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Gabriel Riesser

Gabriel Riesser (* 2. April 1806 in Hamburg; † 22. April 1863 ebenda) war ein deutscher Rechtsanwalt, Journalist und Politiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gabriel Riessers Großväter waren beide Rabbiner, sein Vater arbeitete zunächst als Sekretär am jüdischen Gericht in Altona und später als Kaufmann in Hamburg. Nach seiner Schulzeit am Hamburger Johanneum und am Katharineum zu Lübeck studierte Riesser von 1824 bis 1828 in Heidelberg und Kiel Rechtswissenschaften und promovierte 1826 in Heidelberg. Er war zeitlebens ein Verfechter der Gleichberechtigung von Juden. Er selbst war mehrfach aufgrund seines Glaubens diskriminiert worden. In Heidelberg und Jena verweigerte man ihm die Ernennung zum Privatdozenten, in Hamburg ließ man ihn 1829 nicht als Anwalt zu. Riesser hatte sich in seinem Zulassungsantrag auf das Gleichbehandlungsprivileg berufen, das in Hamburg während der napoleonischen Besatzung gegolten hatte und auf eine Bestandsschutzregelung aus Artikel 16 der Bundesakte. Mit der Begründung, ihm fehle das Bürgerrecht, das er als Jude nicht bekommen konnte, wurde sein Antrag abgelehnt.

Riesser veröffentlichte 1831 eine Schrift über die „Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland“ und gründete 1832 die Zeitschrift „Der Jude, periodische Blätter für Religions- und Gewissensfreiheit“. Für den badischen Landtag von 1833 arbeitete er eine Denkschrift zur Judenemanzipation aus. Ab 1836 schrieb er in Bockenheim bei Frankfurt am Main die „Jüdischen Briefe“ (Berlin 1840-42, 2 Hefte). 1840 verabschiedete der Hamburger Senat eine Ausnahmeregelung, wonach „künftighin auch ein oder zwei Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde, wenn sie sonst dazu qualifiziert wären, Notare werden könnten“. Hintergrund des Sinneswandels des Senates war der Tod des jüdischen Notars Mayer Israel Breslau, den die Franzosen 1811 in Hamburg zum Notar bestellt hatten und auf dessen Stelle Riesser sich bewarb. Von 1840-1857 arbeitete er als Notar in Hamburg und war von 1840 bis 1843 Mitglied der Direktion des Hamburger Tempelvereins. Nachdem im Februar 1849 die Grundrechte des deutschen Volkes der Paulskirchenverfassung in Kraft getreten waren, konnte Riesser Hamburger Bürger werden. 1859 wurde er Obergerichtsrat und damit der erste jüdische Richter in Deutschland.

Riesser wurde auf dem Grindelfriedhof der jüdischen Gemeinde in Hamburg beigesetzt. Als dieser Friedhof während des Nationalsozialismus aufgehoben wurde, wurde sein Grab - wie auch die anderen Gräber - auf den Friedhof der jüdischen Gemeinde in Ohlsdorf verlegt.

Nach Riesser ist die Riesserstraße in Hamburg-Hamm benannt. Gabriel Riessers Neffe Jakob Riesser gehörte der Weimarer Nationalversammlung und dem Reichstag der Weimarer Republik für die DVP an.

Politische Ämter

Im März 1848 war Riesser Abgeordneter im Frankfurter Vorparlament. Vom 18. Mai 1848 bis zum 26. Mai 1849 war er Abgeordneter für das Herzogtum Lauenburg in der Frankfurter Nationalversammlung, wo er in den Verfassungsausschuß und zweimal auf kürzere Zeit zum Vizepräsidenten der Versammlung gewählt wurde. Riesser war Mitglied der Kaiserdeputation, die Friedrich Wilhelm IV. am 3. April 1849 die deutsche Kaiserkrone anbot. Als Höhepunkt seines parlamentarischen Wirkens gilt seine „Kaiserrede“, gehalten am 21. März 1849. Von der Ablehnung der Krone durch Friedrich Wilhelm IV. tief enttäuscht, erklärte Riesser am 26. Mai 1849 seinen Austritt aus der Nationalversammlung.

Auf dem Unionsreichstag in Erfurt verteidigte er den Liberalismus gegen die Angriffe der Gerlach-Stahl'schen Partei. Von 1859 bis 1862 war er Mitglied, zeitweise auch Vorsitzender der Hamburgischen Bürgerschaft, die durch die Verfassungsreform von 1859 von der Versammlung der Haus- und Grundbesitzer zur Volksvertretung geworden war.

Freimaurerei

Am 12. Juni 1808 (Stiftungsbrief vom 17. August 1807) wurde unter dem Grand Orient de France die Freimaurerloge L’Aurore naissante („Zur aufgehenden Morgenröte“) in Frankfurt a. M. unter Beihilfe der Mainzer Loge Les amis réunis gegründet. Riesser war dort neben Ludwig Börne, Berthold Auerbach, Jost und Creizenach Mitglied. [1]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Allgemeines Handbuch der Freimaurerei. Dritte, völlig umgearbeitete und mit den neuen wissenschaftlichen Forschungen im Einklang gebrachte Auflage von Lennings Encyklopädie der Freimaurerei, Verein deutscher Freimaurer, Leipzig. Max Hesses's Verlag, 1900.
Personendaten
Riesser, Gabriel
Rießer, Gabriel
deutscher Rechtsanwalt und Politiker
2. April 1806
Hamburg
22. April 1863
Hamburg