Heim

Motu Proprio

Ein Motu Proprio (Latein: „(aus) eigenem Beweggrund“, sinngemäß: „selbst veranlasst“) ist ein Apostolisches Schreiben des Papstes der katholischen Kirche, das ohne förmliches Ansuchen anderer ergangen ist und vom Papst persönlich und nicht von einem seiner Kardinäle, Amtsorganen oder anderen Beratern entschieden wurde.

Meist handelt es sich dabei um die Bekanntgabe kirchenrechtlicher oder administrativer Entscheidungen, geringe Änderungen des kanonischen Rechts oder die Gewährung von Privilegien an Personen oder Institutionen. Normalerweise ist ein motu proprio ein Dekret, das ohne Siegel (vgl. Päpstliche Bulle) versehen ist und nicht gegengezeichnet wurde. Das erste apostolische Schreiben in der Form des motu proprio wurde von Papst Innozenz VIII. im Jahr 1484 verfasst.

Ein motu proprio beginnt mit der Darstellung des Grundes, warum es verfasst worden ist. Es folgt die Beschreibung der Gesetzesänderung oder der Privilegiengewährung. Das Dokument wird vom Papst mit Datum und seinem Namen in Latein persönlich unterschrieben. Anschließend wird der Text veröffentlicht. Es ist selbst dann gültig, wenn es nicht dem vorherigen Kirchenrecht oder früheren päpstlichen Entscheidungen entspricht.

Die umfangreichere, ausführlichere Form päpstlicher Rechtsetzung heißt Apostolische Konstitution (sinngemäß: „Verfassungsgesetz“); im Gegensatz dazu stehen die Lehrschreiben, insbesondere in der Form einer Enzyklika.

Liste von Motu Proprio (Auswahl)