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Tonfilm

Unter Tonfilm versteht man im allgemeinen einen Film, der im Unterschied zum live begleiteten Stummfilm mit technisch-wiederholbarer Schallbegleitung versehen ist.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Kinofilm war nie stumm. In den Kinos wurde von Anfang an für musikalische Begleitung gesorgt. Zumeist waren es Klavierspieler, auch Tappeure genannt. Bei Filmpremieren oder in großen Kinos wurden Filme auch von ganzen Orchestern mit bis zu 50 oder 60 Mitgliedern begleitet. Erste Versuche der Synchronisation von Phasenbildern mit dem Grammophon stammen von Wordsworth Donisthorpe aus dem Jahr 1877. 1894 oder 1895 kombinierte dann Thomas Alva Edisons Chef-Ingenieur Dickson den Kinematographen mit dem Phonographen und konstruierte auch verschiedene andere Kombinationen wie Kameraphon und Kinemaphon. Das synchrone Abspielen von Schallplatten zum Film konnte sich jedoch nicht bewähren, zumal die Synchronität meist nicht gewährleistet werden konnte.

Wichtige Stationen zur Entwicklung des Tonfilms:

Der größte europäische Tonfilmaufnahme- und -abspielgerätehersteller war die deutsch-holländische Küchenmeister-Tobis-Klangfilm-Gruppe, welche ihren Anfang fand, als im August 1928 die schweizerische Tri-Ergon-Musik-AG sich mit dem holländisch-deutschen Küchenmeister-Konzern und einigen anderen Unternehmen zusammenschloss, um die verschiedenen Tonfilm-Patente in einer Hand zu vereinigen. Hinter dem Ringen um ein eigenes Patent steckte die Absicht, sich der Konkurrenz durch die amerikanischen Firma Warner Bros. zu entledigen, die ein Patent der Western Electric nutzte.

Weltweit konnten sich Western Electric und Küchenmeister-Tobis-Klangfilm als führende Tonfilmgeräte-Hersteller behaupten. Da die Unternehmen darauf bestanden, dass die mit ihren Geräten hergestellten Filme auch auf Abspielgeräten der selben Firma abgespielt werden, kam es zu einigen Klagen wegen Lizenzverstößen, aber auch wegen Patentverletzungen. Am 22. Juli 1930 einigten sich die beiden Unternehmen auf ein Tonfilm-Patentabkommen, den sogenannten „Pariser Tonfilmfrieden“. Diese Vereinbarung sah eine exklusive Aufteilung des Weltmarkts untereinander vor. Ein gemeinsames Vorgehen gegen unlauteren Wettbewerb und Patentverletzungen Dritter wurde angekündigt. Dieses Abkommen bedeutete für sämtliche kleinen Tonfilmapparaturenhersteller einen schweren Schlag, zumal sie in diesem Abkommen nicht vorgesehen waren. Nur in Einzelfällen wurden weitere Unternehmen nachträglich in das Abkommen mit aufgenommen. So etwa die österreichische Selenophon Licht- und Tonbildgesellschaft, die nicht zuletzt aufgrund politischer Interventionen weiterbestehen konnte.

Verfahren

Nadeltonverfahren

Das Grammophon nutzte eine Nadel als Tonabnehmer; die Spielfilme der späten 1920er-Jahre wurden auf Rollen präsentiert, die eine Vorführungslänge von 11 Minuten hatten; danach musste die Rolle gewechselt werden. Zu diesem Zweck wurde die Langspielplatte entwickelt, die zunächst eine Spieldauer von elf Minuten hatte. Diesen Medienverbund bezeichnet man auch als „Nadeltonverfahren“. Es wurde in den 1930er-Jahren vom Lichtton abgelöst.

Der von vielen Kritikern als erster vollwertiger Sprech-Spielfilm betrachtete „Der Jazzsänger“ (USA, 1927) mit Al Jolson unter der Regie von Alan Crosland war bedingt durch seinen prominenten Darsteller auch mehr ein Musikfilm und noch im Vitaphone-Verfahren (Ton auf Platte) gefertigt. Die Monologe und Dialoge waren improvisiert. Warner Bros. hatten nur beabsichtigt, einen Film zu drehen, in dem Musik und Gesang synchronisiert wurde, wodurch kein Dialogmanuskript notwendig war. So erklärt sich auch der Inhalt des ersten Monolog Jolsons: „Warten Sie eine Minute. Warten Sie eine Minute. Sie haben ja bis jetzt noch nichts gehört. Wollen sie Toot-toot-tootsie hören. All right. Einen Moment.“ Dabei war „Sie haben ja bis jetzt noch nichts gehört.“ (you ain't heard nothin' yet) eine seiner berühmtesten Wendungen, die er auch bei seinen üblichen Bühnenauftritten präsentierte. Die einzige weitere Sprachsequenz war mit zumindest 354 Wörtern deutlich länger und spielt sich zwischen Jolson (340), Eugenie Besserer (13) und schließlich Warner Oland ab, der sogar nur ein einziges Wort sagen durfte - und zwar bezeichnenderweise „Stop“.

Der erste Film mit durchgehend synchronisierten Dialogen war „Lights of New York“, 1928 unter der Regie von Bryan Foy gedreht. Er hatte knapp eine Stunde Spielzeit.

Lichttonverfahren

Hauptartikel: Lichttonverfahren

Als Erfinder des Lichttonverfahrens kann man den polnischen Ingenieur Józef Tykociński-Tykociner (1877–1969) bezeichnen. Im Juni 1922 führte er den ersten Tonfilm überhaupt auf. Weitere Pioniere waren der deutsche Ingenieur Hans Vogt (1890–1979) und seine Kollegen Joseph Massolle (1889–1957) und Jo Engl (1893–1942), mit denen er in der Gesellschaft Tri-Ergon (griech.-lat.: „Werk der drei“) die Tonfilm-Idee verwirklichte. Das Labor der drei, in dem auch die Entwicklung des Verfahrens stattfand befand sich in Berlin, Babelsberger Straße 49 (Gedenktafel am Hauseingang).

Am 17. September 1922 wurde in Berlin im Alhambra-Kino auf dem Kurfürstendamm vor 1000 Zuschauern der erste Tonfilm, bei dem die Synchronlaufschwierigkeiten bisheriger Tonfilmsysteme überwunden waren, der Öffentlichkeit präsentiert. Vogt, mit seiner Idee einer integrierten Lichttonspur, hatte hieran maßgeblichen Anteil.

Einer der Filme war der erste dramatische Dialogfilm „Der Brandstifter“. Alle übrigen waren reine Orchesterfilme mit Vokal-Begleitung, die von der Kritik gemischt aufgenommen wurden. Bemerkenswerterweise richtete sich die Kritik der Presse nicht gegen das technische Niveau, sondern gegen das inhaltliche Niveau der Dialoge. Vorausschauend erkannten sie, dass dadurch die eigentliche Kunst des Stummfilms, die Pantomime, auf Dauer zerstört würde.

1923 produzierte Lee de Forest die ersten kommerziell vertriebenen Tonfilme „De Forest Phonofilms“, bei denen der Ton fotografisch aufgenommen und auf den Rand des Films aufgedruckt wurde. „Phonofilms“ wurden bis 1927 hergestellt, dann wurde das System an Fox Pictures verkauft und wurde zu „Movietone“ umbenannt.

Beim Tonfilm wurde die Tonspur neben den Bildern auf dem Film aufgebracht. Mit einer Lampe wurde diese Spur hinterleuchtet und auf eine elektrische Fotozelle übertragen. Die unterschiedlichen elektrischen Spannungen, welche die unterschiedliche Helligkeit verursachten, wurde mittels Verstärker und Lautsprecher in hörbare Töne umgewandelt.

Durch die Kopplung von Ton und Bild war die Erhaltung der Synchronisation zwischen beiden praktisch gewährleistet.

Weil der Film für die Darstellung der Bilder aber im Projektor jeweils pro Einzelbild (bei geöffnetem Malteserkreuz in der Durchleuchtungsphase) für 1/48 Sekunde im Bildfenster an- und festgehalten werden muss, um dann anschließend wieder für 1/48 Sekunde um ein Einzelbild weitertransportiert zu werden, (bei geschlossenem Malteserkreuz in der Transportphase), die Filmrollen selbst aber kontinuierlich weiterlaufen, hat das Filmmaterial vor und nach dem Bildfenster eine Reserve von jeweils 8 Bildern in Form von zwei nach oben und unten freischwingenden Schleifen. Durch dieses ruckartige Bewegen des Films im Bildfenster kann die Stelle im Lichtton nicht an seiner eigentlich entsprechenden Stelle neben dem Bild sitzen, weil eine Tonspur (wie bei der Schallplatte oder beim Tonbandgerät entsprechend auch,) sich absolut gleichmäßig bewegen muss. So ist es notwendig, den Film, der die untere Schwingschleife verlassen hat, (nun eng anliegend) über Rollen mit Schwungmasse zu führen, was das Transportrucken mechanisch restlos eliminiert; nach einem international genormten Abstand (fachl.: "Versatz") zwischen Bildfenster und Tonkopf von 20 Bildern (+/- 0,5), der dem Versatz Bild/Ton auf dem Film entspricht, ist dann der Ton ohne Jaulen und bildsynchron zu hören.

Anfangs gab es zwei Verfahren, die Zackenschrift und die Sprossenschrift. Bei der Zackenschrift wird die Modulation durch unterschiedlich breite Belichtung erreicht, bei der Sprossenschrift durch unterschiedlich starke Belichtung bei konstanter Breite der Tonspur. Später setzte sich die Zackenschrift durch. Ende der 1930er-Jahre einigten sich die Filmproduzenten und Kinobesitzer auf einen Tonaufnahme- und Tonwiedergabe-Standard. Das Lichttonverfahren wird auch heute noch für die Tonwiedergabe verwendet.

Magnettonverfahren

Hauptartikel: Magnettonverfahren

Mit dem Magnettonverfahren wurde seit den 1930er-Jahren versucht, den Lichtton abzulösen; diese Versuche waren jedoch nicht dauerhaft erfolgreich. 1948 nahm die Schallaufzeichnung auf Magnetband und Magnetfilm ihren Anfang bei den vermögenden Studios in Hollywood. Heute wird eine Kombination eingesetzt: Die originale Tonaufnahme wird von Magnetband auf Magnetfilm überspielt. Nach dem Synchronisieren zum Bild und dem Schnitt dieser Tonkopie werden die klassischen drei Elemente Dialoge, Effekte (Geräusche, "Atmosphäre") und Musik gemischt und vom fertig gemischten Master eines oder zwei Tonnegative angefertigt. Bildnegativ und Tonnegativ werden in einem Gang "verheiratet", wie der Jargon geht, wobei ein so genanntes kombiniertes Positiv zur Vorführung entsteht.

Neuere Tonverfahren

1976 kam ein bahnbrechendes Tonsystem in die Kinos: Dolby Stereo mit 4 Tonkanälen. Erster Film nach dem Verfahren war Tommy (1975) mit der Popgruppe The Who.

1987 wurde durch Dolby SR (Spectral Recording) die Tonqualität erheblich verbessert, es blieb allerdings bei vier Kanälen.

Digitalisierung

Seit 1992 gibt es mit Dolby Digital, DTS und SDDS qualitativ sehr hochwertige Tonsysteme, die sogar 5 bzw. 7 Tonkanäle und einen Subwoofer-Bass-Kanal unterstützen (Kanalschema 5.1 bzw. 7.1).

Literatur