Heim

Heirat

Die Heirat ist die üblicherweise die mit den Ritualen der Trauung verbundene Schließung einer Ehe zwischen zwei Personen.

Verheiratet ist neben ledig, verwitwet und geschieden einer der vier weltweit üblichen Familienstände. In erweitertem Sinne bezieht sich der Ausdruck rechtlich auch auf eingetragene Partnerschaften, nicht aber Lebensgemeinschaften.

Inhaltsverzeichnis

Wortherkunft

Das Wort Heirat leitet sich von althochdeutsch hīrāt ab und ist ein Kompositum, das sich aus zwei Wurzeln zusammensetzt. Die Silbe hei- geht auf germanisch *hīwa[n] („Haus“, „Hausgemeinschaft“) zurück, das von der indogermanischen Wurzel *kei („liegen“, hier in der Bedeutung „Lager“, „sich niederlassen“) abgeleitet wird, aus der sich auch die Wörter um lat. civis („Hausgenosse“, „Bürger“) und dt. Heim ableiten. Die Silbe -rat ist mit raten und reden verwandt und bezeichnete ursprünglich „Mittel, die zum Lebensunterhalt notwendig sind“, dann die „Besorgung“ dieser Mittel, schließlich auch „Fürsorge“. [1] Zunächst bezeichnete mittelhochdeutsch der hîrât (maskulinum) den geordneten[2] ehelichen Hausstand oder eben Hausrat und erst später die Eheschließung und Vermählung[3] [4].

Begriffe rund um Ehe und Eheschließung

Die deutsche Sprache unterscheidet zwischen der Institution der Ehe (der auf Dauer angelegten Partnerschaft eines Paares) und der Eheschließung selbst, für die es mehrere Synonyme gibt:

Umgangssprachlich findet der Begriff Heirat / heiraten auch bei anderen Verbindungen Anwendung. So wird das Eingehen einer eingetragenen Partnerschaft vom LSVD[6] und von Journalisten des SWR als Heirat bezeichnet, andere, wie Wüstenstrom[7] lehnen diese Bezeichnung als „falsch“ ab. Manche Paare feiern auch ohne rechtliche Anerkennung „Hochzeit“, um sich öffentlich zu ihrer Beziehung zu bekennen.

Nach deutschem und schweizerischem Recht wird die Rechtsform der Ehe von der Rechtsform der Lebenspartnerschaft/Partnerschaft unterschieden[8] [9]. Entsprechend wird im deutschen und schweizerischen Recht das Wort „verheiratet“ nur für Personen gebraucht, welche die Ehe miteinander eingegangen sind[10][11]. In Österreich gibt es derzeit keine eingetragene Partnerschaft, eine rechtliche Unterscheidung ist also nicht nötig.

Zur Klarstellung oder zur Abgrenzung von Heirat als Eingehen der Ehe wird in Deutschland der Begriff Verpartnerung verwendet[12]. Auf diverse andere Formen von Lebensgemeinschaften werden die Begriffe Ehe und Heirat nicht angewandt.

Geschichte

Zwischen 1489 und 1770 ist die Trauung per Stellvertreter / Handschuhehe belegt. Das war eine besondere Zeremonie der Trauung in Abwesenheit des Bräutigams. Ein Stellvertreter des Bräutigams (ein Gesandter bzw. Diplomat) vollzog „per procurationem“ dabei formell die Eheschließung.

Vor 1800 waren die meisten Partner bis zum Zeitpunkt der Hochzeit offiziell Junggesellen und Jungfrauen. In Traueintragungen im Kirchenbuch wurde im allgemeinen die Bezeichnung Jungfrau (abgekürzt J.) für die Braut gebraucht, solange der Pfarrer nicht vom Gegenteil überzeugt war. War er das, so wurde die Braut als „Deflorata“ oder gar „Impraegnata“ bezeichnet, und die Trauung fand „auf Verordnung“ bzw. „in der Stille statt“, wobei dann oft der Name des Brautvaters in der Traueintragung fehlt (siehe auch Toter Punkt).

In Deutschland gilt seit 1875 die obligatorische Zivilehe, was heißt, dass nur verheiratete Paare zur „Trauung“ in die Kirche dürfen. Wer ohne standesamtlich getraut zu sein, zur kirchlichen Trauung schreitet, begeht eine Ordnungswidrigkeit nach § 67 des Personenstandsgesetzes.

Eine Sonderform der Eheschließung war die Ferntrauung, die im Zweiten Weltkrieg möglich war. Dabei war der an der Front eingesetzte Soldat nicht persönlich anwesend. In einigen Fällen kam es so sogar zu Heiraten mit Verstorbenen, da die Nachricht vom Tode des Soldaten das Standesamt nicht immer erreichte.

Durch die Teilung Deutschlands entwickelte sich die Sozialistische Eheschließung. Sie war ein staatlich verordneter Festakt in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR).

Bis Juli 1998 war es nötig, vor der Trauung ein Aufgebot zu bestellen, weil man meinte, so etwaige Ehehindernisse aufdecken zu können; diese Funktion wurde mit der Zeit aber ohnehin von den Standesämtern bereits im Vorfeld übernommen.

Bedeutung der Heirat

Die Heirat begründet die eheliche bzw. partnerschaftliche Beziehung und den Beginn umfangreicher sozialer und ökonomischer Rechte und Pflichten zwischen den dadurch verbundenen Familien respektive Verwandtschaftsgruppen. Oft findet bereits bei der Hochzeit, die den Beginn der Ehe (bzw. Lebenspartnerschaft) bedeutet, ein Austausch von Gütern zwischen den Familien/Verwandtschaftsgruppen statt.

In den meisten Kulturen bzw. Religionen muss die Ehe vollzogen werden (d. h. es muss Geschlechtsverkehr stattfinden), damit sie vollgültig ist; so ist in der katholischen Kirche eine unvollzogene Ehe zwar gültig, aber anders als eine vollzogene durch Gnadenakt scheidbar (dies ist nicht mit dem kirchlichen Ehenichtigkeitsverfahren zu verwechseln).

Hochzeit bzw. Trauung

Trauung

Hauptartikel: Trauung

Das Wort Trauung als zeremonieller und rechtlicher Kern der Heirat, des Sich-Anvertrauens wird selten alleine verwendet, da es je nach Kontext entweder für die standesamtliche Handlung oder die kirchliche Zeremonie steht. Bei der standesamtlichen Trauung wird öffentlich und in der Regel vor Zeugen die dauerhafte und exklusive Beziehung bestätigt. In Deutschland sind Trauzeugen seit 1998 nicht mehr gesetzlich Pflicht[13].

Hochzeitsfeier

Hauptartikel:Hochzeitsfeier

Das Fest anlässlich der Eheschließung bezeichnet man heute als Hochzeit. Die Hochzeitszeremonie hat die Funktion, die Rechtmäßigkeit der Beziehung zu bestätigen, um die Legitimität etwaiger in der Ehe gezeugten Nachkommen abzusichern; in manchen Kulturkreisen hängen deren Geburtsrechte davon ab.

In vielen Kulturen beschränkt sich die Hochzeit nicht auf eine kurze, abgeschlossene Zeremonie, sondern findet über einen längeren Zeitraum statt. Ethnologen sprechen in diesem Fall von einer gradualistischen Annäherung an die Ehe. Die Hochzeit kann als Passageritus für Braut bzw. Bräutigam betrachtet werden.

Bei der Hochzeit findet in vielen Kulturen ein ritueller Austausch von Gütern oder Diensten statt (Brautgabe, Mitgift, Morgengabe), so werden zum Beispiel als Zeichen der Eheschließung vorm Traualtar Ringe der beiden Partner getauscht. Diese gehören in vielen Fällen zu den wichtigsten ökonomischen Transaktionen im Leben eines Individuums neben der Kinderversorgung.

Viele unterschiedliche Hochzeitsbräuche gehören zu den traditionellen Feiern, etwa der Polterabend.

Traditionelle Bedeutung von Hochzeitsjubiläen

Hauptartikel: Hochzeitstag

Es ist vielfach üblich, dass eine bestimmte Ehedauer mit einer erneuten Feier begangen wird. Die bekanntesten dieser Jubiläen sind die Silberne Hochzeit nach 25 Jahren und die Goldene Hochzeit nach 50 Jahren. Weitere Jubiläen und deren Bedeutungen schwanken je nach Region.

Heirat von Minderjährigen

Gemäß deutschem § 1303 BGB beträgt das Heiratsalter mindestens 18 Jahre, die Ehe soll nicht vor der Volljährigkeit eingegangen werden. Auf Antrag kann das Familiengericht von dieser Vorschrift Befreiung erteilen, wenn ein Antragsteller das 16. Lebensjahr vollendet hat und sein künftiger Ehepartner volljährig ist. Jedoch muss das Vormundschaftsgericht einverstanden sein. Die Eltern haben lediglich ein Widerspruchsrecht aus triftigem Grund.

In Österreich[14] und Liechtenstein[15] ist dies analog geregelt.

In der Schweiz gilt ebenfalls die Zivilehe. Dort ist die Heirat von Minderjährigen nicht erlaubt, das Heiratsalter beträgt 18 Jahre[16].

Verwandte Themen

 Commons: Hochzeitszeremonien – Bilder, Videos und Audiodateien
 Commons: Hochzeitsfeiern – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Heirat – Zitate
 Wiktionary: Heirat – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik

Einzelnachweise

  1. Duden Band 7: Etymologie, Mannheim 1963, ISBN 3-411-00907-1
  2. Aus Ernst Scheibe, Kreuz und quer durchs Kirchenschiff, Evangelische Verlagsanstalt GmbH, Leipzig, ISBN 3-374-01709-6, online in Auszügen.
  3. Siehe dazu Köbler, Gerhard, Deutsches Etymologisches Wörterbuch, 1995 S. 185 unter Heirat, auch online einsehbar.
  4. Herkunft mit Gebrauchsbeispielen im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm.
  5. Siehe Deutschland: § 1493 Absatz 1 BGB oder Palandt Stichwortverzeichnis unter Heirat.
  6. LSVD: Heirat, Verpartnerung
  7. Wüstenstrom: Leserbriefe zur SWR Berichterstattung über Wüstenstrom
  8. Deutschland: Umkehrschluss aus § 1 Abs. 2 Nr. 1 § 1 LPartG; Urteil des Bundesverfassungsgerichts 1 BvF 1/01 vom 17.7.2002 Absätze Nr. 79, 87
  9. Schweiz: Umkehrschluss aus Art. 4 Abs. 2 PartG.
  10. etwa in § 21 Abs. 2 Nr. 7 und Nr. 8 Melderechtsrahmengesetz oder § 18 Abs. 1 Nr. 1 Bundesverfassungsgerichtsgesetz
  11. Schweiz: Umkehrschluss aus Art. 4 Abs. 2 PartG.
  12. LSVD: Heirat, Verpartnerung.
  13. Keine Notwendigkeit von Trauzeugen: Umkehrschluss aus § 9 Personenstandsgesetz.
  14. Ehefähigkeit in Österreich.
  15. Heiraten in Liechtenstein
  16. Broschüre (S.5) des Schweizer Justitzdepartementes.