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Kreis Heinsberg

Der Kreis Heinsberg ist ein Kreis im Westen von Nordrhein-Westfalen im Regierungsbezirk Köln. Er ist der westlichste Kreis Deutschlands; denn in der kreisangehörigen Gemeinde Selfkant liegt der westlichste Punkt Deutschlands.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Der Kreis Heinsberg weist verschiedene Landschaften auf:

Im Norden des Kreises beginnt der Naturpark Maas-Schwalm-Nette, im Westen liegt das Naturschutzgebiet Teverener Heide.

Flüsse

Kreisgliederung

Der Kreis Heinsberg setzt sich aus zehn Gemeinden zusammen. Sieben führen den Titel „Stadt“. Von diesen sieben sind die fünf Städte Erkelenz, Geilenkirchen, Heinsberg (Rhld.), Hückelhoven und Wegberg Mittlere kreisangehörige Städte, da ihre Einwohnerzahlen jeweils zwischen 25.000 und 60.000 liegen.

Die folgende Liste zählt die zehn Gemeinden des Kreises Heinsberg alphabetisch mit amtlichen Namen auf.

Die Einwohnerzahlen – in Klammern – haben den Stand vom 30. Juni 2006.[1]

  1. Erkelenz, Stadt (44.739)
  2. Gangelt, Gemeinde (11.623)
  3. Geilenkirchen, Stadt (28.457)
  4. Heinsberg, Stadt (41.684)
  5. Hückelhoven, Stadt (39.619)
  6. Selfkant, Gemeinde (10.225)
  7. Übach-Palenberg, Stadt (25.280)
  8. Waldfeucht, Gemeinde (9.367)
  9. Wassenberg, Stadt (16.850)
  10. Wegberg, Stadt (29.579)

Der Kreis Heinsberg hat eine Fläche von 628 Quadratkilometern. Die Kreisgrenze hat eine Länge von 171 Kilometern, fast 78 Kilometer davon sind identisch mit der deutsch-niederländischen Grenze. Mit seiner Ausdehnung von 42,8 Kilometern in west-östlicher Richtung und 32,6 Kilometern in nord-südlicher Richtung gehört der Kreis Heinsberg zu den mittelgroßen Flächenkreisen in Nordrhein-Westfalen.

Nachbarkreise bzw. -städte

Der Kreis Heinsberg grenzt im Norden an den Kreis Viersen, im Nordosten an die kreisfreie Stadt Mönchengladbach, im Osten an den Rhein-Kreis Neuss, im Südosten an den Kreis Düren, im Süden an den Kreis Aachen, sowie im Westen an die Niederlande.

Wappen

Seit dem 3. September 1973 führt der Kreis ein Wappen, Siegel und Fahne.

Blasonierung (Beschreibung)

Das Wappen ist geteilt und oben gespalten, besitzt also drei Felder. Im oberen Feld steht vorn in Rot ein zwiegeschwänzter bekrönter, silberner (weißer) Löwe. Im hinteren Feld steht in Gold (Gelb) ein schwarzer Löwe. Im unteren Feld ist ein liegendes rotes Lilienkreuz, in seiner Mitte ist eine fünfblättrige, blaue Flachsblüte.

Herkunft und Bedeutung

Der Gestaltung des Wappens lag die Absicht zugrunde, die Entstehung aus den drei Kreisen Erkelenz, Geilenkirchen und Heinsberg und deren gemeinsame Interessen symbolisch darzustellen.

Geschichte

Der Kreis Heinsberg ist ein altes Siedlungsgebiet. Dies beweisen Bodenfunde aus den verschiedensten Epochen. Ob es nun steinzeitliche Werkzeuge mit einem Alter von bis zu 100.000 Jahren sind, oder der rund 7000 Jahre alte Holzbrunnen, der zu Beginn der 90-er Jahre bei Erkelenz-Kückhoven gefunden wurde. Auch die Römer waren in der Region heimisch, zumal das Gebiet durch Römerstraßen, unter anderem die bedeutende Verbindung Heerlen – Xanten, erschlossen wurde.

Die Christianisierung hinterließ ihre siedlungsgeschichtlichen Spuren, da bereits im 8. Jahrhundert erste Kirchenbauten nachzuweisen sind. Die Motten in Brüggelchen, Karken (2: am Friedhof und an der Wolfhagener Mühle), Arsbeck, Birgelen und Heinsberg, die um die erste Jahrtausendwende als Fliehburgen vor einfallenden Wikingerhorden dienten, sind ebenfalls Zeugnisse früher Siedlungsgeschichte.

Im Mittelalter gab es in der Region kein homogenes Gebiet. Unterschiedlichste Adelshäuser beanspruchten Besitztümer im heutigen Kreisgebiet, das sprachlich und kulturhistorisch dem Maasland zuzuordnen war.

Mit Errichtung des Regierungsbezirks Aachen im Königreich Preußen entstanden 1816 die Kreise Heinsberg/Geilenkirchen und Erkelenz. Während der Kreis Erkelenz 156 Jahre Bestand hatte, wurden die Kreise Geilenkirchen und Heinsberg 1932 zusammengefasst. Im Jahr 1951 wurde dieser Kreis in „Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg“ umbenannt. Maßgebend dafür war die vorübergehende Unterstellung des Selfkantgebietes unter niederländische Verwaltung in den Jahren 1949 bis 1963.

Am 1. Januar 1972 entstand der neue Kreis Heinsberg im Rahmen der kommunalen Neugliederung im Raum Aachen (Aachen-Gesetz) durch Zusammenlegung des Selfkantkreises Geilenkirchen-Heinsberg mit dem Landkreis Erkelenz. Seit dem 1. Januar 1975 - damals wurde die Gemeinde Niederkrüchten in den Kreis Viersen eingegliedert - hat der Kreis Heinsberg seine heutige Gestalt.

Religionen

Im Kreis Heinsberg leben ca. 257.000 Menschen. Rund 167.000 von ihnen gehören der katholischen Kirche an. (Stand 2006)

Politik

Bundestagswahlen

Am 18. September 2005 gewann Leo Dautzenberg (CDU) mit 51,4% der Erststimmen das Direktmandat des Wahlkreises Heinsberg für den Deutschen Bundestag. Die CDU errang 43,2% der Zweitstimmen.

Landrat

Bei der Kommunalwahl am 26. September 2004 konnte sich Stephan Pusch (CDU) mit 56,2% der Stimmen souverän gegen seinen Herausforderer Franz-Josef Fürkötter (SPD), auf den 26,2% entfielen, durchsetzen.

Kreistag

Bei der Wahl zum Kreistag am 26. September 2004 ergab sich folgendes Ergebnis (54 Sitze):

Folglich wird der Kreis Heinsberg mit einer absoluten Mehrheit von der CDU regiert.

Partnerkreise

Europaregion

Der Kreis Heinsberg gehört seit 1978 zur Euregio Maas-Rhein.

Verkehr

Straße

Individualverkehr

Seit dem Ausbau der A 46 Heinsberg - Düsseldorf ("Selfkantstraße") im Jahre 1995 gibt es mehrere Anschlussstellen zu Orten im Kreisgebiet.

Busverkehr

Der Kreis Heinsberg gehört zum Aachener Verkehrsverbund (AVV). Die Versorgung im Busverkehr übernehnmen die kreiseigene WestEnergie und Verkehr GmbH und die Deutsche Bahn AG (RVE). Der Verkehr ist hauptsächlich auf den Transport von Schülern ausgerichtet, deshalb folgt das Busangebot teilweise keinem einheitlichen Takt. Während der Verkehr werktags oftmals schon nach 19 Uhr endet, kommt dieser am Wochenende nahezu ganz zum Erliegen. Um dennoch Verkehrsleistungen in Schwachzeiten anbieten zu können setzt man auf Anruf-Sammel-Taxen, bzw. im westlichen Teil auf den Multibus, einem Bus, der nur auf Anforderung fährt.

Eisenbahn

Strecken

Hauptstrecken 

Den Kreis Heinsberg berührt seit 1852 die Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Bahn. Von ihr zweigt außerhalb des Kreises seit 1879 die Hauptstrecke Mönchengladbach – Wegberg – Roermond - Antwerpen (Eiserner Rhein) der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft ab. Eine Nebenstrecke führt zum Siemens-Bahnprüfzentrum Wildenrath und eine Stichstrecke nach Brüggen.

Nebenstrecken 

Die Preußische Staatsbahn schloss 1890 die heutige Kreisstadt Heinsberg in Lindern (Bahnstrecke Heinsberg–Lindern) an die o.g. Hauptbahn an. Ferner kam 1911 die Querverbindung Dalheim–Hückelhoven–Baal–Linnich-Jülich hinzu. Außerdem zweigen in Ratheim und in Oberbruch Werksbahnen zur Zeche Sophia-Jacoba und zum Chemiepark Oberbruch ab.

Schmalspurbahn 

Im Jahre 1900 eröffneten die Geilenkirchener Kreisbahnen Schmalspurbahnen von der Kreisstadt einerseits nach Alsdorf, andererseits nach Wehr, von wo es 1905 bis Tüddern weiterging. Heute betreibt die IHS auf dem Reststück dieser Bahnlinie einen Touristikverkehr, die Selfkantbahn.

Entwicklung

Blütezeit

Der Grenzbahnhof in Dalheim erreichte einst eine Ausdehnung von über 27 Gleisen und war damit für lange Zeit der größte Bahnhof im Kreis. Der Personenzugverkehr nach Heinsberg erreichte in den 50er Jahren mit 13 Personenzugpaaren am Tag seine Höchstzahl.

Der Güterverkehr zur Zeche Sophia-Jacoba war auf der elektrifizierten Verbindung Baal - Ratheim immer schon eine wichtige Einnahmequelle für die Bahn; so hatte der Bahnhof Ratheim einst 14 Beamte und der Güterverkehr erreichte bis zu 60.000(!) Güterwaggons pro Jahr (z.B. 1987). Es fuhren 4 bis 6 so genannte "Programmzüge" pro Tag (bei Bedarf weitere Güterzüge) und nahezu im Blockabstand betriebsinterne Transporte zwischen dem Zechengelände in Ratheim und der Verarbeitung (Brikettfabrik) in Hückelhoven.

Niedergang

Im Zuge der individuellen Motorisierung mit PKW ging das Fahrgastaufkommen in den Nachkriegsjahren zurück. Mit dem Einsatz von Bahnbussen verlagerte die damalige Bundesbahn den öffentlichen Personenverkehr weg von der Schiene und reduzierte gleichzeitig auch den Betrieb auf den Nebenstrecken auf nur sehr wenige Zugpaare pro Tag und Richtung.

Kritiker sahen das verringerte Angebot als Ursache für den Passagierrückgang und unterstellten, die Bahn habe systematisch versucht, den Betrieb auf den Bahnstrecken unattraktiv zu gestalten und mit dem resultierendem Fahrgastrückgang einen Grund für deren Stilllegungen zu konstruieren.

So endete in den Jahren 1949-1971 schrittweise der Verkehr auf der Selfkantbahn. Bereits seit 1953 verkehrten keine Personenzüge mehr im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Dalheim und Roermond. Am 29. September 1968 wurde der Personenverkehr von Baal nach Jülich eingestellt. Am 27. September 1980 verkehrte der letzte Personenzug von Baal nach Dalheim und einen Tag früher der letzte Personenzug von Heinsberg nach Lindern.

Gegenwart

Die beiden Hauptstrecken stellen wichtige Städteverbindung im Rheinland dar. Während die Dalheimer Strecke die Versorgung der Stadt Wegberg im ÖPNV sichert, ist die den Kreis an seinem südlichsten Zipfel tangierende Hauptstrecke Aachen-M.gladbach eine wichtige Verbindungen der Relation Ruhrgebiet-Aachen-Belgien und sind insbesondere im strukturschwachen Heinsberger Land heute für Berufspendler von großer Bedeutung.

Arbeiten zur Reaktivierung der Heinsberger Strecke

Die Nebenstrecken stellen zudem die Versorgung des Oberbrucher Chemieparks und des in Hückelhoven ansässigen Restbetriebs der Zeche Sophia-Jacoba sicher.

Für den Kreis und die Stadt Wegberg hat der Schienenverkehr aufgrund des Bahnprüfzentrums in Wegberg-Wildenrath außerdem eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung.

Zukunft

Da Heinsberg eine der wenigen Kreisstädte Deutschlands ohne Bahnanschluss für den Personenverkehr ist, gibt es Planungen, dieses durch den Auf- und Ausbau der Heinsberger Bahn bis 2008 wieder zu ändern. Zudem wird langfristig angestrebt, die Verbindung Baal–Ratheim–Wassenberg wieder in Betrieb zu nehmen. Vorgesehen ist auch der Neubau einer Verbindung zwischen Baal und Linnich bzw. zwischen Lindern und Linnich, um Anschluss an die euregiobahn zu erlangen. Für den überregionalen Güterverkehr soll der so genannte Eiserne Rhein wieder genutzt werden.

Mittel- bis langfristig wird man allerdings nicht alle Projekte verwirklichen können, da es Schwierigkeiten in der Finanzierung gibt, deren Ursache die Kürzung der Regionalisierungsmittel durch den Bund sowie die politische Neubewertung durch den seit 2005 amtierenden NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke sind.

Schifffahrt

Die Rur war in früheren Jahrhunderten schiffbar. Sie stellte eine wichtige Verkehrsader für die Region dar und gab den Heinsberger Landen einen Zusammenhalt. Flussaufwärts konnte die Rur z.T. nur mittels Treideln befahren werden. Die Wege entlang der Rur führten ins Jülicher bzw. Limburger Land. [2]

Freizeit und Touristik

Museen

Kreismuseen

Der Kreis unterhält ein Museum und eine Museumsmühle.

Sonstige Museen

Andere Ausflugsziele

Fahrradtouristik

Seit 2006 dient ein an die benachbarten Niederlande und die Nachbarkreise angepasstes Orientierungssystem mit Knotenpunkten der Förderung des Fahrradtourismus. Drei Fernradwege führen durch das Kreisgebiet.

Im Jahre 2006 wurde im Kreis Heinsberg das aus den Niederlanden bekannte "Knooppuntsystem" (Knotenpunktsystem) eingeführt. An diesen rot markierten und durchnummerierten Knotenpunkten befindet sich jeweils eine Orientierungskarte.

Publikationen

Medien

Der lokale Zeitungskmarkt teilt das Kreisgebiet nach wie vor in seine beiden Vorgängerkreisen auf: Während man im südlichem Teil, dem ehemaligen Selfkantkreis Geilenkirchen-Heinsberg eher die "Geilenkirchener Zeitung" und die "Heinsberger Zeitung" (als Lokalausgaben der Aachener Zeitung) sowie die "Heinsberger Nachrichten" (als Lokalausgabe der Aachener Nachrichten) liest, so ist im nördlichen ehemaligen Kreis Erkelenz die Rheinische Post verbreiteter.

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) berichtet aus dem für die Region zuständigen WDR-Lokalstudio Aachen sowohl in der Sendung „Lokalzeit“ des WDR-Fernsehens als auch im Regionalteil seines zweiten Hörfunkprogramms WDR 2 über aktuelle Geschehnisse.

HS-TV Regionalfernsehen für den Kreis Heinsberg mit Sitz in Erkelenz ist ein Unternehmen für Internetfernsehen. Es berichtet in einer 14-tägigen Magazinsendung an über 70 Terminals im gesamten Kreisgebiet sowie tagesaktuell auf seiner Internetpräsenz über regionale Themen. Eine öffentliche Ausstrahlung über den Rundfunk findet nicht statt.

Welle West, der lokale Rundfunksender für den Kreis Heinsberg, hat am 15. Mai 2007 nach 15 Jahren seinen Sendebetrieb eingestellt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen
  2. COENEN, H.: Leinpfad (5.9.2006)
 Commons: Kreis Heinsberg – Bilder, Videos und Audiodateien