Heim

Einzugsgebiet (Hydrologie)

Das Einzugsgebiet (auch Flussgebiet, bei Strömen Stromgebiet) ist jener Bereich, der alle Niederschläge und die daraus entstehenden Abflüsse in ein Fließgewässer ableitet und es damit speist. Das Gebiet wird vor allem durch die topographischen und geologischen Verhältnisse bestimmt. Die Wasserbilanz eines Einzugsgebiets schließt ober- und unterirdische Abflüsse ein. Letztere können jedoch auch in ein anderes Tal gelangen und damit dem Grundwasser eines anderen Einzugsgebietes zuströmen.

Einzugsgebiete beziehen sich immer auf einen bestimmten Punkt, in der Regel einen Pegel (sollte keine Pegelstelle vorhanden sein, wird der Bezugspunkt dagegen Gebietsauslass genannt). Das Einzugsgebiet eines kleinen Fließgewässers bezieht sich somit meist auf den Punkt, an dem das Gewässer in ein Gewässer höherer Ordnung mündet.

Die Quell- und Einzugsgebiete von Bächen und kleineren Flüssen sind immer auch Teil eines größeren Einzugsgebietes – nämlich von jenem Gewässer, in das sie münden. Fließt ein Bach direkt ins Meer, gehört er zu dessen sehr viel größerem Einzugsgebiet (siehe auch Ordnung der Gewässer, bzw. Nebenfluss). In höher gelegenen Gebieten eines Hochgebirges stellen hingegen die Kare und Gletscher den Beginn der Einzugsgebiete dar.

Die Umrahmung eines Einzugsgebietes ist die Wasserscheide. Die auf die Ebene projizierte Fläche des Einzugsgebietes heißt Einzugsgebietsfläche.

Beispiele: Harz/Elbe und Donau/Rhein

Im Sinne der Gewässer-Hierarchie hat beispielsweise im Mittelgebirge des Harz jeder Quellfluss der Bode ein bestimmtes Einzugsgebiet, das Bestandteil des Einzugsgebietes der Bode ist. Deren Sammelbecken ist wiederum ein Teil des Einzugsgebietes der Saale, jenes der Saale gehört zum Einzugsgebiet der Elbe. Letzteres beträgt bereits 148.000 km² und speist sich aus einigen tausend Quellbächen. Jenes der Wolga ist allerdings neunmal größer und umfasst 13 % der Fläche Europas.

Die Donau hat einen Einzugsbereich von 817.000 km², was jenen des Rheins (252.000 km²) um das 3-fache übertrifft. Im Schwarzwald bahnt sich jedoch ein Abtausch von etwa 2.000 km² an: der steile Oberlauf der Wutach, die vor etwa 50.000 Jahren noch zur Donau floss, erodiert rückwärts zu den Donauquellen, und von Norden her tun die Quellflüsse des Neckar ähnliches.

Durch den künstlich angelegten Altmühlüberleiter wird Wasser aus dem Einzugsgebiet der Donau in das Einzugsgebiet des Rheins übergeleitet. Eine weitere – allerdings verborgene – Besonderheit findet sich im Bereich der so genannten Donauversickerung. Dort fließt ein erheblicher Teil des Donauwassers unterirdisch dem Bodensee und damit dem Rhein zu und überwindet somit auch die Europäische Wasserscheide.

Wasserscheiden, Kanäle und Kraftwerke

Die Einzugsgebiete verschiedener, nicht ineinander mündender Gewässer sind durch Wasserscheiden getrennt, welche meistens entlang der Kammlinien des Geländes verlaufen. Mancherorts können diese aber durch geologische Besonderheiten deutlich vom Verlauf der Geländeoberfläche abweichen.

Im Flachland kann man für Zwecke der Schifffahrt die Einzugsgebiete auch mit Hilfe von Kanälen überwinden, wobei man wegen der Höhenunterschiede in der Regel nicht ohne Schleusen oder Schiffshebewerke auskommt. Doch gibt es auch Kanalsysteme mit großen Höhendifferenzen, etwa den Rhein-Main-Donau-Kanal.

Während bei solchen Verkehrswegen netto nur wenig Wassertausch stattfindet, ist er bei vielen Projekten im Gebirge das Hauptanliegen. Solche Überleitungen finden bei Speicherkraftwerken und für Zwecke der Wasserwirtschaft statt. Die oft steilen, natürlichen Grenzen der Einzugsgebiete können durch tunnelartige Stollen mit Pumpstationen überwunden werden, doch auch mit freiliegenden Leitungen, und manchmal bis heute mit römischen Aquädukten. Lokal begrenzte Höhenunterschiede und Talquerungen lassen sich mit Dükern bewältigen.

Siehe auch