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Pagode

Eine Pagode (Chin.: 塔, Pinyin: tǎ) ist ein markantes mehrgeschossiges, turmartiges Bauwerk, dessen einzelne Geschosse meist durch vorkragende Gesimse oder Dachvorsprünge voneinander abgetrennt sind. Gebäude dieser Art sind in Vietnam, China, Japan und Korea zu finden.

Inhaltsverzeichnis

Ursprünge

Die moderne Pagode ist eine Weiterentwicklung der indischen Stupa, einem halbkugelförmigen Erdhügel, in dem heilige Reliquien aufbewahrt und verehrt wurden. Während sich die Stupa zusammen mit dem Buddhismus über ganz Asien verbreitete, entwickelte sich ihre Struktur je nach lokaler architektonischer Tradition weiter. In China wurde der Kuppelbau mit schirmartigen Aufsätzen bekrönt, und gelangte so bis hin nach Vietnam, Japan und Korea.

Die meisten Pagoden wurden zu religiösen Zwecken errichtet, daher sind sie oft innerhalb oder in der Nähe von Tempeln zu finden. Ursprünglich diente die Pagode als Aufbewahrungsort von Reliquien oder heiligen Texten. [1]

Der Begriff „Pagode“

Es ist heute nicht endgültig geklärt, woher der Begriff „Pagode“ stammt. Da keinerlei Verbindung oder Ableitung zu Worten aus dem buddhistischen Vokabular festgestellt werden kann, ist es möglicherweise ein portugiesischer Neologismus, vielleicht stammt er aber auch vom Sanskrit-Wort „Bhagavatī“ („bhagavat“: gesegnet; in dravidischen Dialekten: Pogŏdi) oder vom persischen „but Kedah“ (Götzenschrein). [2]

In Vietnam ist Pagode (englisch: pagoda) die Übersetzung des vietnamesischen Wortes Chùa, welcher als Oberbegriff für den gesamten Tempelkomplex steht.

In Südostasien wird „Pagode“ oft mit „Stupa“ verwechselt, deren Weiterentwicklung in Thailand dort „Chedi“ genannt wird.

Architektur

Pagoden gehen in die Höhe und haben geschwungene Dächer. Die ersten chinesischen Pagoden bestanden aus Holz, doch da sie wertvolle buddhistische Schriften enthielten, wurden sie schon bald aus Stein gebaut. Im Gegensatz zum indischen Stupa ist die chinesische Pagode zugänglich. Sie enthält zumeist im Erdgeschoss das Hauptbildnis Buddhas und in der Mitte der übrigen Stockwerke Figurengruppen oder eine durchgehende Säule, in die Reliquien eingemauert sind. Auf der Galerie eines jeden Stockwerks kann man diese Säule umschreiten. Im Inneren finden sich oft noch weitere Bildwerke.

Eine der größten Pagoden in Europa ist das vietnamesisch-buddhistische Kloster „Vien Giac“ in Hannover.

Berühmte Pagoden

China

Japan

Vietnam

Europa

Chinoiserien

Im Rahmen und als Folge der Chinoiserie-Moden entstanden in Europa ab dem 18. Jahrhundert zahlreiche einer Pagode nachgebaute Gebäude. Diese Bauwerke, die keine religiöse Bedeutung hatten, waren oft Teil eines Landschaftsparks nach englischen Vorbild. Ein bekanntes Beispiel ist der chinesische Turm im englischen Garten von München .

Abgeleitete Bedeutungen

Als „Pagode“ werden umgangssprachlich auch die Fahrzeuge der Baureihe W113 von Mercedes-Benz bezeichnet, die von 1963 bis 1971 produziert wurde, weil diese ein konkav gewölbtes Hardtop besitzen, das von hinten betrachtet an die Linienführung eines Pagodendaches erinnert.

Auch die Dächer der Gebäude (kiln), die bei der Herstellung von (zumeist schottischen) Whisky zur Trocknung des Malzes dienen, werden als Pagodendächer bezeichnet.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Michael W. Fazio, Marian Moffett, Lawrence Wodehouse: A World History of Architecture. McGraw-Hill Professional 2003. ISBN 0071417516.
  2. Snodgrass: The Symbolism Of The Stupa, S.221