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Freilichtmuseum

Ein Freilichtmuseum (auch Freilandmuseum, Freiluftmuseum oder Museumsdorf) ist eine Institution, die eine Sammlung von Bauten bzw. Gegenstände für die Öffentlichkeit begehbar macht. Ziel eines Freilandmuseums ist es, die Besucher über ein bestimmtes Thema und/oder eine Epoche zu informieren. Vorzugsweise zeigen Freilandmuseen Häuser und Anlagen vergangener Zeiten. Sie bieten so einen Eindruck damaliger Bau- und ggf. Lebensweisen.

Inhaltsverzeichnis

Definition und Geschichte

Volkskundliche Freilichtmuseen

Aufgaben Volkskundlicher Freilichtmuseen

Der häufigste Typ eines Freilichtmuseums ist das volkskundlichen Freilichtmuseums. Volkskundliche (oder ethnologische) Freilichtmuseen sind wissenschaftlich geführte Einrichtungen zum Erhalt, zur Erforschung und Präsentation von Zeugnissen, in der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle des vorindustriellen ländlichen Bauens, Wohnens und Lebens. Auf vorbereitetem Gelände werden in der Regel die historischen Gebäude von ihren Originalstandorten umgesetzt und zu neuen, thematischen Ensembles zusammengefügt. Auswahlkriterien sind neben der Verfügbarkeit das Alter und der Zustand, der Bedeutungsgehalt und die Relevanz der mit dem jeweiligen Gebäude unter musealen Bedingungen zu vermittelnden Inhalte.

Frühe Gründungen

Im Zuge der europaweit im Gefolge der Industrialisierung aufkommenden „Heimatschutzbewegung“ wurden die ersten Bemühungen zur Rettung von Zeugnissen des „Traditionellen“ (= Vorindustriellen) gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Skandinavien unternommen. Vorgänger, wie etwa das von Marie Antoinette in Versailles erbaute "Bauerndorf" (Petit hameau de la Reine) dienten keinen wissenschaftlichen Zielen.

Die Gründung der deutschen Freilichtmuseen

Das Museumsdorf Cloppenburg (Cloppenburg in Niedersachsen), gegründet 1934, gilt als das erste größere „zentrale“ Freilichtmuseum Deutschlands. Das älteste Freilichtmuseum in Süddeutschland ist das 1955 eröffnete Schwäbisches Bauernhofmuseum (Illerbeuren in Bayern). In den 1960er Jahren kam es zu einer Gründungswelle von Freilichtmuseen. Anlagen wie das Rheinische Freilichtmuseum in Kommern oder das mit derzeit über 100 ha Gelände und über 110 Gebäuden größte deutsche Freilichtmuseum, das Westfälische Freilichtmuseum Detmold entstanden. Eine weitere Gründungswelle erfasste ab den 1970er Jahren auch den deutschen Süden. Neben Anlagen wie dem Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim entstanden vor allem kleinere regionale Museen, die im Gegensatz zu „zentralen“ Freilichtmuseen die Gegebenheit und Kontinuität des Ortsbezuges und der regionaltypischen Authentizität (Zusammenhang von Haus- und Landschaftsform) für sich beanspruchen.

Freilichtmuseen außerhalb Deutschlands

Für die benachbarten Länder sind von herausragender Bedeutung das Schweizerische Freilichtmuseum Ballenberg, das Österreichische Freilichtmuseum in Stübing in der Steiermark sowie das Salzburger Freilichtmuseum Großgmain, das Nederlandse Openluchtmuseum Arnhem, das Openluchtmuseum Bookrijk in Belgien oder das Ecomusee d'Alsace (Freilichtmuseum des Elsass) in Ungersheim bei Mulhouse, letzteres ursprünglich mit einem eigenen, weiterführenden konzeptionellen Ansatz, nämlich der Einbeziehung der Umwelt. Das Ecomusee d'Alsace wurde 2006 an einen Betreiber von kommerziellen Freizeitparks verkauft[1].

Eine Besonderheit mancher skandinavischen und insbesondere der dänischen Freilichtmuseen ist, dass sie in den Sommermonaten je nach Museumsgröße mit oft 100 und mehr Personen in sogenannten Trachten, von der Steinzeit bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, "belebt" werden.

Grundsätze der Arbeit von Freilichtmuseen

Die Arbeit der Freilichtmuseen ist in allen Bereichen den Kriterien des internationalen Museumsrates ICOM (Museum) verpflichtet. Am 15. Juni 2007 wurde unter anderem von den Leitern der 10 größten Freilichtmuseen in Deutschland der Arbeitskreises Freilichtmuseen innerhalb des Deutschen Museumsbundes gegründet. Darüber hinaus gibt es auf regionaler wie auch auf nationaler und europäischer Ebene verschiedene Zusammenschlüsse und Kooperationsforen, etwa die „Sieben im Süden“ oder die „Arbeitsgemeinschaft Freilichtmuseen in Deutschlands Mitte“, auf europäischer Ebene den „Verband Europäischer Freilichtmuseen“ oder Exarc. Der Dachverband nordamerikanischer Freilichtmuseen ist die Association for Living History, Farm and Agricultural Museums.

Freilichtmuseen gehören zu den am häufigsten besuchten Museen, die deutschen Freilichtmuseen haben nach den laufenden Erhebungen des Berliner Instituts für Museumskunde jährlich etwa 6 Mio. Besucher.

Städtische Anlagen

Eine Variante der Freilichtmuseen sind Museen, die kein Dorf, sondern eine Stadt darstellen. Die größten und bekanntesten sind Den Gamle By in Århus, Dänemark und das Freilichtmuseum Gamle Bergen in Norwegen. Die Museen liegen in (Århus) oder am Rande (Bergen) der jeweiligen Stadt. Historische Städte im Rahmen eines sonst eher ländlich ausgerichteten Freilichtmuseums gibt es im Freilichtmuseum Hessenpark (städtischer Marktplatz vor dem Museumseingang) und in der Domein Bokrijk (Flandern/Belgien). Bei letzterem wurde nach einem Wechsel in der Museumsleitung der Bau der Alten Stadt eingestellt, da es aus deren Sicht nicht sinnvoll war, städtische Gebäude auf dem platten Land wieder aufzubauen. Zeitweise wurden die Informationen über diesen Museumsteil auch aus den offiziellen Führern (nahezu) getilgt. Auch auf der derzeitigen (2006) Internetseite des Museums finden sich über die Alte Stadt nur wenige Informationen.

Neben den volkskundlichen Freilichtmuseen nennen sich manche Museen mit anderer fachlicher Ausrichtung Freilichtmuseum. Gemeinsam ist ihnen, dass ihre Sammlung nicht nur in einem einzigen Gebäude gezeigt wird.

Montanhistorische Freilichtmuseen

Montanhistorische Freilichtmuseen bestehen aus begehbaren Tagebauen, Stollenpfaden (Wanderwegen von Stollen zu Stollen) und/oder Bergwerksanlagen und Bergwerkssiedlungen. Oft existieren derartige Anlagen in Zusammenhang mit einem Besucherbergwerk. Fließend ist hier der Übergang zum Ecomuseum – wie z. B. dem Ekomuseum Bergslagen

Militärhistorische Freilichtmuseen

Militärhistorische Freilichtmuseen – insbesondere solche zur Geschichte des Gebirgskriegs im Ersten Weltkrieg finden sich in beträchtlicher Zahl in den Dolomiten, den Lienzer Dolomiten, in den Karnischen Alpen, der Adamello-Presanella-Gruppe und dem Monte Pasubio.

Archäologische Freilichtmuseen

Archäologische Freilichtmuseen sind entweder für die Öffentlichkeit zugängliche Grabungsstätten oder lebensgroße Modelle prähistorischer Häuser. Das Spektrum reicht in Europa von altsteinzeitlichen Siedlungen über Bronze- und Eisenzeitdörfern und römischen Villen bis zu mittelalterlichen Siedlungen.

Weiter Typen von Freilichtmuseen

In Mödlareuth gibt es ein Freilichtmuseum mit Resten der deutsch-deutschen Grenze ("litte Berlin"). Freilichtmuseen mit meist moderner Kunst befinden sich in Parks, in denen meist großformatige Plastiken aufgestellt sind. Ein typischer Vertreter ist das Hakone-Open-Air-Museum (Japan).

Lebendige Museen

Waren die ersten Gründungen von volkskundlichen Freilichtmuseen wie beispielsweise das Museumsdorf Cloppenburg in ihrer ursprünglichen Konzeption darauf ausgerichtet, prachtvolle Bauernhäuser in einem Park auszustellen, so steht spätestens seit der Zeit nach dem 2. Weltkrieg auch die Darstellung der Lebensumwelt im Mittelpunkt der musealen Bemühungen und in einer letzten Neugründungen, dem Bergisches Freilichtmuseum Lindlar sind die Gebäude fast nur noch Mittel zum Zweck. Hauptinteresse ist die Darstellung der Landwirtschaft in der Zeit um 1900.

Um dies zu erreichen bevölkern in vielen Freilichtmuseen zumindest während der Saison Tiere, im Idealfall historische Haustierrassen der jeweils dargestellten Region, das Museum. In einigen Museen wie z.B. dem Freilichtmuseum am Kiekeberg wohnen sie in den historischen Ställen. Gärten und Felder geben einen Eindruck von den Nutzpflanzen der dargestellten Region des dargestellten Zeitschnitts. Die Grenzen dieser Darstellung liegen eher bei den Menschen. Dies sind Museumsmitarbeiter, die abends aus ihrem Kostüm schlüpfen. Den versoffenen Tagelöhner wird man also ebenso wenig finden wie den verlausten fahrenden Händler.

Neben dem Bemühen eine Landwirtschaft prinzipiell am Laufen zu halten, steht das Bemühen Techniken aus der Landwirtschaft und dem Handwerk den Besuchern durch Vorführungen zu vermitteln. Einige große Museen haben die - in den letzten Jahren durch Sparmaßnahmen jedoch stark eingeschränkte - Möglichkeit nahezu tägliche Vorführungen durch Museumspersonal anzubieten. Auch kleinere Museen veranstalten Aktionstage zu verschiedenen Themen wie "Bauerntag", "Handwerkertag", "Keltertag", "Kaltblutfest", "Traktorenfest", etc. Die Grenzen derartiger Vorführungen liegen vor allem darin, dass viele Berufe und historische Techniken aus strafrechtlichen, arbeitsrechtlichen, oder umweltrechtlichen Gründen heute so nicht durchführbar sind. Man denke nur an Gerber (giftige Chemikalien), Flößer (Lebensgefahr beim Triften im Wildwasser), Lehrer (Körperverletzung von Schülern), Scharfrichter, etc.

Neben volkskundlichen Freilichtmuseen versuchen auch archäologische Freilichtmuseen die Geschichte des jeweiligen Zeitschnitts lebendig werden zu lassen. Beispielsweise lässt das Freilichtmuseum Ukranenland das Frühmittelalter der Slawen lebendig werden. Analoges gilt für die große Anzahl an Museen zur römischen Zeit, der Wikingerzeit und dem Mittelalter.

Eine Reihe von Freilichtmuseen besitzen eine Eisenbahn (Straßenbahn, Feldbahn, Industriebahn), die meist (nur) an speziellen Fahrtagen in Betrieb genommen wird.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Näheres siehe beim Wikipedia-Artikel zu diesem Museum
 Wiktionary: Freilichtmuseum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
 Commons: Freilichtmuseen – Bilder, Videos und Audiodateien