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Leinsamen

Als Leinsamen werden die Samen des Flachs (Gemeiner Lein, Linum usitatissimum) bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Leinsamen haben je nach Sorte eine braune oder gelbe Schale, schmecken leicht nussig und enthalten etwa 40% Fett (Leinöl). Die mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure hat einen Anteil von etwa 50%, das ist die höchste Konzentration von Omega-3-Fettsäuren aller bekannten Pflanzenöle. Weitere wichtige Inhaltsstoffe sind Schleimstoffe, Linamarin, Leinöl, Eiweiß, Lecithin; ferner Sterine, die Vitamine B1, B2, B6 und E sowie Nicotin-, Fol- und Panthothensäure.[1] Flachs zählt zu den erweichenden Kräutern.

Verwendung

Heilmittel

Leinsamen haben sich als natürliches, nicht apothekenpflichtiges Abführmittel bewährt, das bei Verstopfung angewendet wird. Ihre abführende Wirkung beruht darauf, dass in der Samenschale von Leinsamen Schleime enthalten sind, die durch Wasseraufnahme quellen. Der Stuhl wird ferner erweicht. Die mit der Quellung einhergehende Volumenzunahme reizt die in der Darmwand befindlichen Dehnungsrezeptoren, so dass es zum Stuhlentleerungsreflex kommt.

Leinsamenschleim kann zum Schutz der Magenschleimhaut bei Gastritis als morgendliche Rollkur oder auf den Tag verteilt eingenommen werden.

Bei der Einnahme von Leinsamen ist zu beachten:

  1. Von hohen Dosierungen ist aufgrund des in Leinsamen enthaltenen cyanogenen Glykosiden Linustatin und Neolinustatin[2] und der damit verbundenen Gefahr einer Blausäurevergiftung abzuraten.
  2. Aus demselben Grund Leinsamen zur innerlichen Anwendung niemals heiß aufgießen oder kochen, da sonst diese Stoffe ausgelöst werden.
  3. Generell gilt: Nicht mehr als 20 g (ca. 2 Esslöffel) Leinsamen täglich! Wie auch andere Ölsaaten können Leinsamen erhebliche Mengen an Cadmium aus dem Boden akkumulieren. Eine zu hohe Cadmiumaufnahme führt zur Itai-Itai-Krankheit.

Dies gilt nur für gemahlenen oder geschroteten Leinsamen. Unbehandelter Leinsamen (auch nach Quellung) verlässt weitestgehend unverändert das Verdauungssystem des Menschens, weshalb es zu keiner nennenswerten Aufnahme der Inhaltsstoffe (z.B. Linustatin, Cadmium, Linolsäure und Linolensäure) kommt. Es ist aber kein einziger Vergiftungsfall - auch bei langdauernder Einnahme höherer Dosen bekannt geworden. Es wird angenommen, dass die Cyanide zu langsam freigesetzt und aufgenommen werden, um giftig wirken zu können.[3]

Auch aus diätetischen Gründen sollte Leinsamen nicht geschrotet werden, denn die enthaltenen Fette und Öle sind sehr kalorienreich. Ungeschroteter Leinsamen ist praktisch kalorienfrei, während beim geschroteten Leinsamen die Inhaltsstoffe vom Körper verdaut werden können und somit erheblich Kalorien zuführen.

Leinsamenschleim (mucilago lini seminis) lauwarm oder kalt ansetzen und die Samen abseihen. Der Schleim entsteht durch Übergießen von Leinsamen mit der 50fachen Menge Wasser. Durch halbstündiges Stehenlassen in lauwarmem oder kaltem Wasser über Nacht werden die Schleimstoffe aus der Zellschicht des Samens ausgesaugt. Leinsamenschleim ist dem Schleim der Magenschleimhaut ähnlich.

Gepulverte Leinsamen und Leinkuchen (der Presskuchen als Nebenprodukt der Leinölproduktion) werden für erweichende und schmerzlindernde breiige Umschläge bzw. als heiße Packung bei Gallenblasenkolik und anderen Erkrankungen der Leber und Galle verwendet.

Weitere Verwendungen

Leinsamen wird in größeren Mengen als Zutat für Lebensmittel verwendet, hauptsächlich Backwaren und Müsli. Große Mengen werden zu Leinöl gepresst, das als hochwertiges Speiseöl, als Therapeutikum sowie vor allem auch in technischen Anwendungen genutzt wird. Leinkuchen wird an Nutztiere verfüttert oder als Düngemittel ausgebracht.[1]

Leinöl ist ein aus ernährungsphysiologischer Sicht sehr wertvolles Speiseöl (90 % und mehr ungesättigte Fettsäuren). Es polymerisiert schnell, Jodzahl 170-190, und eignet sich daher hervorragend zur Herstellung von Ölfarbe. Die Aufbewahrung aller Leinsamenprodukte sollte daher in dunklen, luftdicht schließenden Gefäßen erfolgen.

Einzelnachweise

  1. a b Michael Carus u.a.: Studie zur Markt- und Konkurrenzsituation bei Naturfasern und Naturfaser-Werkstoffen (Deutschland und EU). Gülzower Fachgespräche 26, hrsg. von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V., Gülzow 2008, S. 234f.
  2. IS Palmer, OE Olson, AW Halverson, RMiller, C Smith (1980). Isolation of Factors in Linseed Oil Meal Protective against Chronic Selenosis in Rats. Journal of Nutrition Vol. 110 No. 1 January 1980, pp. 145-150
  3. http://www.heilpraktikerverband.de/heilv/natur_185.php?sid=&s_von=
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