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Emil Krebs

Emil Krebs (* 15. November 1867 in Freiburg in Schlesien; † 31. März 1930 in Berlin) war ein deutscher Sinologe. Er soll 68 Sprachen in Wort und Schrift beherrscht und sich mit 120 Sprachen befasst haben.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Die frühen Jahre

In Freiburg/Schlesien am 15. November 1867 als Sohn des Zimmermeisters Gottlob Krebs und dessen Ehefrau Pauline geb. Scholz geboren, war Emil Krebs 1870 mit seinen Eltern nach Esdorf gekommen. Dort besuchte er die Dorfschule und war daraufhin 1878 bis 1880 Schüler der Freiburger Realschule und besuchte von 1880 bis 1887 das Gymnasium in Schweidnitz. Auf dem Lehrplan des Gymnasiums standen Latein, Französisch, Hebräisch und klassisches Griechisch. Aber schon als Gymnasiast beschäftigte er sich mit Neu-Griechisch, Englisch, Italienisch, bald darüber hinaus mit Spanisch, Russisch, Polnisch, Hebräisch, Arabisch und Türkisch. Als Emil Krebs das Schweidnitzer Gymnasium am 17. März 1887 als Abiturient verlässt, um im Sommersemester 1887 an der Breslauer Universität Theologie zu studieren, sprach er bereits zwölf Sprachen.

Zum Studium der Rechtswissenschaft ging Emil Krebs im darauf folgenden Semester an die Universität Berlin, um neben diesem Studium das der neueren Sprachen zum Hauptgegenstand seines Wissensstrebens zu machen. Das hier gerade neu gegründete Orientalische Seminar nahm ihn gefangen. Er wollte alles erlernen, was geboten wurde, wendete sich aber zunächst dem dort auch möglichen chinesischen Sprachstudium zu, weil gerade diese Sprache die schwerste sei. Am 24. Juli 1890 bestand er am Seminar für Orientalische Sprachen der Universität Berlin die Dolmetscherprüfung für das Chinesische mit „gut“. Emil Krebs hatte innerhalb zweier Jahre das Chinesische so in sich aufgenommen, dass er über den Sprachgebrauch hinaus sämtliche Feinheiten des Fachs meisterte, wie sie sonst nur gebildeten Einheimischen geläufig sind. Trotz seines geradezu leidenschaftlichen Hanges zum Erlernen fremder Sprachen hatte er sein juristisches Studium nicht vernachlässigt und bestand die erste juristische Staatsprüfung nach den vorgeschriebenen sechs Semestern am 12. Juni 1891 mit „gut“. Daraufhin trat Emil Krebs als Gerichtsreferendar den Ausbildungsdienst beim „Königlich-preußischen Amtsgericht“ in Gottesberg (Preußen) an. Ostern 1892 wurde er, inzwischen Referendar am Kammergericht in Berlin, Mitglied der türkischen Klasse des Seminars für Orientalische Sprachen an der Universität Berlin. Am 30. September 1893 erfolgte die Entsendung des Gerichtsreferendars Krebs nach Peking als Dolmetscher-Aspirant.

Aufenthalt in China

Am 5. Dezember 1893 traf Emil Krebs in Peking ein, das sein Wirkungskreis bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit China im Ersten Weltkrieg bleiben sollte. Am 10. Mai 1896 wurde er mit der Wahrnehmung der Dienstgeschäfte des zweiten Dolmetschers bei der Kaiserlichen Gesandtschaft in Peking betraut; am 7. Oktober desselben Jahres erhielt er diesen Posten. Als Vermittler der Unterredungen mit chinesischen Politikern gewann er aufgrund seiner Begabung mehr und mehr an Bedeutung. Das Deutsche Reich nahm die Ermordung zweier Missionare in der Provinz Shantung zum Anlass, im November 1897 Tsingtao als Bürgschaft für seine „Schadensersatzforderungen“ zu besetzen. Vom 10. November 1897 bis zum Februar 1898 war Krebs dem zur Besetzung von Kiautschou entsandten deutschen Geschwader zur Dienstleistung zur Verfügung gestellt und anschließend dem Kaiserlichen Gouvernement für das Gebiet Kiautschou vorübergehend zugeteilt.

Bis zum 30. Juli 1900 war Krebs in der Verwaltung des Gouvernements Kiautschou tätig, um dann wieder zur deutschen Gesandtschaft in Peking zurückzukehren. Die Zeit vom November 1897 bis zum Juli 1900 war für Krebs eine Zeit, die weit über eine Dolmetschertätigkeit hinausging, die ihm vielmehr Gelegenheit gab, engeren Kontakt mit chinesischen amtlichen Stellen sowie mit Einzelpersonen zu unterhalten.

Emil Krebs wurde am 16. Juli 1901 als Erster Dolmetscher bei der Gesandtschaft in Peking bestellt. Krebs war bei den Chinesen äußerst angesehen. Nicht nur im Waichiaopu (Pinyin: Waijiaobu), dem chinesischen Auswärtigen Amt, auch bei anderen chinesischen Behörden wurde er sehr geschätzt. Sogar chinesische Autoritäten zogen ihn in grammatischen Fragen ihrer eigenen Sprache zu Rate. Sie wussten, dass Emil Krebs eine erstklassige Kapazität als chinesischer Sprachkenner war.

Am 15. Februar 1912 wurde ihm der Titel eines Legationsrates verliehen, nachdem sich Krebs dem Drängen des Amtes, das Konsulatsexamen abzulegen, verweigerte. Am 5. Februar 1913 heiratete Emil Krebs auf dem Deutschen Kaiserlichen Konsulat in Shanghai Frau Mande Heyne geb. Glasewald, die älteste Tochter des Geheimen Justizrats Glasewald aus Magdeburg. Im Februar und März 1914 oblag ihm die Vertretung des Gesandten von Haxthausen während dessen Dienstreise nach Mittel- und Südchina. Schließlich wurden ihm am 8. August 1914 auch die standesamtlichen Befugnisse bei der Gesandtschaft übertragen. Da er in gebildeten Kreisen Pekings ein gern gesehener Gast war, kam es dazu, dass ihn auch die chinesische Kaiserin öfter als Gesprächspartner empfing.

Der im März 1917 erfolgte Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und China führte am 25. März 1917 zur Abreise von Krebs aus Peking.

Rückkehr nach Berlin

Am 23. Mai 1917 traf er in Berlin ein. Eine seine großen Fähigkeiten nutzende Beschäftigung wurde ihm kaum noch zuteil. Am 8. September 1917 wurde er infolge der Auflösung der Gesandtschaft in Peking mit Wirkung vom 1. Januar 1918 in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Abgesehen von einer vorübergehenden Dienstleistung bei der Nachrichtenstelle für den Orient (November/Dezember 1917), wurde Emil Krebs schließlich nach dem Ersten Weltkrieg 1921 dem Chiffrierdienst des Auswärtigen Amtes zugeteilt und 1923 zusätzlich auch im Sprachendienst beschäftigt. Nebenamtlich war Krebs ab Mai 1922 Dolmetscher für die finnische Sprache bei Gerichten und Standesämtern in Berlin und im Regierungsbezirk Potsdam tätig. Intensivste Bemühungen des Auswärtigen Amtes auch von höchster Stelle während dieser Zeit, Krebs eine seinen Fähigkeiten entsprechende Professorenstelle am Sprachen-Seminar (SOS) der Universität Berlin zu vermitteln, scheiterten letztendlich am Widerstand einiger dort maßgeblich tätigen Professoren, vor allen Dingen an Prof. Otto Franke, der einige Zeit mit Krebs in Peking tätig war. Die Begründung war wohl Krebs selbst, der sicherlich ein sehr schwieriger Mann war und nur für seine Sprachen lebte. Der Sprachendienst des Auswärtigen Amtes behielt somit einen hervorragenden Übersetzer. Von Gautier als Leiter des Sprachendienstes stammt der Ausspruch: „Krebs ersetzt uns 30 Außenmitarbeiter.“ Ein späteres Angebot aus Kabul lehnte Krebs ab. Am 31. März 1930 verstarb er in seiner Wohnung in Berlin-Charlottenburg, Linden-Allee 26, an einem Gehirnschlag. Auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof fand er seine letzte, heute noch in einer Patenschaft betreute Ruhestätte (Epiphanien-Gartenblock I, Gartenstelle 81).

Seine Privatbibliothek von über 3500 Bänden und Schriften in ca. 120 Sprachen befindet sich in der Nationalbibliothek in Washington D.C. Aus der Zusammensetzung und dem Umfang der in den jeweiligen Landessprachen verfassten Literatur und einer von ihm persönlich niedergeschriebenen Sprach-Auflistung ergibt sich, dass Krebs alle Sprachen der heutigen EU beherrschte, zusätzlich weitere Sprachen wie Ägyptisch, Albanisch, Arabisch, Armenisch, Birmanisch, Chinesisch, Georgisch, Hebräisch, Japanisch, Javanisch, Koreanisch, Lateinisch, Mandschurisch, Mongolisch, Persisch, Russisch, Sanskrit, Syrisch, Tibetisch, Türkisch, Urdu. Des Weiteren lernte er über Englisch hinaus noch Afghanisch, Birmanisch, Gujarati, Hindi, Irisch, Singhalesisch und Portugiesisch, über Russisch die Sprachen Burjätisch, Finnisch, Tartarisch, Ukrainisch, das schwierige Baskisch erarbeitete er ausschließlich über Spanisch, dabei befasste er sich gleichzeitig mit den Dialekten Guipuzkoa, Bizkaya, Laburdi und Zubero. Als „Zweitsprache“ neben Deutsch verwandte Krebs zum Erlernen und Vertiefen einer neuen Sprache vorwiegend Englisch, Französisch, Russisch, Chinesisch, Griechisch, Italienisch, Türkisch, Latein, Spanisch und Arabisch. Auch das „Neue Testament“ in 61 verschiedenen Sprachen spielte eine nicht unbedeutende Rolle.

Sein 1930 von dem Hirnforscher Oskar Vogt entnommenes Gehirn wird als sogenanntes Elitegehirn noch heute im C. u. O. Vogt-Institut für Hirnforschung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf aufbewahrt (Prof. Dr. K. Zilles). Frau Prof. Dr. Katrin Amunts hat dort eine mikroskopische Untersuchung vorgenommen. Ihren Befund fasste sie allgemeinverständlich so zusammen: "Im Schläfenbereich befindet sich das Broca-Zentrum. Es spielt für die Sprachproduktion eine wichtige Rolle. Der Bau des Broca-Areals unterscheidet sich bei Emil Krebs sehr deutlich von Leuten wie uns. Die Nervenzellen sind bei allen Menschen in Schichten angelegt, doch bei ihm lassen sich die Zellstreifen unter dem Mikroskop deutlicher voneinander abgrenzen. Krebs hatte also nicht generell ein anderes Gehirn als die Normalbevölkerung, sondern nur ein sehr besonderes Broca-Areal. Seine spezielle Sprachbegabung lässt sich daher mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die ungewöhnliche Ausprägung dieser Gehirnstruktur zurückführen." [1]

Anmerkung

  1. "Gehirn des Sprachgenies im Oskar-Vogt-Institut", Märkische Allgemeine Zeitung, 31. 03. 2005

Werke

Emil Krebs war nicht wissenschaftlich tätig und hinterließ daher auch keine bedeutenden wissenschaftlichen Werke. Erwähnenswert ist die von Wilhelm Grube vorgenommene und von Emil Krebs auf Grund des Nachlasses durchgesehene und abgeschlossene Übersetzung der „Chinesische Schattenspiele“, München 1915. Ferner einige veröffentlichte Aufsätze in der „Ostasiatische Rundschau“ und „Der neue Orient“ (u.a. „Über das Chinesisch Lernen“, „Die politische Karikatur in China“ und „Chinas innere und öffentliche Politik“). Luigi Barzini: Mugden. Aus dem Italienischen übersetzt von Krebs.

Siehe auch

Personendaten
Krebs, Emil
deutsches Sprachgenie
15. November 1867
Freiburg in Schlesien
31. März 1930
Berlin