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Balve

Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 51° 20′ N, 7° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Arnsberg
Kreis: Märkischer Kreis
Höhe: 240–546 m ü. NN
Fläche: 74,76 km²
Einwohner: 12.161 (30. Juni 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 163 Einwohner je km²
Postleitzahl: 58802
Vorwahl: 02375
Kfz-Kennzeichen: MK
Gemeindeschlüssel: 05 9 62 008
Stadtgliederung: sieben Ortsteile
Adresse der Stadtverwaltung: Widukindplatz 1
58802 Balve
Webpräsenz:
www.balve.de
Bürgermeister: Hubertus Mühling (CDU)

Balve ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen im Regierungsbezirk Arnsberg und gehört zum Märkischen Kreis und zur Region Südwestfalen. Sie liegt im Hönnetal, einem Flusstal im Sauerland. Über viele Jahrhunderte war die Stadt eine Grenzfestung des katholischen kurkölnischen Sauerlandes und der Grafschaft Arnsberg zugeordnet. Ihr Wahlspruch „Säu faste ärre Balve“ (so fest wie Balve) ist Ausdruck ihrer Wehrhaftigkeit und stammt aus der Zeit der Truchsessischen Wirren. Stadtpatron ist der Evangelist und Apostel Johannes.

Die Balver Höhle zählt zu den wichtigsten Fundplätzen der Mittleren Altsteinzeit und gilt zugleich als die größte „Kulturhöhle“ Europas (= prähistorische Siedlungsstätte). Die Balver Pfarrkirche gilt als ein bedeutendes Beispiel romanischer Hallenkirchen in Westfalen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Die Stadt liegt im Naturpark Homert inmitten bewaldeter Höhen unweit des Sorpesees, einer der Talsperren im Hochsauerlandkreis. Der Höhenzug im Norden ist nach der Stadt benannt (Balver Wald) und grenzt an die Stadtgebiete von Hemer, Menden, Iserlohn, Neuenrade, Sundern und Arnsberg. Nach Osten wird das Stadtgebiet durch den Hochsauerlandkreis begrenzt. Nach Westen führen die Verkehrsverbindungen nach Neuenrade und Werdohl. Die Hönne fließt auf 13,2 km Länge durch das Stadtgebiet.

Geologie

Der Ort wird von der Hönne durchflossen.

Ausdehnung des Stadtgebiets

Nachbargemeinden

Iserlohn / Hemer Hönnetal / Menden Arnsberg
Stephanopel / Altena Sundern
Werdohl Neuenrade / Lennetal Allendorf

Stadtgliederung

Die Stadt Balve gliedert sich als Verwaltungseinheit in die sieben Ortsteile Balve, Beckum, Eisborn, Garbeck (mit den Weilern Frühlinghausen, Höveringhausen und Leveringhausen), Langenholthausen (mit Benkamp, Kesberg und Dieken), das „Golddorf“ Mellen sowie Volkringhausen (mit den Weilern Sanssouci und Binolen).

Klima

Geschichte

Der Ort Balve hat sich im frühen Mittelalter aus drei Höfen (Oberhof bei der Kirche, Niederhof an der Hönne und Salhof/Selhof neben der Höhle) entwickelt.

In früheren Jahrhunderten hatte die alte Hansestadt Balve aufgrund ihrer damals verkehrsgünstigen Lage an einer Handels- und Heerstraße und ihres Stadt- und Marktrechts eine wesentlich größere Bedeutung in der Region als heute. Bürger der Stadt Balve hatten nach kurkölnischen Gepflogenheiten einen „Bürgereid“ abzulegen (siehe Zitate).

Am 22. Oktober 1430 verlieh der Kölner Erzbischof Diedrich II. Balve Befestigungs- und Stadtrechte sowie die Gerichtsbarkeit über kleine Vergehen unter Anwendung des Arnsberger Rechts und den Wochen- und Jahrmarktsfrieden. Am 24. September 1480 bestätigte Erzbischof Hermann IV. von Köln diesen Bewidmungsbrief.[2]

Die Urkunde zur Verleihung der Stadtrechte von 1430 ist vor wenigen Jahren abhanden gekommen, ihr Text[3] ist allerdings durch Abschriften überliefert.

Älter als die Stadt Balve ist das Amt Balve, das entsprechend der Amtsverfassung im Herzogtum Westfalen bereits im 14. Jahrhundert entstand.

Ortsname

Das Wort „Balve“ bzw. „Palve“ ist wahrscheinlich abgeleitet von „Balma“ (althochdeutsch?, keltisch? - im Gallischen heißt „*balƒkon“ (Mauer-)Vorsprung) und bedeutet im Mittelhochdeutschen „Hervorragende Felsenwand" / „Überhängende Felswand" / „Hohler Felsen“.[4][5]

Die vermutlich älteste schriftliche Erwähnung Balves stammt aus der Vita Liudgeri III, Buch II, Kapitel 31. Demnach wurde im Jahre 864 ein blindes Mädchen aus Balve („de villa quae Ballova“) am Grabe des Liudger in der Krypta des Klosters Werden sehend.[6]

Im Jahre 1202 wird eine Urkunde ausgestellt, in der ein „Albertus de Balleve“ genannt wird.[7]

Der Name „Ballova“ wird in der isländischen Handschrift A der Thidrekssaga erwähnt; nach dieser Sage sollen dort zwei berühmte „Zwerge“ in einem Berg dieses Namens als Schmiede gearbeitet haben.[8] Interessant ist im Zusammenhang mit der Thidrekssaga der Name des Schwertes von Siegfried (zuvor von Nibelung) in der Nibelungensage, nämlich „Balmunc“ bzw. „Balmung“ (vgl. hierzu die Herleitung des Namens „Balve“).

Vorhistorische Zeit

Kreidezeit

Die Spuren früheren Lebens in der Region um Balve reichen weit zurück, so stießen Einheimische im Jahr 2002 auf Überreste von insgesamt acht identifizierten Spezies der Dinosaurier, die sämtlich in die Kreidezeit datiert werden können. Wissenschaftler schätzen das Alter der Knochen auf 140 Millionen Jahre.

Steinzeit

Älteste menschliche Siedlungsspuren aus der Umgebung Balves stammen aus der Altsteinzeit. In der Balver Höhle feierten bereits in der frühen Weichsel-Eiszeit zur Zeit der Neandertaler vor 100.000 bis 40.000 Jahren Jägergruppen, die im Hönnetal eiszeitliche Großsäuger, wie vor allem das Mammut jagten.

Auch in der Jüngeren Altsteinzeit wurden die Balver Höhle und auch andere Höhlen im Hönnetal, wie die Volkringhauser Höhle vor dem Hochglazial der Weichsel-Eiszeit, vor rund 35.000 bis 30.000 Jahren, von Jägergruppen des Aurignacien und Gravettien aufgesucht. Hier gehörten Mammuts, Wildpferde, Wollnashörner und Rentiere zu den beliebten Jagdzielen.

In der späten Weichsel-Eiszeit vor rund 12.000 Jahren waren es spezialisierte Rentierjäger, die in Balve ihre Lager aufschlugen. Im Holozän bewohnten Jäger und Sammler der Mittelsteinzeit die Höhlen um Balve. Sie errichteten auch auf den Flussterrassen der Hönne ihre Lager. In der Umgebung von Balve fanden sich in Höhlen und auf den Flussterrassen der Hönne Belege für eine Besiedlung in der Jungsteinzeit.

Bronze- und Eisenzeit

Hinweise auf germanische Besiedlung des Balver Raums lassen sich in alten Flurbezeichnungen (heute zum Teil Straßenbezeichnungen), wie „Zum Thing“, finden. Außerdem wurden in den letzten Jahren die Grundmauern eines alten germanischen Einzelhofs aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. in Garbeck freigelegt. Dieses Haus, erbaut an der höchsten Stelle im Areal des Hofes über der Hönne, stand in Ost-West-Richtung und verfügte über eine große Halle mit 17 m Länge und sechs Metern Breite, nur wenige Pfosten konnten noch mit Sicherheit erkannt werden. Von den Eingängen oder der inneren Aufteilung sind leider keine Spuren mehr vorhanden. Ein typischer Gegenstand der Garbecker Grabung, der die Befunde für das frühe 1. Jahrhundert festschreibt, ist die Situla, ein pokalähnliches Gefäß.

Mitarbeiter des Westfälischen Museums für Archäologie fanden bei dieser Grabung bedeutende Beweise für die Handelsbeziehungen zwischen den Germanen, die von den Archäologen als „Rhein-Weser-Germanen“ bezeichnet werden und im 1. Jahrhundert vermutlich zum Stamm der Sugambrer oder Marser gehörten, und den Römern. Durch römische Umsiedlungspolitik und die einsetzende Völkerwanderung ist ab dem 1. Jahrhundert bis zur sächsischen Landnahme im gesamten rechtsrheinischen Gebiet keine stabile Bevölkerungssituation vorhanden. Ab dem 4. Jahrhundert drängte der Stamm der Brukterer, der im 1. Jahrhundert zwischen Ems und Lippe wohnte, in das Ruhrtal; ob er Balve erreichte oder von den linksrheinischen Franken zurückgedrängt wurde, steht nicht fest. Die sächsische Landnahme im Balver Raum geschah etwa ab dem 7. Jahrhundert durch den neu gebildeten Teilstamm der Westfalen, welcher auch die früher häufig zitierten Cherusker umfasste und dessen Name im 8. Jahrhundert erstmalig auftauchte.

Historische Zeit

Im Jahre 890 ersucht der Bischof Wigbert von Verden auf der Synode zu Forchheim Kaiser Arnulf, ihm die Güter zu …, Ballava, …, die er bisher als königliches Lehen besaß, zu eigen zu geben.[9] Im Jahr 1197 bestätigt Papst Coelestin III. dem Kloster Scheda den Besitz zweier Häuser in Brockhausen im Kirchspiel Balve.

Balve gehörte zu dieser Zeit zum Herzogtum Sachsen, das aber 1180 von Friedrich Barbarossa nach einem Streit mit Herzog Heinrich dem Löwen aufgeteilt wurde.

Nun Teil des neuen Herzogtums Westfalen kam Balve 1368 mit der gesamten Grafschaft Arnsberg unter die Herrschaft des Kurfürstentums Köln, eine Bindung, die bis zur Säkularisation im Jahre 1803 Bestand haben sollte. In Grenzlage zur später protestantisch geprägten Grafschaft Mark blühte die Siedlung auf, nachdem ihr 1430 die Stadtrechte, das Marktrecht und die Gerichtsbarkeit verliehen wurden. Zeugen dieser Zeit sind die Ackerbürgerhäuser, die auch heute noch im Balver Ortskern zu finden sind. Balve war Sitz eines kurkölnischen Amtsdrosten. Hier tat sich besonders Hermann von Hatzfeld während des Truchsessischen Krieges hervor, als Erzbischof Gebhard I. von Waldburg zum Calvinismus übergetreten war. In der St. Blasius Pfarrkirche befindet sich ein Epitaph des Herrmann von Hatzfeldt.

Hexenprozesse
Massenhinrichtung von angeblichen Hexen 1587

Auf dem Galgenberg hinter dem Wachtloh wurden in den Jahren 1593 bis 1630 fast 300 als Hexen und Zauberer denunzierte Balver verbrannt. Allein im Zeitraum von 1628 bis 1630 wurden in den Balver Hexenprozessen 27 Verfahren durchgeführt. Etwa jeder 20. Bürger wurde wegen Hexerei hingerichtet (viele namentlich bekannt; darunter Heinrich Balke zu Beckum, Rentmeister auf Schloss Melschede, Jörg Schulte aus Mellen, Kutscher und Baumeister des Drosten - drei Wochen nach seiner Hochzeit, sowie die Bürgermeisterin). Im nahen Arnsberg fand sich mit Heinrich von Schultheiß ein bekannter „Hexentheoretiker“.

Der Überlieferung nach „richtete sich gegen den Hexenrichter schließlich die Volkswut. Man stellte ihm nach. Seine Bettlade soll von einer Musketenkugel durchbohrt worden sein. Da fürchtete er um sein Leben und floh. Sein Name ist nirgendwo vermerkt“.[10]

Im Gedenken an die Hexenverfolgung ließ die Balver Heimwacht im Jahr 2006 eine sogenannte Hexenstele nicht weit von der Stelle errichten, an der die Opfer zu Tode gebracht wurden. Der Text lautet: „Hier starben durch Feuer, Schwert und Galgen ca. 300 Frauen und Männer …“. Die Hexenstele befindet sich am Galgenberg.

Stadtbrände

Sieben große Stadtbrände in der Zeit zwischen 1584 und 1789 warfen die Stadtentwicklung immer wieder zurück. Allein im Zeitraum von 1584 bis 1599 erfolgten vier schwere Brände, vier weitere in den Jahren 1607, 1623, 1707 und 1787. Ein weiterer Brand im Jahr 1703 brach im Haus des Bürgermeisters Ludwig Kramer aus.

Der letzte große Stadtbrand entstand am 23. Juli 1789 im Hause eines Wirtes im Vorfeld des Schützenfestes. Es wurde Fahrlässigkeit vermutet, böswillige Brandstiftung wurde ausgeschlossen. Zur Verbreitung trug die Bauart (Strohdächer) und die enge Bebauung der Häuser innerhalb des Festungsgevierts bei. „Eine entsetzliche Verheerung bot sich nach dem Brande dem Auge dar. Von 85 Häusern waren 64 Gebäude und 25 Nebengebäude zerstört“. Die meisten Bewohner retteten nur ihr nacktes Leben. Aus den umliegenden Dörfern wurde den Balvern in den folgenden Monaten tatkräftige Hilfe geleistet. Beim Neuaufbau waren folgende Gesichtspunkte maßgeblich: Größere Ausdehnung des Ortes im Interesse des Feuerschutzes und eine „regelmäßigere schönere Bauart im Innern der Stadt. Zu dem ersten Zwecke war unbedingt die Niederlegung der alten Stadtmauer nötig“, deren Mauern zum Abbruch verkauft wurden: Oberstes Tor = 35 Thaler, niederstes Tor = 36 Thaler. Die Ausdehnung der Stadt erfolgte in Richtung Mühlenkamp, da die anderen Flächen beste Gärten und Wiesen enthielten. Die Abstände zwischen den Häusern sollten vergrößert, keine Rauchfänge und Miststätten mehr geduldet und die neuen Häuser mit der Front in einer Linie aufgestellt werden. Der Stadtplan wurde demnach von Landvermesser Gipperich entworfen. Festgelegt war, dass jeweils nur zwei Häuser unmittelbar aneinander gebaut werden durften, dann erfolgte ein Zwischenraum von 40 Fuß. Aufgrund erheblicher Proteste und Einwendungen sowie eigenmächtiger Baumaßnahmen von Bürgern, die ihre Gesundheit nicht unter freiem Himmel aufs Spiel setzen wollten, kam es zu Verzögerungen. Dennoch wurde der Bauplan im Wesentlichen eingehalten. „Nach und nach erhob sich Balve aus den Ruinen. Seine neue Gestalt war schöner als die alte“. Am 19. Dezember 1789 wurden zwei Nachtwächter eingestellt, die zu bestimmten Stunden zu blasen hatten. Ein Jahrzehnt später wurde die breite und gerade Magistrale durch die Mitte des Ortes angelegt (nach Franz Anton Höynck, „Central-Volksblatt“ Nr. 89 von 1886).

Nach diesem Großbrand wurden Steine aus der ehemals beeindruckenden Stadtmauer (7 Meter hoch, Länge ca. 900 Meter) auf Beschluss des Rates zum Wiederaufbau verwendet. Der Aufbau der Stadt erfolgte nach neuen Plänen, die Hauptstraße wurde als überbreite, schnurgerade Magistrale angelegt und die Abstände zwischen den Häusern zum Feuerschutz wesentlich vergrößert.

Franzosenbelagerung 1761

Im siebenjährigen Krieg wurde Balve zehn Tage lang von den Franzosen besetzt, die am 24. Juni 1761 auf dem Kirchhof eine Feldbäckerei und Metzgerei anlegten. Dazu wurde die 2,5 m hohe Kirchhofsmauer „aus dem Grund gebrochen“, die Kirchenbänke aus der Kirche gerissen, das Mehlmagazin in die Kirche verlegt. Sämtliche Bäume wurden gefällt. Es wurden 42 große Backöfen errichtet, jeder Ofen mit drei Schornsteinen. Der Gottesdienst fand in dieser Zeit im Mausoleum statt, dem sog. „Wocklumer Häuschen“. Die französische Besatzung nahm teil. Auf die Balver machte es einen „besonderen Effekt“, als das ganze französische Regiment das Veni creator spiritus sang. [11]

Wechselnde Herren

Von 1803 bis 1816 war Balve Teil der Landgrafschaft (später Großherzogtum) Hessen-Darmstadt. 1816 gelangte Balve an Preußen. Bis 1832 gehörte Balve zum Kreis Iserlohn, danach zum Kreis Arnsberg.

Vom 2. bis 4. September 1922 findet in Balve die erste große Tagung des Sauerländer Heimatbundes statt. Auf dieser Tagung werden auch die Festspiele Balver Höhle ins Leben gerufen.

500- und 1000-Jahr-Feier im Jahr 1930
Zeit des Nationalsozialismus

Die nationalsozialistische Herrschaft in den Jahren 1933–1945 hatte auch in Balve direkte Auswirkungen. Dies geschah unter anderen durch die Gleichschaltung der relevanten Vereine und Gruppierungen.

Der einzige in Balve wohnende Mitbürger jüdischer Abstammung wurde 1943 nach Theresienstadt deportiert.

Nachkriegszeit

Seit 1975 gehört Balve zum Märkischen Kreis.

Orkan Kyrill 2007

Am 18. und 19. Januar 2007 wurde auch Balve von einer Naturkatastrophe, dem Orkan Kyrill, heimgesucht. Dabei wurden die Wälder um Balve, insbesondere der Balver Wald schwerstens in Mitleidenschaft gezogen. Viele Waldbestände, insbesondere in den Höhenlagen, wurden völlig zerstört und wirkten wie „glatt rasiert“. Menschen kamen in Balve nicht zu Schaden. Die Aufbauarbeiten benötigen Jahre, die Gefahr schwerer Waldbrände ist deutlich erhöht. Der Charakter der Wälder um Balve verändert sich durch die zwangsläufig eintretende Naturverjüngung grundlegend.

Religionen

Balve ist wie auch der überwiegende Teil des ländlichen Sauerlandes katholisch geprägt. Die katholische Missionierung erfolgte zur Zeit Karls des Großen über die Urpfarrei Attendorn. In den letzten Jahrzehnten kam es zu Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur durch Zuzug von Arbeitnehmern, die in Balve selber und auch in den benachbarten Städten Arbeit fanden, was zu einer starken Veränderung der Religionszugehörigkeit führte.

Zwischen Judentum und katholischem Christentum gab es historisch enge Zusammenarbeit. So wurde der erste Ehrenbürger der Stadt Balve der jüdische Kaufmann Hermann Schüler.

Ende 2007 hatte Balve 8.165 katholische Einwohner und 2.473 evangelische. 1.803 gehörten einer sonstigen oder keiner Religionsgemeinschaft an. [12]

Eingemeindungen

Die im Amt Balve seit 1875 von einem Amtsbürgermeister verwalteten Dörfer - im Fall Langenholthausen handelte es sich um eine unabhängige Freigrafschaft - wurden 1975 mit der Eingemeindung (vgl. Sauerland/Paderborn-Gesetz) in der Stadt Balve zusammengefasst. Dabei wurden die dem Amt Balve zugehörigen Ortschaften Affeln, Altenaffeln und Blintrop an die Stadt Neuenrade „abgegeben“.

Das historische Amt Balve hatte in der Zeit von 1536 bis 1811 etwa die doppelte Ausdehnung. Seine Verwaltungsaufgaben und die Amtsgerichtsbarkeit reichten von den Kirchspielen Hüsten mit dem Kloster Oelinghausen und Enkhausen (mit den jeweils umliegenden Dörfern) bis zum Kirchspiel Affeln.

Mit der kommunalen Neugliederung im Jahr 1975 wurde das Amt Balve aufgelöst und Balve mit seinen umliegenden Dörfern gegen den Widerstand geschichtsbewusster Bürger Teil des neugegründeten Märkischen Kreises. Aus uralten Dörfern und Kirchspielen wurden plötzlich „Ortsteile“ einer „Stadt“, ein Verwaltungsvorgang, der von vielen Bürgern als entfremdend erlebt und nicht wirklich nachvollzogen wurde.

Einwohnerentwicklung

Bei der Einwohnerentwicklung muss zwischen dem ehemaligen Amt Balve und der Stadt Balve unterschieden werden. Das ehemalige Amt Balve erstreckte sich ursprünglich bis zu einem Teil des Sorpesees. Bis zur Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts lag auch das ehemalige Kirchspiel Hüsten im Bereich des Amtes.

Um 1800 hatte Balve ähnlich viele Einwohner wie etwa Dortmund (Dortmund 1793: 4500 Einwohner).

Jahr Einwohner
1650[13] ¹ 2600
1700[13]¹ 2800
1750[13]¹ 3100
1818[13] 3427
1867[13] 5464
1871² 1147
1895² 1216
1905² 1124
1914[13] 5754
1925² 1166
Jahr Einwohner
1933² 1535
1939[13] 7573
1946[13] 10.669
1950[13] 10.590
1964[13] 11.266
1970 10.543
1988 11.196
1990 11.416
1995[14] 11.967
2000 [15] 12.119
Jahr Einwohner
31. Dezember 2005 [15] 12.162
März 2006 12.533
30. Juni 2006 [16] 12.142
September 2006 12.561
31. Dezember 2006 [16] 12.132
30. Juni 2007 [16] 12.161

¹ geschätzt ² vermutlich nur Stadt

Soweit nicht anders angegeben, enthält die Tabelle die Einwohnerzahlen inklusive der Gemeinden. Die Zahlen von 1650 bis 1750 sind geschätzt. Es finden sich in offiziellen Quellen unterschiedliche Zahlen, so dass Publikationen geringe Abweichungen aufweisen können. [17]

Politik

Gemeinderat

Der Balver Stadtrat besteht aus folgenden Fraktionen (2007):

CDU mit 19 Sitzen, UWG mit sieben Sitzen und SPD mit sechs Sitzen.

Bürgermeister

Das Amt des Bürgermeisters gibt es seit dem Jahr 1935 in Balve. Vorher wurde diese Funktion von einem Gemeindeführer ausgefüllt.

ehrenamtlich
hauptamtlich

Wappen

Stadtwappen der Stadt Balve
Wappen des Amtes Balve bis 1975

Das Wappen der Stadt ist in der Mitte gespalten, links ein halbes schwarzes Kreuz auf Weiß, rechts ein weißer Adler, nach rechts blickend, auf Blau. Damit vereint die Stadt die Wappen der Grafschaft Arnsberg (Weißer Adler nach rechts blickend auf Blau) und des Erzbistums Köln (Schwarzes Kreuz auf Weiß) in sich. Das Wappen verleiht somit der Stadtgeschichte Ausdruck.

Das Wappen wurde erstmals offiziell am 24. Juni 1911 verliehen. Die Siegel der Stadt zeigen die Symbole bereits seit Jahrhunderten: Das älteste bekannte Siegel ist von 1462.

Nach der kommunalen Neuordnung im Jahr 1975, die mit einem Bruch der historisch gewachsenen Strukturen zum früheren Kreis Arnsberg einherging und auf starke Widerstände stieß, musste das Ortsrecht neu gefasst und damit auch das Wappen neu genehmigt werden. Dies geschah am 6. Februar 1976 anhand eines Entwurfes des Vorsitzenden des Kulturausschusses der Stadt Balve, Werner Ahrens. Die historische Nähe zum früheren Kurköln wird durch die Wappensymbole belegt, die sich von anderen Stadtwappen im Märkischen Kreises deutlich abheben. Der Wappenschild ist seit 1976 ein anderer als der abgebildete.

Das alte Wappen des ehemaligen Amtes Balve, das bis zum Jahr 1975 Gültigkeit hatte, wurde damit bedeutungslos. Es wurde zuvor in der oberen Hälfte durch eine Darstellung des Apostels Petrus mit Schlüssel und Buch ergänzt.

Städtepartnerschaften

Eine Beziehung zwischen den Niederlanden und Frankreich wird über den Austausch mit den Partnerstädten von Balve gepflegt.

Regelmäßig besuchen sich Abordnungen der Kommunen, aber auch der Vereine und tauschen ihre Erfahrungen aus. Eine Städtefreundschaft besteht seit einigen Jahren mit Bad Muskau.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Kulturpflege ist überwiegend privaten Initiativen überlassen, die so das Bild von Balve prägen. Sakrale Bauten, technische Denkmäler und die Balver Höhlen zeugen von der kulturhistorischen Bedeutung der „Kulturstadt Balve“.

Neben der Balver Höhle und der Aula des Schulzentrums am Krumpaul als aktuelle Spielorte gibt es seit einigen Jahren in Binolen einen sogenannten Kulturbahnhof, der von einem Förderverein unterstützt wird. Auch die verschiedenen katholischen und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde stellen ihre Räumlichkeiten für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung.

In den zum Balver Land gehörenden Ortsteilen stehen großräumige Schützenhallen für den Kulturbetrieb bereit. Außerdem stellt der Reiterverein Balve e.V. sein Gelände für Open Air Veranstaltungen zur Verfügung.

Der bedeutendste Kulturverein sind heute die Festspiele Balver Höhle.

Ehemalige Kulturstätten in Balve

Traditionsreiche Kulturstätten in Balve werden heute nicht mehr genutzt oder sind durch Nutzungsänderungen nicht mehr zu ihrem ursprünglichen Zweck einzusetzen. Generationen von Balvern waren diese Räumlichkeiten als Treffpunkt wichtig (Haus Kohne, großer Saal der Gastwirtschaft Allhoff, Habbels Saal in Langenholthausen.

Museen und Galerien

Museum für Vor- und Frühgeschichte

In einem Nebengebäude der Luisenhütte, der sogenannten alten Schreinerei, wurde im Jahr 2006 das neue „Museum für Vor- und Frühgeschichte“ eingeweiht. Es enthält die Exponate des früheren Balver Heimatmuseums, welches vor allem aus der „Heimatsammlung“ entstand, die auf der Burg Altena aufbewahrt und im Jahr 1927 nach Balve zurückgeholt wurde. Das Museum wurde in einem freigewordenen Schulraum im alten Rathaus an der Hauptstraße eingerichtet und von 1927 bis 1953 vom Balver Josef Pütter geleitet.

Nach dem Abriss des Rathauses an der Hauptstraße wurden die Exponate im Dachraum der alten Volksschule aufbewahrt und von Rektor Alfred Koch verwaltet. Nach dem Abriss der Volksschule wurden sie übergangsweise im neuen Rathaus ausgestellt.

Das Museum enthält unter anderem das Skelett eines Höhlenbären, einen Mammutzahn aus Grabungen im Bereich der Balver Höhle und einen in Tropfstein eingebetteten Menschenschädel aus der Karhof-Höhle.

Dorfmuseum

Das Dorfmuseum in Mellen zeigt das bäuerliche Leben im Wandel der Zeit.

Galerien

In der Hauptstraße betreibt eine Künstlergemeinschaft Kunstwerkstatt, Atelier und Galerie namens Piçáta. Dort finden regelmäßig Ausstellungen, insbesondere von heimischen Malern, statt.

In der Gransauer Mühle befinden sich die Ausstellungs- und Arbeitsräume einer weiteren aus heimischen Künstlern bestehenden Gruppe.

Musik

Die Stadt Balve verfügt über ein reiches Musikleben.[18]

Der größte Gesangsverein ist der Männerchor Balve. Aber auch in den anderen Ortsteilen wird aktiv im Verein gesungen. Auch Chöre, die nicht als Verein organisiert sind, beteiligen sich aktiv am musikalischen Leben der Stadt. So können Interessierte zwischen Kinder- und Jugend-, Frauen-, Männer- und gemischten Chören wählen.

Der größte Musikverein ist der Musikverein Balve. Auch in den anderen Ortsteilen wird aktiv im Verein musiziert. Auch diese Vereine bieten Musikerziehung an. Einen besonderen Weg geht der Musikverein Beckum, der in der Schule bereits mit Bläserklassen arbeitet.

Es findet in der Balver Höhle regelmäßig das Konzert eines Sinfonieorchesters statt. Die Festspiele Balver Höhle veranstalten seit dem Jahr 2002 jährlich ein Irish-Folk-Festival.

Die Heimwacht veranstaltet Konzertabende. Ein Konzert mit heimischen Chören und Musikgruppen findet regelmäßig in der Vorweihnachtszeit in der Pfarrkirche St. Blasius statt. Musikalische Vorträge werden auch durch die Dritte-Welt-Gruppe Balve veranstaltet.

Darstellende Kunst

Die Festspiele Balver Höhle führen in der Balver Höhle regelmäßig Kindertheater auf. Eine eigene Theatergruppe betreibt ebenfalls die Kolpingsfamilie Balve, die ihre Stücke im Pfarrheim der katholischen Kirchengemeinde St. Blasius aufführt, und die KFD in Mellen.

Die auf Balver Stadtgebiet seit Jahrzehnten etablierte Tanzgruppe ist die Ballettgruppe des TV Sauerlandia Garbeck. Auch in den Räumen der katholischen Pfarrgemeinde St. Blasius wird für Interessenten Jazztanz angeboten.

Die Kolpingsfamilie Balve und die St. Sebastian Schützenbruderschaft veranstalten Kabarettabende.

Bauwerke und Kulturdenkmale

Historisches Stadtbild

Balve weist viele historisch wertvolle Gebäude auf. Regional typische, liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser prägen das Stadtbild. Die fast viereckige Stadtanlage war mit Mauern und Gräben befestigt. Sie hatte an den vier Ecken Türme sowie zwei Tore: Die niedere („Wasserpforte“) im Norden, die obere („Kirchpforte“) im Süden. Nach dem Brand von 1789 erfolgte der Wiederaufbau unter Begradigung des Straßennetzes. Die Stadt wurde über die schon vorher verfallenen Befestigungen hinaus nach Westen („Mühlenkamp“) und Osten („Schweinemarkt“) erweitert. (vgl. ´Historischer Stadtrundgang´[19])

Katholische Pfarrkirche

Das herausragendste Gebäude ist die romanische Pfarrkirche der Gemeinde St. Blasius, die zu einer der bedeutendsten westfälischen Hallenkirchen gehört. Die heutige Pfarrkirche besteht aus zwei Teilen, der von Westen nach Osten gerichteten sogenannten Alten Kirche und dem Erweiterungsbau von 1910, der unter Dechant Franz Amecke errichet wurde. Die Gebeine von Franz Amecke sind in der Seitenkapelle begraben. Die Entstehungszeit des Turmes wird um 1480 angenommen. (Radiocarbon-Datierung C 14, Universität Köln, November 2006)

Der Entwurf des Erweiterungsbaus mit Oktogonkuppel wurde nach Norden ausgerichtet. Als Vorbild kann hier der Aachener Dom gelten. Der Architekt war Professor Joseph Buchkremer Dombaumeister aus Aachen. Von den Einheimischen wird die Kirche als „Dom des Sauerlandes“ bezeichnet.

Auf dem Husenberg steht die Pius IX. geweihte Pius-Kapelle, eingesegnet im Jahr 1877 durch Vikar Christoph Adrian, auf dessen Initiative der Bau der Kapelle zurückgeht.

Drostenhaus

Das sogenannte Drostenhaus wurde vom Landdrosten Hermann von Hatzfeld geplant, konnte aber erst nach seinem Unfalltod im Jahr 1600 verwirklicht werden. Im 8./10. Jahrhundert stand hier der Niederhof, der sich im Besitz eines sächsischen Edelmannes befand. Von diesem Anwesen aus wurde die Kernstadt Balve besiedelt.

Das Haus beherbergt heute ein Restaurant, eine Gaststätte, eine Massagepraxis sowie die Probenräume des Balver Männerchores.

Schloss Wocklum

Das auf ein Lehen des Bernd von Düngelen zurückgehende Schloss Wocklum im Orletal, ein Wasserschloss im Weiler Wocklum, ist heute durch seine Reitanlage international bekannt. Ursprünglich handelt es sich um einen sächsischen Haupthof, der sich im frühen Mittelalter zum adligen Rittersitz wandelte. Im Jahr 1659 erwarben die Herren von Bockenförde das Wocklumer Anwesen. Im gleichen Jahr gelangten die Besitztümer durch Daniel Dietrich von Landsberg zu Erwitte in die Hände der Familie von Landsberg. Jedes Jahr findet dort das Reitturnier Balve Optimum und die Ausstellung „Landpartie“ statt.

Naturdenkmäler

Balver Höhle

Eine besondere Attraktion ist die Balver Höhle, in der bis zu 2000 Menschen Platz finden. Sie ist archäologisch bedeutsam und durch die Schützenfeste und andere kulturelle Veranstaltungen als „Kulturhöhle“ über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden, die seit über 160 Jahren in der Höhle stattfinden.

Reckenhöhle

Die Reckenhöhle ist eine Tropfsteinhöhle im Weiler Binolen.

Parks

Einen Park gibt es zwischen der Pfarrkirche St. Blasius und dem katholischen Kindergarten. Ein weiterer Park mit Kneipp-Treteanlage findet sich im Balver Ortsteil Mellen. Auch im Balver Ortsteil Garbeck hat man rund um das Kriegerehrenmal einen Park angelegt.

Natur- und Denkmalschutz

Bedeutende Natur- und Kulturdenkmäler der Stadt Balve konnten durch Bürgersinn und Widerstand gegen Abriss- und Neuordnungspläne erhalten werden und stehen heute unter Denkmal- bzw. Naturschutz: Die Felsformationen des Hönnetals, die Balver Höhle, die Klause bei der Höhle, die alte Vikarie („Altentagesstätte“), Häuser in der alten Gerichtsstraße (Altes Gericht, Lohgerberhaus), Haus Willmes, Haus Liese, das Drostenhaus, zuletzt das Küsterhaus an der Kirche. Nicht vor dem Abriss zu retten waren das Stadtbild prägende Objekte wie das alte Rathaus, Gasthaus Bathe („Sumpf“), die alte Balver Volksschule und die charakteristische Hönnebrücke am Eingang der Hauptstraße.

In der Folge wurden vielfältige private und öffentliche Initiativen und Beiträge zum Denkmalschutz und zur Erhaltung des Stadtbildes geleistet. Beispielhaft sind die Leistungen der Stadt Balve, des Märkischen Kreises und der Kirchengemeinde St. Blasius. Beispiele: Die Restaurierung der alten Pastorat, des „Mausoleums“, der „alten Mädchenschule“, des Agatha-Bildstocks, des Hoffmeister-Pröpper-Brunnens und weiterer bedeutender historischer Objekte. Die Restaurierung und Erhaltung vieler dieser Objekte gelang nur mit Hilfe privater Spenden in erheblichem Umfang (jüngstes Beispiel: Die Restaurierung des Hoffmeister-Pröpper-Brunnens).

Zur Zeit wird der Zustand des Kirchturms überprüft, wobei eine vollständige Verputzung erwogen wird.

Einzelne Bäume (Solitäre) stehen in Balve nicht unter Naturschutz. So wurde die 200-jährige Linde am Kirchplatz (neben dem Agatha-Bildstock) am 2. Juli 2006 wegen angeblicher Windbruchgefahr gefällt. Weitere Fällungen am Kirchplatz folgten (Zitat in der Presse[20]: „Vielleicht ist es doch das germanische Blut in unseren Adern, denn unsere Vorfahren erkannten in bestimmten Bäumen die Sitzorte ihrer Gottheiten. Die Romantik nahm das beherzt auf und brachte alles in eine gefühlige Seelenwelt“).

Folgende Gebiete sind im Bereich der Stadt Balve unter Naturschutz gestellt:

Bollenberg MK-017
Buchenwald am Löhen südlich von Eisborn MK-036
Burgberg Wocklum östlich von Balve MK-038
Hönnetal MK-021
Orlebachtal östlich von Wocklum MK-037

Regelmäßige Veranstaltungen

Früher kannte Balve vier Markttage: Den Agatha-Markt, den Mittsommer-Markt, den Michaeli-Markt und den Andreas-Markt. Die nächstgelegenen Städte mit einem Wochenmarkt sind Menden und Sundern.

Kulinarische Spezialitäten

Balve war durch sein Bier, das Balver Lüll, und seine Brezeln (auch Krengel genannt) bekannt. Außerdem herrschte eine rege Branntweinproduktion. Um 1830 gab es drei Weinschenken, 13 Branntweinschenken und zehn Wirtshäuser in Balve.

Weiter verfügte Balve über eine eigene Molkerei, deren Quarkproduktion einen guten Ruf hatte. Das Molkereigebäude wurde um 1900 errichtet und überspannte die Hönne. Die über 60-jährige Tradition endete mit dem Zusammenschluss mit der Molkerei Iserlohn im Jahr 1966. In das Gebäude zog die Sparkasse.

Heute werden im Blick auf die traditionellen Backwaren beim alle zwei Jahre stattfindenden Stadtfest zur Eröffnung Brezeln an die Besucher verschenkt. Das berühmte Balver Lüll wird nicht mehr produziert, die Markenrechte hat die Iserlohner Brauerei erworben.

Mundart

Wie auch andernorts zu beobachten, wird die heimische Mundart (das Platt kuiern) kaum noch gesprochen. In Balve hat es sich die Balver Heimwacht als örtlicher Heimatverein zur Aufgabe gemacht, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Balve gehört von jeher zum plattdeutschen Sprachraum und aktive Bürger kümmern sich um die Weitergabe dieser Tradition. Die Kinder an den örtlichen Grundschulen werden regelmäßig von Mitgliedern der Balver Heimwacht – hier tritt besonders der Balver Albin Köck hervor – in der Pflege des Balver Platt Duitz unterrichtet.

Tourismus und Heimatkultur

Für die touristischen Belange ist in Balve der Verein Verkehrsverein Balve e. V. zuständig. Er steht in der Tradition des Balver Verschönerungsvereins (Gründungsjahr 1912).

Die Pflege der Heimatkultur liegt in der Hand der Balver Heimwacht und der örtlichen Schützenbruderschaften. Auch den Begründern der Festspiele Balver Höhle war die Pflege der Kultur ein Anliegen. Die Balver Heimwacht ist einer der ältesten Heimatvereine im Sauerland und Mitbegründer des Sauerländer Heimatbunds. Ihr Domizil hat sie im Lohgerberhaus von 1798.

Sport

Der größte Sportverein in Balve ist die SG Balve/Garbeck.

Für die Belange der Sportvereine setzt sich in Balve der Stadtsportverband ein.

Weitere Sportarten, die vor Ort betrieben werden können, sind unter anderen Tennis, Tischtennis, Badminton, Volleyball und Schwimmen.

Balve wird auch als Reitzentrum des Märkischen Kreises bezeichnet. Dies verdankt die Stadt unter anderen dem Einsatz des Dieter Graf Landsberg-Velen, der langjähriger Präsident der Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) war. Alljährlich wird das internationale Reitturnier Balve Optimum veranstaltet.

Wirtschaft und Infrastruktur

Zur Koordination der wirtschaftlichen Angelegenheiten in Balve wurde in der Region der Verein Wirtschaftsinitiative Nord e. V. gegründet. Zusätzlich gibt es noch die Stadtmarketing GmbH & Co.KG, deren Geschäftsräume in der örtlichen Sparkasse zu finden sind.

Als Vereinigung der Fachhändler vertritt der Balver Fachhandel die Interessen des Einzelhandels.

Industriegeschichte

Luisenhütte Wocklum

Im Weiler Wocklum und im Besitz der Familie der Grafen von Landsberg-Velen ist die Luisenhütte, eine der ältesten Holzkohle-Hochofenanlagen Deutschlands, die 1758 den Betrieb aufnahm, diesen aber bald aufgrund der Konkurrenz aus dem Siegerland schließen musste [21].

Mühlen

Auf Balver Stadtgebiet gibt es vier historische Mühlen: die Gransauer, Wocklumer, Klusensteiner und die Melscheder Mühle.

Die Gransauer Mühle ist seit dem Jahr 1850 im Besitz der Familie Stüeken. Erbaut wurde sie um das Jahr 1420 als „Bannmühle“ im Auftrag des Kölner Erzbischofs Dietrich II. Im Jahr 1901 erfolgte der Umbau zu einem Stromkraftwerk, das Gleichstrom erzeugte. Balve war damit eine der ersten Städte in der Provinz Westfalen, die elektrischen Strom besaßen. Die erste Straßenlaterne wurde jedoch bereits im Jahr 1827 aufgestellt.

Nach Todesfällen infolge ungesicherter Leitungen wurde die Produktion im Jahr 1960 eingestellt und später für den Eigenbedarf umgerüstet. Die Turbine von 1901 mit 15 kW ist weiterhin im Einsatz.

Ziegelei und Kalkwerk

Produktion von Feldbrandziegeln seit 1880. Um 1903 Bau eines „Zick-Zack-Ofens“. Abriss 1908, Neubau eines kohlebetriebenen Ringofens. Beschaffung der Kohle zunächst mit Pferdefuhrwerken, später mit der neuen Hönnetallinie. 1923 erneute Inbetriebnahme des Kalkofens. Stilllegung der Ziegelei im Jahr 1973 im Zuge der Ölkrise.

Der das Bild der Hönnetalstrasse bestimmende Schornstein der Ziegelei Allhoff und die baufälligen Reste des alten Kalkwerks wurden vor einigen Jahren abgerissen.

Industrie, Handwerk, Dienstleistungen

Kommunales Wirtschaftsgebiet

Balve bildet zusammen mit den Nachbarstädten Hemer, Iserlohn und Menden das Wirtschaftsgebiet „Nördlicher Märkischer Kreis“ (Nordkreis), ein kommunaler Zusammenschluss zur besseren Koordination wirtschaftlicher Angelegenheiten der Region. Ende 2006 gab die Kommunalverwaltung ein sogenanntes Einzelhandelsgutachten in Auftrag, um die Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt zu beleuchten.

Gewerbegebiete

Ausgewiesene Gewerbegebiete sind das Gewerbegebiet „Glärbach“ im Stadtteil Balve und die Gewerbegebiete „Braukhaussiepen“ („Braukessiepen“) und „Rötloh“ im Stadtteil Garbeck.

Verkehr

Balve liegt verkehrsgünstig an der Bundesstraße 229 und der Bundesstraße 515. Ein kleiner Flugplatz befindet sich in Küntrop, der nächstgelegene Flughafen ist der Dortmund Airport.

Im öffentlichen Personennahverkehr ist Balve über die seit 1. April 1912 bestehende Hönnetal-Bahn nordwärts an Menden, Fröndenberg und Unna sowie südwärts an Neuenrade angebunden. Die benachbarten Stationen um Balve sind Sanssouci (Richtung Menden) und Garbeck (Richtung Neuenrade).

Der Busverkehr wird heute durch die Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) und die Busverkehr Ruhr-Sieg (BRS) durchgeführt.

Medien

Für Balve sind zwei Zeitungen mit einem bedeutenden Lokalteil relevant: Westfalenpost und Süderländer Volksfreund. Zusätzlich erscheint einmal monatlich das sogenannte Balver Echo, ein Anzeigenblatt, das kostenlos an die Haushalte verteilt wird. Die Redaktion des Anzeigenblattes „Stadtspiegel“, das ebenfalls in Balve verteilt wird, sitzt in Menden. „Der Bote“ wird aus Lüdenscheid an die Balver Haushalte geliefert.

Über viele Jahrzehnte war die „Hönnezeitung“ als „Bekanntmachungs- und Geschäftsanzeiger für die Städte Balve und Neuenrade“ das maßgebliche Pressemedium der Stadt Balve und der umliegenden Gemeinden. Sie wurde im Jahr 1928 erstmals von der Druckerei Zimmermann aufgelegt und führte auf der Titelseite das Motto: „Keiner Partei, nur dem Gemeinwohl verpflichtet“.

Öffentliche Einrichtungen

Behörden

Das Rathaus befindet sich am Widukindplatz 1 und beherbergt auch die Räume der Arbeitsgemeinschaft im Märkischen Kreis und des Verkehrsverein Balve e.V.. Am Ort befinden sich auch verschiedene Außenstellen des Märkischen Kreises.

Gesundheitswesen

Die Stadtverband des Malteser Hilfsdienstes bietet in Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Fahrern einen Mahlzeitendienst an.

Bildung

Das Schulsystem lässt als höchsten Abschluss die Mittlere Reife zu. Für weitere Schulformen finden sich Angebote in der Nachbarstadt Menden und in Sundern.

Kirchengemeinden

Römisch-Katholische Kirche

Die katholischen Pfarrgemeinden der Stadt sind im Pastoralverbund organisiert. Diese gehören dem Dekanat Märkisches Sauerland an.

Pastoralverbund Balver Land

Die Kirche St. Blasius in Balve gehört zu den bedeutendsten romanischen Hallenkirchen Westfalens und bildet mit den Kirchen St. Nikolaus Beckum, St. Antonius Eisborn, St. Barbara Mellen und St. Michael Volkringhausen den Pastoralverbund Balver Land. Der Leiter ist Pfarrer Dr. Reinhard Richter.

Pastoralverbund Oberes Hönnetal

Die ebenfalls zu Balver Ortschaften gehörenden Gemeinden Heilige Drei Könige Garbeck und St. Johannes Langenholthausen werden mit den katholischen Kirchengemeinden der Neuenrader Ortschaften Küntrop, Affeln, Altenaffeln und Blintrop zum Pastoralverbund Oberes Hönnetal zusammengefasst. Der Leiter ist Pfarrer Andreas Schulte.

Weitere Glaubensgemeinschaften in Balve und Umgebung

Zitate

Persönlichkeiten

Ehrenbürger
Söhne und Töchter der Stadt
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

Quellenangaben

  1. LDS NRW: Amtliche Bevölkerungszahlen
  2. Codex Juris Municipalis Germaniae, MEDII AEVI, Regesten und Urkunden zur Geschichts- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Band 1, Seiten 105-106, Herausgeber: Dr. Heinrich Gottfried Gengler, Professor der Rechte zu Erlangen, Verlag Ferdinand Enke, Erlangen, 1863
  3. Seibertz: Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte von Westfalen, Bd. III, Nr. 928, S. 55-56
  4. „Mittelhochdeutsches Wörterbuch zum Handgebrauch“ von Adolf Ziemann, erschienen in QUEDLINBURG UND LEIPZIG, DRUCK UND VERLAG VON GOTTFR. BASSE, 1837
  5. „Kleineres Altdeutsches Lesebuch nebst Wörterbuch“ von Wilhelm Wackernagel, Druck und Verlag der Schweighauserischen Verlagsbuchhandlung, Basel, 1861–Wörterbuch Seite 19
  6. Sekundärquelle: Harald Polenz in „Zur Geschichte des ehemaligen Amtes und der Stadt Balve“, S. 94; Zimmermann-Druck KG, Balve, 1980
  7. „Westfälisches Urkundenbuch VII“
  8. Heinz Ritter / Schaumburg: Die Didriks-Chronik oder die Svava, Kapitel 56. Der Leuchter - Otto Reichl Verlag St. Goar, 1989
  9. Höynck in „Blätter zur näheren Kunde Westfalens“, 20. Jg., 1882, S.4
  10. Balve – Buch vom Werden und Sein der Stadt. Josef Pütter: Die Balver Hexenprozesse. Herausgegeben zur 500-Jahr-Feier der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1930. Hrsg. Hans Menne. Druck: Breer & Thiemann, Hamm 1930. Neudruck durch den Arbeitskreis Rumänienhilfe der Kolpingsfamilie Balve im Jahr 1993, Zimmermann-Druck+Verlag, Balve
  11. Balve – Buch vom Werden und Sein der Stadt. Dr. Hans Menne: Beiträge zur Kulturgeschichte der Pfarrei Balve, p. 228 ff.
  12. Stadt Balve: Zahlen und Daten (Abruf 23. März 2008 – Datenstand 31. Dezember 2007)
  13. a b c d e f g h i j k Zur Geschichte der Stadt und des Amtes Balve
  14. Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik: Gemeinden NRW, Ausgabe 2005
  15. a b Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen
  16. a b c Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen
  17. Stadt Balve: Zahlen und Daten
  18. Westfalenpost, Lokalausgabe Balve, 16. Januar 2008, Artikel vom 15. Januar 2008
  19. Historischer Stadtrundgang
  20. Zitat Dr. Richter in der Ausgabe der Westfalenpost vom 3. Juli 2006
  21. Theo Bönemann: Die Luisenhütte in Balve

Literatur

 Commons: Balve – Bilder, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Kategorie:Balve – Nachrichten