architekten Peter Behrens wurde durch werkseigene Architekten die Arbeiter- und Werkmeistersiedlung gebaut - und dies trotz reichsweitem Baustopp für Wohnanlagen. Diese für die Zeit recht komfortablen Unterkünfte wurden aus Klinkern gebaut, die von Häftlingen im Konzentrationslager Neuengamme gebrannt wurden. Das SS-Unternehmen Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH belieferte das große Werft-Projekt.

Ein weiteres Projekt dieses Architekten war die „Beamtensiedlung" (Angestelltensiedlung) der Deutschen Werft in Hamburg-Othmarschen.

Im Jahre 1953 war die Deutsche Werft die Werft mit der höchsten Bautätigkeit weltweit.

Ende

1968 fusionierten die Deutsche Werft und die Hamburger und Kieler Betriebsteile der Howaldtswerke zur Howaldtswerke-Deutsche Werft. Der Betriebsort Finkenwerder wurde 1973 geschlossen.

Literatur

 Commons: Deutsche Werft – Bilder, Videos und Audiodateien

Quelle

  1. uboat.net (engl.)