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Zeche Auguste Victoria

Die Zeche Auguste Victoria (kurz AV) ist eine Zeche in Marl.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bei Schürfbohrungen stießen die Düsseldorfer August Stein, Kommerzienrat, und Julius Schäfer, Ingenieur und Fabrikbesitzer, auf Steinkohle. Sie gründeten 1899 die bergrechtliche Gewerkschaft Auguste Victoria, benannt nach der Königin von Preußen und letzten deutschen Kaiserin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, die die 1898 konsolidierten Grubenfelder Hansi I und Hansi II erwarb. In Hüls an der Victoriastraße begann man mit den Abteufarbeiten von Schacht 1 für das neue Bergwerk. 1900 begann man einige Meter weiter Schacht 2 zu teufen. Im Jahr 1901 wurde die Arbeit wegen harten Mergelschichten und Wasserzuflüssen bei 40 m Teufe eingestellt. 1902 wurde die Arbeit an Schacht 2 mit dem Gefrierverfahren wieder aufgenommen, Schacht 1 wurde jedoch vorerst aufgegeben. Die Nummerierung der Schächte wurde aus diesem Grund umgekehrt: Schacht 2 wurde in Schacht 1 umbenannt. 1903 wurde der erste Schacht, nun Schacht 2, weitergeteuft. Schacht 1 erreichte 1904 bei ca. 580 m Teufe das flözführende Karbon, Schacht 2 ein Jahr später bei ca. 591 m Teufe. 1905 und 1906 gingen die beiden Schächte in Betrieb. 1907 erwarb das Chemieunternehmen BASF aus Ludwigshafen das Bergwerk Auguste Victoria. Die Jahresförderung betrug 156.000 t. Zum Ende des Jahres ging eine Kokerei in Betrieb.

Im Jahr 1923 begann man etwa 2,5 km nördlich von Schacht 1/2 mit den Teufarbeiten für den Schacht 3. Geplant war eine Doppelschachtanlage. Wegen der Ruhrbesetzung mussten die Arbeiten jedoch bis 1925 eingestellt werden. Ein Jahr später erreichte der Schacht das Karbon bei ca. 680 m. Kurz vor der Inbetriebnahme des Schachtes brachen am 24. Juli 1927 Schwimmsande ein und verschütteten fünf Bergleute. Die Arbeit an Schacht 3 wurde daher vorerst eingestellt. Im Jahr 1928 begann man im Stadtteil Drewer, etwa zwei km südwestlich der Schachtanlage 1/2, mit den Teufarbeiten für Schacht 4, der ein Jahr später in Betrieb ging. Unweit von Schacht 4 wurde von 1930–31 Schacht 5 abgeteuft.

1934 begannen die Aufwältigungsarbeiten von Schacht 3, der 1937 in Betrieb gehen konnte. Westlich von Schacht 3 entstanden die Chemischen Werke Hüls. 1938 erreichte die Jahresförderung von Auguste Victoria 1,5 Millionen t, in der Kokerei wurden 521.000 t Koks produziert. Im gleichen Jahr begann auf Schacht 4/5 der Abbau der 1930 zufällig entdeckten Blei-Zink-Erzvorkommen „William-Köhler-Gang“. 1945 wurden die Schachtanlage 1/2 bei einem Luftangriff schwer beschädigt, die Jahresförderung an Kohle betrug nur 502.000 t.

1950 wurde Schacht 6, am westlichen Rand des Waldgebietes Die Haard etwa zwei km östlich von Schacht 3 geteuft. 1951 erreichte er bei 714 m Teufe die Kohle und ging im folgenden Jahr in Betrieb. In den 1950er Jahren wurden ca. 20 % der deutschen Erzproduktion auf Auguste Victoria abgebaut. Allein 1956 wurden von den 1.478 Beschäftigen des Erzabbaubetriebes 349.000 t Erz gefördert. Der Erzabbau wurde jedoch unwirtschaftlich, so dass er 1962 aufgegeben wurde. Bis dahin wurden von etwa insgesamt 5,5 Millionen t Blei-Zink-Erz und ca. 400 t Silber abgebaut. Die Schachtanlage 4/5 diente fortan als Wetterschacht.

Schacht 7 wurde ab 1957 in unmittelbarer Nähe von Schacht 3 geteuft und ging 1960 in Betrieb. Schacht 7 wurde als Förderschacht des Bergwerks mit einer Skipanlage ausgerüstet. Die entstandene eue Doppelschachtanlage übernahm 1966 die Förderung von der Schachtanlage 1/2. Die Schachtanlage 1/2 wurde mitsamt der Kokerei stillgelegt. Schacht 5 wurde 1968 verfüllt und der Förderturm abgerissen.

1963 wurde Schacht 8 im Feld Lippramsdorf, etwa drei km nördlich der Schachtanlage 3/7 am nördlichen Ufer der Lippe als Wetterschacht für das nordöstliche Grubenfeld abgeteuft. 1972 wurde das Grubenfeld 3/7 und 8 verbunden. Im Rahmen der Vergrößerung und Ausdehnung des Grubenfeldes wurde die Anlage 1978 als Seilfahrt- und Materialförderschacht ausgebaut und bis 1980 auf ca. 1330 m weitergeteuft. Im Jahre 1982 wurde die neue Schachtanlage durch den damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten, Johannes Rau, feierlich eröffnet.

1987 begannen vier km nördlich von Schacht 8 die Teufarbeiten für einen Seilfahrt- und Materialförderschacht. Dieser Schacht 9 erreichte ein Jahr später eine Teufe von 1200 m und ging 1990 in Betrieb.

Am 1. Januar 1991 verkaufte der BASF-Konzern das Bergwerk Auguste Viktoria an die Ruhrkohle AG (heute RAG Aktiengesellschaft), die Eingliederung in den Konzern dauerte jedoch noch bis 1997. Im Jahr 2000 förderte das Bergwerk mit 4003 Beschäftigten 3,54 Millionen t Kohle.

Im Jahr 2001 wurde das Bergwerk Auguste Victoria mit dem Bergwerk Blumenthal/Haard, einem Verbundbergwerk aus der Zeche General Blumenthal (Recklinghausen) und dem Bergwerk Haard, der früheren Zeche Ewald Fortsetzung (Oer-Erkenschwick), zum neuen Verbundbergwerk Auguste Victoria/Blumenthal zusammengelegt. Ein Teil dessen Haltern-Feldes und die Schachtanlage Haltern 1/2 wurde dem Bergwerk Auguste Victoria angeschlossen, die übrigen Anlagen von General Blumenthal/Haard wurde abgeworfen.

Das Bergwerk Auguste Victoria/Blumenthal produziert noch, an den Standorten Schacht 3/7 und Schacht 8 werden noch Steinkohlen abgebaut. Insgesamt sind dort ca. 3.800 Menschen beschäftigt. Nachdem das Haltern-Feld abgedämmt ist und die beiden Schächte Haltern 1 und 2 verfüllt sind, heißt das Bergwerk seit dem 1. Januar 2007 wieder Bergwerk Auguste Victoria.

Folgenutzung

Auf dem Gelände von Schacht 1/2 ist ein Gewerbegebiet. Die Fördergerüste und das Maschinenhaus der Zeche sind erhalten und betriebsbereit.

Das Fördergerüst über Schacht 4 konnte erhalten werden und ist seit 1995 in die Denkmalliste aufgenommen worden. 2005 konnte im Maschinenhaus an Schacht 4 ein lokales Bergbaumuseum eröffnet werden.

Lage

Literatur

Gewerkschaft Auguste Victoria (Hg.), Das AV Buch, Marl 1997, ISBN 3-921052-59-9