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Burkhard Hirsch

Burkhard Hirsch (* 29. Mai 1930 in Magdeburg) ist ein deutscher Politiker (FDP), Jurist und Bürgerrechtler. Er war von 1975 bis 1980 Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen und von 1994 bis 1998 Vizepräsident des Deutschen Bundestages.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Beruf

Nach dem Abitur 1948 in Halle/Saale absolvierte Hirsch ein Studium der Rechtswissenschaft in Marburg/Lahn, welches er 1954 mit dem ersten und 1959 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen beendete. Von 1960 bis 1967 war er bei der Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie tätig. 1961 erfolgte seine Promotion zum Dr. jur.. Seit 1964 ist er als Rechtsanwalt in Düsseldorf zugelassen. Von 1967 bis 1971 war er dann Justitiar bei der Walzstahlkontor West GmbH in Rheinhausen und von 1973 bis 1975 Direktor bei der Mannesmann AG in Düsseldorf. Als Bürgerrechtler und Humanist gehört er seit Jahrzehnten der deutschen Bürgerrechts-NGO Humanistische Union an. Burkhard Hirsch ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Politisches

Schon 1948 wurde Hirsch Mitglied der LDP in Halle/Saale. Nach der Flucht nach Westdeutschland trat er hier 1949 in die FDP und bei den Jungdemokraten ein. Letzteren gehörte er bis 1964 an. Ab 1973 war Hirsch Mitglied im FDP-Bundesvorstand und von 1979 bis 1983 Landesvorsitzender der FDP in Nordrhein-Westfalen.

In der Affäre um Akten- und Datenvernichtung im Bonner Kanzleramt nach der Wahlniederlage der Regierung Helmut Kohls im Jahr 1998 war Hirsch amtlich bestellter Sonderermittler des Untersuchungsausschusses. Er wies nach, dass erhebliche Aktenlücken in brisanten Sachgebieten wie der Leuna-Verkaufs-Affäre und bei Rüstungsgeschäften mit dem Nahen Osten vorlagen. Lücken gab es bei Akten zu Treuhand-Privatisierungen, zum Waffenexport von Fuchs-Spürpanzern sowie zum Bau einer Panzerfabrik in Kanada.[1][2] Der Bericht von Burkhard Hirsch über die sog. Bundeslöschtage ist nicht veröffentlicht worden.

Burkhard Hirsch gehört zum Freiburger Kreis und zum linksliberalen Flügel der FDP. Der Rechtsexperte tritt immer wieder energisch für die Wahrung der Bürgerrechte ein. Gemeinsam mit seinen Parteifreunden Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Gerhart Rudolf Baum ist er erfolgreich vor dem Bundesverfassungsgericht gegen Teile des sogenannten Großen Lauschangriffs vorgegangen.

Anfang 2005 legte Hirsch auch gegen das umstrittene Luftsicherheitsgesetz, das im Falle terroristischer Passagierflugzeugentführungen deren militärischen Abschuss bei potenzieller Gefahr von Hochhausanschlägen ausdrücklich erlauben wollte, Verfassungsbeschwerde ein. Am 15. Februar 2006 erklärte das BVerfG den § 14 III des Luftsicherheitsgesetzes für nicht mit dem Grundgesetz vereinbar und somit für nichtig. Die Richter folgten in ihrer Entscheidung in fast allen Punkten den Beschwerdeführern.

Aktuell ist eine weitere Verfassungsbeschwerde von Hirsch und anderen Liberalen gegen die im November 2007 beschlossene Vorratsdatenspeicherung eingereicht.[3]

Abgeordneter

Von 1964 bis 1972 war Hirsch Ratsherr der Stadt Düsseldorf. Von 1972 bis 1975 sowie von 1980 bis 1998 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Vom 10. November 1994 bis zum 26. Oktober 1998 war er Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Burkhard Hirsch war zuletzt in der 13. Wahlperiode 1994 über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Deutschen Bundestag eingezogen. Für die folgende Legislaturperiode bewarb er sich nicht erneut um ein Bundestagsmandat.

Öffentliche Ämter

Nach der Landtagswahl 1975 wurde Hirsch am 28. Mai 1975 als Innenminister in die von Ministerpräsident Heinz Kühn (SPD) geführte Landesregierung von Nordrhein-Westfalen berufen. Dieses Amt behielt er auch unter dem ab 1978 amtierenden Ministerpräsidenten Johannes Rau (SPD). Am 19. November 1979 wurde er zusätzlich zum Stellvertreter des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen ernannt. Da die FDP bei der Landtagswahl 1980 an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte und die SPD die absolute Mehrheit erringen konnte, schied Hirsch am 4. Juni 1980 aus der Landesregierung aus.

1992 unterlag er Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bei einer innerparteilichen Abstimmung über die Nachfolge von Klaus Kinkel als Bundesminister der Justiz.

Ehrungen (Auswahl)

Veröffentlichungen

Reden

Literatur

Siehe auch

Quellen

  1. DIE ZEIT 18.06.2003 Nr.26, Artikel von Martin Klingst
  2. Journalisten vor Gericht - Datenvernichter frei, Artikel von Christiane Schulzki-Haddouti 09.11.2001
  3. Vorratsdatenspeicherung: Verfassungsbeschwerde notwendig – Mitteilung vom 30. November 2007 auf leutheusser-schnarrenberger.de; Ex-Bundestagsvizepräsident klagt gegen Vorratsdatenspeicherung, Meldung auf de.internet.com, 12. November 2007
  4. Bericht über die Preisverleihung auf den Seiten der Humanistischen Union
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Personendaten
Hirsch, Burkhard
deutscher Politiker (FDP), Jurist und Bürgerrechtler
29. Mai 1930
Magdeburg