Heim

Islamische Revolution

Als islamische Revolution (persisch انقلاب اسلامیEngkhelāb-e Islāmi, bezogen auf die Ereignisse im Iran 1979 auch in der Großschreibung verbreitet: Islamische Revolution) bezeichnet man eine politische Systemtransformation hin zu einem islamischen Staat. Die bekannteste und in der Literatur auch meist als „die“ Islamische Revolution bezeichnete fand 1979 im Iran statt.

Seither gab es immer wieder Versuche, in anderen islamischen Staaten theokratische Herrschaftsformen zu implementieren. Diese waren aber meist nicht Ergebnis einer Revolution, sondern von Kriegen (Afghanistan ab 1995), Bürgerkriegen (Algerien ab 1992) oder evolutionären Systemtransformationen. Solche „schleichenden Islamisierungen“ sind in vielen islamischen Staaten zu beobachten, seit der so genannte Politische Islam in der islamischen Welt zunehmend Anhänger findet.

Ziel einer Islamischen Revolution ist die Errichtung eines „Gottesstaates“, in dem islamischen Geistlichen auch ein großer Anteil weltlicher Macht zukommt. Die Islamische Revolution strebt auch und vor allem einen möglichen Revolutionsexport in andere islamische Länder an (im Falle Irans z. B. 1979 nach Afghanistan, später in den Libanon und in den Irak).

Inhaltsverzeichnis

Islamische Revolution im Iran

Im engeren Sinne wird mit der Islamischen Revolution die Absetzung von Schah Mohammad Reza Pahlavi im Jahre 1979 im Iran bezeichnet. Die autoritäre Herrschaft des Schahs wurde von einer vielschichtigen revolutionären Massenbewegung beendet. Symbolfigur für die Revolution war Ajatollah Ruhollah Chomeini.

Vorgeschichte

1953 kam es in der iranischen Hauptstadt Teheran zum Sturz des am 28. April 1951 zum Ministerpräsidenten des Iran gewählten Mohammad Mossadegh. In dem als Operation Ajax in die Geschichte eingegangenen Putsch, sorgten die Geheimdienste der USA und Englands für die Reinstallation der Pahlavi-Dynastie. Mossadegh, der während seiner Amtszeit als Nationalheld gefeiert wurde, hatte die iranische Ölwirtschaft verstaatlicht, um die Ausbeutung der iranischen Ölfelder durch die britische Anglo-Iranian Oil Company zu stoppen. Die Staatsführung übernahm erneut der von Mossadeghs Popularität verdrängte Schah Mohammad Reza Pahlavi.

Der Schah und die Opposition

Die folgenden Jahre waren geprägt durch rigoroses Durchgreifen des Schahs und seines Geheimdienstes SAVAK. Politische Opposition gegen die Monarchie und den autoritären Herrschaftsstil des Schahs war nicht zugelassen und wurde mit zunehmender Härte unterdrückt. Dennoch gab es drei wichtige Oppositionsbewegungen:

Zum einen waren die linken Gruppen politisch und oppositionell aktiv. Die kommunistische Tudeh Partei leistete überwiegend friedlichen Protest durch die Organisation von Streiks und Demonstrationen. Die oftmals maoistisch oder marxistisch geprägten Volksmudschahedin führten einen bewaffneten Guerillakrieg. Beide Bewegungen sahen sich erheblicher Verfolgung ausgesetzt, viele Führungspersönlichkeiten wurden hingerichtet.

Eine zweite Oppositionsbewegung bildete die von Mossadegh gegründete Nationale Front (auch als Liberation Movement bezeichnet), ein Zusammenschluss diverser Parteien. Unter ihnen fanden sich Demokraten, Befürworter einer nationalen Nutzung der Ölressourcen und Wirtschaftsliberale. Ein prominenter Anhänger dieser Bewegung war Mehdī Bāzargān.

Die dritte und für die Revolution entscheidende Oppositionsbewegung gegen den Schah bildeten die religiösen Mollas um Ajatollah Chomeini. Sie forderten schon lange vor der Revolution die Absetzung des Schahs und die Errichtung eines schiitischen Gottesstaates in denen die Regeln des Islams gelten und das Recht gemäß der Schari'a ausgelegt werden sollten.

1963 stellte sich Chomeini offen gegen den Schah und dessen weiße Revolution, woraufhin er festgenommen wurde. Das Ansehen Chomeinis war bereits so groß, dass es als Reaktion auf seine Inhaftierung Massendemonstrationen und Ausschreitungen gab, bei denen viele Iraner starben (von Seiten des Schahs wurde die Anzahl der Toten auf 86 beziffert, Chomeini sprach von 15.000 und eine später angefertigte Studie der Polizeidaten beziffert 380 Tote). Chomeini bezichtigte den Schah weiter eines unislamischen Verhaltens, kritisierte ihn scharf und wurde schließlich 1964 ins türkische Exil verbannt. Von dort führte ihn sein Weg über die heilige Stadt der Schiiten Nadschaf im Irak, schließlich auf Befehl Saddam Husseins nach Paris.

Chomeini im Exil

Im Exil entwickelte Chomeini das Staatsprinzip der Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten (welayat-e-faghih), das er 1970 in einem Buch publizierte. Der Einfluss der im Iran verbliebenen Chomeinianhänger war ungebrochen und über die Schüler des Exilanten verbreiteten sich seine Visionen im Land.

In den 70er Jahren wurde der generelle Unmut gegen den Schah, der aufgrund der repressiven Methoden des SAVAK und der verschwenderischen Lebensweise des Monarchen bei gleichzeitig immensen Armutserscheinungen in der Bevölkerung weit verbreitet war, durch die Einführung eines neuen Kalenders nochmals verstärkt. Der Schah ersetzte praktisch über Nacht den islamischen Kalender mit einem Kalender, der auf der Inthronisation des persischen Königs Kyros II. basierte und verärgerte damit die gläubigen Schiiten im Land. Als der Schah auf Drängen des US-Präsidenten Jimmy Carter mehrere hundert politisch Inhaftierte Oppositionelle aus der Haft entließ und die Verhältnisse in den iranischen Gefängnissen generell verbesserte, wurde die Oppositionsbewegung unverhofft gestärkt. Mit der Ermordung des populären schiitischen Schriftstellers Ali Schariati 1977 durch den SAVAK, begann der wütende Massenprotest gegen das Schahregime.

Die Islamische Revolution

Nach einer verleumderischen Veröffentlichung der schahtreuen Presse gegen Chomeini kam es Anfang Januar 1978 in Qom zu ersten Zusammenstößen studentischer Demonstranten mit der Armee. Der Artikel mit dem Titel "Iran und schwarzer und roter Kolonialismus", dessen Autor bislang unbekannt ist, bezeichnete Chomeini als "Draufgänger, einen prinzipienlosen Lakaien kolonialer Machtzentren, einen Karrieristen ..." [1] und gilt gemeinhin als Auslöser der Revolution [2][3][4]. Bei den Demonstationen kamen einige Studenten ums Leben.

1978

Nach schiitischer Tradition wurde 40 Tage um die Toten getrauert. Im ganzen Land wuchs die Aufmerksamkeit. Nach Ablauf dieser Frist, kam es am 18. Februar zu erneuten Demonstrationen. Diesmal im ganzen Iran. Zu den heftigsten Zusammenstößen kam es in Tabriz, wo über 100 Demonstranten starben. Erneut legten sich 40 Tage des Gedenkens über das Land und am 29. März wiederholte sich das Szenario. Die Demonstrationen wurden im 40-Tage-Takt immer größer und arteten in Zerstörung von Kinos, Luxushotels, Regierungsgebäuden und allem was das Schahregime repräsentierte aus. Im August des Jahres starben bei einem Feuer in einem Kino in Abadan 477 [5] (nach anderen Quellen mindestens 600 [6]) Menschen. Obwohl Kinos ein bevorzugtes Ziel der Demonstranten waren, konnte sich die Überzeugung durchsetzen, der SAVAK sei für das Feuer verantwortlich. Daraufhin gingen weit über 10.000 Menschen für die Opfer des Brandes auf die Straße.

Der Schah war gezwungen die USA um Hilfe zu bitten, die ihm zwar ihre Unterstützung zusicherten, aber nie in die Geschehnisse eingriffen. Im September des Jahres 1978 waren Massendemonstrationen an der Tagesordnung und der Schah rief unter Berufung auf das Kriegsrecht ein allgemeines Demonstrationsverbot aus. Am 8. September begannen in Teheran massive Proteste, die Anzahl der Todesopfer betrug 88, nach Emad al-Din Baghi. Der Tag ging als Schwarzer Freitag in die Geschichte ein. Es kam zusätzlich zu den Demonstrationen zu Massenstreiks, die die iranische Wirtschaft beinahe völlig zum Erliegen brachten.

Die sogenannten Muharramproteste gipfelten in einer Massendemonstration mit über 2 Millionen Teilnehmern rund um den Freiheitsturm in Teheran am 2. Dezember 1978. Die aufgebrachte Menge forderte den Rückzug des Schahs und die Rückkehr von Ayatollah Chomeini.

1979

Am 16. Januar blieb dem Schah nur die Flucht aus dem Iran. Seine Abschiedsworte waren: "Ich musste in Bezug auf die Unruhen, die es in unserem Land gibt, viel Geduld aufbringen. Jetzt bin ich müde und benötige dringend Ruhe und Erholung..." [7]. Der Schah hatte die politische Macht bereits am 31. Dezember 1978 auf Schapur Bachtiar, ein führendes Mitglied der Nationalen Front, übertragen, der aber dem Druck der Massen nicht standhalten konnte und Ayatollah Chomeini noch im Januar die Einreise in den Iran gewährte. Der SAVAK wurde aufgelöst, politische Gefangene befreit und Symbole der Schahherrschaft zerstört.

Am 1. Februar landete Chomeini in Teheran und wurde von Millionen Iranern begeistert empfangen. Inzwischen war er in den Augen vieler Schiiten zu einem Heiligen geworden [8], zu einem Retter der Nation, von Gott gesandt. Er erklärte die Errichtung eines Gottesstaates zu seinem Ziel. Nach anfänglichen Konflikten und Kämpfen innerhalb der Armee, erklärte sich diese schließlich als neutral und ebnete den Weg zu einer neuen Staatsform.

James A. Bill beziffert die Gesamtzahl der Opfer der letzten 13 Monate vor dem Sturz des Schahs mit über 20.000 Toten und mehr als 100.000 Verletzten.

Die Islamische Republik Iran

Hauptartikel: Politische Entwicklung des Iran

Chomeini konnte sich mit seinem im Exil ausgearbeiteten Staatskonzept des welayat-e-faghih gegen die Befürworter einer weltlichen Demokratie durchsetzen. Die Verfassung, die Chomeini zum obersten Rechtsgelehrten ernannte und die theokratische Islamische Republik Iran konstituierte, wurde am 31. März 1979 per Volksentscheid mit überwältigender Mehrheit angenommen. Auf den Wahlzetteln gab es die Wahlmöglichkeiten: Islamische Republik: Ja (grün) oder Nein (rot). Iran wurde damit zum Gottesstaat unter der Herrschaft einer Minderheit der höchsten geistigen Autorität des schiitischen Islams, welche nicht zögerte, unter Anwendung brachialer Gewalt ihre Herrschaft im Iran durchzusetzen.

Zunächst integrierte Chomeini die beiden anderen Oppositionsbewegungen in seinem Staatsmodell, griff aber bald hart durch. Die Mitglieder der marxistischen Partei sahen sich einer ähnlich brutalen Verfolgung ausgesetzt wie zu Zeiten des Schahs. Die Volksmudschahedin entwickelten sich Anfang der 80er Jahre zur bedrohlichsten kontrarevolutionären Bewegung, die viele Attentate auf Angehörige des Chomeinistabes verübte.

Reaktionen

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Bahman Nirumand/Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht, Hamburg 1987, S. 161 f
  2. Amir Taheri: Chomeini und die Islamische Revolution, Hamburg 1985, S. 248 ff
  3. Monika Gronke: Geschichte Irans, München 2003, S. 109
  4. Katajun Amirpur/Reinhard Witzke: Schauplatz Iran, Freiburg i.Br. 2004, S. 68
  5. Bahman Nirumand/Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht, Hamburg 1987, S. 167
  6. Amir Taheri: Chomeini und die Islamische Revolution, Hamburg 1985, S. 274
  7. Bahman Nirumand/Keywan Daddjou: Mit Gott für die Macht, Hamburg 1987, S. 202
  8. Amir Taheri: Chomeini und die Islamische Revolution, Hamburg 1985, S. 251

Literatur