Heim

Sommerzeit

Die Sommerzeit ist die im Sommerhalbjahr meist um eine Stunde vorgestellte Uhrzeit einer Zeitzone. Die Kurzbezeichnung hierfür in Mitteleuropa ist MESZ (Mitteleuropäische Sommerzeit), auf englisch CEST (britisch: Central European Summer Time) bzw. CET DST (amerikanisch: Central European Time/Daylight Saving Time).

Der offizielle Ausdruck für die umgangssprachliche Winterzeit lautet Normalzeit. Denn nur die Sommerzeit stellt mit ihrer Verschiebung zur „normalen Zeit“ eine Besonderheit dar und wird deshalb offiziell als solche bezeichnet, auch wenn sie inzwischen den größeren Anteil des Kalenderjahres einnimmt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Idee einer jährlichen Zeitumstellung wurde erstmals im Jahre 1784 von Benjamin Franklin in einem Brief an die Herausgeber einer Pariser Zeitschrift erwähnt. Angesichts des humorvollen Charakters des Textes ist allerdings nicht klar, ob es sich um einen ernsthaften Vorschlag Franklins handelte.[1]

Ernsthaft wurde die Idee erstmals im Jahre 1907 von William Willett vorgeschlagen.[2] Trotz Lobbyarbeit konnte er die britische Regierung jedoch nicht zur Einführung der Sommerzeit bewegen.

Eingeführt wurde die Zeitumstellung erstmals am 30. April 1916 in Deutschland, in Österreich-Ungarn und noch im selben Jahr auch in Irland. Die Bezeichnung, die die Iren für die Zeitumstellung fanden, „Daylight Saving Time“ (wörtlich übersetzt: „tageslichtaufsparende Zeit“), beschreibt den Zweck, nämlich die Stundenzahl mit nutzbarem Tageslicht zu vergrößern.

Im Jahr 1975 beschlossen die meisten Länder der damaligen Europäischen Gemeinschaft die Wiedereinführung der Zeitumstellung von der Normalzeit auf die Sommerzeit. Die Umsetzung erfolgte 1977. Als wichtiger Grund galt die Überzeugung, durch eine bessere Nutzung des Tageslichts Energie sparen zu können. Diese Überlegung war insbesondere noch eine Nachwirkung aus der Zeit der Ölkrise.

Ende 1994 wurden die unterschiedlichen Sommerzeitregelungen in der Europäischen Union vereinheitlicht. Sie gilt seitdem in allen EU-Mitgliedsstaaten einschließlich ihrer Landesteile, die in der Nähe von Europa liegen, nicht jedoch in jenen, die nicht auf dem Gebiet des Kontinents selbst liegen, zum Beispiel auf den Kanaren und den Azoren.

Deutschland

In Deutschland wurde die Sommerzeit 1916 bis 1918 im Kaiserreich erprobt. In der Weimarer Republik gab es dann keine Zeitumstellung mehr.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Sommerzeit wieder eingeführt. Unmittelbar nach dem Krieg wurde die jährliche Umstellung auf Sommerzeit von den westlichen Besatzungsmächten bestimmt. 1947 wurden die Uhren zwischen dem 11. Mai und 29. Juni im Rahmen der so genannten „Doppelten Sommerzeit“ (Hochsommerzeit) zwei Stunden vorgestellt. Die damalige Sommerzeitregelung endete mit dem Ende des Jahres 1949. Von 1950 bis 1979 gab es in Deutschland keine Sommerzeit.

Die erneute Einführung der Sommerzeit wurde in der Bundesrepublik 1978 beschlossen, trat jedoch erst 1980 in Kraft. Zum einen wollte man sich bei der Zeitumstellung den westlichen Nachbarländern anpassen, die bereits 1977 als Nachwirkung der Ölkrise von 1973 aus energiepolitischen Gründen die Sommerzeit eingeführt hatten. Zum anderen musste man sich mit der DDR über die Einführung der Sommerzeit einigen, damit Deutschland und insbesondere Berlin nicht zusätzlich noch zeitlich geteilt war. Die Bundesrepublik und die DDR führten die Sommerzeit gleichzeitig ein, was der Harmonisierung beider Staaten diente. In der DDR regelte die Verordnung über die Einführung der Sommerzeit vom 31. Januar 1980 die Umstellung. Von 1981 bis 1995 begann in Deutschland die Sommerzeit am letzten Sonntag im März um 2:00 Uhr MEZ und endete am letzten Sonntag im September um 3:00 Uhr MESZ.

Durch die Vereinheitlichung der unterschiedlichen Sommerzeitregelungen in der Europäischen Union wurde die Sommerzeit 1996 in Deutschland um einen Monat verlängert und gilt gemäß Richtlinie 2000/84/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates seitdem vom letzten Sonntag im März um 2:00 Uhr MEZ bis zum letzten Sonntag im Oktober um 3:00 Uhr MESZ.

Österreich

Auch in Österreich wurde 1916 die Sommerzeit eingeführt. Sie galt bis 1920. In den Kriegsjahren ab 1940 waren es dieselben Regelungen wie in Deutschland. Sie galten bis einschließlich 1948. 1980 wurde sie zur selben Zeit wie in Deutschland für die Zeit von März bis September wieder eingeführt. 1996 wurde sie wie in der gesamten EU bis Ende Oktober ausgedehnt.

Schweiz

In der Schweiz galt in den Jahren 1941 und 1942 die Sommerzeit von Anfang Mai bis Anfang Oktober. 1977 wurde mit einem Gesetz die Einführung der Sommerzeit, gleichzeitig mit den Nachbarstaaten, beschlossen. Dagegen wehrten sich (vor allem) die Bauern, sammelten Unterschriften für ihr Referendum, und am 28. Mai 1978 wurde das Sommerzeit-Gesetz in der Volksabstimmung deutlich verworfen. Da nun die Schweiz im Sommer 1980 eine „MEZ-Zeitinsel“ inmitten sommerzeitführender Länder bleiben musste, verabschiedete das Parlament das von der Regierung verlangte Zeitgesetz vom 21. März 1980[3], auf dessen Grundlage im folgenden Jahr die Sommerzeit analog zu den Nachbarstaaten eingeführt wurde, um das 1980 entstandene bilaterale Zeitchaos z. B. auf Fahrplänen zu beseitigen. Eine (unter anderem von Christoph Blocher) 1982 lancierte Volksinitiative zur Abschaffung der Sommerzeit kam nicht zustande. Seit 1981 gilt daher auch in der Schweiz die gleiche Sommerzeitregelung wie in ihren Nachbarstaaten: von 1981 bis 1995 Ende März bis Ende September, seit 1996 Ende März bis Ende Oktober, mit Umstellung jeweils Sonntag um 2 Uhr MEZ (1 Uhr UTC).

Sommerzeitregelungen

Mitteleuropäische Sommerzeit

In den Staaten Mitteleuropas gilt die mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) vom letzten Sonntag des Monats März bis zum letzten Sonntag des Monats Oktober, jeweils ab 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ), was 3 Uhr MESZ entspricht. Um die doppelt erscheinenden Stunden von 2 bis 3 Uhr am Ende der Sommerzeit unterscheiden zu können, wird die Stunde vor der Zeitumstellung mit 2A Uhr, die Stunde nach der Umstellung mit 2B Uhr bezeichnet. Der Tag, an dem die Umstellung zwischen Sommerzeit und Normalzeit erfolgt, wird auch Umschalttag genannt.

Die Zeitdifferenz zur Weltzeit (UTC) (früher Greenwich Mean Time, GMT) beträgt während der Sommerzeit +2 Stunden, während der Normalzeit +1 Stunde.

Umsetzung der Sommerzeitregelung in Deutschland

In Deutschland wird die Zeitumstellung per Rechtsverordnung geregelt. Der Rahmen ist durch das Gesetz über die Zeitbestimmung festgelegt. Derzeit beginnt die mitteleuropäische Sommerzeit jeweils am letzten Sonntag im März um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Zum Zeitpunkt des Beginns der Sommerzeit wird die Stundenzählung um eine Stunde von 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt. Die Sommerzeit endet jeweils am letzten Sonntag im Oktober um 3 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Zum Zeitpunkt des Endes der Sommerzeit wird die Stundenzählung um eine Stunde von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt.

Für die technische Umsetzung der Zeitumstellungen ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig zuständig. Die PTB programmiert die impulsgebenden Atomuhren in Braunschweig. Diese gleicht die Atomuhrzeit mit der Uhr am Langwellensender DCF77 in Mainflingen bei Frankfurt am Main ab, der von dort Zeitsignale ausstrahlt. Sie gehen an alle öffentlichen und privaten Funkuhren, an die Steuertechnik von Kraft- und Umspannwerken, die Uhren der Deutschen Bahn AG, die Fahrsteuerung der U-Bahnen, die Anlagen der Flugsicherung und rund 50.000 Verkehrsampeln.

Regelungen in Staaten außerhalb Mitteleuropas

Die westeuropäische Zeit und osteuropäische Zeit werden zum selben Zeitpunkt umgestellt, also 1:00 Uhr bzw. 3:00 Uhr lokaler Zeit.

In einigen Staaten wie zum Beispiel Russland beginnt und endet die Sommerzeit an den selben Tagen wie in Europa. Dort stellt man die Uhr zwar auch um eine Stunde vor, faktisch jedoch um zwei Stunden, weil in Russland die so genannte Dekretzeit gilt, die als Relikt aus Sowjetzeiten während des ganzen Jahres die Addition von einer Stunde zur tatsächlichen geografischen Zeitzone vorschreibt.

Andere Staaten mit Sommerzeit haben wiederum abweichende Regelungen. In den meisten Ländern beginnt die Sommerzeit in den Monaten März oder April und endet in den Monaten September, Oktober oder November, in den Staaten auf der Südhalbkugel umgekehrt.

Regelungen in Nordamerika

In den USA wurde die Sommerzeit erstmals während des Ersten Weltkriegs verwendet. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Uhren ganzjährig vorgestellt („War Time“)[4]. Von 1945 bis 1966 gab es in den USA kein die Sommerzeit betreffendes Bundesgesetz, und es herrschten lokal unterschiedliche Regelungen. 1966 wurde sie per Bundesgesetz eingeführt.

Am 27. Juli 2005 wurde vom US-Kongress die so genannte Energy Bill (HR6 / Energy Policy Act of 2005 oder Public Law 109-58) beschlossen. Darin wird unter anderem festgelegt, dass ab 2007 die Sommerzeit am zweiten Sonntag im März beginnt und am ersten Sonntag im November endet.[5] Der Kongress behält sich allerdings vor, diese Änderung rückgängig zu machen. Somit gelten ab Frühling 2007 in den USA und auch in Kanada veränderte Termine für die Sommerzeit (dort „Daylight Saving Time“ / DST und „Heure avancée“ / HA genannt). Sie beginnt drei Wochen früher und endet eine Woche später als bisher.

In den Bundesstaaten Arizona (mit Ausnahme des Gebietes der Diné, der Navajo Nation Reservation), Hawaii und den meisten amerikanischen Außengebieten gibt es keine Sommerzeit, ebenso nicht in der kanadischen Provinz Saskatchewan und dem an Arizona angrenzenden mexikanischen Bundesstaat Sonora.

In Mexiko beginnt die Sommerzeit am ersten Sonntag im April, also eine Woche später als in Europa. Sie endet am letzten Sonntag im Oktober, demselben Tag wie in Europa. In den USA und Mexiko werden die Uhren nicht wie in Europa gleichzeitig umgestellt, sondern im April jeweils um 2:00 Lokalzeit (beispielsweise 10:00 UTC in Kalifornien, 7:00 UTC in New York) vorgestellt, und im Oktober um 2:00 lokaler Sommerzeit auf 1:00 Uhr zurückgestellt.

Äquatornähe

In den mittleren und hohen geographischen Breiten ist der Wechsel zwischen langen und kurzen Tagen im Laufe des Jahres wesentlich stärker ausgeprägt als in Äquatornähe. Wegen der Wanderung der Sonne zwischen dem nördlichen und südlichen Wendekreis schwankt die Taglänge (heller Tag zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang) in Äquatornähe zwischen 10,5 und 13,5 Stunden (die Tageslichtlänge schwankt also um 3 Stunden). In Deutschland (Flensburg) schwankt die Taglänge zwischen 7 Std 13 Min und 17 Std 20 Min (die Tageslichtlänge schwankt also um 10 Std 7 Min). Deshalb ist die Sommerzeit in Äquatornähe weniger sinnvoll als in den mittleren Breiten, was sich in der praktischen Einführung in den jeweiligen geographischen Regionen widerspiegelt (s. Karte).

Auch in ganz hohen Breiten jenseits der Polarkreise ist eine Sommerzeit weniger sinnvoll, weil dort die Sonne im Sommer sowieso sehr spät oder gar nicht untergeht und die Höhe des Sonnenstands im Tagesverlauf nur relativ wenig schwankt.

Liste aller Staaten mit Sommerzeit

Die folgenden Listen basieren auf Daten von 2004.

Vor- und Nachteile

Längere Abende

Die Tageslichtphase wird scheinbar nach hinten verschoben. Statt beispielsweise schon um ca. 3:30 Uhr morgens geht die Sonne mit SZ erst gegen 4:30 Uhr auf, dafür aber erst um 22:15 Uhr statt um 21:15 Uhr unter. Da um 3–4 Uhr morgens der Großteil der Menschen schläft, um 22 Uhr abends aber nicht (die heutigen Menschen richten sich eher nach der Uhrzeit als nach der tatsächlichen Tageszeit), verschiebt sich der helle Teil des Tages also stärker in die Wachphasen der meisten Menschen hinein. Auch wenn dies anders als angenommen nicht zu Energieersparnis führt, bietet eine scheinbar längere Tageslichtphase dennoch andere Vorteile für einige, wenn auch subjektiver Natur, wie u. a. Stimmungsaufhellung.

Energie

Eine der offiziellen Begründungen für die Einführung der Sommerzeit war die Einsparung von Energie. Diese ist allerdings fraglich. Beispielsweise haben kalifornische Wissenschaftler 2008 in einer neueren Untersuchung durch dreijährige Beobachtung des Stromverbrauchs von 7 Millionen Haushalten in Indiana, das die Sommerzeit erst jüngst einführte, festgestellt, dass der Stromverbrauch nach der Umstellung auf die Sommerzeit um 1 bis 3 Prozent anstieg.[6] So könne das ursprünglich verfolgte Ziel der Energieeinsparung durch die Sommerzeit nicht erreicht werden. Demnach falle die Energiebilanz sogar negativ aus, da „geringfügige Einsparungen im Frühjahr einem umso stärkeren Stromverbrauch im Spätsommer und Herbst“ entgegenstünden. Die Einwohner Indianas zahlten rund 8,6 Millionen US-Dollar pro Jahr mehr für den zusätzlichen Energieverbrauch. Die Verfasser der Studie, die Wirtschaftswissenschaftler Matthew Kotchen und Laura Grant von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara, berechneten zudem die Kosten der stärkeren Umweltverschmutzung für die Gesellschaft auf jährlich 1,6 bis 5,3 Millionen Dollar.

Dass die erwünschte Energieeinsparung auch in Deutschland nicht erreicht wurde, bestätigte am 18. Mai 2005 die Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion.[7]

Der nachgewiesene Mehrverbrauch an Energie führt zu höheren Steuereinnahmen, steht aber dem Ziel des Klimaschutzes entgegen.

Alternativen zur beabsichtigten Energieeinsparung durch Sommerzeit

Besonders in den zentral gelenkten Planwirtschaften des Ostblocks wurden in einigen Ländern leicht gestaffelte Arbeitszeiten (Arbeitsbeginn in den verschiedenen Betrieben 7 bis 9 Uhr) eingeführt, um den morgendlichen Stromverbrauch zu senken. Denn für die Sicherstellung der Stromversorgung ist nicht nur der Gesamtverbrauch entscheidend, sondern auch die Verbrauchsspitzen, für die zusätzliche Kraftwerkskapazitäten als Reserven benötigt würden. Der öffentliche Personentransport und der private Autoverkehr mit den morgendlichen Stoßzeiten wurde so auch etwas verteilt und entlastet.

Unabhängig von der Sommerzeit wurde in einigen Branchen und Betrieben schon lange vorher eine unterschiedliche Lage der Arbeitszeit im Sommer und im Winter gehandhabt.

In der DDR wurde Anfang 1969 der gesamte Schulunterricht um 2 Stunden nach hinten verschoben, um Energie zu sparen. Diese Praxis wurde aber bereits nach einer Woche wieder aufgegeben, da die morgendliche Energieeinsparung vom Energieverbrauch in den Nachmittagsstunden wieder zunichtegemacht wurde.

Menschliche Natur

Während Befürworter der Sommerzeit argumentieren, es sei für die Menschen vorteilhaft, abends länger bei Tageslicht das Leben genießen zu können, wodurch ihre Produktivität erhöht werde, argumentieren die Gegner, die Anpassung an den neuen Tagesrhythmus dauere mindestens mehrere Tage, sei gesundheitsschädlich und verringere während der Umstellungsphase die Produktivität. Es lägen physiologische Studien vor, nach denen einige zirkadian schwankende Hormonspiegel, ähnlich dem des Stresshormons Kortisol, bis zu viereinhalb Monate brauchten, um sich vollständig den neuen Gegebenheiten anzupassen (bei einstündiger Zeitumstellung gegen die natürliche Rhythmik, also nach Art der gängigen Sommerzeit) – in umgekehrter, „natürlicher“ Richtung (also bei Eintritt der „Winterzeit“) dauere diese Anpassung nur ca. zwei Wochen. Ob allein diese Hormonspiegelschwankungen bereits krankheitsfördernd wirken, sei jedoch nicht belegt.

Anmerkung: Es wird davon ausgegangen, dass der natürliche Rhythmus unserer inneren Uhr auf einen längeren Tag (25-Stunden-Tag) als den 24-Stunden-Tag programmiert ist. Deshalb kann unsere innere Uhr auf relativ „natürliche“ Weise unseren Tag verlängern, aber es fällt ihr sehr schwer, die Tageslänge zu verkürzen (siehe dazu auch: Jet-Lag).

Abweichung vom Sonnenstand

Als Nachteil ist zusätzlich zu bemerken, dass sich die Zeit nicht mehr am Stand der Sonne orientiert, also keine Ortszeit mehr darstellt.

Der alte Mittag teilte den Tag ungefähr symmetrisch: So wie die Sonne bis zu Mittag auf ihren höchsten Stand steigt, hob sich der Zeiger der Uhr, und sank dann wieder, wie die Sonne sich senkt. Wenn die Sonne nach Ortszeit um 7 Uhr morgens aufgeht, geht sie um 17 Uhr unter; wenn sie um 8 Uhr aufgeht, um 16 Uhr. Durch die Sommerzeit wird das Zeitempfinden von diesen Vorstellungen abgekoppelt, da die Sonne dann erst um 13 Uhr ihren höchsten Stand erreicht und die „Spiegelung“ bzw. Teilung in die erste und zweite Tageshälfte um 13 Uhr erfolgt; d. h. wenn die Sonne um 7 Uhr aufgeht, geht sie um 19 Uhr unter.

Seit der Normierung der Zeit in Zeitzonen kommt es allerdings ohnehin zu Abweichungen von der mittleren Ortszeit im Umfang von bis zu 36 Minuten im Westen Deutschlands, bis zu 97 Minuten in Galicien und über 3 Stunden im Westen Chinas. Für die Mitteleuropäische Zeit ist der 15. Meridian (15° Ost), der unter anderen durch Görlitz und Gmünd im Waldviertel verläuft, der Bezugsmeridian. Westlich davon, also abgesehen vom Osten Österreichs fast im ganzen deutschsprachigen Gebiet, erreicht die Sonne ihren Höchststand im Durchschnitt erst nach 12 Uhr. Dazu kommen noch die periodischen Abweichungen der mittleren von der wahren Ortszeit durch die Zeitgleichung von bis zu 16 Minuten (Anfang November, der Abweichung im Westen des jeweiligen Bezugsmeridians entgegengerichtet; die maximale Abweichung, die sich dort im Sommer hinzuaddieren kann, beträgt 6,5 Minuten Ende Juli, bei frühem Beginn der Sommerzeit im März dann auch etwas mehr).

Durch die Sommerzeit kommt es zu einer zusätzlichen Verschiebung um eine Stunde, die sich diesen Abweichungen von der Sonnenzeit aufaddiert, die also für Bewohner westlich ihres Bezugsmeridians eine noch größere Differenz zwischen mittlerem Mittag und 12 Uhr bedeutet.

Aufwand

Jeder Einwohner muss alle Uhren in seinem persönlichen Umfeld zweimal im Jahr umstellen. Heutzutage gehören dazu neben Wand- und Armbanduhren eine Vielzahl von weiteren Geräten mit Zeitanzeige, inklusive diverser Rechnerprogramme. Insofern kann das Aufsuchen und Umstellen aller Uhren in einem Haushalt einen beträchtlichen Aufwand bedeuten.

Immer mehr Uhren werden heute über ein Funksignal (Funkuhr) automatisch gestellt, viele müssen aber nach wie vor manuell umgestellt werden. Computeruhren können ebenfalls automatisch über eine Funktion des Betriebssystems gestellt werden. Trotzdem gibt es viele Rechnerprogramme mit Echtzeitfunktion, die die Betriebssystemfunktion zur Sommerzeitumstellung nicht nutzen und manuell umkonfiguriert werden müssen. (Das gleiche Problem gibt es auch bei Schaltsekunden.)

Probleme bei der Umstellung

Medizin

Mediziner haben negative Auswirkungen der Zeitumstellung festgestellt, da sich die Anpassung des chronobiologischen Rhythmus des Organismus als problematisch herausgestellt hat.[8] Besonders Menschen mit Schlafstörungen oder organischen Erkrankungen haben hier offenbar größere Schwierigkeiten.

Ob die Zeitumstellung einen Einfluss auf die Zahl der Verkehrsunfälle in der Umstellungsphase hat, ist nicht klar; Untersuchungen dazu kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen.[9][10] Die Unfallquote ist während der Sommerzeit insgesamt niedriger.[11][12]

Die Traditionelle Chinesische Medizin schenkt der zeitlichen Abhängigkeit von Organfunktionen große Aufmerksamkeit; nach dieser Theorie gibt es für jedes Organ starke und schwache Zeiten, denen man durch Schlaf, Mahlzeiten und den Wechsel von Ruhe und Arbeit gerecht werden sollte.

Landwirtschaft

Aus der Landwirtschaft ist bekannt, dass die Milchkühe ein bis zwei Wochen benötigen, um sich auf die neuen Melkzeiten umzustellen. Besonders bei der Herbst-Zeitumstellung ist der veränderte Tagesablauf auf den Höfen am lauten Muhen einiger Kühe morgens deutlich zu verfolgen. Bei der Frühjahrsumstellung ist die Milchleistung einige Tage lang geringer. Die meisten Landwirte verteilen inzwischen die Zeitumstellung für das Melken über mehrere Tage, um so das Problem zu mildern.

Nachtdienste

Während die Zeitumstellung für die meisten Bürger sozusagen „im Schlaf“ erfolgt, so stellt sie verschiedene Einrichtungen vor mehr oder weniger große Probleme. Einrichtungen mit nächtlichem Bereitschaftsdienst haben mit dem Problem zu kämpfen, dass entweder der Dienst eine Stunde länger, oder aber die Ruhezeit eine Stunde verkürzt ist und somit evtl. nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen genügt.

Öffentliche Verkehrsmittel

Die Umstellungstage erfordern einen abgewandelten Fahrplan für Busse und Bahnen. Bei der Deutschen Bahn oder der SBB erfolgt der Wechsel am Ende der Sommerzeit, indem die verkehrenden Nachtzüge eine Stunde an geeigneten Bahnhöfen halten. Dabei bleibt die Bahnhofsuhr ab 3 Uhr für 60 Minuten stehen.[13]

Luftfahrt

Die Luftfahrt, die ständig über mehrere Zeitzonen hinweg fliegt und koordiniert wird, arbeitet immer mit Koordinierter Weltzeit (UTC), die von der Sommerzeit-Umstellung nicht betroffen ist. Es müssen also keine Flugzeuge irgendwo warten, wie es bei der Eisenbahn der Fall ist. Lediglich die Umrechnung in Ortszeit (Local Time) verschiebt sich um eine Stunde – also die Ein- und Aussteigezeit für die Passagiere, die an den Flughäfen in Ortszeit angegeben wird.

Wissenschaft und Technik

Datenaufzeichnungen, die die gesetzliche Zeit als Zeitstempel verwenden, lassen sich nur auswerten, wenn die zum Zeitpunkt der Aufzeichnung gültige Sommerzeitregelung bekannt ist.

Informationstechnik

IT-Systeme müssen für die Umstellung ausgerüstet sein oder gewartet werden.

Verwendet ein Betriebssystem die Koordinierte Weltzeit UTC als Systemzeit und für gespeicherte Zeitstempel, dann hat die Nutzung Sommerzeit keine Auswirkungen auf den Betrieb; diese wird nur bei der Berechnung der Ortszeit für eine benutzerfreundliche Darstellung berücksichtigt. Es gibt auch Betriebssysteme, welche stattdessen die Ortszeit als Systemzeit und für gespeicherte Zeitstempel verwenden, aber in diesen Zeitstempeln keine Informationen darüber ablegen, um welche Ortszeit es sich handelt und ob gerade Sommerzeit aktiv war. Dadurch gibt es neben dem Stunden-Loch zum Beginn und doppelten Zeitstempeln zum Ende der Sommerzeit eine weitere unlösbare Aufgabe: Wie lautet zu gespeicherten Zeitstempeln in Ortszeit die passende Zeitangabe in Koordinierter Weltzeit, und wie werden gespeicherte Zeitstempel (z. B. auf Dateien) bei aktiver Sommerzeit einerseits und bei Normalzeit andererseits angezeigt – und welche der beiden Darstellungen ist korrekt?

Gefürchtet sind in Zusammenhang mit der Umstellung von Sommerzeit auf normale Zeit:

Dies kann Auswertungen durcheinanderbringen. Datenbanksysteme mit starker Bindung an Datum und Uhrzeit können inkonsistent werden.

Die Umstellung der Zeit ist meist abhängig vom Betriebssystem. Manche brauchen manuelle Eingriffe, andere können die Umstellung automatisch durchführen. Dabei erfolgt der Zeitsprung aber nicht immer zum gesetzlich vorgesehenen Zeitpunkt, sondern passiert „implementierungsabhängig“ vielleicht einige Minuten später.

Komplexe Softwaresysteme können auch eine vom Betriebssystem abweichende „Zeitverwaltung“ haben. So gibt es z. B. in neueren SAP-Systemen eine „Zeitdehnung“, bei der von 02:00 MESZ bis 03:00 MEZ die „SAP-Zeit“ langsamer läuft und dadurch der Zeitsprung ganz vermieden wird. Offen bleibt bei solchen Lösungen jedoch die Koordination mit anderen Systemen, deren Zeit anders verläuft.

Durch die Änderung der Sommerzeit in den USA, in Kanada und Brasilien (siehe oben) wurden für die Umstellung auf die Sommerzeit im Jahr 2007 Anpassungen für viele Softwaresysteme notwendig. Für von den Herstellern nicht mehr voll gewartete Systeme konnte das zu Problemen bei der automatischen Zeitumstellung führen.

Es gibt kaum Programme, die Zeitdifferenzen zwischen gesetzlichen Datums-/Zeitangaben unter korrekter Berücksichtigung der zu den Zeitpunkten gültigen gesetzlichen Zeit (Sommerzeit/Normalzeit) berechnen können.

Pharmabranche und weitere GMP-gerecht produzierende Branchen

Hier ergibt sich durch die Umstellung der Zeitrahmen (sowohl +1h als auch −1h) das Problem der lückenlosen Überwachung und Dokumentation von vitalen Umgebungs-Daten (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Raumdruck, Partikelanzahl) in den Räumen verschiedener Reinheitsklassen.

In Verbindung mit den Schwierigkeiten, die im IT-Bereich auftreten, müssen hierzu weitere, autonom arbeitende Überwachungs-Geräte installiert werden, was einen zusätzlichen Aufwand an Arbeitskraft, Logistik und unter Umständen Verlust an Freizeit zu Lasten von Wochenenden, Feiertagen etc. zur Folge hat. Hinzu kommt der Mehraufwand für die Auswertung der aufgezeichneten Daten.

Letzte und nächste Umstellungen

Folgende Regelung gilt in den Ländern der Europäischen Union, auch in der Schweiz, im EWR (außer Island) und einigen anderen Ländern:

Die Umstellung von der Normal- auf die Sommerzeit findet am letzten Sonntag im März um 1 Uhr UTC, also in der mitteleuropäischen Zeitzone von 2 Uhr MEZ auf 3 Uhr MESZ, statt.

Die Umstellung von der Sommer- auf die Normalzeit (= Winterzeit) findet am letzten Sonntag im Oktober um 1 Uhr UTC, also in der mitteleuropäischen Zeitzone von 3 Uhr MESZ auf 2 Uhr MEZ, statt.

Die letzte Umstellung auf Normalzeit fand am Sonntag, 28. Oktober 2007, um 3 Uhr MESZ (1 Uhr UTC) statt: Die Uhren wurden um eine Stunde (auf 2 Uhr MEZ) zurückgestellt.

Die letzte Umstellung auf Sommerzeit fand am Sonntag, 30. März 2008, um 2 Uhr MEZ (1 Uhr UTC) statt: Die Uhren wurden um eine Stunde (auf 3 Uhr MESZ) vorgestellt.

Die nächste Umstellung auf Normalzeit findet am Sonntag, 26. Oktober 2008, um 3 Uhr MESZ (1 Uhr UTC) statt: Die Uhren werden um eine Stunde (auf 2 Uhr MEZ) zurückgestellt.

Die nächste Umstellung auf Sommerzeit findet am Sonntag, 29. März 2009, um 2 Uhr MEZ (1 Uhr UTC) statt: Die Uhren werden um eine Stunde (auf 3 Uhr MESZ) vorgestellt.

Die übernächste Umstellung auf Normalzeit findet am Sonntag, 25. Oktober 2009, um 3 Uhr MESZ (1 Uhr UTC) statt: Die Uhren werden um eine Stunde (auf 2 Uhr MEZ) zurückgestellt.

Sonstiges

Eselsbrücken

Viele Menschen haben bei der jeweiligen Umstellung ein Problem, zu unterscheiden, wann die Uhren vor- und wann sie zurückgestellt werden sollen.

Eine Möglichkeit, sich zu merken, ob die Uhr vor- oder zurückgestellt werden muss, ist die „Straßencafé-Faustregel“: Im Frühjahr werden die Stühle vor das Lokal gestellt, im Herbst kommen sie zurück ins Lager.

Ebenfalls eine gute Methode, um sich die Umstellung zu merken, ist folgende:

Eine weitere Methode ist, zu sagen, dass die Uhren immer Richtung Sommer gestellt werden, d. h. im Frühling vor und im Herbst zurück.

Im amerikanischen Englisch gibt es das Sprichwort „spring forward, fall back“. Da spring sowohl springen als auch Frühling heißt und fall sowohl fallen als auch Herbst, kann der Spruch sowohl mit Spring vor, fall zurück als auch mit Frühling vor, Herbst zurück übersetzt werden.

Liste der Sommerzeiten bis 1990

Liste der Sommerzeiten ab 1991

Moskauer Zeit in Berlin

1945 wurde in der Sowjetischen Besatzungszone für einige Monate die Moskauer Zeit eingeführt. Dies stand jedoch nicht im Zusammenhang mit der Sommerzeit. Die sowjetische Verwaltung sollte vielmehr effektiver werden, indem ihre Arbeitszeiten mit den Arbeitszeiten ihrer vorgesetzten Behörden in Moskau synchronisiert wurden. Normalerweise beträgt der Zeitunterschied zwischen Berlin und Moskau 2 Stunden.

Einzelnachweise

  1. Text von Franklins Brief in englischer Sprache
  2. W. Willett: The Waste Of Daylight. Sloane Square, London, July, 1907 [1]
  3. schweizer Zeitgesetz vom 21. März 1980
  4. zur „War Time“ vgl. den Artikel History of time in the United States in der englischsprachigen Wikipedia
  5. CRS Report for Congress, 27. September 2005
  6. http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/?em_cnt=1298980&index_page=2: Anstieg Stromverbrauch in Indiana
  7. Pressemeldung des Bundestages mit Antwort auf FDP-Anfrage
  8. Kantermann T, Juda M, Merrow M, Roenneberg T.: The Human Circadian Clock's Seasonal Adjustment Is Disrupted by Daylight Saving Time. Curr Biol. 2007 Oct 24; PMID 17964164
  9. Lambe M, Cummings P: The shift to and from daylight savings time and motor vehicle crashes. Accid Anal Prev. 2000 Jul;32(4):609-11. PMID 10868764
  10. Varughese J, Allen RP: Fatal accidents following changes in daylight savings time: the American experience. Sleep Med. 2001 Jan;2(1):31–36. PMID 11152980
  11. Ferguson SA, Preusser DF, Lund AK, Zador PL, Ulmer RG: Daylight saving time and motor vehicle crashes: the reduction in pedestrian and vehicle occupant fatalities. Am J Public Health. 1995 Jan;85(1):92-5. PMID 7832269
  12. Coate D, Markowitz S: The effects of daylight and daylight saving time on US pedestrian fatalities and motor vehicle occupant fatalities. Accid Anal Prev. 2004 May;36(3):351-7. PMID 15003579
  13. Schweizweit.net – Nicht vergessen, Winterzeit
  14. Sommerzeiten und Hochsommerzeiten in Deutschland bis 1979
  15. Sommerzeiten in der Bundesrepublik Deutschland ab 1980
 Wiktionary: Sommerzeit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik