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Wagrier

Die Wagrier (Waigri, Waari) waren ein während des Mittelalters in Wagrien ansässiger westslawischer Volksstamm.

Die Wagrier waren der nordwestliche Teil des slawischen Stammesverbandes der Abodriten. Ihr Siedlungsraum, in dem sie sich im 7. Jahrhundert niedergelassen hatten, umfasste die zwischen Trave und Kieler Förde gelegenen Teile des östlichen Holstein. Hauptburg der Wagrier war der Seehandelsplatz Starigard/Oldenburg. Hier befand sich der Sitz des Teilstammfürsten und der Kultort.

Die Wagrier wurden von Otto I. im frühen 10. Jahrhundert unterworfen und zum Christentum bekehrt, behielten jedoch einheimische Fürsten. In Aldenburg, der Insel Fehmarn gegenüber, wurde um 968 ein Bistum innerhalb der Billungermark gegründet, das allerdings in den slawischen Aufständen von 983 und 990 bereits wieder unterging und nach einem neuerlichen Intermezzo 1066 erneut, diesmal für fast ein Jahrhundert, unterging. Nachdem in dem großen Slawenaufstand 983 die deutsche Oberherrschaft abgeschüttelt worden war, konnten die Wagrier unter ihrem Fürsten Kruto, einem Vertreter des heidnischen Teils des Adels, von 1066 bis ca. 1090 sogar für einige Zeit die Führung im Gesamtverband der Obodriten übernehmen. Die Wagrier waren im westlichen Ostseeraum gefürchtete Piraten, die nach Wikingerart vor allem die dänischen Inseln drangsalierten.

1138/39 wurde das Gebiet der Wagrier von den nordelbischen Sachsen verheert und unterworfen. Herzog Heinrich der Löwe gab Wagrien als Lehen an den Grafen Adolf II. von Holstein, der ab 1143 mit der Ansiedlung deutscher Siedler in den mittleren und südlichen Teilen Wagriens begann. Die nördlichen Räume um Oldenburg und Lütjenburg blieben zunächst rein wagrisch besiedelt. Die Nachkommen der Wagrier gingen in den folgenden Jahrhunderten in der zugewanderten deutschen Mehrheitsbevölkerung auf und übernahmen deren Sprache.

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