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Chemnitz-Hilbersdorf

Karte
Basisdaten
Fläche: 9,38 km²
Einwohner: 6063 (31. Dezember 2001)
Bevölkerungsdichte: 646 Einw./km²
(31. Dezember 2001)

Hilbersdorf ist ein Stadtteil im Osten von Chemnitz am Nordrand des Zeisigwaldes. Der Ortsteil wurde am 1. April 1904 eingemeindet. Durch Hilbersdorf führt die B 169. Nach Nordosten schließt sich der ländliche Vorort Ebersdorf an.

In Hilbersdorf befindet sich seit 1896 der ehemals größte Rangierbahnhof des Deutschen Reiches. Hier konnte man eine außergewöhnliche Rangiertechnik im Einsatz erleben: anstatt mit Lokomotiven wurden die Güterzüge mittels einer Seilablaufanlage bewegt. Damit verbunden war eine außergewöhnliche Geräuschkulisse. Von den sich zwischen den Schienen bewegenden flachen Wagen der Seilablaufanlage ging, wohl aus Sicherheitsgründen, ein ständiges „Gebimmel“ aus. Die zahlreichen Beleuchtungsmasten sorgten zudem auch nachts für Tageslicht.

Ebenfalls stand in Hilbersdorf von 1975 an bis zum 17. Juli 1991 der „Panzer“, ein ausgedienter T 34 der Roten Armee mit stadteinwärts gerichteter Geschützmündung, welcher an die Befreiung vom Hitlerfaschismus erinnerte. 1980 sorgte die versuchte Sprengung dieses Panzers durch Josef Kneifel für Aufsehen.

Hilbersdorf ist bekannt als Hauptfundort des „Chemnitzer Versteinerten Waldes“. Bei einem Vulkanausbruch vor ungefähr 290 Millionen Jahren wurden durch den Ascheregen im Umkreis von ca. 10 Kilometern Bäume konserviert und verkieselten über Jahrmillionen.

Interessant ist das Kanonenkugelhaus. Zwei an der Vorderseite eines alten Hauses an der Frankenberger Straße 156 angebrachte Kugeln zeugen vom Aufeinandertreffen am 14. Oktober 1813 zwischen russischen und französischen Truppen auf dem Weg zur Völkerschlacht bei Leipzig. Die Kugeln trafen das Haus jedoch nicht, man fand sie in umlegenen Feldern.

Eine weitere Sehenswürdigkeit in Hilbersdorf ist das Sächsische Eisenbahnmuseum.

Geschichte

Hilbersdorf entstand während der deutschen Ostexpansion, als das Erzgebirge von deutschen Siedlern erschlossen wurde. Seine urkundliche Ersterwähnung erfuhr Hilbersdorf im Jahr 1290 als Hillebrandisdorff („Dorf eines Hildebrand“). In einer weiteren Urkunde von 1540 wird der Ort als Hilberschdorf genannt. Das alte Ortszentrum, mit der darin befindlichen, im 16. Jahrhundert errichteten Katharinenkirche, wurde zugunsten des Baus der Gleisanlagen für die Eisenbahnstrecke Chemnitz-Flöha 1863–1866 abgebrochen. Für die Katharinenkirche entstand die 1866 geweihte Trinitatis-Kirche an der Frankenberger Straße.

Bis in das 18. Jahrhundert behielt der Ort seine bäuerliche Struktur bei. Erst dann, begünstigt durch die industrielle Entwicklung des nahen Chemnitz, änderte sich die Wirtschaftsstruktur. Von großer Bedeutung war der Abbau des Porphyrtuffs im angrenzenden Zeisigwald. Dadurch begünstigt bildete sich im 19. Jahrhundert ein Zentrum des Steinmetzhandwerks heraus, das 1870 eine Hochkonjunktur erlebte. Dessen Werksteine wurden vornehmlich im Industrie- und Wohnungsbau in und um Chemnitz verwendet. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts kam dieses Handwerk jedoch zum Erliegen.

Zu der Zeit, als Hilbersdorf zur Stadt Chemnitz hin bebaut wurde, fand man verkieselte Stämme. Sie blieben durch verfestigte vulkanische Asche erhalten. An diesen Fund erinnert das Orth-Denkmal (an der Kreuzung Zeiß- und Orthstraße), benannt nach August Orth, dem Berliner Architekten, der als Grundbesitzer dieses 1870–1900 bebauten Geländes die Stämme der Stadt Chemnitz schenkte.

Von Ebersdorf wurde am 26. Januar 1914 der „Schnelle Markt“ eingemeindet. So konnte man auch hier notwendig gewordene Wohnsiedlungen errichten. Heute gehört dieses Gebiet, sowie ein Teil Hilbersdorfs nördlich der Eisenbahnbrücke der Linie Chemnitz-Dresden, wieder zur Gemarkung Ebersdorf.

Koordinaten: 50° 51' 35" N, 12° 57' 11" O