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Rationalisierung

Rationalisierung kann je nach Fachbereich oder Autor verschiedene Bedeutungen haben.

Inhaltsverzeichnis

in der Psychologie

Der Begriff bezeichnet in der Psychologie kognitive Vorgänge, bei denen gemachten Erfahrungen, Erlebnissen oder Beobachtungen nachträglich (ex post) rationale Erklärung zugeschrieben werden. Diese müssen keinesfalls wirkliche ursächlich für das Erlebnis sein, sondern sind oft konstruiert und persönlich eingefärbt. Die vermeintliche Logik reduziert kognitive Dissonanzen und vermittelt der Person Sinn. Dies kann soweit gehen, dass die Psyche Erinnerungen konstruiert, um den Sinn aufrechtzuerhalten.

Psychoanalytisch ist unter Rationalisierung der Versuch zu verstehen, unbewussten Handlungen (z.B. durch posthypnotische Befehle oder verdrängte Triebimpulse gesteuerte Handlungen) nachträglich einen "rationalen" Sinn zu geben.

in der Soziologie

In der Soziologie meint der Begriff auch die im Rahmen des langfristigen Zivilisierungsprozesses zunehmende Fähigkeit, Ursache-Wirkung-Ketten vorauszuberechnen.

in der Wirtschaft

Eine häufige Bedeutung ist die einer Effizienzsteigerung durch bessere Nutzung vorhandener Möglichkeiten: Ein gleicher Effekt kann mit weniger Mitteln, oder ein größerer Effekt mit gleichen Mitteln erzielt werden.

In der Wirtschaft wird der Begriff häufig in zweierlei Weisen verstanden. Zum einen im Sinne einer Optimierung von Betriebsabläufen, z.B. durch das Vorschreiben zeitsparender Bewegungen von Fließbandarbeitern (Taylorisierung). Zum anderen als Ersetzung menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen (Rationalisierungsinvestition), wenn die Kosten für Maschinen geringer sind als die Lohnkosten oder auch umgekehrt, wenn die Kapitalkosten die Löhne übersteigen. Ziel ist die "vernünftige", zweckmäßige Gestaltung der betrieblichen Verhältnisse unter sich ändernden Bedingungen, um die Produktivität zu steigern.


Rationalisierung in Betrieben

Wirkt sich häufig in folgenden Formen aus: Stellenabbau und/oder Outsourcing. Der Wettbewerb macht es für alle Unternehmen unabdingbar, ihre Betriebe immer effizienter und anpassungsfähiger zu gestalten. Rationalisierung ist die wesentliche Ursache für Wirtschaftswachstum, weil sie das Produktionspotenzial erhöht. Sie führt im Regelfall gesamtwirtschaftlich nicht zu steigender Arbeitslosigkeit, auch wenn das Stichwort Rationalisierung damit häufig verbunden wird.

In einer hypothetischen Volkswirtschaft, in der alle Unternehmen ihre Kosten durch Rationalisierung um 5 Prozent senken, können entweder die Preise um 5 % sinken oder die Gewinnausschüttungen an die Gesellschafter und die Löhne um 5 % oder einen ähnlichen Wert steigen. Sowohl sinkende Preise als auch steigende Löhne und Gewinnausschüttungen haben einen entsprechend nachfrageerhöhenden Effekt. Ein Unternehmen, das seine Produktivität jährlich um 5 % senkt, benötigt bei um 5 % steigende Nachfrage noch genau so viele Beschäftigte wie vorher. In einigen Wirtschaftsbranchen kann dabei die Produktivität stärker als die Nachfrage steigen (es kommt zu Entlassungen), in anderen liegt das Produktivitätswachstum unter der Nachfragesteigerung (es kommt zu Neueinstellungen).

Zu der Frage, warum es dennoch langfristig zu Arbeitslosigkeit kommt, gibt es zwei unterschiedliche Erklärungsansätze: die neoklassische Arbeitslosigkeit und die keynesianische Arbeitslosigkeit.

Problematik der Rationalisierung in IT-Betrieben

Vor allem in Großbetrieben besteht das Problem einer effizienten Leistungsüberprüfung der Mitarbeiter, da Projektleiter und Mitarbeiter ein komplexes Informationsgeflecht bilden. Einsparungsmaßnahmen kommen in vielen Betrieben aus höheren Hierarchieebenen, die die Funktionalität und Effizienz des Teams nur schwer bewerten können. Somit besteht die Gefahr, nicht offensichtliche Know-how Träger zu entlassen, was in Verbindung mit Doppelbelastungen anderer Teammitglieder Betriebsabläufe verzögern kann.

Siehe auch