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Rettungsweste

Eine Rettungsweste ist ein Kleidungsstück, das eine Person im Wasser selbständig in die Rückenlage dreht und den Kopf über Wasser hält, um die Atemwege freizuhalten.

Diese Eigenschaft gilt auch, wenn die Person bewusstlos ist, weshalb solche Westen auch als ohnmachtssicher bezeichnet werden. Im Unterschied dazu ist eine Schwimmhilfe nur ein Hilfsmittel, um den Kraftaufwand beim Schwimmen zu reduzieren, sofern die Person bei Bewusstsein ist. Als Oberbegriff für Rettungswesten und einige Schwimmhilfen, wie beispielsweise Regattawesten aus Schaumpolystyrol, ist auch der inoffizielle Begriff Schwimmweste gebräuchlich.

Inhaltsverzeichnis

Funktion und Bedeutung

Auf allen Schiffen und in Passagierflugzeugen ist es Pflicht, genügend Rettungswesten für alle Passagiere und Besatzungsmitglieder mitzuführen. Auf See ist es ein Gebot guter Seemannschaft, bei Schlechtwetter, Dunkelheit und bei der Ruder-/Ankerwache immer eine Rettungsweste zu tragen. Dies verhindert allerdings nicht das Überbordgehen (im Gegensatz zu einem Gurtgeschirr, auch Lifebelt oder harness genannt) und garantiert auch nicht, dass eine über Bord gefallene Person in einem Mann-über-Bord-Manöver wiedergefunden und an Bord genommen werden kann. Eine Schwimm- bzw. Rettungsweste dient nur dazu, die nötigen Schwimmbewegungen mit dem damit verbundenen Kraftaufwand und Wärmeverlust zu reduzieren sowie ggf. ohnmächtige oder geschwächte Personen über Wasser zu halten. Dies verzögert den Zeitpunkt, an dem Entkräftung und Unterkühlung einsetzen und verlängert damit den Zeitraum, der für die Rettung zur Verfügung steht.

Kategorien von Schwimmhilfen und Rettungswesten

Es gibt verschiedene Kategorien von Schwimmhilfen und Rettungswesten, die durch europäische Normen definiert sind (siehe auch EN ISO 12402):

Weiterhin gibt es einen international anerkannten Standard, den SOLAS-Standard (Safety of Life at Sea) von 1974.

Grundsätzlich ist bei jeder Kategorie auf das höchste zugelassene Körpergewicht desjenigen zu achten, der die Rettungsweste angelegt hat. Wird dieses Gewicht überschritten, kann die ohnmachtsichere Lage auch bei geprüften Westen nicht garantiert werden. Die für die jeweilige Rettungsweste geltende Angabe ist in der Regel direkt auf dem Schwimmkörper aufgedruckt.

Erhältliche Varianten

Schwimmhilfen sind fast immer mit irgendeiner Art von Schaumstoff ausgefüllt. Rettungswesten können mit festen (z. B. Kork oder Polystyrol) oder mit aufblasbaren Schwimmkörpern ausgestattet sein. Aufblasbare Rettungswesten sind oft mit einer Gasdruckpatrone versehen, die im Ernstfall entweder automatisch durch den Kontakt der auslösenden Salztablette mit Wasser oder manuell ausgelöst werden kann und die Rettungsweste innerhalb kürzester Zeit (maximal fünf Sekunden) aufbläst. Da solche Westen im unaufgeblasenen Zustand kleiner sind und die Bewegungsfreiheit deutlich weniger einschränken als Feststoffwesten, werden sie erfahrungsgemäß auch eher angelegt. Nachteile von automatischen Rettungswesten sind die höhere Wartungsbedürftigkeit aufgrund der Auslösemechanik und der höhere Preis und Wartungskosten.

Rettungswesten müssen auch durch die Anordnung der Schwimmkörper in der Lage sein, einen Bewusstlosen in eine Rückelage zu drehen, um ein Ertrinken zu verhindern. Bei einem bekleideten Erwachsenen müssen die Schwimmkörper dazu min. 230 N Auftrieb haben.[1]

Viele aufblasbare Rettungswesten haben auch einen integrierten Lifebelt. Der Brustgurt mit D-Ring stellt allerdings nur eine Absicherung gegen den Sturz von Deck dar. Dieser ist nicht vergleichbar mit Absturzsicherungen, die z. B. im gewerblichen Bereich eingesetzt werden. Auch dient der Lifebelt nicht zum Abbergen (z. B. per Hubschrauber). Diese haben ihr eigenes Bergegerät.

Rettungswesten sind immer in einer Signalfarbe gehalten, um die visuelle Wahrnehmung zu verbessern. Gute Rettungswesten sind mit einer Signalpfeife, Bergeschlaufe und Reflexstreifen auf dem Schwimm- bzw. Auftriebskörper versehen. Rettungswesten können mit einem Blitz-, Blink- oder Dauerlicht ausgestattet werden, das die eigene Position markiert und so die Rettung vereinfacht oder überhaupt erst ermöglicht. Einige moderne Schutzwesten senden automatisch ein GPS-Positionssignal. Ein Schrittgurt sorgt dafür, dass die Weste nach dem Aufblasen richtig sitzt. Auch eine Schutzhaube, die im aufgeblasenen Zustand über den Kopf und die gesamte Weste gezogen wird, ist sinnvoll, um die Gefahr des Ertrinkens durch starken Regen oder überspülende Wellen zu reduzieren.

Die Lebensdauer von Rettungswesten ist auf etwa 10–15 Jahre begrenzt, zusätzlich sollten sie (laut Herstellerempfehlung) mindestens alle zwei Jahre gewartet werden. Salzige, feuchte Umgebung, Schmutz sowie direkte Sonneneinstrahlung beschleunigen die Alterung des Materials und der Auslösemechanik. Bestimmte Einsatzgebiete (z. B. Baugewerbe, Feuerwehren, etc.) können die Lebensdauer verkürzen und eine häufigere Wartung erforderlich machen. Zum Teil gibt es für besondere Einsatzgebiete Rettungswesten mit speziellen Schutzhüllen, z. B. zum Schweißen, der Brandbekämpung etc.

Geschichtliches

Als Erfinder der Rettungsweste gilt Captain Ward, ein Inspekteur der britischen Seenotrettungsgesellschaft RNLI, der im Jahre 1854 eine Korkweste entwarf, die lange Jahre zur Standardausrüstung der Rettungsmannschaften in Großbritannien, aber auch in anderen Ländern, gehörte.

Später wurde dieses Material weitgehend durch Polystyrol ersetzt. Die selbst aufblasbare Rettungsweste wurde am Ende des 19. Jahrhundert erfunden. Im Jahre 1895 berichteten die Innsbrucker Nachrichten:

„Eine eigenartige Anwendung der in wasserförmigen Zustand gebrachten Gase hat der französische Techniker M. de Ropp gemacht. Die gegenwärtig gebräuchlichen Rettungsgürtel aus Korkkissen sind derart beschaffen, dass sie ihrer belästigenden Schwere und Form wegen erst im Augenblick der größten Gefahr angelegt werden, wenn ein Anlegen unter diesen Umständen überhaupt noch möglich ist. Die Vorrichtung des Herrn de Ropp dagegen besteht, wie uns das Patentbureau Fischer in Wien mitteilt, aus einem Sack oder Gürtel, welcher im normalen Zustand sehr wenig Raum einnimmt und unter der Kleidung kaum bemerkbar sein würde. An einem Ende des Sackes befindet sich ein kleiner Methylchlorin enthaltender Flacon, welcher mit seinem in eine feine Glasspitze auslaufenden Ende in das Innere des Sackes hineinreicht. Dort wird ein mittelst einer Feder gespanntes Messer durch ein aus feinem Filterpapier bestehenden Ring in seiner Lage festgehalten, sowie der Ring jedoch mit dem Wasser in Berührung kommt, gibt er nach, das Messer durchschneidet die Glasspitze und der ausfließende Inhalt, der sofort den gasförmigen Zustand einnimmt, bläht den Polster oder Gürtel auf und erhält den Körper schwimmend auf der Oberfläche.“

Innsbrucker Nachrichten, 12. August 1895

Siehe auch