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Interferenz (Linguistik)

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Hier geht es fast nur um phonologische Aspekte, es fehlen Konkretisierungen zu morphologischer, lexikalischer, morphosyntaktischer sowie semantischer Interferenz.

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Mit dem Begriff Interferenz bezeichnet man gemeinhin die Übertragung muttersprachlicher Strukturen auf äquivalente Strukturen der Fremdsprache. Das betrifft muttersprachliche Strukturen semantischer, grammatischer (i.e.S. morphosyntaktischer), idiomatischer, phonologischer und gestikulatorischer Art, die bei Sprechern der Fremdsprache als falsch betrachtet werden oder zu Missverständnissen führen können.

Daneben gibt es auch Interferenzfehler bei Menschen, die mehrere Fremdsprachen beherrschen, und zwar dadurch, dass Phänomene einer Fremdsprache auf eine andere übertragen werden. Besonders häufig treten Interferenzen auf, wenn zwei Sprachen eng verwandt sind (z. B. wenn jemand sowohl Spanisch als auch Italienisch beherrscht).

Den störenden Einfluss einer Sprache auf eine andere wird als zwischensprachliche oder interlinguale Interferenz bezeichnet.

Darüber hinaus können Fremdsprachenfehler auf intralinguale Interferenz beruhen, wenn bestimmte fremdsprachliche Strukturen verallgemeinert werden. so beispielsweise wenn in der englischen Sprache die dem Deutschen fremde dunkle (harte) Variante des englische Laterals „l“ verallgemeinert wird und in unzulässiger Weise auch dann gesprochen wird, wenn die weiche, auch im Deutschen vorkommende Variante benutzt werden müsste.

Schließlich gibt es daneben, insbesondere im Zusammenhang mit dem Begriff Denglisch, Fälle, in denen die Artikulations- oder Ausdrucksweise eines Sprechers oder Schreibers in seiner Muttersprache durch fremdsprachliche Muster verändert wird, d.h. bestimmte Erscheinungen der Fremdsprache werden auf das System der Muttersprache übertragen. Dieses Phänomen wird in der Sprachwissenschaft häufig mit dem Begriff der Transferenz definiert. Der Begriff Transferenz wird oft als Synonym für den Begriff Transfer benutzt. Mit Transfer wird in der Sprachwissenschaft neben der mit Transferenz identischen Bedeutung auch der „positive Einfluss der Muttersprache auf die Fremdsprache“, also das Gegenteil von Interferenz definiert.

Positiver Transfer ist das erfolgreiche Resultat der Übertragung muttersprachlicher Strukturen auf die Fremdsprache, während negativer Transfer dessen Gegenteil, also die Interferenz darstellt.


Inhaltsverzeichnis

Probleme der Semantik

Große Probleme beim Verständnis fremder Sprachen bzw. bei der Produktion verständlicher Äußerungen in einer fremden Sprache bereiten vor allem „Falsche Freunde“. Dabei handelt es sich um Wörter, die ähnlich bzw. gleich klingen wie Wörter der Muttersprache, aber eine andere Bedeutung haben. Daraus ergibt sich oft der Irrtum, das Wort bedeute dasselbe wie in der Muttersprache. Eine ähnliche Problematik liegt vor, wenn eine Redewendung wörtlich übersetzt wird und daraufhin das eigentlich Gemeinte in der Zielsprache nicht verstanden wird (Beispiel: Der Redewendung: „Bei dir ist eine Schraube locker.“ entspricht im Englischen: „You got some buttons off.“). Generell entstehen durch uneigentliches, insbesondere metaphorisches Sprechen oder Schreiben oft Verständnisprobleme (z. B. steht „blau“ im Deutschen für „Volltrunkenheit“, während „blue“ „traurig“ bedeutet).

Probleme der Morphologie

In vielen Sprachen gibt es Wörter mit gleichem Stamm, die aber sprachspezifisch verschieden konjugiert und dekliniert werden. Das trifft z. B. auf das Verb „to arrive“ (englisch) bzw. „arriver“ (französisch) zu. Wer viel Englisch spricht und schreibt, dem ist das Suffix „s“ in der 3. Person Singular „in Fleisch und Blut übergegangen“. Fehlformen des Typs „il arrives“ sind vorprogrammiert, wenn die Konzentration des Schreibers nachlässt. Auf ähnliche Weise lässt sich die falsche Form „gearbeited“ erklären: Ein unkonzentrierter Schreiber hat die Endung von „worked“ im Deutschen übernommen. Noch einen anderen Fall stellt die Kennzeichnung des Plurals durch das Suffix „s“ dar: Im Englischen ist die Form, die durch Anhängung des „s“ entsteht, fast immer richtig, im Deutschen eher selten. Dass „die Fischers“ „die Familie Fischer“ bedeutet und nicht „vom Fischfang lebende Menschen“, wissen viele Ausländer nicht; verwirrend wirkt es sich in diesem Zusammenhang aus, dass man in Norddeutschland oft vom Niederdeutschen beeinflusste Formulierungen wie „Jungs und Mädels“ hört, die den Eindruck nahe legen, es sei durchaus erlaubt, das Suffix „s“ zur Kennzeichnung des Plurals zu benutzen.

Phonologische Interferenz

Übertragung des muttersprachlichen Phoneminventars – Ersatz durch ähnlich klingende Laute der Muttersprache

Nichtmuttersprachler erkennt man oft zuerst aufgrund ihrer von der Norm der Fremdsprache abweichenden Aussprache. Speziell anhand der spezifischen Aussprache, zu der deutschsprachige Englischlernende neigen, ergeben sich folgende Problemfelder:

Unterschiede im Phoneminventar führen dazu, dass die fremden Laute der Fremdsprache durch ähnliche Laute der Muttersprache ersetzt werden.

Problematisch wird die Ersetzung fremdsprachiger Laute durch ähnliche Laute der Muttersprache, wenn dabei Phonemgrenzen überschritten werden – wenn also der Ersatzlaut mit einem anderen Laut der Fremdsprache zusammenfällt.

Im Falle deutscher Englischlernender ist das bekannteste Beispiel das so genannte englische „th“, welches in zwei Varianten vorkommt: als stimmloser interdentaler Frikativ und als stimmhafter interdentaler Frikativ.

Da es im Deutschen keine interdentalen Frikative gibt, ersetzen deutsche Muttersprachler die Varianten des englischen „th“ durch die alveolaren Frikative [s] wie in „reißen“ bzw. [z] wie in „singen“. Es wird also sowohl engl. „thing“ als auch engl. „sing“ als „sing“ ([sɪŋ]) realisiert. Wenn hier durch den Kontext keine Klärung gegeben ist, ergeben sich Verständnisschwierigkeiten.

Diese Fälle von interlingualer Interferenz sind vorhersehbar und bilden die Grundlage von Ausspracheübungen bei der Unterrichtung der Fremdsprache.

Interferenz entsteht, weil jeder in der Fremdsprache ungeübte Muttersprachler unbewusst das eigene Phoneminventar als universell annimmt. Er hört nicht den fremden Laut, sondern das, was er auf Grund seiner Muttersprache gewöhnt ist zu hören und er bildet den Laut so, wie er ihn meint aus dem Munde der fremdsprachigen Muttersprachler zu hören.


In einer Matrix lassen sich diese Aussprachefehler wie folgt darstellen:

  [s] wie in reißen [z] wie in Reise [v] wie in Wein [ɛ] wie in Bett
[θ] wie in thing
[s] wie in sing
[ð] wie in this
[z] wie in zebra
[w] wie in whim
[v] wie in vim
[æ] wie in bad
[e] wie in bed

thing und sing, writhe und rise, whim und vim sowie bad und bed klingen also bei dieser falschen Aussprache jeweils gleich.


Laut Bußmann [1] ist im Gegensatz zur morphologischen und syntaktischen Interferenz, die phonologische Interferenz einer Korrektur oder Modifikation meist weniger zugänglich. Muttersprachliche Interferenz ließe sich aber durch eine Bewusstmachung des Lernenden über den Sachverhalt fast vollkommen ausschalten. Hierzu ist allerdings neben dem Überwinden einer sprachpsychologischen Hemmschwelle meist auch die Kenntnis der Bedingungen menschlicher Sprachartikulation notwendig und eine besonders intensive Beschäftigung mit der Fremdsprache. Dies gelingt allerdings meist nur, wenn sich der Fremdsprachige eine gewisse Zeit im Land der Zielsprache aufhält. Wenn sich der Sprecher der Fremdsprache nicht des Phänomens der muttersprachliche Interferenzen bewusst ist oder er diese nicht überwinden kann, verfestigen sich seine Fehler in der Fremdsprache, so dass eine Ausschaltung des muttersprachlichen Einflüsse praktisch unmöglich wird. In der Spracherwerbsforschung wird dieser Zustand als Fossilierung bezeichnet.


Übertragung des Phoneminventars und der Orthographie einer Fremdsprache in die Muttersprache

Der Kontakt mit einer Fremdsprache kann auch dazu führen, dass sich das Sprechen und Schreiben eines Menschen in seiner Muttersprache ändert. Beispiele: Deutschsprachige Jungen namens David und Patrick wollen plötzlich, dass ihr Name „Däivid“ und „Pätrick“ ausgesprochen wird, obwohl es sich nicht um ursprünglich englische Namen handelt, und aus Johannes wird „Johnny“. Solche Anglizismen gelten allerdings nur dann als negative Transfers, also als Interferenz-Phänomene, wenn man sie negativ, also als Fälle von Denglisch (von unangemessener Übernahme der Normen der englischen Sprache) bewertet.

Nicht-Erkennen der Herkunft eines Namens oder eines Wortes

Einen Sonderfall phonetischer Interferenzen stellen Eigennamen und Fremdwörter dar, und zwar insofern, als sie nicht automatisch nach den Regeln der Muttersprache ausgesprochen werden, sondern manchmal auch nach den Regeln einer anderen als der „richtigen“ Fremdsprache. Es gibt z. B. Menschen, die nicht wissen, dass „Roger Cicero“ seinen Vornamen französisch ausgesprochen haben möchte, weil im Deutschen häufig das aus der Raumfahrt stammende amerikanische „Roger“ (für: „verstanden“) zu hören ist. In dieselbe Kategorie gehören Namen wie „Albert Camus“: Wer von dem französischen Autor noch nie etwas gehört hat, könnte den Namen auch deutsch oder englisch aussprechen. Viele wissen auch nicht, dass der Arzt, nach dem das „Kaposi-Sarkom“ benannt ist, aus Ungarn stammt und folglich, unabhängig davon, wie man das „a“ und das „o“ in seinem Namen ausspricht, das „s“ als „sch“ ausgesprochen werden muss. Auch kommt es vor, dass Menschen „krei-eren“ vorlesen (so ein Wort könnte es theoretisch geben), weil sie nicht auf Anhieb verstehen, dass „kre-ieren“ gemeint ist. Unterstützt werden solche Fehlleistungen durch suggestive Silbentrennungen (wie „kreie-ren“).

Literatur

Bernstein, W. (1979). Wie kommt die muttersprachliche Interferenz beim Erlernen des fremdsprachlichen Wortschatz zum Ausdruck? In: Linguistik und Didaktik 38, 142–147.

Földes, Cs. (2005). Kontaktdeutsch. Zur Theorie eines Varietätentyps unter transkulturellen Bedingungen von Mehrsprachigkeit. Tübingen: Gunter Narr Verlag 2005; siehe: http://www.vein.hu/german/kontaktdeutsch.htm

Einzelnachweise

  1. "Lexikon der Sprachwissenschaft