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Tauben

Tauben

Ringeltaube (Columba palumbus)

Systematik
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
Familie: Tauben
Wissenschaftlicher Name
Columbidae
Illiger 1811

Die Tauben (Columbidae) sind eine artenreiche Vogelfamilie. Sie sind die einzige Familie der Ordnung der Taubenvögel (Columbiformes) - siehe Systematik der Vögel. Auch die im 17. und 18. Jahrhundert ausgerotteten flugunfähigen Dronten ("Familie" Raphidae, Gattungen Raphus und Pezophaps) der Maskarenen-Inseln müssen nach phylogenetischen Gesichtspunkten in die Familie der Tauben eingegliedert werden. Die Familie umfasst ca. 40 Gattungen und mehr als 300 Arten. Alle Rassen der europäischen und asiatischen Haustauben gehen auf die Felsentaube (Columba livia livia) zurück. Die Taube wurde früher als alle anderen Vogelarten vor rund 7.000 Jahren domestiziert.

Inhaltsverzeichnis

Aussehen

Die Tauben sind gedrungen gebaute Vögel mit kurzem Hals und schlankem Schnabel. Die Nasenlöcher werden von einer Wachshaut bedeckt. Beim Trinken tauchen sie den Schnabel bis an die Nasenlöcher ins Wasser und saugen dieses hoch. Taubenmännchen und Weibchen unterscheiden sich in der Regel äußerlich nur geringfügig. Die Männchen sind etwas kräftiger in der Statur und in ihrem Verhalten und Gebärden aktiver. Die Hälfte der Muskelmasse von Tauben dient der Fortbewegung in der Luft. Die also in erster Linie für den Flug ausgerichteten Tauben sind daher sehr leicht, aber trotzdem stabil gebaut. Ein robustes Brustbein schützt den Brustkorb. Die Knochen sind innen hohl. Die Nahrung wird im Kropf vorverdaut und gelangt von dort in den Magen. Um die Verdauung zu unterstützen, fressen sie, wie alle Körnerfresser, zusätzlich kleine Steinchen. Das Federkleid besteht aus ca. 10.000 Federn. Diese sind in erster Linie gute Isolatoren und unterstützen zudem die Leichtbauweise von Tauben. So können sie eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 160 km/h erreichen. Die Ursachen für den guten Orientierungssinn der Tauben sind wissenschaftlich noch immer nicht endgültig geklärt.

Verbreitung

Taube in Prag

Mit Ausnahme der Arktis und Antarktis kommt die Familie beinahe weltweit vor, mit der größten Formenvielfalt im Bereich von Südasien bis Australien.

Alter

Das Alter kann unterschiedlich sein, bei Brieftauben z.B. liegt es bei circa 10-20 Jahren. Bei Krontauben bei 25 Jahren.

Stadttauben allerdings werden in der Regel nicht älter als 2-3 Jahre. Ihr größter Feind ist der Mensch und dessen Umfeld, manchmal auch Katzen, Hunde oder Greifvögel.

Nahrung

Tauben ernähren sich von Samen, Früchten und anderen weichen Pflanzenteilen. Bei Nahrungsmangel sind sie, was Futter angeht, allerdings nicht wählerisch. Sie nehmen sogar Eicheln und Bucheckern auf.

Fortpflanzung

Viele Tauben führen eine lebenslange Einehe. Die mit wenig Sorgfalt gebauten Nester bestehen aus dünnen Zweigen und ähnlichem Material. Die Gelege bestehen aus 1-2 Eiern und werden von beiden Geschlechtern bebrütet. Normalerweise hütet das Männchen das Nest tagsüber, das Weibchen nachts. Die Brutzeit beträgt ungefähr 3 Wochen.
Anders als die meisten anderen Vögel - siehe aber die Flamingos - produzieren die Tauben "Milch". Diese Taubenmilch bildet sich durch die Auflösung von flüssigkeitsgefüllten Auskleidungszellen im Kropf. Diese äußerst nahrhafte Flüssigkeit wird von beiden Geschlechtern als Nahrung für die Jungvögel erzeugt.
Bei Haustauben setzt sich diese Kropfmilch zu 64 bis 82 % aus Wasser, zu 7 bis 13 % aus Fett und fettähnlichen Stoffen, zu 10 bis 19% aus Eiweiß, zu 1,6% aus Mineral- und Wirkstoffen wie Vitamin A, D, E und B-Komplexen zusammen. Die Jungen saugen bei der Nahrungsaufnahme die Kropfmilch aktiv aus dem Schlund der Eltern. In den ersten Tagen ihres Lebens verdoppeln sie ihr Gewicht täglich. Die Entwicklung der Jungtauben vollzieht sich rasend schnell; nach etwa 5 Tagen öffnen sie die Augen, bereits nach 3 Wochen ist das Gefieder voll entwickelt und nach etwa 4 Wochen folgen erste Flugversuche.

Orientierung

Bei Tauben (nicht nur bei Brieftauben) wurde in jüngster Zeit in einigen wissenschaftlichen Publikation erläutert, dass sich ein Magnet-Sensor am oberen Teil des Schnabels befinde; er könne die Stärke des Erdmagnetfeldes messen.

Tauben als Symbol

Die Taube als Symboltier steht für Frieden (siehe: Friedenstaube), in der Ikonografie für den Heiligen Geist. Im übertragenen Sinn spricht man bei Auseinandersetzungen von "Tauben" als den Friedfertigen im Gegensatz zu den aggressiven "Falken". Zum Symbol der Treue wurden die Tauben im Islam, zum Symbol der Liebe im Judentum. In Verbindung mit dem Drachen ist die Drachentaube als Wappentier bekannt. Auch im Märchen steht sie oft für die Kraft der Unschuld: KHM 9, 15, 21, 33, 50, 53, 69, 76, 88, 123, 161, 192, 66a, 130a.

Die Taube der heilige Vogel der Muttergöttin Ischtar galt bei den Babyloniern als Symbol der Fruchtbarkeit und Liebe. Xenophon berichtet, dass die Syrer die Tauben als göttlich ansahen und ihnen kein Leid zufügen ließen. Für die Syrer, die Ischtar unter dem Namen Astarte verehrten, war die Taube so heilig, dass sie nicht gegessen, ja, nicht einmal berührt werden dürfte, wer die Taube anrührte - und sei es unabsichtlich -, galt den ganzen Tag als verflucht. Jesus rät seinen Jüngern: "Seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben!" (Matth. 10,16). Zum offiziellen Symbol des Heiligen Geistes wird die Taube im Jahr 325 beim Konzil von Nicäa erklärt. Aus dem heidischen Mythos stammt die mittelalterliche Vorstellung, dass die Seele den Körper eines verstorbenen Menschen in Gestalt einer Taube verlasse. Beim Tode der heiligen Scholastika soll sich solches ereignet haben.

In Japan galt eine Taube als ein glückverheißendes Omen. Während der Heian-Zeit wurden einem Finder einer weißen Taube 3 Jahre lang und seinem Distrikt 1 Jahr lang ihre Steuern und Fron erlassen, sowie Sträflinge aus seiner Provinz begnadigt. Weiterhin galten sie als Botentiere des Gottes Hachiman.[1]

Tauben als Nahrung

Tauben werden in den verschiedensten Kulturen als Speisevögel geschätzt. Im Mittelalter war dort fliegen einem die gebratenen Tauben in den Mund ein Synonym für das Paradies. In der Moderne verschwand die Taube in Europa aus der "bürgerlichen" Küche; sie ist hier - ganz oder als Taubenbrust - meist nur in Gourmetrestaurants zu finden; ganz im Gegensatz zum asiatischen Raum, wo traditionell mehr unterschiedliche Vögel gegessen werden.

Tauben als Schädlinge

Insbesondere in Stadtgebieten, in denen die natürlichen Feinde der Taube selten sind, kommt es oft zu einer sprunghaften Vermehrung, beispielsweise der Ringeltauben. Außerdem werden Tauben in Städten gerne gefüttert. Schaden entsteht vor allem an Gebäuden und Sandsteinbauten, da der aggressive Kot die Bausubstanz angreift. Über den Kot sollen außerdem Salmonellen und andere gefährliche Keime übertragen werden. Einige Städte versuchen durch Fütterungen die Tauben vor die Stadt zu locken. Schutzgitter und Netze, sowie Bleche werden vor allem an Nischen von Kirchengebäuden angebracht, damit es keine Landemöglichkeit für die Tiere gibt. Leere Dachböden oder Ruinen werden gerne von den Tauben besiedelt. Schädlingsbekämpfer entscheiden vor Ort die beste Methode der Vertreibung. In genehmigungspflichtigen Sonderfällen dürfen Tauben auch durch Fallen oder Abschuss getötet werden.

Nicht zuletzt wegen der genannten Schädlingseigenschaften empfinden viele Menschen Ekel vor Tauben. Dies hat den Tauben auch die Beinamen „Ratten der Lüfte“, „Luftratten“ oder „Flugratten“ eingebracht. Das Gurren der Tauben während der Balz wird von manchen Menschen als sehr störend empfunden.

Das deutsche Bundesgesundheitsamt stellt in der Stellungnahme des BgVV vom 26. Februar 1998 klar, dass freifliegende Tauben nicht zu den Schadtieren gehören, und erklärte, dass die 1966 erfolgte Einschätzung der verwilderten Haustaube als obligatorischer Gesundheitsschädling seitens des Bundesgesundheitsrates nicht mehr stichhaltig ist (und in dieser verallgemeinerten Form in späteren Voten auch nicht mehr aufrechterhalten wurde).[2] Auf die Nachfrage Münchner Tierschützer 1996, wie hoch der Anteil der durch Tauben verursachten Schäden an Gebäuden liegt, antwortete das Bayerische Amt für Denkmalpflege: "daß der PH-Wert der Ausscheidungen im neutralen bis schwach sauren Bereich liegt. Der Taubenmist enthält demnach keine starken Säuren oder Laugen. Es ist deshalb auch verfehlt, von einem Säureangriff auf Materialien zu sprechen." 99,5 % der Gebäudezerstörung sind auf sauren Regen, Autoabgase und natürliche Verwitterung zurückzuführen.[3]

Gattungen und Arten

Quellen

  1. Ulrich Goch: Lieber das Herz in der Hand als die Taube über dem Heer
  2. http://www.landkreis-ludwigsburg.de/fileadmin/kreis-lb.de/pdf-dateien/buerger-info/gesundheit/veterinaerangelegenheiten/tierschutz/Stadttauben/schaedlingseigenschaft.pdf
  3. http://www.tierheim-hanau.de/tauben/Problemvoegel.pdf

Literatur

 Commons: Tauben – Bilder, Videos und Audiodateien