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Memphis (Tennessee)

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der amerikanischen Stadt Memphis; zur gleichnamigen altägyptischen Hauptstadt siehe Memphis (Ägypten).
Memphis
DEC
Memphis
Lage in Tennessee
Basisdaten
Gründung: 1819
Staat: Vereinigte Staaten
Bundesstaat: Tennessee
County: Shelby County
Koordinaten: 35° 7′ N, 89° 58′ W7Koordinaten: 35° 7′ N, 89° 58′ W
Zeitzone: Central Standard Time (UTC−6)
Einwohner: 670.902 (Stand: 2006)
Bevölkerungsdichte: 927,4 Einwohner je km²
Höhe: 70 - 110 m
Fläche: 763,4 km²
davon 723,4 km² Land
Vorwahl: +1 901
FIPS: 47-48000
GNIS-ID: 1326388
Webpräsenz: www.memphistn.gov
Bürgermeister: Willie W. Herenton

Klimadiagramm Memphis, Tennessee

Memphis ist die größte Stadt im US-Bundesstaat Tennessee. Die Stadt liegt im äußersten Südwesten Tennessees direkt am Ostufer des Mississippi River und hat 672.000 Einwohner.

Memphis ist eine der Metropolen der klassischen Südstaaten. Fragen der selbst beschriebenen „Rassenzugehörigkeit“ spielen sowohl im täglichen Leben der Stadt als auch in der Politik eine wichtige Rolle. Nachdem Memphis bis in 1870er hinein und auch im US-amerikanischen Sezessionskrieg florierte, suchten mehrere Katastrophen die Stadt heim. In jüngster Zeit verdankt sie ihren wirtschaftlichen Aufschwung vor allem der Transportfirma FedEx, die mit Abstand größter Arbeitgeber der Stadt ist.

Die Stadt ist ein wichtiger Ort sowohl für die Entwicklung des Blues, des Soul (Otis Redding) und auch des Rock'n'Roll. Elvis Presley lebte in Memphis, viele Größen der Rockmusik begannen ihre Karriere dort. Die Beale Street ist eines der Zentren des Blues in der Welt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Memphis liegt im US-amerikanischen Südosten im Dreistaaten-Eck zwischen Tennessee, Mississippi (südlich von Memphis) und Arkansas an der Mündung des Wolf River in den Mississippi River. Sowohl die Geographie, als auch die geschichtliche Entwicklung und Kultur werden maßgeblich von der Lage am Mississippi und der geographischen Nähe des Mississippi-Deltas bestimmt. Die Stadt wurde in jüngerer Vergangenheit 1912 und 1937 von schweren Überflutungen des Flusses heimgesucht. Jenseits des Mississippi, durch zwei Brücken verbunden, findet sich die Kleinstadt West Memphis in Arkansas.

Memphis liegt in der immerfeuchten subtropischen Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 18,5 Grad Celsius, kältester Monat ist der Januar mit einer Temperatur von fünf Grad Celsius, wärmster der Juli mit einem Schnitt von 28 Grad, bei oft hoher Luftfeuchtigkeit. Diese liegt das ganze Jahr über zwischen 80% (vormittags) und 50% (nachmittags). Memphis liegt im Einzugsgebiet von Tornados.

Geschichte

Indianische Besiedlung und erste Europäer

Das Gebiet, in dem Memphis liegt, wurde ursprünglich von den Chickasaw besiedelt. Der spanische Entdecker Hernando de Soto bereiste wahrscheinlich um 1541 die Gegend. Erste dauerhafte europäische Besiedlungsversuche gingen von Frankreich aus. Fort Proudhomme entstand 1682, Fort Assumption 1739. Nach dem englisch-französischen Krieg übernahm England die Kontrolle des Territoriums, de jure stand es zu dieser Zeit noch den Chickasaw zu. Chickasaw, Franzosen, Engländer und Spanier lebten weitgehend friedlich miteinander, bis Tennessee 1790 ein US-Territorium und schließlich 1796 US-Bundesstaat wurde. Obwohl offiziell immer noch Indianerland, zogen weiße Siedler in die Gegend, die Chickasaw gaben schließlich 1818 ihr nördliches Territorium auf, in dem das heutige Memphis liegt.

Die eigentliche Stadtgründung erfolgte 1819, als Gründungsväter gelten General und US-Präsident Andrew Jackson, General James Winchester und der Richter John Overton. Zu diesem Zeitpunkt hatte Memphis ungefähr 50 Einwohner. Die Stadt wurde nach der Hauptstadt des antiken Ägyptens Memphis benannt. Der Sohn von Winchester wurde erster Bürgermeister. Der Aufschwung zur Großstadt begann mit der Immigration von Deutschen und Iren. Die katholische St. Mary's Church mit dem ältesten Altar der USA stammt ebenfalls aus dieser Zeit.

19. Jahrhundert

Memphis war Zentrum der aufstrebenden Baumwollindustrie. Verkehrstechnisch günstig gelegen und umgeben von fruchtbarem Boden entwickelte sich hier ein Handelszentrum. Auch viele Pioniere und Händler, die sich weiter in den amerikanischen Westen orientierten, nutzten die Stadt am Mississippi als Basislager und Aufenthaltsort.

Endgültig an das Verkehrsnetz der USA angebunden wurde Memphis 1845, als fast gleichzeitig ein Hafen der US-Marine in der Stadt eröffnete und die Memphis and Charleston Railroad, die die Stadt mit der Atlantikküste verband, eröffnete. Memphis war zu dieser Zeit die sechstgrößte Stadt der USA.

Beim Ausbruch des Sezessionskriegs entstand für die Stadt eine schwierige Situation. Einerseits hing der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt entscheidend von der Arbeit der Sklaven ab, zum anderen spielte der Handel mit den Nordstaaten eine zu gewichtige Rolle, um eine Sezession sinnvoll erscheinen zu lassen. Während des Krieges selber erlitt die Stadt auch nicht das Schicksal anderer großer Städte des Südens wie beispielsweise Atlanta. Die Wirtschaft florierte in dieser Zeit mit Händlern, die gleichzeitig Baumwolle an die Nordstaaten verkauften und Munition und Stahlwaren an die Südstaaten.

Im Krieg selbst wurde Memphis aufgrund seiner Lage wichtiger Nachschubpunkt, zuerst als Nachschubdepot für die Südstaaten. Bei der als Battle of Memphis bekannt gewordenen Seeschlacht, bei dem die Marine der Nordstaaten die der Konföderierten besiegte, hatten die an den Ufern des Mississippis sitzenden Einwohner der Stadt eine gute Aussicht, ohne ernsthafte Gefahren befürchten zu müssen. Nach dem Sieg der Nordstaaten diente die Stadt als militärisches Hauptquartier des Nordstaaten-Generals Ulysses S. Grant. Viele Loyalitäten in der Stadt blieben aber bei den Südstaaten. Immerhin ist noch der Forrest-Park nach Nathan Bedford Forrest benannt, einem Südstaaten-General und angeblichen Gründer des Ku Klux Klans. Eine große Jefferson-Davis-Statue findet sich ebenfalls im Stadtgebiet.

Als sich 1866 viele schwarze Soldaten der Nordstaaten in der Stadt aufhalten, kommt es am 1. Mai erst zu Ausschreitungen und in den folgenden Tagen zu regelrechten Verfolgungen. Bis zum 3. Mai werden 48 Menschen, alle schwarz, ermordet. Viele Wohnhäuser und Kirchen von schwarzen Einwohnern der Stadt werden abgebrannt.

Nachdem Memphis endgültig Teil der Nordstaaten geworden war, zog die Stadt viele ehemalige Sklaven an. Die afroamerikanische Bevölkerung vervierfachte sich zwischen 1860 und 1870 von 4000 auf knapp 16.000 Einwohner. Die Emanzipation der Schwarzen wurde in der Stadt im Rahmen des Rechts vergleichsweise weitgehend umgesetzt, das Recht, lesen zu lernen, ebenso wie auch die Religionsfreiheit. Insbesondere schwarze Kirchen wurden eine wichtige Basis für den Einfluss der Afro-Amerikaner. Die Beale-Street-Baptist-Church von Prediger Morris Henderson galt als besonders einflussreich. Ed Shaw, der wichtigste politische Führer, saß im City-Council (Stadtrat), der County-Commission und stieg bis zum Hafenmeister auf.

Auf den Aufschwung folgte 1870 die Katastrophe. Durch Moskitos ausgelöstes Gelbfieber suchte die Stadt heim. 25.000 Einwohner verließen die Stadt. Von den 19.000 Einwohnern, die nicht flohen, steckten sich im schlimmsten Jahr 80% mit dem Gelbfieber an, ein Viertel der Bevölkerung starb. 1879 erklärte die Stadt offiziell ihren Bankrott. Erst in den 1880er-Jahren konnte durch ein neues Abwassersystem (das erste seiner Art weltweit) und die Einrichtung artesischer Brunnen die Epidemie gestoppt werden. Memphis gilt bis heute als eine der Städte mit dem saubersten Trinkwasser der USA.

Jahrhundertwende

Schwarze spielten auch weiterhin eine einflussreiche Rolle. Der afroamerikanische Großindustrielle Robert R. Church investierte entscheidend in den Neuaufbau der Stadt. Der ehemalige Sklave und einflussreiche Politiker der Republikaner baute auch die Bürgerrechtsorganisation NAACP auf und eröffnete, bei immer noch bestehender politischer Segregation, die ersten öffentlichen Parks für Afro-Amerikaner.

Um die Jahrhundertwende herum war insbesondere die Beale Street das wichtigste soziale und kulturelle Zentrum der afroamerikanischen Gemeinschaft in den mittleren Südstaaten. Sie war berüchtigt für Alkoholkonsum, (illegales) Glücksspiel und anderen eher als zweifelhaft betrachteten Zeitvertreib.

Memphis wurde wieder der weltgrößte Markt für Baumwolle. Industrielle wie Napoleon Hill, James Lee und Noland Fountaine machten Millionen in der Stadt, ebenso allerdings die Mafia. In der „Regierungszeit“ von Edward Hull „Boss“ Crump von 1909 bis 1954 konnte dieser verlässlich versprechen, demjenigen bis zu 60 000 Wähler zu beschaffen, der ihm die beste Gegenleistung dafür bot. Dabei wurden Stimmen doppelt gezählt, die Stimmen nicht-registrierter aber Crump-treuer Wähler ebenfalls mitgezählt und Wähler aus den benachbarten Staaten Mississippi und Arkansas kurzfristig in die Stadt verfrachtet.

Crump selbst wurde 1909 zum ersten Mal zum Bürgermeister der Stadt gewählt. Angetreten mit dem Versprechen, die Korruption in der Stadt zu beenden, setzte er dieses Versprechen um, indem er all seine Konkurrenten ausschaltete. In einer Zeit, in der die USA innenpolitisch mit der Prohibition beschäftigt war, nahm Crump Bestechungsgelder von Bordellen, Spielhallen und illegalen Saloons an. Nachdem er von der Regierung Tennessees als Bürgermeister zum Rücktritt gezwungen wurde, ließ er sich in den Kongress wählen.

Crump selbst war offener Rassist und hielt die Schwarzen nicht für fähig, sich selbst zu regieren. Allerdings benötigte er die Stimmen der schwarzen Wähler. Er ernannte einige Schwarze in Regierungsposten und handelte ebenso mit den Führern der schwarzen Gemeinschaft im Austausch für Wählerstimmen. Die ersten schwarzen Polizisten gab es allerdings erst nach 1948 und auch sie hatten nicht das Recht, Weiße festzunehmen.

Civil Rights Movement und danach

In den späten 1940ern versuchten erstmals Afroamerikaner Einfluss auf die Regierung der Stadt zu gewinnen. Die NAACP stellte eigene Kandidaten auf, die allerdings gegen „Boss“ Crump chancenlos waren. Durch den überraschenden Tod von Crump 1954 befand sich die schwarze Politik auch in einem Vakuum. Bisher hatte sie Ziele nur durch Kooperation mit ihm erreicht, durch seinen Tod zerfiel sein politisches System und damit war vorerst der einzige wichtige weiße Ansprechpartner für die Bewegung verloren.

Die Ermordung Martin Luther Kings

1968, im Zenit der Kämpfe um die Bürgerrechtsbewegung, kam der Baptistenpastor Martin Luther King in die Stadt. King hatte sich in dieser Zeit schon teilweise von den rechtlichen Fragen der Diskriminierung abgewendet und sich mehr den sozialen Problemen und der weitverbreiteten schwarzen Armut angenommen. Am 1. Februar 1968 starben während eines schweren Unwetters zwei schwarze Angestellte der Müllabfuhr, als sich der Pressmechanismus eines Müllwagens von alleine in Gang setzte. Am gleichen Tag wurden wegen des Unwetters 22 schwarze Arbeiter ohne Bezahlung nach Hause geschickt, während ihre weißen Vorgesetzten ebenfalls arbeitsfrei erhielten, allerdings mit Lohnausgleich. Zwei Wochen später begannen 1.100 von insgesamt 1.300 schwarzen Angestellten der öffentlichen Reinigung einen Streik für bessere Arbeitsbedingungen. Am 18. März, während der Streik immer noch andauerte, kam King in die Stadt und sprach auf mehreren Veranstaltungen. Am 28. März fand eine große Demonstration statt. Diese endete allerdings in Gewalt, als vor allem College-Studenten ihre mitgebrachten Schilder nutzten, um damit die Schaufensterscheiben von Geschäften einzuschlagen. Die Stadt erwirkte ein gerichtliches Verbot für King, Memphis zu betreten. Die „Southern Christian Leadership Conference“ verhandelte mit den Verantwortlichen, um eine Demonstration am 5. April möglich zu machen. King kehrte in die Stadt zurück. Am 4. April einigten sich die Beteiligten auf einen Protestmarsch am 8. April.

Am Abend des 4. April 1968 wurde Martin Luther King auf dem Balkon des Lorraine Motels erschossen. Die genauen Umstände der Tat sind bis heute ungeklärt. In dem Gebäude befindet sich heute ein Museum für Bürgerrechte. Eine filmische Schilderung des Attentats erfolgte in dem 1993 gedrehten Dokumentarfilm At The River I Stand.

Die Folgen und die langsame Erholung der Stadt

Folgend auf die Ermordung Kings fanden in den nächsten Jahren Aufstände und Straßenkämpfe statt. Der größte Teil des Stadtzentrums brannte in dieser Zeit nieder. Immer mehr Bewohner verließen das eigentliche Stadtgebiet, um sich im Umland neu anzusiedeln.

In den 1970ern war die Innenstadt, wie viele in den USA, in einem Zustand des Verfalls begriffen. Sogar Planungen, die Beale Street abzureißen, waren schon weit fortgeschritten. Erst der öffentliche Aufschrei von Denkmalschützern führte dazu, dass die Stadt 500 Millionen Dollar bereitstellte, um diesen Stadtteil zu sanieren.

1974 wurde Harold Ford Sr. als erster direkt gewählter Schwarzer aus den Südstaaten in den US-Kongress gewählt. Erst nachdem die Wahl schon knapp verloren schien, fanden seine Anhänger acht ungeöffnete Wahlboxen, die vom ausschließlich weißen Wahlkomitee „übersehen“ worden waren und Ford den Sieg sicherten.

Mittlerweile wird die Stadt auch von einem afroamerikanischen Bürgermeister, Dr. Willie W. Herenton, regiert. Seit den 1990ern wurden zahlreiche Anstrengungen unternommen, um die Attraktivität der Stadt zu steigern. Freizeiteinrichtungen wie der Mud-Island-Vergnügungspark, die Memphis Pyramid, das FedEx Forum und ein neues Baseballstadion (AutoZone Park) wurden gebaut. Die Innenstadt bekam eine historisch aussehende, in normalem Takt verkehrende Straßenbahn. Ende der 1990er waren auch die langanhaltenden Versuche erfolgreich, dauerhaft ein Sportteam der großen US-amerikanischen Profiligen zu etablieren.

Politik

Obwohl die Segregation in den USA seit mehreren Jahrzehnten offiziell abgeschafft ist, spielt die Kategorie Rasse immer noch eine wichtige Rolle in der Lokalpolitik. Memphis selbst hat eine leichte Mehrheit schwarzer Bewohner, das umliegende Shelby-County eine leichte Mehrheit weißer Bewohner. Nachdem die Schwarzen in den 1950ern das erste mal versuchten, faktische Macht in der Stadt zu erlangen, bildete sich eine breite weiße Gegenfront, die viele Jahrzehnte relativ erfolgreich versuchte, nur jeweils einen weißen Kandidaten zu nominieren, um ihre Stimmen nicht aufteilen zu müssen.

Die Politik der Schwarzen wird maßgeblich von der Familie Ford bestimmt, die seit 1974 die Abgeordneten im lokalen Wahlkreis des Kongresses (größer als Memphis-Stadt aber kleiner als Memphis plus Shelby County) stellt. 1974 wurden an einem Tag Harold Ford Sr. in das US-Repräsentantenhaus, sein Bruder John in den Senat des Staates Tennessee und sein anderer Bruder Emmitt in das Repräsentantenhaus des selben Staates gewählt. Als Harold Ford Sr. sich schließlich 1996 aus dem US-Kongress verabschiedete, übernahm sein Sohn Harold Ford Jr. das Amt.

John Ford, das Mitglied der Familie im Senat von Tennessee, gilt dabei als besonders schillerndes Exemplar der Familie. Er ist dafür berüchtigt, in Höchstgeschwindigkeit den Highway zwischen Memphis und Tennessees Hauptstadt Nashville zu benutzen und dabei auf seine parlamentarische Immunität zu vertrauen. Er wurde angeklagt, aber freigesprochen, weil er bei einer seiner Fahrten einen Truck-Fahrer erschossen haben soll, der mit seinem Fahrzeug die Fahrbahn versperrte. John Ford wird in vorhersagbarer Regelmäßigkeit in kompromittierenden Situationen mit fremden Frauen aufgefunden, ebenso arbeitet er als (gewählter) Sekretär des Gerichtes, während er gleichzeitig sein Parlamentsamt aufrecht erhält - trotz seiner eindeutigen vorherigen Zusage, dass er aus dem Senat zurücktreten sollte, sollte er an das Gericht gehen.

Schwarze Politiker in der Stadt sind entweder Pro-Ford oder Anti-Ford. Sind sie Anti-Ford brauchen sie normalerweise weiße Unterstützung, um Wahlen zu gewinnen. Die Fords haben ein System des Ford-Wahlschein entwickelt, der regelmäßig am Abend vor Abstimmungen und Wahlen in den schwarzen Wohngegenden der Stadt verteilt wird - auf ihm sind auf einem Muster des gültigen Zettels sämtliche Markierungen so angebracht wie sie von der Familie empfohlen werden. Die genauen Details stehen dabei erst in letzter Minute fest; obwohl die Fords nominell Mitglieder der Demokratischen Partei sind, betreiben sie in erster Linie Familienpolitik und so kann es auch durchaus vorkommen, dass sie republikanische Kandidaten oder Vorschläge unterstützen. Besonders für weiße Politiker kann die Hilfe der Fords unschätzbar sein; sie haben die Möglichkeiten dazu, die weißen Politiker auch in der afroamerikanischen Gemeinschaft bekannt zu machen und sie in den, ebenfalls sehr einflussreichen, schwarzen Kirchen vorzustellen.

Weiße Politik wird ebenfalls bestimmt von verschiedenen Einflussgruppen: Demokraten, die dem Gewerkschaftsflügel der Partei nahe stehen; klassische Republikaner, die noch aus der Zeit stammen, als der Süden eine feste Bastion der Demokraten war; neue Republikaner, die sich der Partei zuwandten, nachdem diese zunehmend konservativer und die Demokraten zunehmend liberaler wurden, und fundamentalistische Christen. Bündnisse zwischen den Lagern sind weitestgehend unvorhersehbar und hängen vor allem von den tagespolitischen Begebenheiten ab.

Memphis wird von einem „schwachen Bürgermeister“ regiert, das heißt die Gemeindevertretung besitzt sowohl die hauptsächlichen legislativen als auch exekutiven Befugnisse. Die Gemeindevertretung setzt sich aus 13 Vertretern zusammen. Sieben davon werden in einem Stadtbezirk mit jeweils einem Vertreter gewählt, sechs stammen aus den zwei Stadtbezirken, die jeweils drei Vertreter bestimmen. Zur Zeit (2004) sind von den 13 Mitglieder des Councils sechs Afroamerikaner.

Willie W. Herenton amtiert mittlerweile in seiner vierten Amtszeit. Der in Memphis geborene Bürgermeister der Stadt studierte ebenfalls dort, erhielt seinen Doktorgrad allerdings in Illinois und war danach zuständig für die öffentlichen Schulen der Stadt. Herenton gilt in der Stadt als Anti-Ford und hat maßgeblich dazu beigetragen, die Spannungen zwischen Schwarzen und Weißen zu vermindern. 1999 konnte er sich in einer seiner Wahlen direkt gegen den ehemaligen Senator Harold Ford Sr. durchsetzen. Seine Amtszeit gilt als allgemein erfolgreich. Unter anderem schaffte er es sowohl 400 neue Polizisten einzustellen und gleichzeitig das Schulbudget um 100 Millionen Dollar zu erhöhen. Memphis investierte 1,3 Milliarden Dollar in die Wiederbelebung der Innenstadt und schuf dabei tausende neuer Jobs; insbesondere entstand ein geschäftlicher Boom bei den ethnischen Minderheiten. Trotzdem gelang es in seiner Amtszeit, den finanziellen Haushalt der Stadt zu sanieren.

Wirtschaft und Verkehr

Die Stadt liegt an den beiden Interstate Highways I-40 und I-55. Der Hauptbahnhof wurde 1914 fertiggestellt. Aufgrund der Anwesenheit von FedEx ist der 1975 fertiggestellte Flughafen Memphis International Airport - gemessen am Frachtvolumen – mit etwa 3,5 Millionen Tonnen Frachtgut jährlich der größte Frachtflughafen der Welt.

Memphis ist Hauptsitz der Firmen FedEx, International Paper und AutoZone (US-Marktführer im Autozubehörhandel). Die Stadt ist das wirtschaftliche Zentrum der landwirtschaftlich prosperierenden Delta-Region und ein wichtiges Handelszentrum für Baumwolle und Soja. Größter Arbeitgeber der Stadt ist FedEx mit 49.000 Angestellten, gefolgt von der US-Regierung und dem Memphis School Board mit jeweils etwa 14.000 Mitarbeitern. 54 % der Einwohner sind in Handel und Service beschäftigt, sogar 85 % im Dienstleistungssektor insgesamt gegenüber 16 % Beschäftigten in der Industrie und im Baugewerbe. Die Arbeitslosenquote lag 1998 ebenso unter dem US-Durchschnitt (3,7 % gegenüber 4,5 %) wie das durchschnittliche Einkommen/Einwohner (22.700 US-Dollar gegenüber 24.400 US-Dollar).

Bildung

Die Stadt beherbergt neun Universitäten und Colleges.

Das St. Jude Children's Research Hospital ist eine der ersten Adressen weltweit für die Forschung von tödlichen Krankheiten an Kindern. Insbesondere macht es sich in diesem Zusammenhang um die Krebsforschung verdient.

Medien

Memphis schrieb Radiogeschichte mit dem Sender WDIA. WDIA war der erste Sender, dessen Programm von Afro-Amerikanern geplant und gestaltet wurden. Auf ihm begannen zum Beispiel Rufus Thomas und B. B. King ihre Karrieren, Elvis Presley, der den Sender als jugendlicher hörte, wurde nach eigener Auskunft stark von ihm beeinflusst.

Kultur

Musik

Memphis ist, vor allem aufgrund seiner Nähe zum Mississippi-Delta ein Zentrum vor allem schwarzer Musik. Die Stadt übte eine fast magische Anziehungskraft auf Blues-Musiker vom Lande aus, vergleichbar mit der von New Orleans. Es bildete sich schon früh eine Club-Kultur aus, die bis heute anhält. 1909 schrieb W.C. Handy den Memphis Blues nieder, der als eines der ersten notierten Blues-Stücke der Welt gilt. (Publikationsdatum: 28. September 1912). Blues war zu dieser Zeit in der Stadt schon derart populär, dass Handy vom Bürgermeisterkandidaten E. C. Crump als Bandleader für dessen Wahlkampagne angestellt wurde. Eine der Ikonen des klassischen Blues, B. B. King besitzt einen Club in der Beale Street, in dem er regelmäßig auftritt. Im Memphis-Blues wurde das erste Mal die Bandaufteilung von zwei Gitarristen, eine Rhythmus-Gitarre und eine Lead-Gitarre gespielt, die auch heute noch die weitestverbreitete in Rock- und gitarrenlastiger Popmusik ist.

Neben New Orleans und Louisville, Kentucky war Memphis eine der ersten Städte in denen sich der Skiffle zu einer eigenständigen Musikform entwickelte.

Neben dem typischen Memphis Blues gilt die Stadt als Ursprungsort des Rock ’n’ Roll. Sun Studios, das wichtigste Zentrum des frühen Rock ’n’ Roll, liegt dort. Elvis Presley gab 1954 sein allererstes Konzert in der Stadt. Nach der Rock'n'Roll-Ära siedelte sich mit Stax Music in Memphis ein Stilprägendes Soul-Label an, dass neben Motown und Atlantic die Soul-Szene der Siebziger dominierte. Der typische Memphis Soul war dabei rauher und schwerer als die nördlichere Variante, besonders der Stax-Sound durch die Bläser von Booker T. & the M.G.'s bestimmt,

Während Hip Hop sich in New York entwickelte, waren Rapper aus Memphis beteiligt, als Südstaaten-Rap US-weit bekannt wurde. Three 6 Mafia brachten mit „Tear Da Club Up '97“ den ersten Crunk-Titel in die Charts, später waren sie die ersten afroamerikanischen Rapper, die einen Oskar für den besten Songtitel gewannen.

Der klassische Memphis Blues beruht dabei auf den starken christlichen Traditionen, die bei den meisten der ehemaligen Sklaven vorherrschten. Rhetorisch ausdrucksvoll bringt er sowohl das Leiden des Blues als auch spirituelle Momente zum Ausdruck. Der Dichter Sterling Brown bringt diese Form beispielsweise in seinem Gedicht Memphis Blues zum Ausdruck:

Watcha gonna do when Memphis on fire,
Memphis on fire, Mistah Preachin' Man?
Gonna pray to Jesus and nebber tire,
Gonna pray to Jesus, loud as I can,
Gonna pray to my Jesus, oh, my Lawd!
(...)
Memphis go
By Flood or Flame;
Nigger won't worry
All de same--
Memphis go
Memphis come back
Ain' no skin
Off de nigger's back.
All dese cities
Ashes, rust....
De win' sing sperrichals
Through deir dus'.

Die enge Verbindung von Blues, Gospel und christlichem Glauben zeigt sich auch an Al Greens Full Gospel Tabernacle – ein sonntäglicher Gottesdienst, bei dem Al Green singt und predigt und dabei von einem eindrucksvollen Gospel-Chor begleitet wird.


Die Iren U2 gehören nicht zur klassischen Generation, die in der Stadt ihr erstes Album aufnahm. Sie nahmen allerdings Teile ihres Albums Rattle and Hum ebenfalls in den Sun Studios als Tribut an die amerikanischen Ursprünge ihrer Musik auf. Außerdem kommt in dem Song Pride (In The Name Of Love) (welches von Martin Luther King handelt) unter anderem die Textzeile Early morning, April four / Shot rings out in the Memphis sky vor.

Die Box Tops erreichten 1967 mit ihrem Song The Letter den ersten Nummer-Eins-Hit in den USA von Musikern aus Memphis, die in der Stadt selbst aufnahmen. Zwischen der Band und dem Produzenten Dan Penn allerdings gab es harte Kontroversen. Der Produzent behielt den größten Teil der Gagen für sich und ließ es kaum zu, dass die Band eigene Stücke spielte. Schließlich warf 1969 der damals achtzehnjährige Sänger Alex Chilton das Handtuch und zog frustriert nach New York.

In Memphis lebten und arbeiteten:

Zwei bekannte Musiker benannten sich gleich nach der Stadt:

Ein vielfach gecovertes Musikstück (u.A. von Chuck Berry und Jerry Lee Lewis) heißt wie die Stadt "Memphis (Tennessee)".

Die Musik ist in der Stadt allgegenwärtig. Neben zahlreichen Straßenmusikern und den Verweisen auf Elvis Presley steht beispielsweise auch Ascent of the Blues eine 12 Meter hohe Doppelspirale aus Klavieren, Gitarren und Banjos des französischen Künstlers Arman im Stadtzentrum.

Die Stadt wurde unter anderem von Bob Dylan in seinem Song Stuck inside Mobile with the Memphis Blues again oder von Marc Cohn in Walking in Memphis besungen. In Das Schweigen der Lämmer gelingt Hannibal Lecter die spektakuläre Flucht aus dem Shelby County Courthouse in Memphis.

Museen

Sehenswürdigkeiten

Regelmäßige Veranstaltungen

Sport

In Memphis spielt seit 2001 ein Team der großen US-amerikanischen Profiligen, die Memphis Grizzlies in der National Basketball Association. Versuche ein Team der National Football League in der Stadt anzusiedeln, sind bereits mehrfach gescheitert. Wichtige Minor-League-Teams sind die Memphis Redbirds im Baseball und die Memphis RiverKings im Eishockey. Daneben spielt in der Stadt mit den Memphis Blues eines der erfolgreichsten amerikanischen Rugby-Teams. Außerdem findet jährlich ein zur ATP-Serie gehörendes Tennis-Turnier statt.

Memphis ist eine Traditionsstätte des Wrestlings. Der bekannteste Wrestler aus Memphis war Jerry „The King“ Lawler, viele andere bekannte Wrestler begannen ihre Karriere in der Stadt. Darunter sind Hulk Hogan, The Undertaker, Stone Cold Steve Austin, The Rock, Mick Foley, Big Daddy V, „Macho Man“ Randy Savage, und Ric Flair. Derzeit beherbergt die Stadt zwei professionelle Veranstalter: Power-Pro Wrestling hält seine Veranstaltungen im Cook Convention Center ab, Memphis Wrestling gastiert im Desoto Civic Center im Vorort Southaven.

Berühmte Söhne und Töchter der Stadt

Bevölkerung

Memphis hatte im Jahr 2000 650.100 Einwohner, die Metropolitan Area ungefähr eine Million. Memphis steht damit in der Liste der größten Städte der USA auf dem achtzehnten Platz und nimmt in der Reihe der größten Metropolitan Area des Landes den vierzigsten Rang ein. Von den Einwohnern der Stadt waren nach ihrer Selbsteinstufung etwa 34% weiß, etwa 61% schwarz und knapp 5% andersfarbig. Der Anteil der Weißen ging dabei stark zurück (1980: 52%; 1990: 44%) während er in den umliegenden Landkreisen anwuchs. Die Entwicklung bei den Schwarzen lautete dementsprechend 1980: 47% und 1990: 54%. Memphis hat mit die niedrigsten Lebenshaltungskosten einer US-Stadt. Trotzdem oder gerade deswegen stuften bei einer repräsentativen Umfrage 1997 ein Drittel der Einwohner ihrer Wohngegend in Bezug auf die Lebensqualität als perfekt ein.

Einwohnerentwicklung

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind gerundet aus den zehnjährlich stattfinden US-amerikanischen Volkszählungen.

Jahr Einwohnerzahlen
1820 390
1830 660
1840 1 800
1850 8 900
1860 23 000
1870 40 200
1880 33 600
1890 64 500
1900 102 000
1910 131 000
Jahr Einwohnerzahlen
1920 162 000
1930 253 000
1940 293 000
1950 396 000
1960 497 000
1970 623 000
1980 646 000
1990 610 000
2000 650 000

Literatur

 Commons: Memphis, Tennessee – Bilder, Videos und Audiodateien