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a priori

Die lateinische Redewendung a priori (lat. „vom Früheren her“), welche von Aristoteles noch als vorausgehende Seinsursache verstanden wurde, bezeichnet ab Descartes das, was als Bedingung und Grundlage des Wissens von der Erfahrung als solcher unabhängig ist.[1] Der Gegensatz von a priori ist a posteriori.

Wissen, das allein durch Denken entstanden und als solches nicht durch Tatsachenerfahrungen gedeckt ist, aber als Ausgangspunkt zu weiteren Erkenntnissen unumgänglich ist, heißt apriorisches Wissen, a priori gesetztes Wissen oder einfach vorausgesetztes Wissen.

Das Besondere ist, dass dieses Wissen weder durch Schlussfolgerung endgültig zu beweisen noch durch Beobachtungen zu widerlegen ist.

Während apriorisches Wissen vor der Erfahrung steht, entsteht das gegensätzliche aposteriorische Wissen erst durch die Erfahrung. Wissenschaften lassen sich nach der Art und Weise, wie sie ihr Wissen gewinnen, unterscheiden. Logik und Mathematik gehen meist apriorisch vor: Zunächst werden Axiome a priori gesetzt, dann werden weitere Aussagen anhand dieser Axiome als wahr oder falsch beurteilt. Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften arbeiten hingegen in der Regel aposteriorisch: Sie machen entweder zuerst Beobachtungen und stellen dann Aussagen auf, die diese Erfahrungen erklären, oder sie stellen Aussagen als Hypothesen auf; die Aussagen werden dann empirisch geprüft.

Der Apriorismus lehrt, dass und auf welche Weise Erkenntnisse a priori möglich sind.

Inhaltsverzeichnis

Philosophie

Die Frage, wie allgemeingültiges Wissen gewonnen werden kann, wird in der Erkenntnistheorie abgehandelt. Im Gegensatz zu den Empiristen wie John Locke sind hier die Rationalisten der Überzeugung, dass solches Wissen nicht aus der Erfahrung gewonnen werden kann, sondern durch Denken a priori bestimmt werden muss.

Zu den rationalistischen Philosophen, die Grundsätze a priori aufstellen, gehören insbesondere René Descartes und Gottfried Leibniz. In der Ontologie und Metaphysik werden Deutungen der Welt und des Menschen durch a priori gesetzte allgemeingültige Aussagen gemacht.

Immanuel Kant

Mit dem Begriff a priori kategorisiert der Philosoph Immanuel Kant das Denken vor aller Erfahrung. Allein durch das Denken bestimmt, dass der Mensch besitzt und unabhängig vor jeder geistigen erfahrbaren Erkenntnis, die ihm als Erfahrung zugänglich ist aufgrund der Beschaffenheit und der Erkenntnismöglichkeit seines Denkvermögens. Seine Transzendentalphilosophie beschäftigt sich nicht mit den Gegenständen selbst, sondern mit deren Erkenntnisvoraussetzungen.

Unabhängig von aller Erfahrung, a priori, liegen in unserem Verstand Formen, Kategorien, usw. bereits vor, nach denen wir Gegenständliches erfahren und ordnen. Alles Wissen über Gegenstände sei daher durch die Formen des Denkens geprägt. Hinter der Welt der Erscheinung liege eine Welt der Dinge an sich, über die wir aber nichts weiter wissen können.

Raum und Zeit sind selbst keine Erfahrungen, sondern bilden als Funktionen des Verstandes die Voraussetzung zur gegenständlichen Erfahrung. Sie existieren also nicht unabhängig von uns. Um sich einen Gegenstand vorstellen zu können, muss die Vorstellung des Raumes bereits gegeben sein, d.h. a priori vorliegen. Man kann sich Raum zwar ohne Gegenstand vorstellen, nicht aber einen Gegenstand ohne Raum. So auch mit der Zeit. Auch die Verknüpfung von Erfahrungen zu Erkenntnissen (Synthesis) wird durch die Beschaffenheit der menschlichen Vernunft bestimmt, in der Kategorien des Denkens wie z.B. Einheit/Vielheit/Ganzheit oder möglich/tatsächlich/notwendig a priori angelegt sind.

Diese Ansichten führt Kant in seiner Kritik der reinen Vernunft näher aus: Die Möglichkeiten, Erfahrungswissen zu erwerben, sei durch eben diese Gegebenheiten des menschlichen Erkenntnisvermögens grundsätzlich begrenzt.

Andere Verwendungen

Der Begriff a priori taucht heutzutage in vielen anderen Zusammenhängen auf. Häufig wird er jedoch nicht in der engen Bedeutung der Einleitung verwendet, sondern ganz allgemein im Sinne von „von vornherein“, seltener auch „vorläufig“. Einige Beispiele:

Siehe auch

Quellen

  1. Bei der Erörterung von Descartes: "Die Geltung der 'ewigen Wahrheiten' soll hier auf der einen Seite zwar durch Gott gesichert sein; unmittelbar darauf aber wird der Grund dieser Geltung in der Art ihrer Erkenntnis im Bewusstsein gesucht. Interessant ist, wie hier der Aristotelische Begriff des Apriori beginnt, die spezifisch moderne Bedeutung anzunehmen, in der er schließlich bei Kant auftritt: Das Apriori bezeichnet nicht mehr die Ursache im Sein, sondern die Bedingungen und Grundlagen des Wissens, aus denen sich die Erfahrung als Konsequenz ergibt." (Ernst Cassirer: Leibniz' System in seinen wissenschaftlichen Grundlagen. Gesammelte Werke, Bd. 1. ECW 1. Hamburg 1998, S. 26 ISBN 3-7873-1401-6)

Literatur