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Nederlandse Spoorwegen

Nederlandse Spoorwegen N.V. (Abkürzung NS, deutsch: Niederländische Eisenbahnen AG) ist die ehemals staatliche Eisenbahngesellschaft der Niederlande, die wie die Deutsche Bahn AG in eine rechtlich unabhängige Aktiengesellschaft (in Staatsbesitz) umgewandelt wurde. Im Gegensatz zu Deutschland ist das Eisenbahnnetz nicht im Eigentum der NS, sondern auf die Gesellschaft ProRail unter der Aufsicht des Verkehrsministeriums ausgelagert.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die NS wurde 1917 infolge der Kriegsschäden des Ersten Weltkrieges als Zweckgemeinschaft der vorher unabhängigen Eisenbahngesellschaften HSM und SS gegründet. Die beiden Vorgängergesellschaften errichteten einen gemeinsamen Bahnbetrieb, blieben aber rechtlich unabhängig. Dies änderte sich 1938, als HSM und SS vollständig fusionierten und in die NS aufgingen.

Am 19. Februar 1993 stimmte die Regierung einer weitgehenden Selbstständigkeit der Bahngesellschaft zu. Die jährlichen Betriebsbeihilfen von rund 450 Millionen Gulden sollten bis zum Jahr 2000 eingestellt werden; der Staat sollte weiterhin die Infrastrukturkosten mittels Beihilfen in Höhe von rund einer Milliarde Gulden pro Jahr tragen. Die NS erhielten ferner die Möglichkeit, ab 1994 die Fahrpreise selbst festzulegen.[1]

Streckennetz

Die NS betreibt den Verkehr auf einem sehr dichten Streckennetz, das schon seit Jahrzehnten überregional in regelmäßigem Takt bedient wird, was vielen europäischen Bahnen als Vorbild diente. Ein bis zwei Züge pro Stunde verbinden regelmäßig alle größeren Städte des Landes; zwischen den vier größten Städten Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Utrecht verkehren bis zu vier Züge in der Stunde. Bis auf die Ausnahme der Millionenlinie ist der Betrieb auf den Nederlandse Spoorwegen durch geringe Steigungen gekennzeichnet.

Mit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2006 erfolgte auf den meisten Strecken eine Angleichung der Symmetriezeit bei den Taktfahrplänen an die in den meisten anderen europäischen Ländern übliche. Zuvor war diese abweichend bei Minute :46 und führte dadurch bei grenzüberschreitenden Zügen zu Problemen.

In Kooperation mit der Deutschen Bahn AG fahren alle zwei Stunden ICE International-Züge zwischen Amsterdam und Frankfurt (–Basel SBB bzw. –München Hbf) sowie alle 4 Stunden Internationale treinen zwischen Amsterdam Schiphol und Berlin über Osnabrück–Hannover. Die CityNightLine bietet direkte Züge nach Wien, Kopenhagen, Berlin, Prag, Zürich (im Winter auch nach Brig) und München (im Winter auch nach Garmisch-Partenkirchen) an. Die EuroNight Jan Kiepura verbindet täglich Amsterdam mit Warschau, Minsk und Moskau. In Zusammenarbeit mit der französischen SNCF werden außerdem Thalys-Verbindungen von Amsterdam über den Flughafen Schiphol nach Brüssel und Paris angeboten.

Der größte Teil des Streckennetzes in den Niederlanden ist elektrifiziert (2064 km, Stand 2004). Die elektrische Spannung beträgt 1500 Volt Gleichstrom, die Spannung der Güterzugstrecke (Grenze Emmerich -) Zevenaar-Zuid - Rotterdam-Haven (Betuweroute) beträgt 25.000 Volt 50 Hertz Wechselstrom.

Dienstleistung

Europaweit dürfen die Erstattungsrichtlinien der Nederlandse Spoorwegen gegenüber Kunden bei Zugverspätungen als vorbildlich gelten: Sowohl im Fern- als auch im Nahverkehr erstattet das Unternehmen ab 30 Minuten Verspätung 50 Prozent des Fahrpreises, ab 60 Minuten den vollen Fahrpreis. Dies gilt auch, wenn die Störung nicht selbst verursacht wurde (Unfall, Selbstmörder). Ausnahmen gelten lediglich, wenn höhere Gewalt im Spiel ist (z.B. nationaler Stromausfall) oder die Verspätung aufgrund von Baustellenarbeiten im Voraus angekündigt wurde. Beträge kleiner als 2,20 € (Stand Juni 2008) sowie internationale Fahrkarten werden allerdings nicht erstattet.

Zugverkehr

Im Personenverkehr wird in den Niederlanden zwischen fünf Zuggattungen unterschieden:

Die Züge des Fernverkehrs (Intercitys, internationale Züge) werden von NS Reizigers betrieben, im Regionalverkehr wurde ein Teil des Netzes an einige regionale Anbieter vergeben, z.B. Syntus, Veolia und Arriva. Die Güterverkehrssparte der NS (ehemals NS Cargo) firmiert seit einigen Jahren als Railion Nederland in Zusammenarbeit mit den Güterverkehrsunternehmen der deutschen und dänischen Staatsbahnen. Seit 2003 ist Railion Nederland nicht mehr im Eigentum der NS.

Es besteht ein Nachtnetz im Stundentakt zwischen Utrecht und Rotterdam über Amsterdam–Flughafen Schiphol–Den Haag.

Fahrzeuge

Schon seit den 1940er Jahren setzte die NS für den Personenverkehr vorwiegend Triebwagen ein, die im Takt verkehrten. Nur der internationalen Reisezugverkehr wurde mit lokbespannten Zügen durchgeführt. Im TEE-Verkehr mit dem Ausland kamen wiederum Triebzüge zum Einsatz.

Berühmte Triebzüge waren:

NS Reizigers

NS Cargo/Railion Nederland

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Meldung Niederlande: Die Bahn weitgehend selbstständig. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 42, Nr. 7/8, 1993, S. 432