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Teleologie

Die Teleologie (griechisch τελεολογία im altgriechischen Sinn von τέλος, télos – Ziel, Sinn und λόγος, lógos – Lehre) ist die Lehre der ziel- und zweckbestimmten Ordnung, insbesondere von Abläufen sowie Lebewesen und deren Verhalten.

Inhaltsverzeichnis

Teleologie als Erklärungsprinzip in den Naturwissenschaften

Die teleologische Auffassung unterstellt Naturphänomenen eine innere Zweckgerichtetheit.

Bereits Aristoteles kennt eine causa finalis (Zweck-/Finalursache) neben den drei weiteren Ursachen causa efficiens (Wirkursache), causa materialis (Materialursache) und causa formalis (Formursache). Mit der Zweckursache werden auch Prozesse innerhalb der Natur - analog zu menschlichen Handlungen - über Ziele bzw. Zielzustände zu erklären versucht. Auch eine Kombination von Wirkursachen und einer Finalursache kann in teleologischen Erklärungen vorkommen.

Während Hegel noch mit seiner Konzeption der Entwicklung des Begriffs den aristotelischen Ansatz wieder belebt hatte, tritt Friedrich Engels der Unterstellung von absichtsvollen Handlungen in der Natur als Pantheismus oder Deismus entgegen und verteidigt eine Kausalerklärung wie durch Darwins Evolutionstheorie.[1]

Kant kritisiert in der Kritik der Urteilskraft die Annahme von zweckgerichteten Prozessen in der Natur. Dabei ist für ihn die teleologische Beschreibung von Organismen lediglich ein Hilfsmittel der Vernunft, welches wir zur adäquaten Beschreibungen annehmen müssen, dem jedoch keine objektive Wahrheit zukommt.

Die heutige biologische Evolutionstheorie wendet sich wie alle Naturwissenschaften gegen eine Ziel- oder Zweckbestimmung der Natur im Sinne eines kosmischen, steuernden Universalprinzips und verweist auf die Naturgesetzlichkeit. Eine scheinbare Zielgerichtetheit besteht bei einigen komplexen Prozessen, etwa die dynamische, umweltangepasste Selbstregulierung eines Systems (Homöostase). Es handelt sich dabei um einen ständigen Optimierungsprozess, bei dem das System sich immer besser an die jeweils herrschenden Bedingungen, die sich stets mehr oder weniger ändern, anpasst.

Um der Konnotation einer kosmologischen Steuerung aus dem Wege zu gehen, spricht man in der Wissenschaft bei diesen Prozessen nach Colin S. Pittendrigh von Teleonomie. Bei einem teleonomischen Vorgang oder Verhalten ist die Zielgerichtetheit auf die Ausführung eines Programms zurückzuführen.[2] Im Hinblick auf die Teleologie müssen wir laut Ernst Mayr dreierlei Bedeutungen auseinanderhalten:

  1. unilineare evolutionäre Sequenzen (Progressionismus, Orthogenesis);
  2. scheinbare oder echte zielgerichtete Prozesse;
  3. teleologische Systeme.

Bei Evolution findet die Selektion immer erst hinterher statt; sie darf also schon daher nicht mit einem zielgerichteten Prozess verwechselt werden. Solche Prozesse nicht prognostizieren zu können, muss indes nicht bedeuten, dass sie sich nicht analysieren oder im Modell simulieren lassen.

Teleologische Interpretation anderer Erscheinungen

In der Handlungstheorie dient Teleologie als ein Grundprinzip zur Beschreibung und Erklärung. Teleologie ist die Berufung auf das Ziel der Handlung, dessen Realisierung der Handelnde als Handlungsfolge zusammen mit den anderen Folgen zu verantworten hat. Es wird daraufhin geprüft, ob diese praktischen Folgen (etwa Annehmlichkeit, Nützlichkeit) zur Realisierung eines Werts beitragen. Das Begründungsverfahren lässt auch Zwischenstufen zwischen gut und schlecht zu.

Während Hempel, Oppenheimer, Popper und Stegmüller der Auffassung sind, dass nur kausale Erklärungen wissenschaftlich legitim sind, hält v. Wright in solchen Wissenschaften, welche menschliches Handeln erklären wollen (etwa Soziologie, Geschichtswissenschaften) neben kausalen auch intentionale (teleologische) Erklärungen für zulässig [3]. Dabei werden unser Wissen über Handlungen und deren Folgen in die Beschreibung miteinbezogen, ebenso wie die bewusste Absichten unserer Handlung.[4]

Des Weiteren bezeichnet man Ethiken als teleologisch, wenn diese Handlungen lediglich an dem herbeigeführten Zustand messen, ohne dabei auf Handlungsmotive oder moralische Pflichten zu rekurrieren. Die utilitaristische Ethik vertritt ein solches Modell, wenngleich es auch hier Bestrebungen gibt, den Utilitarismus um die Einbeziehung von Handlungsmotiven zu erweitern.

Viele Theorien in der Philosophie sind auch im universalistischen Sinne teleologisch: So ist für den Eudämonismus das Glück das Ziel, für einen Hedonisten das Angenehme, für den Utilitaristen die Befriedigung von Bedürfnissen und für den Perfektionisten beste Ergebnisse in der Kultur das Ziel.

Des Weiteren ist die Teleologie eine Auslegungsmethode in den Rechtswissenschaften. Sie gilt als die vierte klassische Auslegungsmethode neben der grammatischen (der Wortlautanalyse), der systematischen (der Frage nach der Stellung im Gesetz) und der historischen (welche teils den gesetzgeberischen Willen mitenthält). Die Teleologie fragt nach dem Sinn und Zweck des Gesetzes und versucht, diesen zunächst zu ermitteln und der Norm dann die entsprechende Bedeutung zu verleihen.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. "Wenn nun Herr Dühring darauf besteht, daß die Anpassung durch Vorstellungen bewirkt sein muß, so sagt er nur mit andern Worten, daß die Zwecktätigkeit ebenfalls durch Vorstellungen vermittelt, bewusst, absichtlich sein muß. Womit wir wieder, wie gewöhnlich in der Wirklichkeitsphilosophie, beim zwecktätigen Schöpfer, bei Gott angekommen sind."[Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, S. 123. Digitale Bibliothek Band 11: Marx/Engels, S. 7754 (vgl. MEW Bd. 20, S. 66)]
  2. Ernst Mayr: Teleological and Teleonomic. A New Analysis, in: Robert S. Cohen, Marx W. Wartofsky, (eds.): Methodological and Historical Essays in the Natural and Social Sciences, Dordrecht Boston 1974
  3. Georg Hendrik von Wright, 'Kausale und teleologische Erklärung'
  4. Vgl. G.H. v. Wright: Erklären und Verstehen, Frankfurt 1974, S. 83ff