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Trilobiten

Trilobiten
Zeitraum
Paläozoikum
< 542 bis 251 Mio. Jahre
Fossilfundorte
  • Weltweit
Systematik
Gewebetiere (Eumetazoa)
Bilateria
Urmünder (Protostomia)
Häutungstiere (Ecdysozoa)
Gliederfüßer (Arthropoda)
Wissenschaftlicher Name
Trilobita
Walch, 1771

Die Trilobiten (Trilobita - „Dreilapper“) sind eine ausgestorbene Klasse meeresbewohnender Gliederfüßer (Arthropoda).

Die Trilobiten existierten nahezu während der gesamten Spanne des Paläozoikums (Erdaltertum), von der 2. Stufe des Kambriums (Beginn vor 542 Mio. Jahren) bis zum Massenaussterben am Ende des Perms vor etwa 251 Mio. Jahren. Ihre mit Calcit (Calciumcarbonat) zu einem Panzer verstärkten Exoskelette (Außenskelette) sind als Fossilien in großer Zahl erhalten geblieben und veranschaulichen die Evolution und den Formenreichtum der zahlreichen Arten. Dies, in Verbindung mit ihrer Schichtbeständigkeit und weiten geographischen Ausdehnung, macht Trilobiten zu wichtigen Leitfossilien für das Paläozoikum, insbesondere im Kambrium.

Die Trilobiten gehörten zu den ersten Gliederfüßern (Arthropoda), einem Tierstamm hartschaliger Lebewesen mit gegliedertem Körperbau und vielen koordiniert arbeitenden Beinen, die aufgrund ihrer Beschaffenheit leider fast nie fossil erhalten geblieben sind. Ihre durch Lokomotion verursachten Fährten sind ebenfalls vielfach als Ichnofossilien gefunden worden, man nennt diese Spurenfossilien Cruziana. Die ausgestorbene Klasse der Trilobita besteht aus neun anerkannten Ordnungen, über 150 Familien, über 5.000 Gattungen und mehr als 15.000 beschriebenen Arten. Jedes Jahr werden neue Arten gefunden und beschrieben. Um ihre frühe Erforschung machte sich Joachim Barrande (1799 - 1883) verdient. Ihre Vielfalt macht die Trilobiten zur divergentesten Gruppe unter allen ausgestorbenen Lebewesen. Als größter bekannter Trilobit ist mit mehr als 70 cm Länge Isotelus aus dem Oberordovizium von Nordamerika bekannt.

Ebenso wird die erste freischwimmende Larve des Pfeilschwanzkrebses aufgrund ihrer Form als Trilobitenlarve bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Körperbau

Trilobiten besaßen trotz ihrer Formenvielfalt eine charakteristische Körperform. Ihr Körper war abgeflacht und teilte sich in einen vorderen Kopfschild (Cephalon (Anatomie)), einen gelenkigen Körperbereich (Thorax) sowie einen Schwanzschild (Pygidium). Form und Größe des Cephalons, die Anzahl der Pleuren am Thorax sowie die Ausgestaltung des Pygidiums variieren von Art zu Art, dieser Grundaufbau ist jedoch klassenübergreifend vorhanden. Über ihre gesamte Länge kann man eine durch Furchen begrenzte Aufteilung in einen Mittelteil und zwei Seitenlappen erkennen. Dabei war das ganze Tier durch einen Rückenpanzer aus Kalzit geschützt. Aufgrund dieses Panzers wurden die Trilobiten sehr häufig als Fossilien bis in die heutige Zeit überliefert. Viele dieser Fossilien stammen jedoch nicht von lebenden Tieren. Wie alle anderen Gliederfüßer mussten sich auch die Trilobiten regelmäßig häuten, um zu wachsen. Die abgeworfenen Häute (Exuvien) stellen einen Großteil der bekannten Fossilien. Hier fehlen meist die Freiwangen (Librigena). Nur unter seltenen Umständen sind auch die nicht-kalzitischen paarig angeordneten Beine (mit einem Schreitbein und einem darüber liegenden Kiemenbein) erhalten. Die Beine befanden sich auf der Bauchseite (Unterseite) und waren durch den Rückenpanzer gut abgeschirmt. Beine der Trilobiten finden sich zum Beispiel in den devonischen Meeresablagerungen des heutigen Hunsrück in der Fossillagerstätte bei Bundenbach. Die Beine sind in Pyrit (Schwefeleisenkies) erhalten und können besonders gut im Röntgenlicht sichtbar gemacht werden. Ein Trilobitensammler wird nur in solchen Konservatlagerstätten (Orte mit besonderer Erhaltung der Fossilien) auf Trilobitenbeine oder deren Weichkörper-Überreste stoßen.

Unter den vielen verschiedenen Trilobiten gab es eine Menge verschiedener Körperabwandlungen. Aufgrund dieser Variabilität können für verschiedene Trilobitenformen sehr unterschiedliche Lebensräume und ökologische Ansprüche angenommen werden. So lebten die Agnostida, kleinere Formen mit einem großen Kopf- und Schwanzschild und einem Thoraxbereich aus nur wenigen (meist 2) Segmenten, wahrscheinlich vorwiegend schwimmend im Meer und bildeten Schwärme ähnlich den heutigen Schwimmgarnelen. Andere Formen wie etwa die Calymenida besaßen lange Dornen am Kopfschild, die so genannten Wangenstacheln (Librigena). Diese Dornen stellten wahrscheinlich Anpassungen an ein Leben auf weichen Meeresböden dar und verhinderten ein Einsinken der Tiere.

Name

Der Name „Trilobit“ (Dreilapper, früher auch irreführend „Dreilappenkrebse“ genannt, von griech. tri= drei, lobos= lappen) bezieht sich nicht auf die vorgenannten drei Hauptbestandteile, sondern auf die Tatsache, dass alle Trilobiten einen langen, mittleren Axial-Lobus (Rhachis) besitzen, sowie seitliche Pleural-Lobi. Diese drei Lobi, die sich vom Cephalon bis zum Pygidium erstrecken, sind für die Namensgebung der „Dreilapper“ ausschlaggebend. Sie sind allen Trilobitenarten eigen, trotz ihrer sonstigen Vielfalt an Form und Größe.

Die Bezeichnung „Trilobit“ wurde 1771 von dem deutschen Professor Johann Ernst Immanuel Walch erstmals eingeführt, doch erst am Anfang des 19. Jahrhunderts setzte sich dieser Name in der Wissenschaft allgemein durch. (Walch, J.E.I. 1771. Die Naturgeschichte der Versteinerungen zur Erläuterung der Knorrischen Sammlung von Merkwürdigkeiten der Natur. Nürnberg)

Bedeutung für die Paläontologie

Überreste von Trilobiten gehören zu den wichtigsten Fossilien in der Paläontologie. Gemeinsam mit vielen anderen Tiergruppen entstanden diese Tiere vor über 545 Millionen Jahren während der so genannten kambrischen Explosion, dem „Startschuss“ der Entwicklung der Tiere. Aus der Zeit vor diesem Ereignis sind außer einigen Abdrücken verschiedener weitgehend unbekannter Formen wie etwa den Organismen der Ediacara-Fauna keine Überreste von Tieren bekannt. Aus diesem Grund ging man lange Zeit davon aus, dass die kambrische Explosion wirklich ein Ereignis war, an dem mit einem Mal fast alle heute bekannten Formen der Tiere entstanden, eine frühe Evolution erschien ausgeschlossen. Heute versucht man über verschiedene Analysemethoden die Entwicklungsgeschichte dieser frühen Organismen nachzuvollziehen und so die nicht überlieferten Ahnenformen zu rekonstruieren.

Die Fossilien der Trilobiten liefern der Wissenschaft vor allem wichtige Informationen über die Stammesgeschichte der Gliederfüßer. Hierzu gehören vor allem die Spinnentiere, die Krebse und Insekten. Aufgrund der Trilobiten können Aussagen gemacht werden über verschiedene morphologische Merkmalsausprägungen, ökologische Umstände während der Stammesentwicklung oder der zeitlichen Einteilung der Entwicklungen. So besaßen Trilobiten bereits gut ausgebildete Facettenaugen, die aber nicht mit den Augen noch heute lebender Gliederfüßer vergleichbar sind. Trilobiten besaßen Augen aus anorganischem Kalzit, während die Facettenaugen heutiger Gliederfüßer grundsätzlich aus organischem Material bestehen. Die Augen der Trilobiten sind in Aufbau und Leistungsfähigkeit einzigartig in der Geschichte des Lebens.

Trilobiten zählen zu den wichtigsten Leitfossilien der Erdgeschichte. Ihre Überreste werden zur relativen Altersbestimmung von Gesteinen genutzt. Diese Methodik nennt man Biostratigraphie. Bestimmte Trilobitenarten kommen nur in engen zeitlichen Abschnitten vor. Mit ihnen lassen sich Entstehungszeiträume der Sedimentgesteine festlegen. Trilobiten sind nur in Gesteinen des Erdaltertums vorhanden. Zu den ältesten Trilobiten, die sich gut erhalten haben, zählen die Vertreter der Gattung Ellipsocephalus - Trilobit mit ovalen Kopf, sie werden auf der ganzen Welt gefunden.

Ordnung

Gegenwärtig sind neun Ordnungen der Klasse der Trilobiten anerkannt:

Fundregionen in Deutschland und Europa

Siehe auch

Literatur

 Commons: Kategorie:Trilobiten – Bilder, Videos und Audiodateien