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Demag

Demag (Deutsche Maschinenbau-Aktiengesellschaft) war ein deutscher Industriekonzern, dessen Einzelunternehmen heute verstreut sind. Sie sind unter anderem mittlerweile in der SMS Demag AG (Tochtergesellschaft der SMS GmbH) zu finden, aber auch bei Siemens und in einer Reihe anderer Gesellschaften.

Inhaltsverzeichnis

Demag als unabhängiger Konzern

Der Demag-Konzern entstand 1910 in Duisburg durch den Zusammenschluss der Märkischen Maschinenbau-Anstalt L. Stuckenholz AG, Wetter an der Ruhr, der Duisburger Maschinenbau AG, Duisburg, und der Benrather Maschinenfabrik GmbH, Benrath (1896 gegr.).

Die Märkischen Maschinenbau-Anstalt L. Stuckenholz AG geht auf die im Jahre 1819 gegründeten Mechanische Werkstätten Harkort & Co. in Wetter an der Ruhr zurück. Bereits 1840 begann man mit dem Bau von Kränen.

In diesem Bereich wurde Demag zu einem der führenden Unternehmen. So konstruierte man 1910 den bis dato weltgrößten Schwimmkran für die Werft Harland & Wolff in Belfast, die diesen zum Bau der Passagierschiffe Olympic und Titanic benötigte. Das Nachfolgemodell ("Langer Heinrich", 250 to Hebekraft) dieses Krans, der von 1913-15 für die Kaiserliche Werft in Wilhelmshaven gebaut wurde, existiert sogar noch heute (Standort: Genua). Ab 1925 fertigte man auch Bagger. Zudem wurden auch Lokomotiven, Eisenbahn-Güterwaggons sowie - während des Zweiten Weltkriegs, von September 1942 bis April 1945 - im Werk DEMAG Fahrzeugwerk GmbH in Berlin-Staaken (Albrechtshof) bzw. Falkensee Panzerfahrzeuge (v.a. Bergepanther) produziert. 1954 wurde bei Demag der erste vollhydraulische Bagger entwickelt.

Übernahme durch Mannesmann 1973

Nachdem Demag auf dem Sektor der Baumaschinen und Fahrzeugkrane, der Fördertechnik (Hallenkrane, Regalförder- und -bediengeräte, Lager- und Kommissioniertechnik), der Hüttentechnik (komplette Hüttenwerke, aber speziell z. B. Stranggießanlagen), der Verdichter- und Drucklufttechnik sowie der Kunsttofftechnik (Spritzgießmaschinen) technisch zu den weltweit führenden Herstellern gehörte, wurde die Firma 1973 durch den Mannesmann-Konzern mit Sitz in Düsseldorf übernommen.

1983 gründete die Mannesmann-Demag AG und das US-Unternehmen Wean United Inc. aus Pittsburgh eine gemeinsame Tochtergesellschaft mit Namen Mannesmann Demag Wean Co für den Stahlwerksbau.

Folgende waren die wichtigsten Umstrukturierungen der Demag innerhalb von Mannesmann:

Die Kunststoffmaschinenaktivitäten von Mannesmann - Demag wurde später (1999) innerhalb des Mannesmann Konzerns mit der Kunsstofftechnikproduktion von Krauss-Maffei (ihrerseits ab 1989 durch Mannesmann erworben) zur Mannesmann Demag Krauss Maffei fusioniert und bildeten den einen Teil der Mannesmann Atecs, einer Holding, die alle nicht-Mobilfunk Aktivitäten des Mannesmann Konzerns umfasste. Die allgemeinen Maschinenbauakktivitäten von Krauss Maffei und die Wehrtechnik gingen später an Linke / Hoffmann / Busch. Später hieß diese Holding "MPM" (Mannesmann Plastics Machinery) mit den Haupttöchtern Demag Plastics und Krauss-Maffei.

Auflösung im Rahmen der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone

Ab 1990 war Mannesmann, der sich schon vorher vom reinen Stahl- und Röhrenkonzern zu einem breit agierendem Technologie- und Maschinenbaukonzern entwickelt hatte, mit dem Erwerb der D2 Mobiltelephonlizenz in das dem Konzern bisher fremde Gebiet des Mobilfunks eingestiegen. Diese Konzernsparte wuchs in den Folgejahren dynamisch, provozierte aber die Übernahme durch den britischen Mobilfunkkonzern Vodafone, der Anteile an D2 besaß, mit dem Mannesmann aber über den Zukauf des Anbieters "orange" in Großbritannien in Wettbewerb trat.

Nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone, die zwischen Oktober 1999 und Februar 2000 als wirtschaftsgeschichtlicher Krimi über die Bühne ging, wurden sämtliche Industrieaktivitäten von Mannesmann, die kurz vorher bereits als "Atecs" - "advanced technologies" zusammengefasst worden waren, um Mobilfunk und Industrieaktivitäten strategisch zu trennen, an ein Konsortium von Siemens und Bosch verkauft. Dieses Konsortium teilte die einzelnen Gesellschaften dann auf, gliederte sie jeweils in die neuen Muttergesellschaften Siemens und Bosch ein oder verkaufte sie, wie Teile von Sachs, vormals Fichtel & Sachs an die ZF Friedrichshafen, gleich weiter. Die bei Atecs vorhandenen Demag-Sparten kamen zu Siemens. Es waren die Demag-Kunststofftechnik (mit Krauss-Maffei), die Demag-Verdichtertechnik und die Demag-Fördertechnik, zu der die Demag-Fahrzeugkrane und die Firma Gottwald gehörten.

Der weitausgehend größte Teil der bei Siemens verbleibenden ehemaligen Demag Töchter wurden 2001 an den amerikanischen Finanzinvestor KKR weiterveräussert (siehe nächster Abschnitt). Die danach noch bei Siemens verbleibenden Aktivitäten wurden jedoch auch weitgehend restrukturiert und inzwischen fast vollständig veräußert:

Restrukturierung und Verkäufe durch KKR

Im Herbst 2001 erfolgte der Verkauf von Kernaktivitäten der ehemaligen Demag (Demag Cranes, Gottwald und MPM) sowie einem Sammelsurium anderer ehemaliger Siemens Sparten, im Fall Stabilus auch von Mannesmann stammend, durch Siemens an den Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR), der sie in der in Luxemburg firmierenden Demag Holding S.à r.l. zusammenfaßte. An dieser Gesellschaft hielt Siemens noch 19 %. Bis Anfang 2008 hatte diese Demag Holding alle wesentliche Unternehmensteile veräussern können:

Wirtschaftsgeschichtlich von Bedeutung ist die Restrukturierung der Demag Holding durch KKR, da sie neben anderen Fällen die von Franz Müntefering 2006 angestoßene "Heuschreckendebatte" auslöste.

Einzelnachweise