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Neokatechumenaler Weg

Der Neokatechumenale Weg, auch Neokatechumenat, ist eine Neue Geistliche Bewegung in der Römisch-Katholischen Kirche, die 1964 von dem spanischen Künstler und Katholiken Kiko Argüello, Carmen Hernández und Pater Mario Pezzi in Madrid mit dem Ziel einer Rechristianisierung des heidnischen Europas gegründet worden ist. Seit 1990 ist das Neokatechumenat von der katholischen Kirche als geistliche Gemeinschaft anerkannt. Das Statut des Neokatechumenalen Weges wurde am 12. Juni 2008 endgültig genehmigt[Einzelnachweise 1].[Einzelnachweise 2]

Inhaltsverzeichnis

Name

Ursprünglich war das heutige Neokatechumenat namenlos. Angeregt durch Papst Paul VI. wurde die Bewegung in Anlehnung an das Katechumenat benannt (vgl. Sacrosanctum Concilium Nr. 64); mit dem Katechumenat bezeichnet die Kirche eigentlich die Ein- und Unterweisung der Taufbewerber in den christlichen Glauben vor der Taufe. Das „Neo“ am Anfang zeigt die Intention des „Weges“, die als Kind unbewusst erlebte Taufe und die dadurch fehlende Einweisung in ihrer gesamten Tragweite neu wiederzuentdecken und zu erneuern.

Ziele

Das primäre Ziel des Neokatechumenates ist es, die Taufe „neu“ zu erleben, wie bereits der Name verrät. So feiern die neokatechumenalen Gemeinschaften am Ende des „Weges“ die Osternacht zusammen mit dem jeweiligen Bischof des Bistums und erneuern dort ihr Taufversprechen. Alle anderen Ziele und Methoden, die zu diesen Zielen führen sollen, sind zum Großteil für Außenstehende schwer zu beurteilen, da die streng hierarchisch gegliederte Gemeinschaft die Anordnungen ihrer Gründer und spirituellen Führer nicht veröffentlicht und den Mitgliedern der einzelnen Gemeinschaften auferlegt ist, über Interna gegenüber Nichtmitgliedern zu schweigen. Nur die Statuten des Neokatechumenats sind öffentlich zugänglich; ihr Wortlaut wird aber als schwer verständlich und verschieden auslegbar kritisiert. Die Vorschriften, nach denen die im Neokatechumenat bedeutenden Laienkatecheten arbeiten, sind geheim. Dies ist einer der Gründe dafür, dass Selbst- und Fremdwahrnehmung beim Neokatechumenat häufig weit auseinanderklaffen.

Im Unterschied zur Glaubensunterweisung für die erwachsenen Taufbewerber, die – regional unterschiedlich – in einem überschaubaren Zeitraum zur Taufe hinführt, dauert der Neokatechumenale Weg 15 oder mehr Jahre. Ein grundsätzlicher Unterschied besteht auch darin, dass dieser Weg auch von bereits getauften Christen beschritten werden kann. Im Zentrum des Neokatechumenalen Weges steht die Synthese zwischen dem Kerygma, also der Verkündigung/Unterweisung für die Katechumenen, der sich die Anhänger der Bewegung in einer speziellen und sehr langwierigen Form erneut unterziehen müssen, der Änderung des Lebenswandels und der Liturgie.

Das Neokatechumenat stellt der von den Anhängern so bezeichneten realen säkularen und damit negativ zu bewertenden „Welt“ eine evangelisierte Welt entgegen. Diese evangelisierte Welt werde in den neokatechumenalen Gemeinschaften im Kleinen bereits realisiert und müsse der ganzen Welt mittels Mission gezeigt werden. Zu diesem Ziel formiert das Neokatechumenat in den Pfarreien Gruppen von Gläubigen, die als Gemeinschaften bezeichnet werden und sich intensiv darum bemühen, ihren Glauben zu erneuern. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Laienkatecheten (Katechisten) und Priester aus Gemeinschaften, die schon länger auf dem Neokatechumenalen Weg sind. Sie machen die neu gebildeten Gruppen durch die Lehrmethoden Argüellos mit den Lehren des Neokatechumenats und der katholischen Kirche bekannt. Sie kontrollieren auch später, ob die Gruppen die Vorgaben und Regeln des Neokatechumenalen Weges einhalten. Dabei hat der Katechist den Anspruch auf absoluten Gehorsam „seiner“ Katechumenen.

Im Jahr 2007 gab es laut Angaben des Neokatechumenats 20.000 Gemeinschaften in 6.000 Pfarreien, die sich auf 900 Diözesen verteilen. Auf dem Neokatechumenalen Weg befinden sich derzeit nach den selben Angaben 3.000 Priester und 5.000 Nonnen.[Einzelnachweise 3]

Auftreten und Wirken

Die Anhänger des Neokatechumenalen Weges sprechen bewusst Erwachsene und Jugendliche an, die zwar als Kind getauft wurden, aber aus Sicht der Missionierenden ihr Leben nicht genug am Glauben ausrichten oder der Kirche und ihren Anliegen gänzlich fernstehen. Im deutschsprachigen Raum überwiegt dabei vor allem die Gruppe der „normalen“ Kirchgänger; diese werden oft von den Anhängern des Neokatechumenats in bestehenden Pfarrgemeinden zu einer Glaubensverkündigung eingeladen. Auf einer Website heißt es: dazu „Der Schwerpunkt dieses neokatechumenalen Weges liegt, anders als bei einer Gemeindemission alten Stils, nicht auf der Vermittlung theologischer Sachinhalte (Glaubenswissen), sondern hat eine eher zeugnishafte, verkündigende Ausrichtung, er will einen inneren Prozess anstoßen und persönliche Glaubenserfahrungen ermöglichen.[Einzelnachweise 4]

Die Brisanz dieses Vorgehens liegt darin, dass damit häufig aktive Gemeindegläubige das Gefühl haben, ihnen werde gegenüber den Anhängern des Neokatechumenats ein geringerer Glaube oder eine geringere Frömmigkeit unterstellt; daher kam es schon häufiger zu Konkurrenzsituationen zwischen den beiden Gruppen und zu Verwerfungen innerhalb der Gemeinden, die ihren sichtbaren Ausdruck unter anderem im Streit um die Gemeindeliturgie fanden, wie es auch später beschrieben wird.

Das Neokatechumenat wird in den Diözesen auf Einladung des jeweiligen Ortsbischofs tätig. Wenn der betroffene Pfarrer zustimmt, beginnt die geistliche Gemeinschaft mit dem Aufbau von örtlichen Gruppen. Idealerweise soll sich der Neokatechumenale Weg innerhalb der Pfarrei vollziehen. Dies gelingt aber nur, wenn der größte Teil der Gemeinde und der Pfarrer dafür gewonnen werden können. Im deutschsprachigen Raum ist jedoch bereits öfters Gegenteiliges eingetreten, es kam mehrmals zu Konflikten, die vor allem darauf zurückzuführen sind, dass die Anhänger des Neokatechumenats die Feier der Eucharistie in exlusiven kleinen Gruppen vorziehen und sich dazu nicht am Sonntag in der Pfarrkirche, sondern am Samstagabend in separaten Räumlichkeiten versammeln.

Organisation

Das Statut des Neokatechumenalen Wegs sieht nur ein Minimum an Organisation vor und bezieht sich ganz auf die normale Struktur der Kirche, also Diözesen und Pfarreien. Kirchenrechtlich betrachtet stellt das Neokatechumenat mithin nicht einmal eine eigene als Personenvereinigung strukturierte „Bewegung“ dar, sondern lediglich eine Methode des Glaubenslebens.

Der als Itinearium christlicher Formation bezeichnete Bildungsweg wird durch langjährige Katechesen gegangen, deren Durchführung sich nach dem von Kiko Argüello verfassten Schema für die Katechese richtet. In einer Beurteilung der Rohfasssung wurde dieses Schema (laut Sandro Magister) von der vatikanischen Kongregation für den Klerus als „in etwas chaotischer Form, mit unklaren theoretischen Formulierungen, mit Rückgriff auf Paradoxien, sich mehr auf Bildhaftes und weniger auf theoretischer Konzeption verlassend“ beschrieben.[Einzelnachweise 5] Diese, in den größten Teilen unveröffentlichte Schrift und nicht das vom Hl. Stuhl ab 2008 approbierte Statut[Einzelnachweise 1]. Bereits nach den Fürbitten gibt man sich den Friedensgruß. Die Wandlung wird meist nicht auf einem geweihten Altar vollzogen, was nicht mit can. 1237 des CIC konform ist.[Fussnoten 1] Die Kommunion teilt man stets in beiderlei Gestalt aus, als Hostie verwendet man große selbstgebackene Brote aus Weizenmehl und Wasser, die den Mahlcharakter betonen sollen. Bevor ein Brief der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung (siehe unten) eine Anpassung verlangte, entfiel das Gloria vor dem Tagesgebet in der Zeit der Sonntage im Jahreskreis, auch das Credo wurde häufig weggelassen.

Kiko Arguello definiert seine Sicht auf das Altarsakrament folgendermaßen: „Wir beobachten eine ganze Reihe von Ideen, die von Naturreligionen in die Liturgie hereingetragen wurden: Gott Dinge zu opfern, um ihn zu besänftigen...“ Dies, so Argüello weiter, sei geschehen, als in Folge der Konstantinischen Wende viele Heiden zu Christen wurden, ohne eine ausreichende Katechese absolviert zu haben. Um dieser Fehlentwicklung entgegen zu wirken, wurde die eucharistische Liturgie (das Neokatechumenat verwendet den Terminus Hl. Messe nicht) so umgestaltet, dass sie nach den Vorstellungen Argüellos der urchristlichen Mahlfeier wieder mehr gleicht.[Einzelnachweise 6] Der katholische Charakter der Eucharistie als Opfer, so wie sie vom Trienter Konzil dogmatisch präzisiert worden ist, tritt dabei in den Hintergrund. Während die äußeren Unterschiede der im Neokatechument praktizierten Liturgie gegenüber der traditionellen römischen Messe oft Gegenstand der innerkirchlichen Kritik waren und sind, wurde die dahinter stehende Theologie bisher weniger diskutiert.

Da das Neokatechumenat den Weg seiner einzelnen kleinen Gemeinschaften als in sich geschlossenen Prozess betrachtet, bei dem die Liturgie im Zentrum steht, bedeutet dies für die liturgische Praxis, dass die Gruppen bei der Eucharistiefeier unter sich bleiben. In einem Interview erklärt Argüello 1997 dazu: „Wir halten keine Liturgie hinter verschlossenen Türen. Es handelt sich nur darum, dass wir einen Weg haben: Geht man zur Universität, so weiß man, dass es ein erstes, ein zweites und ein drittes Semester gibt, und so weiter.[Einzelnachweise 7] Nach Auffassung des Neokatechumenats kann man an seiner liturgischen Praxis nur richtig teilhaben, wenn man die entsprechenden Stufen des Weges durchlaufen hat. Für außenstehende Katholiken sei die Eucharistiefeier des Neokatechumenats demnach nicht gedacht, wozu auch die Abweichungen vom gewohnten Messkanon und ebenso die Verwendung eigener, zumeist von Argüello vertonter Psalmen, die auswendig gesungen werden, beitragen.

Ende 2005 wurden einige der liturgischen Abweichungen nach einem längeren Überprüfungsverfahren von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung als problematisch deklariert und verpflichteten die Führung des Neokatechumenats zur Öffnung ihrer Messen für alle Gläubigen (Art. 13.3); Lösungsvorschläge wurden bisher aber noch nicht vorgestellt. In einem privaten Brief an Kiko Argüello, Carmen Hernández und Pater Mario Pezzi, der durch Dritte an die Medien weitergeleitet wurde, hat der Präfekt Francis Kardinal Arinze die Abstellung der kritisierten Punkte angeordnet. Lediglich beim Friedensgruß wurde die praktizierte Abweichung vom römischen Messkanon uneingeschränkt erlaubt. Hinsichtlich des Empfangs der Kommunion im Sitzen und des Feierns der Heiligen Messe an einem normalen Tisch wurde ein Aufschub von zwei Jahren gewährt.[Einzelnachweise 8] Am 12. Januar 2006 forderte der Papst selbst darüber hinaus das Neokatechumant auf, die Normen „aufmerksam zu befolgen“.[Einzelnachweise 3] Im April 2008 wurde bekannt, dass die Statuten nach der zeitlich beschränkten Approbation von 2002 bis 2007[Einzelnachweise 9] laut Bischof Josef Clemens deshalb „nicht in kurzer Zeit“ anerkannt werden würden, weil die Eucharistie immer noch nicht nach den Vorgaben der Römisch-Katholischen Kirche ausgerichtet sei[Einzelnachweise 10]. Die endgültige Approbation folgte dann am 12. Juni 2008[Einzelnachweise 1].

Wortliturgie

In den Wortliturgien werden Lesungen zu einem bestimmten Thema (etwa Liebe, Dreifaltigkeit etc.) von einem Vorbereitungsteam präpariert und dann eingeleitet, worauf wieder eine Möglichkeit gegeben wird, wie bereits erwähnt, ein Echo oder eine Resonanz zu geben und abschließend kann man eine Fürbitte aussprechen. Oft sitzt einer Wortliturgie kein Priester vor.

Ausbreitung

Die Neokatechumenale Bewegung hat sich seit ihrer Gründung in der ganzen Welt verbreitet und zählt nach eigenen Angaben heute in über 900 Diözesen etwa 40.000 Gemeinschaften mit einer Million Mitgliedern. Vom Neokatechumenat wurden 63 neue Priesterseminare in der ganzen Welt gegründet, im deutschen Sprachraum finden sie sich in Berlin, Bonn und bei Wien. Diese werden „Redemptoris Mater“ (lateinisch für „Mutter des Erlösers“) genannt. Bisher sind ungefähr 1.000 Priester in diesen Seminaren ausgebildet worden. Weitere 2.000 wurden in Diözesanseminaren ausgebildet. Darüber hinaus erwuchsen aus der neokatechumenalen Bewegung 5.000 weibliche Berufungen zum Ordensleben. Der Vatikan betont immer wieder die „Früchte des Glaubens“, die durch den neokatechumenalen Weg hervorgebracht wurden.[Einzelnachweise 11]

Mission

Eine Besonderheit im Neokatechumenat ist die Mission durch die oft kinderreichen Familien. Diese sind dabei den Priestern gleichgestellt. Die missionarische Tätigkeit der Familien spielte bei der weltweiten Verbreitung des Neokatechumenalen Weges eine entscheidende Rolle: Die Familien werden im Zuge einer „missio ad gentes“ (Mission zu den Völkern) zusammen mit Priestern in unchristliche Gegenden wie zum Beispiel nach Ostdeutschland oder nach China geschickt und bauen sich dort eine neue Existenz auf.[Einzelnachweise 12] Dabei geht der Missionsauftrag an die Familien natürlich einher mit einer meist völligen Trennung von der ehemaligen Heimat, weswegen auch nur die Familien neu in eine Mission gehen sollen, deren Kinder noch nicht in die fünfte Klasse vorgerückt sind.

Bewertung des Neokatechumenats innerhalb der Kirche

Das Neokatechumenat fand seit seiner Gründung immer das Wohlwollen der Päpste. Bereits Papst Paul VI. war der Neokatechumenale Weg bekannt, nach seinem persönlichen Namensvorschlag wurde das Neokatechumenat benannt. Außerdem verwirklicht das Neokatechumenat laut dem eigenem Statut die 1975 von Papst Paul VI. in Evangelii Nuntiandi, Nr. 44, geforderte katechetische Unterweisung für getaufte Christen. Papst Johannes Paul II. hat die Bewegung ebenfalls gefördert und ihr 1990 die kirchenrechtliche Anerkennung ausgesprochen. Papst Benedikt XVI. steht der Bewegung ebenfalls positiv gegenüber. Noch als Präfekt der Glaubenskongregation setzte er sich persönlich für die Ausbreitung des Neokatechumenates ein und unterstützte dabei auch die neokatechumenalen Itineranten - das ist die offizielle Bezeichnung der Erstkatechisten des Neokatechumenats, die innerhalb einer bestimmten Region, wie etwa Deutschland, die die ersten Glaubensverkündigungen durchgeführt haben und für alle Gemeinschaften verantwortlich sind. Als Kardinal feierte er auch mehrmals Eucharistien mit neokatechumenalen Gemeinschaften in Rom.

Auch viele Bischöfe stehen der Bewegung positiv gegenüber, denn sie versprechen sich vom Neokatechumenat, wie auch von anderen geistlichen Bewegungen, eine Erneuerung des kirchlichen Lebens vor Ort und sind außerdem dankbar für die in der Gemeinschaft blühenden Priesterberufungen. Zu prominenten bischöflichen Fürsprechern des Neokatechumenalen Weges gehören Kurienkardinal Paul Josef Cordes, ehemaliger Sekretär des Päpstlichen Rates für die Laien und heutiger Präsident des Päpstlichen Rates Cor Unum, Antonio Maria Kardinal Rouco Varela, der Erzbischof von Madrid, sowie der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner.

Bei einem Treffen von neun Kardinälen und 160 Bischöfen, darunter Christoph Schönborn[Einzelnachweise 12] und als Vertreter des Papstes Paul Josef Cordes und Stanislaw Rylko, im Domus Galilae in Israel wurde eine Erklärung veröffentlicht, die besagt, dass der Neokatechumenale Weg „ein wertvoller Beitrag für die Evangelisierung Europas“ sei:

„Wir Bischöfe erkennen dankbar, das unter den vielen Gnaden die der Heilige Geist der Kirche in unserer Zeit gewährt hat, der Neokatechumenale Weg mit seinem Programm der christlichen Schulung ein starkes Charisma ist, dass den missionarischen Geist stärkt, der aus der Erneuerung durch die Taufe geboren wird und eine Antwort auf die dramatische Situation der Entchristlichung Europas bildet. [...] Wir erklären, dass die Zukunft des Neokatechumenalen Weges zum großen Teil von der väterlichen Liebe abhängt, mit der wir Bischöfe dieses Charisma aufnehmen, und wie eng wir die Priesterseminare Redemptoris Mater begleiten und die wertvollen Familien der neokatechumenalen Gemeinschaften ermutigen und sie noch mehr in die Ortskirchen integrieren.“

Abschlusserklärung der Bischöfe[Einzelnachweise 13]

Dennoch ist die Gemeinschaft innerhalb der katholischen Kirche umstritten. Die Kritik kommt dabei sowohl von konservativen wie auch aus moderneren Gruppen innerhalb der Kirche. Manche Theologen sehen im Neokatechumenat eine Häresie, die sowohl protestantische als gnostische Elemente in ihrer Theologie aufweise, dazu gehören etwa Anklänge an den Pietismus (vgl. dazu Zoffolis Buch „Eresie del Movimento Neocatecumenale“, dt. etwa „Häresie der Neokatechumalen Bewegung“). Andere lehnen insbesondere den autoritären Stil des Neokatechumenats und die strenge hierarchische Gliederung unter den Laien der Bewegung ab.[Fussnoten 2] Des weiteren beklagen sie, dass das Neokatechumenat große Teile des Gedankenguts der Aufklärung ablehne. Außerdem sieht man eine Gefahr, durch das Neokatechumenat zu einer Art „katholischer Fundamentalist“ zu werden und in moralischen Fragen nicht nur eine den heutigen Sozialkonsens ablehnende, sondern auch eine „die Welt verachtende“ Haltung einzunehmen.

Besonders wird aber die mangelnde Offenheit der Bewegung kritisiert, weil sie kaum eigene Schriften publiziert, wodurch das Desinteresse der Gemeinschaft an einem innerkirchlichen Dialog offenbar werde. Laien beklagen die Spaltung der örtlichen Pfarrgemeinden, wenn ein Teil der Gläubigen ins Neokatechumenat eintritt und die Gemeindemessen nicht mehr besucht. Nach Angaben des Neokatechumenalen Weges rufe man aber die Mitglieder der Gemeinschaften auf, die Messe in der jeweiligen Ortspfarrei mindestens monatlich auch am Sonntag zu besuchen.[Einzelnachweise 14]

Doch auch in höheren Ämtern der Kirche findet man Gegner des Neokatechumenats. So lehnte etwa der inzwischen verstorbene Londoner Basil Kardinal Hume 1996 eine Priesterweihe von 15 Neokatechumenen ab und der Berliner Erzbischof Georg Kardinal Sterzinsky wird mit folgenden Worten zitiert: „Ich mache da nur mit, damit ich auch eingreifen oder mitsprechen kann: dass es nicht einen Wildwuchs gibt“ (zit. nach Peter Hertel, Glaubenswächter - „katholische Traditionalisten im deutschsprachigen Raum“). Und auch eine ganze Reihe italienischer Bischöfe haben ihre Bedenken gegen das Neokatechumenat schon öffentlich kund getan: Bischof Lorenzo Bellomi, Triest, Bischof Arduino Bertoldo, Foligno, Bischof Pietro Nonis, Vicenza, Silvano Kardinal Piovanelli, Florenz.

Am 25. Februar 2007 schrieben der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, und andere Römisch-Katholische Bischöfe Israels einen gemeinsamen Brief an das Neokatechumenat, indem sie die Schwierigkeiten der Integration des Weges in die Gemeinden und Diözesen beklagen. Neben den Separatismus-Vorwürfen, die in manchen Punkten gegen Vorschriften verstoßende Liturgie beschweren sie sich außerdem darüber, dass das Neokatechumenat sich nicht genügend der Kultur und Sprache des Landes anpasse, indem es wirke. Gleichzeitig bedanken sich die Bischöfe aber auch über die Präsenz des Weges in ihren Diözesen.[Einzelnachweise 3]

Im Dezember 2007 besuchte eine Delegation japanischer Bischöfe unter der Leitung des indischen Kardinals Ivan Dias den Papst in Rom; hier ging der Erzbischof von Tokio und Vorsitzender der japanischen Bischofskonferenz, Peter Takeo Okada, auf die Situation des Neokatechumenalen Wegs in Japan ein und klagte über „ernste Probleme“ mit dem Neokatechumenalen Weg sowie deren Priesterseminare Redemptoris Mater. Man beschrieb, dass einige Mitglieder des Neokatechumenalen Weges starke sektenähnliche Aktivitäten führten, die zu Konfrontationen führen und Spaltung verursachen würden, was zu einer scharfen und schmerzhaften Trennung sowie zu Kämpfen geführt habe. Die Bischöfe forderten ein direktes Einschreiten des Papstes und hatten auch Privataudienzen mit dem Papst zu diesem Thema. Jedoch wurde vom Papst aus das Problem bei der abschließenden offiziellen Verabschiedung nicht angesprochen. Im April 2008 besuchte daher erneut eine Delegation japanischer Bischöfe den Papst, dieses mal angeführt durch Peter Takeo Okada. Hier wurde verabredet, dass das vorhandene Priesterseminar des Neokatechumenalen Weges noch 2008 geschlossen werden wird. Laut Erzbischof Okada sei besonders die Intoleranz des Neokatechumenalen Weges zur japanischen Kultur ein großer Meinungsunterschied, was durch den Papst verstanden worden sei; allerdings gäbe es trotzdem noch einen großen Unterschied in der Bewertung des Neokatechumenalen Wegs insgesamt zwischen der Bewertung durch die japanischen Bischöfe und der durch den Papst.[Einzelnachweise 15]

In England, Australien, Italien und den USA haben sich Widerstandsgruppen gebildet, die versuchen, der weiteren Ausbreitung des Neokatechumenats entgegenzuwirken.[Einzelnachweise 16] Durch die Unterstützung des Papstes sowie die große Anzahl der in den eigenen Seminaren geschulten Priester scheint die Vitalität der Bewegung ungebrochen zu sein.

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c Radio Vatikan: „Vatikan: Statuten des Neokatechumenalen Wegs genehmigt“ (12. Juni 2008)
  2. kath.net:"Hintergrundbericht über die Approbation
  3. a b c Sandro Magister: „The Lenten Season of the ‘Way’: Double Penance, in Rome and Jerusalem“ (5. März 2007)
  4. Sankt Clemens in Dortmund-Hombruch Im Archiv des Internet Archive
  5. L'espresso: Bad History, Bad Guide. The Strange Liturgy of the Neocatechumenals von Sandro Magister, 24. Januar 2005
  6. Where do Rome and the Neo-Catechumenal Way Stand In 2006? von Mark Alessio, in der traditionalistischen Monatszeitschrift Catholic Family News, April 2006
  7. 30 Tage (Zeitschrift): Interview mit Kiko Argüello, November 1997
  8. Francis Card. Arinze: Brief an Kiko Argüello, Carmen Hernández und Pater Mario Pezzi, 9. Januar 2006
  9. Approbationsdekret (englisch)
  10. Radio Vatikan: „Vatikan: Statut der Neokatechumenalen“ (10. April 2008)
  11. Der Neokatechumenale Weg in den Ansprachen von Paul VI. und Johannes Paul II. (Zitate der Päpste zum Neokatechumenalen Weg)
  12. a b Erzdiözese Wien: „Neue Evangelisierung geht über die Familien“
  13. Zenit: „Die Zukunft des Neokatechumenalen Weges hängt von der Akzeptanz und Liebe der europäischen Bischöfe ab“ (2. April 2008)
  14. Kirchlicher Anzeiger des Bistums Hildesheim mit Bezug auf das Neokatechumenat (pdf), 13. August 2002, Nr. 7, S.175-178
  15. UCANews: „Japanese Bishops Meet Pope For Second Time In Five Months“ (29. April 2008)
  16. The Neo-catechumenate Review pages, prepared by PASCH - Parishioners Against a Secret Church. (Stand: bis 1997)

Fußnoten

  1. Zitat: „Altaria fixa dedicanda sunt, [...]“ [1] („Feststehende Altäre sind zu weihen, [...]“ [2])
    -- Canon 1237, §1. CIC
  2. Zitat: „Die Praxis der katechumenalen Unterweisung verläuft eher undialogisch, autoritär. (...) Der Neukatechumene läßt sich sozusagen blindlings auf einen Glaubensweg ein: Er kennt nicht die Dauer des ihn einfordernden Wegs (wer bestimmt wann über seine Zulassung zur Erneuerung der Taufgelübde?), und er kennt auch nicht die gesamte, entfaltete Planung des Wegs; denn schriftliche Darstellungen des Neukatechumenats - in den einzelnen Stufen, in der theologischen Begründung - werden durchweg nicht aus der Hand gegeben. Oder gibt es sie gar nicht? Auch soll nicht über die Vorgänge in der Gruppe bei Fremden gesprochen werden. Wird dennoch etwas ‚draußen‘ bekannt, wird nach dem ‚Verräter‘ gesucht. Anzeichen von Fanatismus? Es liegt aufgrund solcher Feststellungen nahe, daß einfache Gläubige das Neukatechumenat in die Nähe einer Sekte rücken. (...) Diese Nähe einer Sekte wird durch zweierlei noch vertieft: durch eine fundamentalistische Ausprägung in der Glaubenswahrheit und durch eine vorkonziliare Fixierung auf die Hierarchie.“ Bleistein, Das Neukatechumenat
 Commons: Neokatechumenat – Bilder, Videos und Audiodateien

Internetseiten des Neokatechumenats

Internetseiten von Kritikern

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