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Sivas

Dieser Artikel behandelt die türkische Stadt Sivas; für die gleichnamige türkische Provinz siehe Sivas (Provinz).
Sivas

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DEC
Sivas
Basisdaten
Staat: Türkei
Provinz (il): Sivas
Koordinaten: 39° 45′ N, 37° 1′ OKoordinaten: 39° 45′ 0″ N, 37° 1′ 0″ O
Höhe: 1.285 m über dem Meer
Einwohner: 306.473 (2005)
Telefonvorwahl: (+90) 346
Postleitzahl: 58 000
Kfz-Kennzeichen: 58
Struktur und Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Sami Aydın (AKP)
Webpräsenz (Stadtverwaltung):
www.sivas.bel.tr

Sivas ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der Türkei. Sie liegt in Zentralanatolien, etwa 450 km östlich von Ankara. Die Einwohnerzahl beträgt 306.473.

Inhaltsverzeichnis

Namensherkunft

Über den Ursprung des Namen gibt es verschiedene Theorien:

Nach mehreren Volkssagen könnte der Name so entstanden sein:

Neben dem Namen Sivas war der Ort unter mehreren anderen Namen bekannt, wie Talavra, Megalapolis, Karana und Diyapolis.

Bevölkerung

Heutzutage besteht die Bevölkerung überwiegend aus Türken und zu einem geringen Teil aus Kurden. Früher gab es in Sivas große christliche Minderheiten der Armenier und Griechen, von denen heute nur noch sehr wenige in der Stadt leben.

1914 hatte Sivas rund 45.000 Einwohner, mehr als ein Drittel waren Armenier, der Rest Griechen und Türken. Die Armenier hatten dort sechs Kirchen, ein Waisenhaus, ein Krankenhaus und mehrere Schulen. Die Katholiken hatten eine Kirche, die Protestanten verfügten über zwei Kirchen und acht Schulen.

Religion

In Sivas ist der Islam die Hauptreligion. Die Mehrheit bilden sunnitische Muslime. Neben ihnen gibt es noch als nächstgrößte Gruppe die Aleviten. Vereinzelt findet man auch Juden oder Christen, die jedoch nur einen sehr geringen Teil bilden. Etwa 81% der Bevölkerung in Sivas sind sunnitische Moslems, 18% sind Aleviten und der Rest setzt sich aus Juden, Christen etc. zusammen.

Geschichte

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Sivas Erstbesiedlung reicht bis 7000 bis 5000 v.Chr. zurück. Die Hethiter, deren Siedlungsreste bei Topraktepe nahe Sivas zu finden sind, herrschten hier von 1600 - 884 v.Chr., kurz danach die Phryger, die hier etwa 100 Jahre herrschten (800-695 v.Chr.). Die Phryger ihrerseits wurden später durch die Lyder abgelöst. Die Lyder verloren das Gebiet im Jahre 546 an die Perser. Das persische Reich wurde dann später von Alexander dem Großen unterworfen, so dass Sivas bis etwa 17 n.Chr. von den Diadochen bzw. den Griechen beherrscht wurde. Bis 395 war Sivas Teil des römischen Imperiums, danach bis 1075 byzantinisch. Nachdem Basileios II. 1021 das Territorium von Sennecherim Johannes, König von Vaspurakan in Armenien annektiert hatte, entschädigte er den König mit dem Territorium von Sebaste in Kappadokien. Sennecherim Johnannes zog mit seinem Hof nach Sivas und verwaltete es als byzantinischer Vasall.

Im 11. Jahrhundert tauchten die ersten türkischen Stämme in Anatolien auf. Von 1142 bis 1171 herrschte die Danischmenden-Dynastie über Sivas. 1174 eroberten die Seldschuken unter Kılıç Arslan II. die Stadt und ließen unter anderem 1197 die Ulu Cami (große Moschee) errichten. Sivas diente neben Konya zeitweise als Hauptstadt der Seldschuken. 1232 wird Sivas, wie weite Teile Eurasiens, von den Mongolen überfallen. 1398 eroberte Sultan Bayezid I. die Stadt, nur um sie 1400 an Timur Lenk zu verlieren. 1408 können die Osmanen sie aber zurück erobern. Sivas war bis zum späten 19. Jahrhundert Hauptstadt der osmanischen Provinz Rum.

Die Osmanen regierten die Stadt bis zum ersten Weltkrieg. 1915 wird Sivas einer der Schauplätze der Deportation der armenischen Bevölkerung. Nach der Niederlage des osmanischen Reiches im ersten Weltkrieg formiert sich unter Mustafa Kemal eine Widerstandsbewegung. Diese Gruppe hielt vom 4. bis 12. September 1919 in Sivas den Kongress Heyet-i Temiliye ab und besprach wichtige Maßnahmen für den Widerstand gegen die alliierten Besatzer. Seit 1923 ist Sivas Teil der türkischen Republik. 1993 ereignete sich der Anschlag auf das Madimak-Hotel.

Anschlag auf das Madımak-Hotel

Am 2. Juli 1993 versammelten sich islamische Fundamentalisten nach dem Freitagsgebet vor dem Madımak-Hotel, das direkt gegenüber einer Moschee lag, in dem im Rahmen eines alevitischen Kultur-Festivals zum größten Teil alevitische Musiker, Schriftsteller, Dichter und Verleger logierten, darunter Kinder und Jugendliche. Das Hotel wurde schließlich in Brand gesetzt, während auf den Straßen die Massen mit Pflastersteinen bereit standen. Wegen der aufgebrachten, wütenden Menschenmenge vor dem Hotel konnten die Menschen im Gebäude nicht ins Freie. Über 30 Menschen verbrannten im Hotel; wenige überlebten, so auch der Autor Aziz Nesin, dem laut einigen Angaben der Anschlag in erster Linie gegolten hatte. Obwohl Polizei und Feuerwehr frühzeitig alarmiert waren, griffen sie erst nach acht Stunden ein. Das Staatsicherheitsgericht in Ankara kam zu dem Urteil, dass die große Menschenmenge die Einsatzkräfte bei den Rettungsarbeiten behindert hatte.

Die Aleviten nennen diesen Anschlag das Sivas-Massaker. Auch wenn bei diesem Vorfall ebenso Sunniten und Angehörige anderer Nationen ums Leben kamen, sehen die Aleviten dieses Ereignis als einen Schlag gegen die alevitische Bevölkerung. Das Ereignis spielte eine wichtige Rolle bei ihrer Bewusstseins- sowie auch Organisationsbildung. Seit 2003 wird dieses Vorfalls im Rahmen von Demonstrationen gedacht - zugleich wird gefordert, im Hotel eine Gedenkstätte errichten zu dürfen. 2003 marschierten ca. 500 Leute mit, im Jahr 2007 waren es schon schätzungsweise 20.000 mit hoher Medien-Präsenz und einem Einsatz von rund 3.000 Polizisten. Der türkische Staat zeigte bis heute wenig Interesse an der Aufklärung der Tat.[1]

Sehenswürdigkeiten

Sivas bietet viele Bauwerke der Seldschuken aus dem 13. Jahrhundert. Darunter fallen die Mavi Medrese von 1271, die Sifaiye Medresesi von 1218 und die Çifte Minare Medresesi von 1271. Die älteste Moschee der Stadt ist die Ulu Cami von 1196. In der Nähe von Sivas liegt die Ruine der alten armenischen Kirche des Heiligen Kreuzes. Sie enthielt wichtige Relikte wie einen Thron.

Osmanische Bauwerke sind das Bad Kurşunlu Hamamı von 1576 und die Kervansaray Behrampaşa Hanı von 1573.

Das Kongressgebäude von 1919 ist das heutige Sivas-Museum, das über diesen Kongress, Atatürk und die ethnogeographischen Besonderheiten der Region informiert.

Sivas ist auch für seine Thermalbäder berühmt. Bekannte Thermalbäder sind Sıcak Çermik, Soğuk Çermik und Kangal Balıklı Kaplıca.

Veranstaltungen

Siehe auch

Literatur

Quellen

  1. Süddeutsche Zeitung: Das Madımak-Hotel ist heute ein RestaurantUnsere Türken 7. Februar 2008