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Voyeurismus

Voyeurismus (v. fr. voir für „sehen“ und voyeur für „Seher“) ist eine Form der Sexualität, bei der ein Voyeur (umgangssprachlich auch Spanner genannt) durch das Betrachten von seiner Präferenz entsprechenden sich entkleidenden oder nackten Menschen oder durch das Beobachten sexueller Handlungen sexuell erregt wird. Im engeren Sinn bezeichnet der Begriff das heimliche Beobachten einer unwissenden Person, im weiteren Sinn jeglichen Form der Lust am Betrachten. Das Gegenstück zum Voyeurismus ist der Exhibitionismus.

Inhaltsverzeichnis

Formen

Allgemeiner Voyeurismus

Im weitesten Sinne bezeichnet der Begriff jegliche Form der Betrachtung nackter oder sexuell aktiver Menschen zum Zweck der Luststeigerung.

Die Lust am Schauen wird heutzutage vielfach zu kommerziellen Zwecken genutzt. Dazu zählen direkte Formen wie Striptease oder Peepshows, aber auch technisch vermittelte Darstellungen, wie sie in der Regel mittels Pornografie erfolgen. Auch in nichtkommerziellen Kontexten kann dies genutzt werden, wenn etwa der eigene Partner durch kunstvolles Entkleiden stimuliert werden soll.

Eine gewissen Lust am Betrachten anderer Personen in sexuallen Kontexten als völlig normal erachtet werden: Nach einer kanadischen Studie betrachten 70% der Männer und 40% der Frauen gern andere beim Sex[1].

Heimlicher Voyeurismus

Heimliche Beobachtung (chinesische Darstellung aus der Qing-Dynastie)

Die sexuelle Erregung beim „Spannen“ wird hierbei durch das heimliche Betrachten der Geschlechtsorgane und durch den Reiz des heimlichen Tabubruchs gesteigert und - falls Gelegenheit besteht - gleichzeitig durch Masturbation zum Orgasmus gebracht, anderenfalls möglichst bald danach. Die Suche nach einer passenden Gelegenheit wird als spannend empfunden, was zur Luststeigerung beiträgt. Voyeure suchen gezielt nach Orten, an denen Menschen sich unbekümmert ausziehen.

Bei Voyeuren beliebt sind alle Situationen, in welchen sich Menschen unbekleidet oder nur knapp bekleidet zeigen, beispielsweise Strände oder Badeseen, FKK-Gebiete, Umkleidekabinen, öffentliche Toiletten, Saunen und Sentōs oder Fenster, durch die sie bei Einbruch der Dunkelheit und eingeschalteter Zimmerbeleuchtung ihre Opfer beobachten. Weil das Betrachten der Geschlechtsorgane für Voyeure wichtig ist, bevorzugen sie Gelegenheiten, bei denen dies länger als nur für Sekundenbruchteile möglich ist, also das Ziel der Begierde sich nur wenig und langsam bewegt.

Voyeure wenden viel Phantasie auf, um mit unterschiedlichen Hilfsmitteln Sichtschutzmaßnahmen zu unterlaufen, ihr Verhalten zu tarnen und unerkannt zu bleiben. Die üblichen von Voyeuren benutzten Hilfsmittel sind Ferngläser und Fernrohre. Immer mehr Bedeutung erlangen Webcams, die man wegen ihrer versteckten Installation auch hidden cam nennt, sowie Mobiltelefone mit Kamera. Selten benutzt werden Richtmikrofone, mit deren Hilfe sie sich akustisch über bevorstehende Handlungen (Entkleiden, Umziehen etc.) der Objekte ihres Interesses informieren können.

Seit der Einführung der Digitalkamera nimmt die Straßen-Voyeur-Fotografie einen wesentlichen Stellenwert ein. Fast ausschließliches Motiv dabei sind Rückansichten (mit Ausnahme des Cameltoe) von Mädchen und Frauen in bevorzugt engen Hosen (Jeans, Leder) oder es wird unter den Rock fotografiert. Die "Darstellerinnen" werden in Fußgängerzonen, beim Shoppen oder öffentlichen Veranstaltungen ohne ihr Wissen abgelichtet oder gefilmt. Der Voyeur legt dabei meist keinen gesteigerten Wert auf Gesichtsaufnahmen, bzw. vermeidet diese bewusst.

Strafrechtliche Relevanz

In Deutschland ist Voyeurismus in bestimmten Fällen strafbar. § 201a StGB regelt, dass unbefugte Aufnahmen von einer Person, "die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet", nicht erlaubt sind, solange diese nicht die Einwilligung dazu gibt. Es besteht das Recht am eigenen Bild. Der Täter wird mit maximal einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bestraft. Wer eine solche Aufnahme benutzt oder einem Dritten zugänglich macht, wird ebenfalls mit max. einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bestraft.

Voyeurismus als Störungsbegriff

Klassifikation nach ICD-10
F65.3 Störung der Sexualpräferenz
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Voyeurismus ist nach ICD-10 eine Störung der Sexualpräferenz (Schlüssel F65.3), die wie folgt beschrieben wird: Wiederkehrender oder anhaltender Drang, anderen Menschen bei sexuellen Aktivitäten oder intimen Tätigkeiten (z. B. Entkleiden) zuzusehen - ohne Wissen der beobachteten Person. Zumeist führt dies beim Beobachtenden zu sexueller Erregung und Masturbation. (Quelle: ICD-10-GM Version 2005) Auch nach dem DSM-IV findet unter der Kodierung 302.82 eine Einordnung statt.

Die Klassifikation als Krankheit beziehungsweise Störung wird, wie bei anderen psychischen Störungen auch, nur dann erfolgen, wenn ein starker Leidensdruck seitens des Individuums oder aber eine massive soziale Beeinträchtigung vorliegt. Die Grenze zwischen bei jedem Menschen vorhandener Lust am Schauen und krankhaftem Voyeurismus ist jedoch nicht eindeutig definiert. Therapiebedarf besteht in der Regel, wenn der Betroffene die Persönlichkeitsrechte anderer verletzt oder polizeilich auffällig geworden ist.

Einer dänischen Studie ging das Ausmaß des strafrechtlich relevanten heimlichen Voyeurismus massiv zurück, als in den 1970er Jahren in Dänemark die Pornografie legalisiert wurde. Anscheinend stellt die kommerzielle Pornogafie eine Befriedigungsmöglichkeit dar, die ohne sie durch heimliches Spannen befriedigt werden würde. [2].

Erweiterung des Begriffs

Schaulustige, die bei Unfällen, Naturkatastrophen etc. aus Sensationsgier die Bergungsarbeiten behindern und eher als Gaffer bekannt sind, werden gelegentlich auch als Voyeure bezeichnet.

Einen Mann, den es erregt, seiner festen Partnerin beim Geschlechtsverkehr mit einem anderen Mann zuzusehen, nennt man auch Cuckold

Quellen

  1. Sex oder nie: "Spannen" als Volkssport" - Der Stern
  2. Pornographie und Sexualverbrechen in Dänemark vom Institut der Universität Kopenhagen

Siehe auch