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Luftsturmregiment 40

Das Luftsturmregiment 40 stellte die Luftlandetruppe der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR dar. Die Einheit trug den Namen „Willi Sänger“ und war von 1960 bis 1982 in Prora auf Rügen stationiert, ab 1982 bis zur Auflösung 1990 dann in der Nähe des Truppenübungsplatzes Lehnin bei Potsdam.

Der Truppenteil „Willi Sänger“ war die einzige Luftlande-Verband innerhalb der NVA, allerdings gab es in mehreren anderen Einheiten der „Bewaffneten Organe“ der DDR Fallschirmspringer. Zum Beispiel bei den Fernaufklärungseinheiten der NVA und bei verschiedenen Einheiten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).

Die Truppe wurde als Spezialeinheit konzipiert und war Teil der offensiven Strategie des Warschauer Vertrags, mit dem Ziel den Feind auf seinem eigenen Territorium zu bekämpfen.

Inhaltsverzeichnis

Auftrag

Auftrag der Fallschirmjäger der NVA und ähnlicher Einheiten in anderen Staaten des Warschauer Vertrages war es dabei, in rückwärtigen Gebieten Ziele zu besetzen oder zu zerstören, den Nachschub und die Moral des Gegners zu beeinträchtigen sowie gegnerische Kräfte zu binden. Hauptziel des Einsatzes im rückwärtigen Gebiet des Gegners war die Vernichtung von Massenvernichtungswaffen, besonders von Kernwaffeneinsatzmitteln (KWEM) jeglicher Art. Das Einsatzprofil der Fallschirmjäger der NVA kann man im wesentlichen in drei Kategorien einteilen:

Unter Aufklärung werden alle Einsätze zur Einbringung von Informationen in der operativen und strategischen Tiefe des Gegners durch Beobachtung und Meldung mittels elektronischer Mittel zusammengefasst.

Dies geschieht besonders durch permanente Beobachtung von militärischen, ökonomischen und administrativen (politischen, gesellschaftlichen) Zielen. Durch das Heranführen von Jagdbomberkräften (unter Zuhilfenahme von Fliegerleitoffizieren) sowie das Ermitteln genauer Koordinaten zur Vorbereitung des Einsatzes von Artillerie- und Raketenschlägen. Durch das Ausspähung der Heranführung von operativen- und strategischen Reserven (Häfen, Flugplätze, Eisenbahnanlagen) und die Richtungen ihrer Verlegung. Durch das Aufklären von Produktionskennziffern militärischer Betriebe und Einrichtungen sowie deren Verlagerung an andere Standorte. Sowie durch das Überwachen hoher politischer- und militärischer Persönlichkeiten und Aufklärung gegnerischer Kräfte im eigenen Hinterland.

Der Überfall / Hinterhalt ist immer mit der Enttarnung der handelnden Fallschirmjäger verbunden. Eine vollständige Vernichtung des Überfallobjektes ist zwar möglich und wird angestrebt, aber es gibt immer die Spuren des Überfalles, die ein sofortiges Ansetzen von gegnerischen Kräften auf die handelnden FJ zur Folge haben. Das bedeutet, dass der Überfall bis in das kleinste Detail geplant werden muss und dass auch das Absetzen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung erhält, wenn die EG nach Erfüllung ihrer Aufgabe eine nächste Aufgabe erfüllen soll (kaum vorstellbar) oder aber eben zurück geführt werden soll. Die in Frage kommenden Ziele können nur unvollständig aufgezählt, da es zu viele gibt:

Spezialeinsätze werden von besonders geschulten Soldaten durchgeführt und haben in der Regel eine weitreichende strategische Bedeutung. Mögliche Einsatzarten waren:

Anfang der sechziger Jahre als Fallschirmjägerbataillon aufgestellt, durchlief der Truppenteil aufgrund von Änderungen in der sowjetischen Militärdoktrin mehrere Umorganisationen und Umbenennungen. Ab Mitte der achtziger Jahre wurde er zum Regiment ausgebaut, wobei das ursprüngliche Konzept des Einsatzes in kleinen, unabhängigen Kampfgruppen nicht aufgegeben wurde.

Organisation

In den Anfangsjahren waren die Luftlandetruppen wie ein NVA-typisches leichtes Schützenbataillon organisiert. Dazu gehörte, dass einzelne Kompanien oder der gesamte Verband geschlossen eingesetzt werden konnten. Im Laufe der Zeit entwickelten die Fallschirmjäger selbst den Einsatz in kleineren Kampfgruppen – eine Taktik, die sich auch in ähnlichen Einheiten anderer Länder durchsetzte. Teams von fünf bis zwölf Soldaten wurden dabei eine oder mehrere begrenzte Aufgaben übertragen. In der NVA hieß das Konzept „Einsatzgruppentaktik“, die Verwendung mehrerer solcher Gruppen „koordinierter Einsatz". Die Einsatzgruppen konnten aber auch die Stärke von einem Fallschirmjägerzug erreichen, wenn es die zu erfüllende Aufgabe notwendig machte. Vor allem aufgrund technischer Mängel – es fehlte an Flugzeugen und Hubschraubern für den Transport – beschränkte sich die NVA-Truppe lange auf die Taktik der Einsatzgruppen und operierte damit wie eine Spezialeinheit. Besonderes Augenmerk wurde auf Militärische Körperertüchtigung und Nahkampf sowie eine umfangreiche Schiessausbildung gelegt. Spezialisten wurden mit den Einsatzgruppenfunkern, Scharfschützen und Sprengtauchern der Einsatzgruppe zugeordnet. Jährlich wurden 10 bis 15 Fallschirmabsprünge während des Sprunglagers bzw. sogenannter mehrtägiger Ausbildungen absolviert. In dieses Bild passten sich Funk-, Spreng-, Bergsteiger- und Skiausbildung ein. Die Leistungsfähigkeit der Truppe wurde halbjährlich durch das Kommando Landstreitkräfte überprüft.

Jeder Fallschirmjäger wurde in mehreren Verwendungen ausgebildet. Dazu fanden Lehrgänge statt um die Fallschirmjäger weiter zu spezialisieren. In der Regel durchlief ein Soldat bei den Fallschimrjägern der NVA zu seiner normalen Ausbildung, innerhalb der drei Jahre mindestens einen, oft zwei oder drei Speziallehrgänge. Dabei ist nicht der Kernminen-Lehrgang gemeint, der von ganzen Dienstjahren besucht wurde, sondern solche Speziallehrgänge wie

Nach der Umstellung auf das sowjetische Luftsturmkonzept blieben Teile dieses Einsatzkonzeptes erhalten. Da außerdem weder die Einheit, noch die Lufttransportkapazitäten entsprechend den Erfordernissen der neuen Doktrin wuchsen, änderte sich an den praktischen Einsatzmöglichkeiten des Verbandes nicht allzu viel.

Die Fallschirmjäger waren bis 1972 dem Militärbezirk V (Nord) und danach direkt dem Kommando Landstreitkräfte (KdoLaSK) unterstellt. Der Tarnname des Luftsturmregiments 40 (LStR-40) lautete „Lötzinn“.

Außerdem gehörte noch eine Ausbildungsbasis dazu, die unter der Bezeichnung Fallschirmjägerausbildungsbasis 40 (FJABas-40, in der Truppe auch als FJAB-40 bezeichnet) firmierte und in Burg bei Magdeburg stationiert war. Ihr Tarnname war „Huflattich“.

Die Dienstzeit bei den Fallschirmjägern betrug mindestens drei Jahre. In der Regel bestand der größte Teil der Truppe aus freiwilligen Soldaten auf Zeit beziehungsweise Unteroffizieren auf Zeit. Ab 1984 gab es bei den Sicherstellungseinheiten wie der Transport- und Versorgungskompanie (KMS), der Stabskompanie und der schweren Kompanie (SWK) auch Wehrpflichtige. In den eigentlichen Fallschirmjägerkompanien jedoch dienten nur Zeit- und Berufssoldaten.

Zur Versorgung der Fallschirmjägereinheiten verrichteten auch Soldaten im Grundwehrdienst wie z.B. Köche, Kraftfahrer, Kfz-Schlosser und Tankwarte ihren Dienst von 18 Monaten bei dieser Truppe.

Im Reservistenausbildungszug wurden ehemalige Fallschirmjäger regelmäßig zum Reservistendienst eingezogen und hielten, innerhalb von 3 Monaten, ihre Wehrkraft aufrecht.

Rekrutierung und Ausbildung

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Ausrüstung

Die Luftlandetruppe der NVA besaß während der gesamten Zeit ihres Bestehens nur leichte Waffen. Sie verwendete weitgehend das Material, das auch in anderen Truppenteilen zum Einsatz kam. Lediglich bei den Uniformen gab es Abweichungen und durch den Einsatz bedingte Eigenentwicklungen.

Bewaffnung

Standardbewaffnung der Fallschirmspringer war der Maschinenkarabiner AKM KMS-72 (AK47) der sowjetischen Waffenfamilie Kalaschnikow - der im Sprachgebrauch der NVA allerdings als Maschinenpistole (MPi) bezeichnet wurde. Der KMS wurde Anfang der sechziger Jahre eingeführt, verschoss Munition des Kalibers 7,62x39 Millimeter und besaß eine einklappbare Schulterstütze und ein aufpflanzbares Bajonett. Die verwendeten Waffen wurden in der DDR in Lizenz produziert. Ab 1985 erfolgte eine Umrüstung auf den Nachfolger, den AKS-74 mit dem verkleinerten Kaliber 5,45x39 Millimeter. Weiterhin kam das leichte Maschinengewehr von Kalaschnikow zum Einsatz. Anfangs war dies das RPK (7,62x39), später das in der DDR gebaute LMG K-500 (5,45x39). Jede Fallschirmjägergruppe führte außerdem ein Maschinengewehr des Typs RPD Degtjarjow mit und zwei Panzerfäuste des Typs RPG-2, beziehungsweise in späteren Jahren RPG-7D -in zwei Teile zerlegbar während des Marsches oder RPG-18. Zum Kampfsatz jedes Soldaten gehörten außerdem die Splitterhandgranaten F-1, RGD-5 oder HG4 und ein Kampfdolch oder Kappmesser. Als Pistole stand – wie in allen Armeen des Warschauer Vertrags üblich – die Makarow PM im Kaliber 9 Millimeter zur Verfügung. Für spezielle Aufgaben nutzte die Truppe das Scharfschützengewehr Dragunow SWD. Ab 1985 wurde die AK 74 mit aufgesetztem Zielfernrohr als Scharfschützenwaffe in der Einsatzgruppe genutzt. Mit ihr konnten Ziele bis auf 600 m Entfernung sicher bekämpft werden.

In den Anfangsjahren (als das zukünftige Fallschirmjägerbataillon (FLB 5) noch Motschützenbataillon hieß) und nach der Umstrukturierung 1986 zum LStR waren schwere Unterstützungswaffen im Truppenteil vorhanden. Hier der Granatwerfer 82 Millimeter M-43 und die beiden rückstoßfreien Geschütze RG-82 im Kaliber 82 Millimeter und RG-107 im Kaliber 107 Millimeter sowie die Panzerabwehrlenkrakete „Metis“. Die Rückstoßfreien Geschütze verschossen Hohlladungs- beziehungsweise Sprenggranaten. Daneben gab es noch eine rückstoßfreie Panzerkanone vom Kaliber 73 Millimeter des Typs SPG-9D. Einige davon waren auf Geländewagen (UAZ 469) montiert und wurden von diesen aus eingesetzt. Für die Panzerbekämpfung wurden 1986 die sowjetischen Lenkwaffen „Fagot“ und „Metis“ eingeführt, die Raketen verschossen. Für die Fliegerabwehr verwendete man die von der Schulter abzufeuernde Infrarotraketen „Strela II“.

In den Einachsgabelhängern der Einsatzgruppe, in der die Fallschirmtechnik (12 komplette Ausrüstungen) transportiert wurde, befand sich der gesamte Kampfsatz der Einsatzgruppe sowie die verschiedensten Sprengmittel mit Schnüren (Spreng- und Zündschnur), verschiedene Initialzünder (Sprengkapsel Nr. 8 mit Sofortzündung oder mit Millisekundenverzögerung) sowie die Sprengstoffe TNT oder PNLP 10 (tschechischer Knetsprengstoff).

Transport

Geländefahrzeuge aus DDR-Produktion dienten zum Landtransport, später auch solche aus sowjetischer Herstellung. Anfangs waren es der GAZ-69 und der P3, später vor allem der UAZ 469. Außerdem nutzte man die in der NVA gebräuchlichen Lastkraftwagen, beispielsweise W 50 und Motorräder.

Während der gesamten Zeit stellte die mangelnde Luftransportkapazität der NVA, ein die Einsatzfähigkeit stark limitierendes Problem dar. Die Zahl der zur Verfügung gestellten Flugzeuge und Hubschrauber war zu keinem Zeitpunkt ausreichend. Und auch wenn es theoretisch Maschinen gab, die sehr große Ladungen transportieren konnte, reichte der Transportraum nicht für schwere Waffen oder für die Bewegung in großen Verbänden. Eingesetzt wurden vor allem die sowjetischen Flugzeuge Il-14, An-8, An-12, An-26 und An-2, später auch Hubschrauber des Typs Mi-4 und Mi-8. Das größte vorhandene Transportflugzeug war die An-22, die 150 Fallschirmspringer befördern und absetzen konnte. Da die Fallschirmjäger der NVA in jedem Falle im Bestand der vereinten Streitkräfte gehandelt hätten, und im Interesse der jeweiligen Armee ihre Aufgaben erfüllt hätten, wären, wenn keine Absetzmaschinen der NVA zur Verfügung gestanden hätten, Flugzeuge der Sowjetischen Armee zum Einsatz gekommen. Oft genug wurde aus diesen Flugzeugen während der Ausbildung in den Sprunglagern gesprungen.

Die AN-26 T der in Dresden stationierten Staffel, wäre das wahrscheinlichste Einsatzabsetzflugzeug der NVA-Fallschirmjäger gewesen. Diese Maschine konnte 30 voll ausgerüstete Fallschirmjäger an den Absetzpunkt transportieren und wahlweise aus 7000 m bis runter auf 250 m bei einer Geschwindigkeit von bis zu 350 km/h absetzen. Die hohe Absetzgeschwindigkeit war für die Fallschirmjäger der NVA kein Problem, da sie durch die Volkswirtschaft der DDR Schirmsysteme zur Verfügung gestellt bekamen, die von Experten noch heute führend in der militärischen Rundkappentechnik angesehen werden. Der überwiegende Teil der Zeit- und Berufssoldaten hatte vor seinem Eintritt in das FJB bereits bei der Gesellschaft für Sport und Technik mindestens die Grundausbildung mit 12 Sprüngen absolviert; viele auch Freifallsprünge aus größeren Höhen. Die Einsatzgruppen der Fallschirmjäger der NVA sprangen grundsätzlich im stabilisierten Fall. Das bedeutet, das ein Hilfsfallschirm (etwa 0,8 m² Kappenfläche) nach Verlassen des Flugzeuges, den Fallschirmjäger in der Luft stabil hielt und der Soldat in der befohlenen Öffnungshöhe das Hauptgerät öffnete. Diese Fallschirme gehörten alle der RS-Serie an. In der Ausbildung sprangen die Fallschirmjäger der Fallschirmjägerkompanien aus Höhen bis zu 1600 m und fielen 20 Sekunden im stabilisierten Fall.

Aber auch Sprünge aus 300 m gehörten zum normalen Handwerkszeug. Dabei fiel der Soldat noch 3 Sekunden im stabilisierten Fall, bevor der Fallschirm geöffnet wurde. Die Fallschirmjäger und alle springenden Einheiten der NVA und des MfS hatten einen Öffnungsautomaten (KAP-3) der den Fallschirm selbständig öffnete, wenn der Springer den Schirm nicht selbständig öffnen konnte. Der zuletzt gesprungene Rundkappenschirm der NVA war der RS 9/2 A und das Rettungsgerät Be-8. Das Luftsturmregiment 40 war auch partiell mit Gleitschirmsystemem ausgerüstet. Diese wurden seit Ende der 70-er Jahre eingesetzt. Das war seiner Zeit der RL-10st und in den letzten Jahren der RL-12st. Mit diesen Systemen konnten die Soldaten weit und unentdeckt in das rückwärtige Gebiet des Gegners vordringen und punktgenau landen. Dieses Fallschirmsystem wurde aber in der Regel nur von den Spezialisten der Fallschirmjäger gesprungen sowie von den dazu befähigten Berufssoldaten und den Angehörigen des Fallschirmdienstes.

Uniformen

Die Uniformen der Fallschirmjäger basierten auf denen der Wehrmacht, die weiterentwickelt und an sowjetische Uniformierungsprinzipien angepasst worden waren. Da die Fallschirmjäger der NVA zu den Landstreitkräften gehörten, trugen sie grundsätzlich auch deren Uniformen. In den Anfangsjahren trugen sie den Felddienstanzug für Aufklärer der NVA. Er bestand aus einer Jacke (mit Kapuze) und einer Hose, beide in Tarnmuster auf blaugrauem Grundton. Schnürschuhe ersetzten die sonst üblichen Stiefel, eine Lederhaube den Stahlhelm. 1964 bekamen die Fallschirmjäger auch eine eigene Ausgehuniform. Sie unterschied sich vor allem durch das rote Barett (1969) und die roten Kragenspiegel, auf denen ein silberner Fallschirm mit Schwinge zu sehen war. Die Dienstuniform unterschied sich durch eben diese Kragenspiegel und das steingraue Barett sowie die geschnürten Sprungstiefel, von denen anderer Einheiten der Landstreitkräfte. Nach fünf Sprüngen wurde das Fallschirmsprungabzeichen verliehen. Es besaß Anhänger (10; 25, 30; 35; 40; 50; 75; 100; 150 und dann immer in 50-er Schritten weiter) mit der Zahl der absolvierten Sprünge. Im Oktober 1969 wurde die auffälligste Änderung befohlen, das Barett in der Farbe der Waffengattung: Orange. 1972 befahl der Minister für Nationale Verteidigung aufgrund von so genannten Neuerer-Vorschlägen aus der Truppe die Überarbeitung der Uniform. Der neue Kampfanzug bestand aus vier Teilen (Jacke, Hose, Kampfweste, Regenjacke), bedruckt im Tarnmuster Ein-Strich/Kein-Strich. Als Helm dienten Fallschirmjäger-Stahlhelme aus polnischer Produktion. Die Ausrüstung damit erfolgte ab 1975, alte Uniformen wurden aufgetragen.

Die Kampfweste war eine in „Ein-Strich-kein-Strich“-Tarnmuster gehaltene Weste, die Anfangs durch drei, ab Mitte der 80-er Jahre durch zwei kleine Karabinerhaken verschlossen wurde. Das Koppel war permanent in die Weste eingezogen, so daß der Fallschirmjäger in Sekunden seine volle Ausrüstung anlegen oder ablegen konnte. An der Kampfweste waren Taschen aufgenäht in der alle notwendigen Geräte und Mittel, die nicht im Tornister verpackt waren, untergebracht wurden. So war die Magazintasche für 4 Magazine (auch die LMG-Magazintasche war beim LMG-Schützen aufgenäht) vorne rechts angebracht. Links befand sich die Tasche für die Truppenschutzmaske (Gasmaske). Hinten, auf dem Gesäß waren weitere, kleiner Taschen aufgenäht die andere Gegenstände aufnehmen könnten. Auf dem Rücken war ein Rucksack zu finden, in welchem die Zeltplane oder aber Munition und Sprengkörper verstaut werden könnten. Zwei Karabinerhaken über dem Rucksack waren für den SBU. Die Brusttaschen waren dem Kompass, Schreibzeug und ähnlichem vorbehalten. Im Inneren der Kampfweste war eine Tasche für die Pistole vorhanden. Tarnschlaufen waren vorhanden und wurden genutzt, auch zum Anbringen von Handgranaten und anderem.

Geschichte

Luftlandungen sind lediglich ein Weg ins Gefecht. Sie bieten den Vorteil, Truppen schnell über große Entfernungen transportieren, oder an sonst nicht erreichbaren Punkten absetzen zu können. Die sowjetische Armee war die erste, die in den zwanziger Jahren Fallschirmtruppen erprobte und auch offiziell aufstellte. Während des Zweiten Weltkriegs setzte das Deutsche Reich erstmals Fallschirmjäger kriegsmäßig ein, während die Westalliierten erst 1943 entsprechende Verbände aufstellten und 1944 zum Einsatz brachten. Die sowjetische Armee bildete Deutsche zu so genannten Fallschirmagenten aus, die im Reichsgebiet Spionage betrieben.

Überlebende dieser Einheiten wurden beim Aufbau der Fallschirmeinheiten der NVA und des Ministeriums für Staatssicherheit einbezogen. Außerdem nutzte man die Erfahrungen von Fallschirmjägern der Wehrmacht. Ab 1952 bot auch die Gesellschaft für Sport und Technik der DDR Fallschirmspringen als Wehrsport an. Somit stand bei der Gründung der NVA 1956 bereits ein im Fallschirmspringen erfahrener Kader zur Verfügung. Ein Teil davon diente in den ersten Jahren noch in den Fernaufklärungseinheiten der NVA.

1960 bis 1972

Ende der fünfziger Jahre wurde innerhalb der NVA und anderer Armeen des Warschauer Pakts überlegt, Luftlandeeinheiten aufzustellen. Die maßgebliche Forderung dazu kam schließlich aus der Sowjetunion, nicht zuletzt da die Bundeswehr ab 1955 begann, Luftlande- und Fallschirmjägereinheiten aufzustellen.

Am 1. März 1960 wurde in Prora auf Rügen das motorisierte Schützenbataillon (MSB) 5 aufgestellt. Seine Aufgabe war es, so schnell wie möglich eine Fallschirmausbildung zu sichern. Mittelfristig sollten ständig 300 Fallschirmjäger vorhanden sein, langfristig ein ganzes Regiment. Sowohl der Name als auch die Stationierung in den abgelegenen Kasernen auf Rügen – die einst ein gigantisches Hotel der nationalsozialistischen Organisation Kraft durch Freude (KdF) werden sollten – dienten der Geheimhaltung.

Im September 1961 nahm die Einheit den Sprungbetrieb auf, geflogen wurde mit Maschinen des Typs IL-14. Sie kamen, genau wie der Rest der Ausrüstung, aus der Sowjetunion. Die ersten beiden Fallschirmjägerkompanien bestanden aus jeweils 80 Soldaten, die in je drei Zügen zu drei Gruppen organisiert waren.

Am 28. Februar 1962 wurde der Verband umbenannt in Fallschirmjägerbataillon (FJB) 5. Er unterstand der NVA, die ihn als eigenständige Waffengattung führte. Ab diesem Jahr nahm die Einheit an Übungen des Warschauer Pakts teil. Im Jahr darauf wurden Veränderungen der Uniform genehmigt, darunter ein graues Barett für den Dienst. Auf das Tragen des Stahlhelms wurde verzichtet. Ab 1969 gehörte zur Ausgehuniform ein auffälliges Barett in orange.

1972 bis 1986

Bis Anfang der siebziger Jahre unterstand die Einheit dem Militärbezirk V. Am 1. Dezember 1971 wurde sie kurz umbenannt in Fallschirmjägerbataillon 2, am 8. November 1972 dann in Fallschirmjägerbataillon 40. Letzteres ging einher mit der Unterstellung unter das Kommando Landstreitkräfte in Potsdam - deren einzige Kampftruppe das FJB-40 war. Sämtliche dem Kommando der LaSK unterstellten Einheiten trugen die Zahl 40 im Namen. Das bedeutete, dass die Truppe nun zentral geführt wurde und nicht mehr einem einzelnen Truppenkommando (im Kriegsfall der 5. NVA-Armee) unterstand.

Hintergrund war wahrscheinlich ein Mangel. Die Landstreitkräfte der DDR waren unterteilt in zwei Militärbezirke, V Nord und III Süd, die im Kriegsfall je eine Armee zu stellen hatten. Da nicht wie anfangs geplant für beide Bezirke je ein Fallschirmjägerbataillon aufgebaut werden konnte, führte man das bestehende Bataillon zentral. Im Kriegsfall sollte jede Armee, die im Bestand der vereinten Kräfte des WV gehandelt hätten je eine Kompanie sowie Teile des FJB erhalten die dann, nach Einberufung und Zuführung von Reservisten zu einem Fallschirmjägerbataillon aufgewachsen wären. Die dritte FJK war wahrscheinlich für die Gruppierung Mitte in Berlin vorgesehen.

Zwar genügten die vorhandenen Mittel nicht für den Aufbau zweier Bataillone, doch wurde das bestehende in den siebziger Jahren ausgebaut. So erhielt es einen eigenen Zug für die Ausbildung von Unteroffizieren und einen für die Ausbildung von Reservisten. Anfang der siebziger Jahre war die Truppe bereits um einen Sprengtaucherzug ergänzt worden, der später in Aufklärungszug umbenannt wurde.

Ab Dezember 1980 wurde die Einheit in Strausberg bei Berlin zur Bewachung der Wohnsiedlung eingesetzt, in der der Minister für Nationale Verteidigung und einige seiner Stellvertreter, aber auch andere Generale und Offiziere der NVA lebten. Zu den Stellvertretern des Ministers für Nationale Verteidigung, die in dieser frei zugänglichen Wohnsiedlung von Strausberg wohnten, gehörten die Generaloberste Streletz, Goldbach und Reinhold. Das bisher dafür zuständige Wachregiment Hugo Eberlein wurde von dieser Aufgabe entbunden. Grund dafür war, dass der damalige Minister für Nationale Verteidigung, Armeegeneral Heinz Hoffmann, eines der Mitglieder des Politbüros war, welches nicht in Wandlitz lebte und Wert auf Bewachung durch eigene Truppen legte. Den Fallschirmjägern traute man diese Aufgabe zu auch wenn das eigentlich nicht zu den Aufgaben dieses Truppenteils gehörte.

Um diese Aufgabe überhaupt bewältigen zu können, bekam das kleine Fallschirmjägertruppenteil eine zusätzliche Kompanie. Die 4. FJK wurde neu aufgestellt und besaß in der Anfangszeit als einzige Kompanie im Truppenteil 4 Fallschirmjägerzüge. Da diese jedoch immer noch nicht ausreichte um die zusätzliche Aufgabe zu erfüllen, wurden ab 1983 alle Kompanien abwechselnd zur Wache abkommandiert. So wurde jede Fallschirmjägerkompanie alle 8 Wochen für zwei Wochen nach Strausberg zur „Sonderwache“ kommandiert. Der Wachrhythmus betrug 48 Stunden. In den zwei wachfreien Tagen wurde in Strausberg und Umgebung intensiv ausgebildet und die Ausbildunganlagen des Ministerium für Nationale Verteidigung (hier die Standortschießanlage) sowie die Fallschirmsprungausbildungbasis des Kommandos Luftstreitkräfte genutzt. Die Schwimmausbildung in der Schwimmhalle oder im Straussee, die beide unmittelbar neben den Unterkünften der Fallschirmjäger lagen, wurde intensiviert. Taktik und Nahkampfausbildung wurden in den nahen Wäldern um Strausberg herum durchgeführt.

1981 begann der Umzug des Truppenteils von Prora auf den Truppenübungsplatz Lehnin bei Potsdam. Dieser galt als einer der am besten ausgebauten Übungsplätze der NVA und hatte spezielle Einrichtungen, die es auf Rügen nicht in der Form gab. So errichtete man ein Dorf für den Orts- und Häuserkampf und Hubschrauberlandeplätze. Mehr als ein Jahr waren die Soldaten in Behelfsunterkünften untergebracht, bevor die Erweiterungen der Kasernen fertig waren und der Umzug abgeschlossen werden konnte.

1986 bis 1991

Ende der achtziger Jahren begann sich in den Streitkräften des Warschauer Vertrags der Einfluss des sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow durchzusetzen. Die militärischen Führungen begannen, ihre Einheiten nicht mehr nur offensiv, sondern vermehrt defensiv auszurichten. Für die Luftsturmtruppen bedeute dies, dass sie nun auch zum Auffangen durchbrechender gegnerischer Einheiten in der Lage sein sollten.

Gleichzeitig arbeitete man in der NVA weiter an der Umsetzung der sowjetischen Pläne. Ab 1986 konzentrierte sich die Gemeinschaftsausbildung daher auf den kompanieweisen Einsatz im Bataillonsrahmen. Aufgrund der politischen Änderungen im Herbst 1989 wurde diese Entwicklung beendet.

Fast wäre es Herbst 1989 zum einzigen „echten" Einsatz der Fallschirmjäger gekommen. Der Verband galt der Führung der DDR als politisch besonders zuverlässig. Während der Montagsdemonstrationen im Zuge der Wende wurde er neben weiteren ausgewählten Einheiten der NVA in erhöhter Bereitschaft gehalten. Er sollte Polizei und bereitgestellte MfS-Sondereinheiten der Hauptabteilung XXII (Antiterror) verstärken und den Widerstand der Bevölkerung niederkämpfen. Der Einsatzbefehl wurde jedoch nie erteilt.

In der Zeit ab Dezember 1989 gab es im Verband Willi Sänger die gleichen Auflösungserscheinungen wie in allen anderen „Bewaffneten Organen“ der DDR. Viele Soldaten fühlten sich missbraucht und nahmen ihren Abschied. Etwa die Hälfte der Fallschirmjäger verließ die Einheit. Trotzdem versuchte die Regimentsführung, den Dienst aufrecht zu erhalten.

Am 31. Januar 1990 besuchten zwei Angehörige der NVA-Fallschirmjäger zum ersten Mal eine Einheit des bisherigen „Feindes“ und hospitierten beim Fallschirmjägerbataillon 271 der Bundeswehr in Iserlohn. In den folgenden Monaten gab es immer mehr Kontakte zu ähnlichen Verbänden anderer Länder.

Im September 1990 absolvierten die Soldaten des LStR-40 die letzten Fallschirmsprünge im großen Verband. Außerdem rückte der letzte Jahrgang von Freiwilligen ein. Am 3. Oktober 1990 wurden die Reste der Einheit wie die gesamte NVA von der Bundeswehr übernommen. Die Grundausbildung der 100 Rekruten erfolgte nun nach Standards der Bundeswehr. Die Bemühungen, die Truppe als luftbeweglichen Verband in das neu gegründete Heeresführungskommando Ost zu überführen, scheiterten. Nur wenige Fallschirmjäger wurden übernommen und in anderen Einheiten der Bundeswehr eingesetzt. Zwischen Januar und Juni 1991 wurde das Luftsturmregiment 40 aufgelöst.

Einsätze

Das Luftsturmregiment 40 ist nie im Kampf eingesetzt worden. Die Aufgaben beschränkten sich auf Manöver und einen humanitären Einsatz im Winter 1978/79 auf der Insel Rügen. Drei Wochen lang halfen die Soldaten, durch Schneestürme abgeschnittene Dörfer und Gehöfte mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu versorgen und Straßen zu räumen.

Verweise

Literatur

Weblinks