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Marl

Dieser Artikel behandelt die Stadt Marl in Nordrhein-Westfalen; zu dem Ort im Landkreis Diepholz siehe Marl (Dümmer).

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Wappen Deutschlandkarte
Koordinaten: 51° 40′ N, 7° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Münster
Kreis: Recklinghausen
Höhe: 70 m ü. NN
Fläche: 87,69 km²
Einwohner: 89.122 (31. März 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 1016 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 45768, 45770, 45772 (alt: 4370)
Vorwahlen: 0 23 65
Kfz-Kennzeichen: RE
Gemeindeschlüssel: 05 5 62 024
Webpräsenz:
www.marl.de
Bürgermeisterin: Uta Heinrich (parteilos)

Die Stadt Marl liegt am Nordrand des Ruhrgebiets im Nordwesten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und ist eine Große kreisangehörige Stadt des Kreises Recklinghausen im Regierungsbezirk Münster.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Räumliche Lage

Die Stadt Marl liegt jeweils am Südrand der Haard und des Naturparks Hohe Mark entlang des fließenden Übergangs vom Ruhrgebiet zum Münsterland. Die Nordgrenze fällt meist mit dem Verlauf des Flusses Lippe zusammen. Rund 60 % ihrer Gesamtfläche sind Felder, Forstflächen, Gewässer, Park- und Grünanlagen.

Stadtgebiet

In Marl gibt es folgende Stadtteile:

  • Drewer
  • Hüls
  • Marl-Hamm
  • Frentrop

Nachbargemeinden

Marl grenzt im Nordosten an die Stadt Haltern am See, im Osten an Oer-Erkenschwick, im Südosten an Recklinghausen, im Süden an Herten, im Südwesten an Gelsenkirchen und im Westen an Dorsten.

Naturschutzgebiete

Geschichte

St. Georg in Alt-Marl

Marl wurde 890 erstmals im Urbar (Heberegister) des bereits während der Sachsenkriege 799 gegründeten Benediktinerklosters Werden urkundlich erwähnt. Der heutige Name der Stadt leitet sich aus dem mittelalterlichen Namen Meronhlare her. Meronhlare kann man als sumpfige Weide oder Weide an einem Teich deuten. Aus der Ortsbezeichnung entstanden später im Heberegister des Benediktinerklosters in Werden die Namen Marlar, Maerl, Marler und schließlich Marl.

In den Heberegistern des Kloster Werden ist weiterhin vermerkt, dass ein gewisser Dagubracht zum Besten seines Seelenheils dem Kloster Besitzungen und Einkünfte aus Meronhlare vermachte. Andere Eintragungen in den Werdener Heberegistern lassen Schlüsse auf die späteren Bauernschaften Oelde (Ulithi), Drewer (Threviri), Frentrop (Vrilinctorpe), Herne (Haranni) und Bossendorf (Bodsnippi) zu. Landbesitzer in den Bauernschaften Frentrop, Hüls, Lenkerbeck, Sinsen, Oelde (heute Lippe) und Drewer waren außer der Abtei Werden auch das Kölner und Xantener Domkapitel sowie die Abtei Essen.

Im Stadtteil Alt-Marl befindet sich die Kirche St. Georg, die im 11. Jahrhundert dem Gaugrafen Balderich vom Niederrhein als Eigenkirche gehörte. Später übergab er die Kirche dem Erzbischof Heribert von Köln In einer Handschrift aus dem Jahre 1160 ist verzeichnet, dass Erzbischof Heribert die Kirche an die Abtei Deutz weitergab. Zur Pfarrkirche wurde sie im 13. Jahrhundert. Ab 1228 ist ein Geistlicher in der Gemeinde verzeichnet. Die ortsansässige Familie Loe war ab 1419 bis zum Jahre 1830 Patronatsherr der Kirche. Dann übernahm das Patronat der Freiherr von Twickel auf Haus Lüttinghof. In den Jahren 1856–1859 wurde die Kirche von Grund auf erneuert, wobei die romanischen Grundmauern des Turms aus dem 12. Jahrhundert als Fundament erhalten blieben.

1111 erfolgte durch die spätere Grafenfamilie von Loe die Errichtung einer Wasserburg. Sie trug zuerst den Namen Strevelsloe, ab 1359 Haus Loe. In offiziellen Aufzeichnungen wurde sie 1373 unter dem Begriff castrum geführt. Im Jahre 1378 wurde die Wasserburg vom damaligen Besitzer Wessel van Loe dem Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden als sogenanntes Offenhaus überschrieben. Damit war die Familie von Loe Untertan des Erzbischofs. Sie hatte im Bereich sehr viel Grundbesitz, mehrere Bauernhöfe und ihnen gehörten einige Mühlen, wie die Loemühle, die Sickingmühle, die Mühle im heutigen Alt-Marl und das Schultengut Wermeling an der Lippe. Nachdem die Familie Loe keinen männlichen Nachkommen mehr hatte, wurde der Familienname allein dadurch erhalten, dass im Jahre 1585 die Tochter des Wolter van Loe ihren Cousin, den Freiherrn Dietrich von Dorneburg-Loe aus Eickel, heiratete.

Von 1705 bis 1832 gingen die Burg Loe und ihre Besitzungen an die Familie von Wiedenbrück über, deren letzte Besitzerin es dann dem Freiherrn von Twickel verkaufte. Sie wurden 1833 weiterverkauft an Theodor Waldhausen aus Essen. Dreißig Jahre später kaufte der Herzog von Arenberg den Besitz, ließ die Burg aber abreißen.

Auf dem Gelände der Burg Loe stehen heute Teile des Doppelgymnasiums an der Hagenstraße und einige Sportplätze.

Zwischen 1111 und 1803 war Marl lediglich ein Kirchdorf ohne Bedeutung, gehörte politisch zum Vest Recklinghausen und war kirchlich und weltlich Teil des Kurfürstentums Köln. Es gab keine Bürgermeister sondern lediglich Gemeinde- und Ortsvorsteher. Vorgesetzter dieser Vorsteher war der Statthalter des Vest Recklinghausen. Die Aufgaben der Ortsvorsteher, die für ein Jahr gewählt wurden, bestanden darin, die Steuern einzutreiben und die Gemeindegrundstücke zu verwalten. Neben diesen Gemeindebeamten gab es noch zwei kurfürstliche Beauftragte, der Amtsfron und der Amtsführer (ab 1785 wurden beide Ämter zum Amtsführer zusammengelegt), deren Aufgabe es war, die kurfürstlichen Verordnungen zu überwachen.

Die Zugehörigkeit zum Vest Recklinghausen dauerte bis 1803. Danach gehörte Marl dem Herzog von Arenberg. Von 1810 bis 1813, unter französischer Besatzung, wurde der Ort zur Mairie Marl und gehörte zum Großherzogtum Berg. Nach den Befreiungskriegen wurde Marl preußisch und gehörte zunächst dem Kreis Essen und bis 1816 dem Kreis Recklinghausen an.

Am 1. April wurde Marl zusammen mit Dorsten zur sogenannten Bürgermeisterei Dorsten vereinigt. Vorsteher war der Bürgermeister von Dorsten. Im Jahre 1837 wurde die revidierte Städteordnung eingeführt. Im Zuge dieser neuen Ordnung wurde Marl wieder selbständig. Das Gebiet vergrößerte sich, da das Kirchspiel Altendorf-Ulfkotte Marl zugeschlagen wurde. Der Ort hatte zunächst nicht seinen früheren Namen zurückerhalten, sondern führte dem Namen Dorsten-Land. Am 31. Oktober 1841 verfügte die Königliche Regierung in Münster die Gründung des Amtes Marl. Amtsgebiet waren die Gemeinden Marl, Polsum, Hamm und Altendorf-Ulfkotte mit den umliegenden Bauernschaften.

Am 1. April 1926 erfolgte die Auflösung des Amtes Recklinghausen und die Eingemeindung mehrerer Orte nach Marl, das somit zum Großamt wurde. Am 20. April 1936 verlieh Ferdinand Freiherr von Lüninck, Oberpräsident der Provinz Westfalen, Marl die Stadtrechte.

Die Novemberpogrome 1938 führten auch in Marl zur Verfolgung der seit 1910 ansässigen jüdischen Bevölkerung, die hauptsächlich im Textil- und Möbelhandel tätig war. Mehrere Menschen wurden verletzt, Geschäfte angezündet und geplündert. Alle 29 jüdischen Bewohner mussten die Stadt verlassen. Diese Vorgänge hat der Künstler Gunter Demnig in Marl durch sein Projekt Stolpersteine dokumentiert. In den Betrieben und Haushalten von Marl wurden zwischen 1939 und 1945 Ausländer zur Zwangsarbeit verpflichtet. Im Zweiten Weltkrieg waren insbesondere die an die Stadt angrenzenden Buna-Werke Ziel mehrerer alliierter Luftangriffe. Trotz der Nähe zu diesen kriegswichtigen Werken hielten sich die Schäden an zivilen Gebäuden in der Stadt in Grenzen. Am 31. März 1945 besetzten US-amerikanische Truppen Marl.

Wie viele Städte im Ruhrgebiet ist Marl im 20. Jahrhundert zunächst durch den Steinkohlenbergbau, dann durch die Chemieindustrie sehr schnell gewachsen.

Gründung der Zeche Auguste Victoria

August Stein und Julius Schäfer aus Düsseldorf gründeten 1898 die Zeche„Auguste Victoria“ mit Sitz in Düsseldorf und übertrugen ihr die beiden Grubenfelder Hansi 1 und Hansi 2. 1903 wurde der Sitz der Verwaltung nach Hüls bei Recklinghausen verlegt. Zuvor hatten am 1. Mai 1900 die Teufarbeiten begonnen. Ende 1905 nahm Schacht AV 1 die Förderung auf. Namensgeberin für das Marler Bergwerk war Auguste Victoria (1858–1921), die letzte deutsche Kaiserin und Gattin Kaiser Wilhelms II. Seit dem Verbund mit der nach Generalfeldmarschall Graf von Blumethal (1810–1900) benannten Recklinghäuser Zeche Blumenthal/Haard führt die Marler Schachtanlage den Namen Auguste Victoria/Blumenthal (AV/BL). Das Bergwerk gehört zu den leistungsfähigen Förderstandorten der Deutschen Steinkohle AG.

Gründung der Zeche Brassert

Im Jahre 1905 erfolgte im Anschluss an die erfolgreichen Bohrungen in Marl die Gründung der Zeche Brassert, benannt nach Hermann Brassert, dem „Vater“ des allgemeinen Berggesetzes von 1865. 1910 wurde die Kohleförderung aufgenommen, in den 50er Jahren arbeiteten bis zu 5000 Menschen „auf Brassert“. Nach Schließung der Zeche 1972 entstand auf gut zwei Dritteln des ehemaligen Zechengeländes in Marl-Brassert das Gewerbegebiet Zechenstraße, ca. ein Drittel nimmt heute das Freizeitgelände Brassert ein. Einige der Zechengebäude blieben erhalten. In der ehemaligen Markenkontrolle haben ein Atelier und das Fahrradbüro der Stadt Marl ihren Platz gefunden.

Gründung der Chemischen Werke Hüls (heute Chemiepark Marl)

Der Chemiepark geht auf die Gründung der Chemischen Werke Hüls GmbH 1938 in der Drewer Mark zurück. Im Dritten Reich wurde dort synthetischer Kautschuk (Buna) für die Autoreifen hergestellt. Dabei kamen auch Zwangsarbeiter zum Einsatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg firmierte der Komplex unter Chemische Werke Hüls AG, mit dem Hauptaugenmerk auf Kunststoffe, Rohstoffe für Waschmittel und wieder Buna. 1998 übernahm die Firma Infracor, ein Tochterunternehmen der Degussa AG das Gelände als Betreiber. Nach der Fusion der Chemischen Werke Hüls AG (seit 1985 Hüls AG) mit der Degussa AG firmierte das Unternehmen kurzzeitig als Degussa Hüls AG, bis es schließlich nach einer weiteren Fusion mit der SKW Trostberg in Degussa AG umbenannt wurde. Nach Übernahme der Degussa AG durch die RAG und folgenden Ausgliederung der Sparten Chemie, Energie und Immobilien in den Konzern Evonik Industries firmiert das Unternehmen seit dem 1. Dezember 2007 unter dem Namen Evonik Degussa GmbH.

Die Stadt entstand durch das Zusammenwachsen ehemaliger Dörfer mit den Siedlungen der Bergarbeiter und der Chemiebeschäftigten. Sie hat daher kein historisches Zentrum. In den 1960er und 1970er Jahren wurde ein Stadtzentrum mit Rathaus, Wohnhochhäusern und dem Einkaufszentrum Marler Stern auf der „grünen Wiese“ angelegt.

Am 1. Januar 1975 erfolgte mit der kommunalen Neugliederung die Auflösung des Amtes Marl als Gemeindeverband und die Eingemeindung mehrerer Ortsteile in die Stadt Marl.

Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme Stadtmitte Marl (Stadtkernerweiterung)

Um die bauliche Entwicklung der Stadtmitte zu vervollständigen, lobte die Stadt Marl Anfang 1988 einen Architektenwettbewerb mit dem Titel Wohnen im Stadtkern Marl aus. Erster Preisträger dieses Wettbewerbs wurde das Büro Prof. Wolfgang Pohl und Partner aus München/Düsseldorf. Nach dessen Plänen wurde 1994 die sogenannte Stadtkernerweiterung begonnen, die Halbrundbebauung an der S-Bahn S. 9 errichtet und 1998 der nördliche Abschnitt der Bergstraße im Stadtzentrum vollständig umgestaltet. 2005 konnten der neue zentrale Busbahnhof in Betrieb genommen und die Neugestaltung der südlichen Bergstraße abgeschlossen werden.

Eingemeindungen

Einwohnerentwicklung

Im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit hatte Marl nur wenige hundert Einwohner. Erst mit der Industrialisierung im 20. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung der Stadt sehr schnell. Lebten 1900 erst 2.000 Menschen in Marl, so waren es 1939 bereits 35.000. Durch die Eingemeindung mehrerer Ortsteile stieg die Einwohnerzahl der Stadt von 77.000 im Jahre 1974 auf 92.000 am 1. Januar 1975. Am 30. Juni 2005 betrug die Amtliche Einwohnerzahl für Marl nach Fortschreibung durch das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen 90.944 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern).

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bei 1600 handelt es sich um eine Schätzung, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Angaben beziehen sich ab 1871 auf die Ortsanwesende Bevölkerung, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Jahr Einwohner
1600 800
1. Dezember 1875 ¹ 1.883
1. Dezember 1900 ¹ 2.199
1. Dezember 1910 ¹ 5.571
8. Oktober 1919 ¹ 12.130
16. Juni 1925 ¹ 16.018
16. Juni 1933 ¹ 31.619
17. Mai 1939 ¹ 35.288
31. Dezember 1945 42.603
29. Oktober 1946 ¹ 44.043
13. September 1950 ¹ 51.192
25. September 1956 ¹ 64.228
Jahr Einwohner
6. Juni 1961 ¹ 71.508
31. Dezember 1965 76.674
27. Mai 1970 ¹ 77.182
31. Dezember 1975 91.930
31. Dezember 1980 89.082
31. Dezember 1985 87.449
25. Mai 1987 ¹ 89.063
31. Dezember 1990 91.467
31. Dezember 1995 92.965
31. Dezember 2000 93.256
31. Dezember 2005 90.816
31. Dezember 2006 90.031
31. März 2007 89.122

¹ Volkszählungsergebnis

Die Einwohner sind zu 48,8 % männlich und zu 51,2 % weiblich. Die Altersstruktur gestaltet sich folgendermaßen:

Der Ausländeranteil an der Bevölkerung beträgt 8,9 % (7990 Einwohner) (Stand 31. Dezember 2006). Es leben Menschen aus ca. 130 Nationalitäten im Stadtgebiet. Hauptherkunftsländer sind dabei die Türkei mit 52,5 %, gefolgt von Ex-Jugoslawien mit 7,5 % und Polen mit 5,6 %.

Politik

Stadtrat

Im Stadtrat sind folgende Parteien vertreten: SPD (19), CDU (16), Bürgerliste WIR für Marl (5), GRÜNE (3), Bürgerunion Marl (3), FDP (3), Linke (1). In Klammern ist die Sitzanzahl aufgrund des Ergebnisses der Kommunalwahl vom 26. September 2004 angegeben.

Marler Jugendforum (JuFo)

Das Jugendforum ist ein Beteiligungsgremium für Marler Jugendliche, bestehend aus nicht gewählten Marler Jugendlichen, anders als bei einen Jugendparlament, kann im Jugendforum jeder mitbestimmen und jeder kann kommen und gehen wie er Zeit hat. Das Jugendforum wird von der Stadt, als Jugendgremium anerkannt und unterstützt. Es besitzt ein Antrags- und Rederecht im Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie.

Ergebnisse der Kommunalwahlen ab 1975

In der Liste[2] werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens 2,95 % der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben:

Jahr SPD CDU FDP WG Grüne Grüne Rep WIR BUM Linke
1975 58,8 34,9 4,8
1979 52,8 33,6 4,3 8,9
1984 52,7 32,1 3,8 11,0
1989 48,5 28,3 4,5 11,2 7,5
1994 45,1 36,2 10,8 7,2
1999 38,4 43,8 5,0 9,5
2004 37,7 31,8 5,7 6,5 9,5 5,4 3,4

Bürgermeister

Wappen

Das Wappen zeigt oben das kurkölnische Kreuz. Das Vest Recklinghausen gehörte bis zur Bulle Pius VII. „De salute animarum“ zum Erzbistum Köln, danach wurde es dem Bistum Münster inkorporiert. Schlägel und Eisen sind als Symbole des Bergbaus eingefügt. Die Krampe verweist auf die Familie von Loe.

Partnerstädte

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Größte Arbeitgeber sind die Unternehmen des Chemieparks (die damalige Hüls AG hatte knapp 16.000 Mitarbeiter), das Bergwerk Auguste Victoria/Blumenthal, das Medienhaus Bauer, sowie der IT-Produzent Maxdata.

Ende des Jahres 2007 bekundeten chinesische Investoren aus Hangzhou Interesse, ein Welthandelszentrum im Ortsteil Drewer-Süd zu erreichten, in dem 200 Firmen ihre Repräsentanz haben sollen. Ein Luxushotel, ein Entertainmentzentrum und Eigenheime für die chinesischen Arbeitnehmer sollen ebenfalls errichtet werden. Eine städtische Delegation hat im Februar 2008 bei einem Besuch in China die Voraussetzungen geschaffen, dass noch im Jahr 2008 die ersten Bauabschnitte begonnen werden können. Gleichzeitig wurde die Metropole Team GmbH mit einem Grundkapital von einer Million Euro zur Realisierung des Projekts gegründet.

Verkehr

Medien

Bekannt ist Marl für das hier ansässige Adolf-Grimme-Institut, welches alljährlich den renommierten Fernsehpreis Adolf-Grimme-Preis verleiht.

Marl besitzt einen eigenen Fernsehkanal im örtlichen Kabelnetz, das Bürgerfernsehen Offener Kanal (BOK). Zudem befindet sich hier das Medienzentrum für den Kreis Recklinghausen. Es versorgt alle Schulen im Kreis Recklinghausen mit Medien und vermittelt Lehrerinnen und Lehrern Medienkompetenz.

Im Stadtgebiet erscheinen zwei Zeitungen, die Marler Zeitung und die WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung). Die vom Medienhaus Bauer herausgegebene Marler Zeitung hat die meisten Abonnenten in Marl. Die WAZ hat Anfang 2007 ihre Lokalredaktion in Marl geschlossen und die Bearbeitung Marler Themen der Vestredaktion in Recklinghausen übertragen. Wöchentlich erscheinen die kostenlosen Anzeigenblätter Marl Aktuell, Kurier am Sonntag und Stadtspiegel(WAZ).

Der Lokalradiosender Hit Radio Vest sendet Nachrichten für die Städte des Kreises Recklinghausen.

Öffentliche Einrichtungen

Institutionen

Kultur und Bildung

Schulen

Als weiterführende Schulen gibt es in der Stadt drei Gymansien ( Albert-Schweitzer-Gymnasium (Stadmitte), Geschwister-Scholl-Gymnasium (Stadtmitte), Loekampgymnasium in Hüls), zwei Realschulen (Ernst-Immel Realschule in Hüls und Günter-Eckerland Realschule im Ortsteil Hamm) sowie zwei Hauptschulen und zwei Gesamtschulen.

Die Volkshochschule die insel wurde 1946 gegründet. Für sie wurde 1955 das erste eigene Gebäude für eine Volkshochschule in Deutschland eingerichtet.

Das Hans-Böckler-Berufskolleg (HBBK) wurde am 1. April 2006 hundert Jahre alt. Aus einer „Bündelschule“ des herkömmlichen berufsbildenden Schulsystems hat sich die Schule zu einem überregional bedeutsamen und hochmodernen Bildungszentrum entwickelt, das nicht nur eine Anzahl aktueller Bildungsgänge im Medienbereich sondern inzwischen auch eine private Fachhochschule beherbergt. In den vier Fachbereichen Naturwissenschaft und Technik, Pädagogik und Hauswirtschaft, Wirtschaft und Medien und Zahn- und Bädertechnik (letzterer in Haltern) bietet das HBBK verschiedene Bildungsgänge bis hin zur allgemeinen Hochschulreife an. Auch im Bereich des elektronisch gestützten und individuellen Lernens profiliert sich das HBBK als modernes Bildungszentrum der Region.

Museen

Skulpturenmuseum Glaskasten

Im Mittelpunkt der Sammlung des Skulpturenmuseums Glaskasten stehen Skulpturen der klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst. Hinzu kommen dreidimensionale Arbeiten wie Objekte und Installationen. Das Spektrum reicht von Auguste Rodin und Constantin Meunier über Max Ernst und Alberto Giacometti bis zu jungen, zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern. Bildhauerzeichnungen vervollständigen diesen Bereich der Sammlung. Einen weiteren Schwerpunkt der Museumsarbeit bilden die Neuen Medien. Seit 1984 wird alle zwei Jahre der Marler Video-Kunst-Preis vergeben und seit 1998 zusätzlich ein Video-Installations-Preis.

Das transparente Museumskonzept

Der Name Skulpturenmuseum Glaskasten beschreibt zum einen die Örtlichkeit: den ganz mit Glas umbauten Raum des Museums unter dem Sitzungstrakt des Marler Rathauses, zum anderen aber auch das angestrebte inhaltliche Konzept von Offenheit und Transparenz für jedermann. Die Kunstwerke sind in Marl nicht hinter Museumsmauern verborgen, sondern zu einem großen Teil in das Alltagsleben der Stadt einbezogen. Mehr als 70 Außenarbeiten von Arp bis Ossip Zadkine stehen im öffentlichen Raum um das Rathaus und den künstlich angelegten City-See. Je näher man dem eigentlichen Glaskasten kommt, um so dichter wird der Ring der Skulpturen. In den glasumbauten, jederzeit einsehbaren Innenräumen des Museums befinden sich Großskulpturen, die nicht zur Aufstellung im Freien geeignet sind, sowie eine Reihe von Kleinskulpturen und Objekten.

Die Entstehungsgeschichte

Das Skulpturenmuseum Glaskasten Marl ist noch jung. Die in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg rasch aufblühende Industriestadt Marl verpflichtete für ihre zahlreichen Bauvorhaben nicht nur international anerkannte Architekten (beispielsweise H. Scharoun für eine Schule, die holländischen Architekten J. H. van den Broek und J. B. Bakema für das Rathaus, H. Schröder und P. Faller für das Hügelhaus), man beschloss zudem, jeweils einen bestimmten Prozentsatz der Baukosten für Kunstankäufe zu verwenden. Mit diesen Mitteln erwarb die Stadt nach und nach eine Reihe von Werken renommierter Künstler, vorwiegend des 20. Jahrhunderts – Großskulpturen für den Außenbereich, aber auch eine Reihe von Kleinskulpturen. Im Laufe der Jahre entstand so eine umfangreiche, qualitätvolle Sammlung. 1978 wurde der Kunsthistoriker Dr. Uwe Rüth zur Pflege und zum Ausbau der Sammlung eingestellt. Er ist noch heute Direktor des Museums. Unter dem Sitzungstrakt des Rathauses wurden nach und nach Räume zur Präsentation der Kleinskulpturen eingerichtet. Erst 1982 fand die offizielle Gründung des Skulpturenmuseums Glaskasten der Stadt Marl statt. Seither wurde die Ausstellungsfläche vergrößert. Seit 1990 ist die städtische Paracelsus-Klinik Teil des Museums. Die Sammlung umfasst mittlerweile über 300 Bildwerke des 20. Jahrhunderts.

Heimatmuseum

Im Stadtteil Alt-Marl gibt es das sogenannte Heimatmuseum, welches originalgetreu die Wohnverhältnisse aus dem 17. Jahrhundert widerspiegelt. Das Haus ist nicht nur Wohnraum, sondern auch teilweise Mühle gewesen. Diese Mühle läuft heutzutage immer noch und sommertags kann man sich bei einem Museumsbesuch über die Konstruktion und das Mehlmahlen informieren.

Adolf Grimme Preis

Der Adolf-Grimme-Preis ist ein Fernsehpreis und zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen für Fernsehsendungen in Deutschland. Er wurde nach dem ersten Generaldirektor des NWDR, Adolf Grimme, benannt. Vergeben wird der Preis jährlich vom Adolf-Grimme-Institut in Marl. Seit 1964 würdigt es damit Produktionen und Fernsehleistungen, die „die spezifischen Möglichkeiten des Mediums Fernsehen auf hervorragende Weise nutzen und nach Inhalt und Methode Vorbild für die Fernsehpraxis sein können“ (Statut des Grimme-Instituts). Neben dem Adolf-Grimme-Preis vergibt das Adolf-Grimme-Institut außerdem noch den Grimme-Online-Award in verschiedenen Kategorien, zum Beispiel im Bereich der Neuen Medien.

Seit 1969 nimmt die Marler Gruppe an der Preisträgerauswahl teil. Als repräsentativer Querschnitt der Marler Bevölkerung sichtet diese Laienjury, die aus 16–20 Kursteilnehmern der Volkshochschule besteht, die Wettbewerbsvorführungen des Adolf-Grimme-Preises und diskutiert anschließend mit Fernsehverantwortlichen, Regisseuren, Autoren und Kameraleuten. Das Urteil der Marler Gruppe wird bei der Preisverleihung verlesen.

Marler Fernsehpreis für Menschenrechte

Der Marler Fernsehpreis für Menschenrechte wird als ideeller Preis von der deutschen Sektion von amnesty international vergeben. Mit dem Marler Fernsehpreis für Menschenrechte werden Fernsehbeiträge ausgezeichnet, die im besonderen Maße dem Thema Menschenrechte gerecht werden durch eine aufrüttelnde Nachricht, nachhaltige Dokumentation oder die gelungene Umsetzung des Themas in eine fiktive Handlung, aber auch die überzeugende darstellerische Leistung, ein außergewöhnliches Interview oder ein bemerkenswerter Kommentar zählen dazu.

Musik

Theater

Das Theater Marl (TM) an der Brassertstraße wurde 1953 erbaut und gilt als ein kulturelles Zugpferd für Marl. Es ist der zentrale Veranstaltungsort der Stadt Marl für Theater- und Konzertveranstaltungen. Das TM bietet seinem Publikum ein breitgefächertes Angebot auf hohem Niveau. Zunehmend hat sich das TM zu einem Haus mit regionaler Ausstrahlung entwickelt, das Besucher aus dem ganzen Kreis Recklinghausen bzw. der Emscher-Lippe-Region und dem südlichen Münsterland anzieht. Bei der Verleihung des Adolf-Grimme-Preises wird das Theater Marl zum Treffpunkt der deutschen Fernsehprominenz. 1997/98 wurde das Theater aufwendig saniert.

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten

Mit Beginn der 1960er Jahre wurde für die geografische Mitte der Stadt Marl ein neues, künstliches Zentrum (City) entworfen, das als einigendes Element der alten, sich ausbreitenden und verwachsenden Siedlungskerne der neuen Stadt Marl ein Gesicht und eine ordnende Struktur geben sollte:

Sehenswert ist das Rathaus, das von den holländischen Architekten van den Broek und Bakema nach ihrem Sieg in einem internationalen Wettbewerb in den Jahren 1960 bis 1967 im neuen Zentrum der Stadt errichtet wurde. Im Sitzungstrakt, der mit einem weit tragendem Spannbeton-Faltwerk überdacht ist, befindet sich u. a. der Ratssaal. Darunter befindet sich das Skulpturenmuseum Der Glaskasten. Aus dem flachen Verwaltungstrakt ragen die Dezernatstürme hervor. Von zunächst geplanten drei bis vier Türmen wurden nur zwei realisiert. Die Geschossdecken der Türme sind über Stahlbeton-Hängestützen mit der oben liegenden Pilzdecke verbunden, von der die Lasten über einen Gebäudekern nach unten abgeleitet werden. Nachdem aufgrund von Schadstoffuntersuchungen der krebserregende Stoff PCB im Gebäude gefunden wurde, eine Sanierung aber von der Stadt finanziell nicht getragen werden kann, wird im Stadtrat über einen Abriss des Gebäudes diskutiert.

Das Luftkissendach des Einkaufszentrums Marler Stern steht im Guinness-Buch der Rekorde als das größte der Welt. Baulich angegliedert an die Ladenstraße des Stern ist die Volkshochschule Die Insel.

Um das Rathaus und das Einkaufszentrum herum wurden zueinander rechtwinklig mehrere Komplexe aus Scheibenhochhäusern (mit allerdings verschiedenen Fassaden) angeordnet. Drei dieser Hochhausketten sind noch vorhanden, der vierte, aus drei Einheiten bestehende und mit 17 Geschossen höchste Komplex (Goliath) wurde im August 2006 durch Sprengung abgebrochen.

Die geometrische Struktur des Ensembles im Sinne der damaligen Planer wird dadurch gestört; allerdings wurde der Abbruch der „Bausünde“ Goliath mit ihren 153 Wohnungen von den Marlern vielfach begrüßt.

Ob es andererseits gelingt, durch die vereinbarte Umnutzung des freien Grundstücks für einen kommerziellen Zweck die Wohn- und Aufenthaltsqualität in diesem Stadtquartier zu steigern, bleibt abzuwarten: Die Bewohner des Goliath hatten sämtlich Balkone in Richtung Südwest – ihre unmittelbare Aussicht aber war ein großer Parkplatz.

Die City, der Stadtkern im engeren Sinne, wird vervollständigt durch den künstlich angelegten Weiher City-See, und wurde geplant als Teil einer autogerechten Stadt und zunächst angebunden und erschlossen durch verschiedene vierbahnige Autostraßen. Ein Teil dieser Straßen wurde und wird allerdings mittlerweile redimensioniert.

Um weitere Wohnhochhäuser im erweiterten Umfeld der City zu vermeiden, wurde das Konzept der Hügelhäuser (ab 1966) entwickelt, das in einem kompakten Gebäude Wohnungen mit großen Terrassen, im Erdgeschoss mit Gartenhöfen ermöglicht. Pkw-Abstellplätze befinden sich im Kern des Untergeschosses. Insgesamt wurden vier Hügelhäuser gebaut.

Bemerkenswert ist die Hauptschule an der Westfalenstraße, die von dem Berliner Architekten Hans Scharoun (bekannt vor allem durch die Berliner Philharmonie) in den Jahren 1964 bis 1970 errichtet wurde. Der sehr zergliederte Bau erschließt sich nur durch eine Innenbesichtigung. Scharoun realisierte sein innovatives Konzept, das für Unter-, Mittel- und Oberstufe unterschiedliche pädagogische Bedingungen vorsieht. Die Schule sollte nach Plänen der Stadt Marl aus wirtschaftlichen Gründen im Jahr 2006 abgerissen oder als Altersheim genutzt werden. Nach einer Informationsveranstaltung des Bundes Deutscher Architekten erkannten auch die Politiker der Stadt den Wert ihres vernachlässigten Bauwerkes und beschlossen ein Moratorium. Die Schule soll Schule bleiben. Seit März 2007 ist die Musikschule der Stadt Marl in der Scharounschule zusammengezogen. Die idealen Möglichkeiten des Gebäudes bieten der Musikschule neue Probemöglichkeiten mit der Aula. Die sehr maroden Satelliten-Anbauten sollen in nächster Zeit abgerissen werden, damit der Haupttrakt des Werkes von Scharoun erhalten bleibt und besser zur Geltung kommt.

Bereitschaftssiedlung und ECA-Siedlung

Der Bedarf an werksnahem Wohnraum für die ab 1938 bei Gründung der Chemischen Werke Hüls zahlreich aus anderen Chemiestädten zugezogenen Facharbeiter, Meister und leitenden Angestellten wurde durch die südlich an das Werksgelände angrenzende Bereitschaftssiedlung gedeckt. Der Architekt des IG-Farben-Stammwerkes Clemens Anders verwirklichte das Projekt im traditionalistischen Stil der Stuttgarter Schule. Ein anderes Beispiel für den (im Gegensatz zur Bauhausarchitektur) klassisch-konservativen Wohnungsbaustil ist die Kochenhofsiedlung in Stuttgart.

Obwohl Arbeiter und höhere Angestellte bei Betriebsstörungen etwa den gleichen kurzen Weg zum Werk hatten, blieben ihre Wohnungen in der Siedlung streng voneinander getrennt. Den Arbeitern waren Wohnungen von 55-75 Quadratmetern in östlichen Siedlungsteil, den Meistern und qualifizierten Facharbeitern Doppelhaushälften von etwa 100 Quadratmetern im zentralen Siedlungsbereich um die Hiberniastraße und Bitterfelder Straße zugewiesen. Leitende Angestellte wohnten im Westen und Süden in deutlich größeren und repräsentativen Häusern, zum Beispiel in der Ludwigshafener Straße. Im Jahre 1943 waren in der Bereitschaftssiedlung und zwei weiteren Arbeitersiedlungen in Marl 1200 Wohnungen entstanden. Typisch für den kriegswichtigen Standort, der im Jahre 1943 einem sehr schweren Bombenangriff der Alliierten ausgesetzt war, sind die noch heute über das gesamte Siedlungsgebiet verteilten Splitterschutzbunker. Die Häuser hatten außerdem stabile Schutzräume mit Gasschleusen im Keller, die Doppelhäuser waren über das Kellergeschoss durch Fluchttüren miteinander verbunden. Noch heute kann man an einigen Häusern die Hinweispfeile zu den Kellerschutzräumen erkennen.

Fünf Häuser der Bereitschaftsiedlung in der Ludwigshafener, Oppauer und Uerdinger Straße sowie das Gesamtbild der Siedlung stehen unter Denkmalschutz. Viele der Häuser sind mittlerweile in Privatbesitz.

An der Route der Industriekultur liegt sowohl der Chemiepark Marl als auch die Bereitschaftssiedlung. [3] [4]

Zur Behebung der großen Wohnungsnot nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und dem Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten in den westlichen Teil Deutschlands wurden im Rahmen und mit Mitteln des Marshallplanes Anfang der 1950er Jahre in Marl-Brassert die sogenannte ECA-Siedlung gebaut. Die Finanzierung lief zunächst über die 1948 eingerichtete US-amerikanische Economic Cooperation Administration (ECA) ab 1951 über die Mutual Security Agency (MSA). Als Vorgabe forderten die Planer, Kleinwohnungen zu einem Festpreis möglichst billig zu errichten; der soziale Wohnungsbau sollte gefördert werden. Im Jahr 1951 wurde vom Bundeswohnungsbauministerium ein ECA-Realisierungs-Wettbewerb für Architekten und Baufirmen ausgelobt. Die im Anschluss daran gebaute Siedlung trägt auch heute noch den Namen ECA-Siedlung.

Ortsteil Hüls

Im Ortsteil Hüls findet man auf der Hülsstraße die alte Einkaufszone der Stadt, die bis zum Bau des Marler Sterns der Kern Marls war. Die Fassaden sind im Stil des 19. Jahrhunderts gehalten, jedoch sieht man sie aufgrund einer Glasüberdachung, die vor Regen schützen soll, kaum im Detail.

Im Bereich Hüls-Süd, angeschlossen an das Naturschutzgebiet Loemühlenbach, befindet sich die historische Wassermühle Loemühle. Sie wurde bis 2008 als Hotel-Restaurant genutzt. Die dazugehörende Kornkammer ist ein besonderes Gebäude, in dem Heiratswillige ihr Ja-Wort geben konnten. Ebenfalls lud die Kornkammer zu gemütlichen Zusammenkünften ein.

Im Jahre 1925 wurde in der Nähe der Zeche Auguste Victoria ein Blei-, Zink- und Erzlager entdeckt. Zur Förderung dieser Stoffe wurde daraufhin 1926 ein Erzschacht in 806 Meter Tiefe gebaut. Der Förderturm ist das erste ummantelte Gerüst der Bauart Koepe. Nach Fertigstellung wurden ab 1936 fünf Millionen Tonnen Roherz, Zink und Silber gefördert. Der Schacht wurde bis 1962 benutzt und schließlich stillgelegt, als der Abbau durch fallende Erzpreise nicht mehr rentabel erschien. 1999 wurde der Schacht verfüllt. Heute sind der Förderturm und das Maschinenhaus als Industriedenkmal und Wahrzeichen von Marl-Drewer erhalten und werden vom Heimatverein betreut. Ein kleines Bergbaumuseum befindet sich ebenfalls dort.

Im Stadtteil Hüls liegt gegenüber dem Jahnstadion der Park Gänsebrink.

Ortsteil Alt-Marl

Im Stadtteil Alt-Marl befindet sich an der Recklinghäuser Straße die Alte Windmühle. Zusammen mit der Wassermühle am Volkspark ist es ein Relikt der landwirtschaftschaftlichen Stadtgeschichte Marls. Die Windmühle begann ihren Betrieb im Jahre 1850. Zu diesem Zeitpunkt war Marl noch ein Heidedorf mit 1800 Einwohnern. Da die Wassermühle oft Ausfälle durch Wassermangel hatte, konnte der Engpass beim Getreidemahlen durch die neue Windmühle beseitigt werden. Im Jahre 1911 wurde in die Mühle ein Saugmotor eingebaut, so dass es möglich wurde, auch bei Windstille die Mühle in Betrieb zu nehmen. Die Flügel der Mühle, die an einer drehbaren Kappe befestigt waren, wurden im Jahre 1935 abgebaut und durch einen Dieselmotor ersetzt. Der Mahlbetrieb wurde jedoch nur noch kurz fortgesetzt und die Mühle diente nach Abriss der drehbaren Kappe nur noch als Lagerraum. Nach einer aufwendigen Renovierung durch den Heimatverein im Jahre 2001 konnte die Mühle vor dem Verfall gerettet werden.

Im Stadtteil Alt-Marl befindet sich angrenzend an das Guido-Heiland-Freibad der Volkspark, dessen Teiche vor einigen Jahren naturnah ausgebaut wurden.

Filmstadt Marl

In Marl wurden folgende Filme gedreht:

Traditionelle Veranstaltungen

Persönlichkeiten

Töchter und Söhne der Stadt

Personen, die in der Stadt gewirkt haben

Träger der Stadtplakette

Personen, die sich durch ihr Wirken um die Stadt Marl verdient gemacht haben, werden vom Stadtrat mit der Stadtplakette geehrt, der höchsten Auszeichnung, die in Marl verliehen wird.

Sport

Literatur

Siehe auch

 Commons: Marl – Bilder, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. LDS NRW: Amtliche Bevölkerungszahlen
  2. Verzeichnisse der Kommunalwahlergebnisse des Landes Nordrhein-Westfalen (LDS NRW) von 1975 bis 2004
  3. Route Industriekultur
  4. NRW 2000