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BRCA2

BRCA2 (BReast CAncer 2, early-onset; deutsch: Brustkrebs 2, Manifestation im Kindesalter), in einigen Publikationen auch als Brustkrebsgen 2 bezeichnet, ist ein menschliches Gen, welches zur Klasse der Tumorsuppressorgene gehört.

Inhaltsverzeichnis

Eigenschaften

Das BRCA2-Gen liegt auf dem langen Arm (q-Arm) von Chromosom 13, Genlocus 12.3. Es reicht von Basenpaar 31.787.616 bis Basenpaar 31.871.804, das heißt es umfasst 84.193 Basenpaare. Das daraus kodierte Peptid besteht aus 3418 Aminosäuren und hat eine molare Masse von 384.225 Da.

Funktion

Das BRCA2-Peptid kontrolliert den Zellzyklus. Es löst gegebenenfalls eine Apoptose (programmierter Zelltod) aus, falls ein irreversibler DNA-Schaden in einer Zelle vorliegt. Auf diese Weise schützt es den Organismus vor Schäden durch potenzielle Tumorzellen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich aus einer entarteten Körperzelle eine Tumorzelle entwickelt, wird dadurch deutlich gesenkt. Eine loss-of-function Mutation oder Deletion dieses Gens erhöht im Umkehrschluss die Wahrscheinlichkeit einer Tumorbildung. Bisher wurden über 450 verschiedene Mutationen auf diesem Gen identifiziert, von denen viele das Krebsrisiko erheblich erhöhen. Eine Folge der Mutationen ist, dass das gebildete BRCA2-Peptid zu kurz und dadurch in seiner Funktion stark eingeschränkt ist. Man geht zur Zeit davon aus, dass diese Peptide nicht mehr in der Lage sind, Mutationen, die auf anderen Genen stattfinden, zu reparieren. Ein Ergebnis davon ist, dass sich die betroffenen Zellen in unkontrollierter Weise teilen und so einen bösartigen Tumor bilden.

Menschen mit zwei mutierten Kopien des BRCA2-Gens leiden unter einer speziellen Form der Fanconi-Anämie.[1]

Im Normalfall ist jedes Gen in jeder Zelle zweimal vorhanden: Als Kopie der väterlichen DNA und als Kopie der mütterlichen DNA. Findet in beiden Kopien eine Mutation statt, so kann die betroffene Zelle entarten. Es entsteht Krebs. Falls die Mutation in der Keimbahn, das heißt in der Eizelle (Mutter) oder Samenzelle (Vater) stattfindet, so wird sie von einem Elternteil auf einen Nachkommen vererbt. Im Nachkommen ist dann diese Mutation in allen Zellen vorhanden. Wenn im Laufe des Lebens dann eine zweite Mutation die noch intakte Genkopie in einer Körperzelle betrifft, kann ein Tumor entstehen. Da rein statistisch gesehen nur noch eine Mutation in der zweiten Genkopie auftreten muss, erkranken entsprechend erblich vorbelastete Frauen häufig schon in der ersten Lebenshälfte.[2]

Im Normalfall, das heißt es liegt keine Keimbahnmutation vor (keine erbliche Vorbelastung), entsteht Krebs dann nur sporadisch als Folge von zwei Mutationen in den beiden Genkopien. Statistisch betrachtet erkranken diese Patienten meist in der zweiten Lebenshälfte, da eine deutlich längere Zeitspanne vergehen muss, bis beide Genkopien in ein und derselben Körperzelle geschädigt sind.[2]

Risiko und Erkennung

Frauen mit einer Keimbahnmutation in BRCA2 haben ein erhöhtes Risiko, an Brust- oder Eierstockkrebs, aber auch an anderen Krebsarten zu erkranken.[2]

Mit Hilfe einer DNA-Analyse kann festgestellt werden, ob eine Patientin eine mutierte Form des BRCA2-Gens hat. Für Frauen mit familiärer Belastung für Brust- und Eierstockkrebs übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Beratung, Gentest und Früherkennungsprogramm. Als sinnvoll wird die Durchführung des Tests angesehen, wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:

Vor und nach Durchführung des Gentests sind intensive Gespräche mit der Patientin von großer Wichtigkeit.[4][5]

Entdeckung

Das BRCA2-Gen wurde 1995 von Michael Stratton und Richard Wooster am Institute of Cancer Research der Universität London entdeckt.[6][7]

Prävention

siehe BRCA1

Einzelnachweise

  1. Charité Berlin: DNA-Reparatur bei Fanconi-Anämie
  2. a b c U. Hamann: Brustkrebs – Sind es die Gene oder die Umwelt?, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg, September 2003
  3. Ullrich K, Kassen übernehmen Beratung, Gentest und Früherkennungsprogramm für Frauen mit familiärer Belastung für Brust- und Eierstockkrebs, vom 23. März 2005, Charité - Universitätsmedizin Berlin
  4. Keßler H, Brustkrebs: Früherkennung durch Gentest – Erlösung oder Schicksalsschlag: wie ein Gentest das Leben von Frauen verändert, in Die Zeit, 12/1996
  5. Beckmann MW, Hochrisikofamilien mit Mamma- und Ovarialkarzinomen: Möglichkeiten der Beratung, genetischen Analyse und Früherkennung, in Dt Ärztebl, 94/1997, S.A161–167.
  6. M. R. Stratton u. a.: Familial male breast cancer is not linked to the BRCA1 locus on chromosome 17q. In: Nat Genet., 7/1994, S.103–7. PMID 8075631
  7. M. R. Stratton, R. Wooster: Hereditary predisposition to breast cancer. In: Curr Opin Genet Dev, 6/1996, S. 93–7. PMID 8791478

Literatur

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