Heim

Leiter (Physik)

Als Leiter (m.) bezeichnet man Stoffe, die verschiedene Arten von Energie oder Teilchen weiterleiten können.

Es gibt Leiter für Strom, Wärme, Licht und Magnetismus. Wenn ein Stoff nicht leitet, nennt man ihn Isolator.

Inhaltsverzeichnis

Elektrischer Leiter

Ein elektrischer Leiter (oder Konduktor) ist ein Medium, welches frei bewegliche Ladungsträger besitzt und somit zum Transport geladener Teilchen benutzt werden kann. Diesen Transport nennt man elektrischen Strom.

Zu praktisch ausgeführten metallischen Verbindungsleitern siehe Elektrische Leitung.

Leiter 1. Klasse

Metalle sind Leiter 1. Klasse. Die Leitfähigkeit von Metallen beruht auf der Anzahl der Elektronen auf ihrer Außenschale (Valenzelektronen). Metalle bilden eine Kristallgitterstruktur, in der die Elektronen nur schwach gebunden sind. Die Elektronen sind mehr oder weniger frei beweglich. Leiter haben die Eigenschaft des spezifischen Widerstands, einem Maß für die Leitfähigkeit. Der beste elektrische Leiter ist Silber. Als günstigere Alternative wird aber das ebenfalls sehr gut leitende Kupfer verwendet. Will man etwa bei Freileitungen die Leitermasse gering halten, wird Aluminium gebraucht.

Die Leitfähigkeit hängt auch von der Materialtemperatur ab. Mit Temperaturerhöhung steigt der spezifische Widerstand von Metallen geringfügig. Mit Temperaturabsenkung sinkt er entsprechend und springt bei verschiedenen Metallen in der Nähe des Absoluten Nullpunkts durch Supraleitung auf Null.

Quantenmechanische Betrachtung

Wenn man Metalle quantenmechanisch (Blochwellenfunktion, Fermi-Dirac-Statistik) betrachtet, ergibt sich, dass die Elektronen nicht jede Energie annehmen können, sondern nur in bestimmten Energiebändern sein können - die Form dieser Bänder hängt vom Kristallgitter des Materials ab.

Die Fermienergie (ist in etwa die Energie der energiereichsten Elektronen) ermöglicht eine Unterscheidung:

Halbleiter sind eine Sonderform, im reinen Zustand können ihre Kristallgitter stabile Elektronenbindungen aufbauen. Die Elektronen können bei höherer Temperatur in ein Leitungsband aufsteigen, daher leiten Halbleiter im Gegensatz zu Metallen bei höheren Temperaturen besser.

Ein interessanter Effekt bei Halbleitern ist die Löcherleitung (auch Fehlstellenleitung). Das in das Leitungsband aufgestiegene Elektron hinterlässt ein Loch in der Bindung. Dieses Loch verhält sich ähnlich einem Elektron mit positiver Ladung und trägt auch zur Leitfähigkeit bei.

In Halbleiter können auch noch Fremdatome eingebracht werden. Man spricht dann von Dotierung. Die Fremdatome dienen entweder dazu, zusätzliche Elektronen einzubringen - man spricht dann von n-Dotierung (z. B. N in Si-Kristall), oder enthalten weniger Elektronen, um Löcher einzubringen, was p-Dotierung genannt wird (z. B. B in Si-Kristall).

Modelle: Drude-Theorie, Sommerfeld-Theorie, Bloch-Theorie

Supraleitung

Supraleitung kann bei tiefen Temperaturen auftreten. Dabei springt der Widerstand des supraleitenden Materials unterhalb einer Grenztemperatur gegen Null. Das kann quantenmechanisch erklärt werden. Diese Grenztemperatur ist von der Legierung abhängig. Während die ersten untersuchten Supraleiter Temperaturen in der Nähe des absoluten Nullpunktes benötigten, sind heute auch so genannte Hochtemperatur-Supraleiter bekannt, bei denen dieser Effekt schon bei Temperaturen in der „Nähe“ der normalen Raumtemperatur auftritt.

Anwendungen:

Leiter 2. Klasse

So genannte Ionen-Leiter sind Leiter 2. Klasse. Die Leitfähigkeit entsteht durch Dissoziation (Aufspaltung) einer Molekül-Bindung unter Bildung von elektrisch geladenen, beweglichen Ionen im sogenannten Elektrolyt. Das kann durch Auflösen in polarem Lösungsmittel wie Wasser oder durch hohes Erhitzen geschehen.

Klassisches Beispiel sind Salzlösungen. Die Salzmoleküle trennen sich weitgehend in positive und negative Ionen, die die Leitfähigkeit bewirken. Die positiven Ionen wandern dabei in Richtung der negativen Kathode und werden daher Kationen genannt. Die negativen Anionen wandern zur positiven Anode. An den Elektroden werden die jeweiligen Ionen durch Elektronenübertritt entladen. Das kann zur galvanischen Abscheidung von Metall, zum Freiwerden von Chlor (aus Natriumchlorid) oder zur Elektrolyse von Wasser zu Wasserstoff und Sauerstoff führen. Dabei ändert sich die Zusammensetzung des Elektrolyts, es verbraucht sich gewissermassen. Siehe auch Elektrochemische Spannungsreihe, Galvanotechnik.

Bei höheren Temperaturen (oberhalb ca. 600 °C) wird Glas (auch) als Ionenleiter elektrisch leitfähig. Dies wird z. B. in Schmelzöfen für Glas genutzt: nach konventioneller Aufheizung wird dann die Glasschmelze durch eingetauchte Elektroden direkt, also durch den Stromfluss, beheizt.

Wärmeleiter

Die Wärmeleitung ist einer von drei Mechanismen, in denen thermische Energie transportiert werden kann. (Die beiden anderen Möglichkeiten sind Strahlung und Konvektion (Strömung).)

In Festkörpern erfolgt der Wärmetransport durch die Ausbreitung von Gitterschwingungen. Eine gute Ausbreitungsmöglichkeit für diese anregenden Schwingungen bieten Leitungselektronen, daher sind elektrische Leiter, insbesondere Metalle, auch gute Wärmeleiter. Die Behandlung dieses Phänomens erfolgt in der Regel zweckmäßigerweise im Modell eines freien oder quasifreien Elektronengases (also von Elektronen, die sich in guter Näherung annähernd frei im Festkörper bewegen können, vergleichbar der Beweglichkeit eines Gases (Drude-Theorie, Sommerfeld-Theorie). Da bei dieser Leitung die Elektronen bewegt werden, entsteht auch ein Stromfluss (Seebeck-Effekt).

In elektrischen Isolatoren wird die Wärme im Wesentlichen durch Gitterschwingungen (Phononen) übertragen. Die Wärmeleitfähigkeit hängt daher von der Schallgeschwindigkeit ab.

In Halbleitern treten beide Effekte auf.

Gute Wärmeleiter sind: Metalle
Gute thermische Isolatoren sind: Holz, Kunststoffe, Salze

Entgegen allgemeiner Annahme ist Wasser ein schlechter Wärmeleiter. Wesentlichen Beitrag zum Wärmetransport liefert hier, im Gegensatz zu Festkörpern, die Konvektion.

Weitere Modelle: Einstein-Modell des Festkörpers

Elektromagnetische Wellenleiter

Hochfrequenz- und Mikrowellenleiter

Ein bekannter Wellenleiter für hochfrequente elektromagnetische Wellen ist das Koaxialkabel.

Der Wellenleiter für Mikrowellen nützt aus, dass die Wellen Ströme induzieren. Sie sind im Wesentlichen ein metallisches Rohr (rund oder auch rechteckig), dessen Durchmesser etwas größer ist als die halbe Wellenlänge der zu transportierenden Welle.

Höchstfrequenzleiter

Auszug aus Hohlleiter (siehe dort):

Ein Hohlleiter ist ein Wellenleiter für elektromagnetische Wellen vorwiegend im Zentimeter-Wellenbereich (3 bis 30 GHz). Hohlleiter sind runde oder rechteckige Metallrohre, in denen sich derart hohe Frequenzen im Gegensatz zu Kabeln sehr verlustarm übertragen lassen.

Licht

Optische Wellenleiter gibt es in zwei Bauformen:

Siehe auch